Nähbloggerinnentreffen Köln 2015

Am Wochenende war ich, wie viele viele andere Nähbloggerinnen, in Köln. Und es war, wie zu erwarten war, sehr sehr toll!!! Ich war Freitags morgens noch unsicher, ob ich zur inoffiziellen Vorparty am Freitag abend gehen mag, weil ich mal wieder Kopfschmerzen hatte. Aber wie schon andere bemerkt haben: Nähnerdflausch hat heilende Kräfte.

Am Freitag also in kleiner Runde nett gegessen und viel gequatscht. Irgendwann drangen die Nachrichten aus Paris zu uns. Die Bruchstücke waren aber zu unvollständig, als dass es uns nachhaltig erschüttert hätte zu dem Zeitpunkt. Das ganze Ausmaß wurde mir erst auf der Heimfahrt in der S-Bahn bewusst. Deshalb war zu Hause auch erstmal noch nicht an Schlaf zu denken. Viel zu viele Gedanken, Angst und Befürchtungen. Die realste Bedrohung kommt für mich nach wie vor aus der rechten nationalistischen Ecke. In Verbindung mit Massenüberwachung, die jetzt sicher wieder ein Stückchen mehr Fürsprecherinnen bekommen wird, halte ich das für eine sehr reale Bedrohung unserer Freiheit. Viel mehr als diese schlimmen, tragischen, ekelhaften islamistisch motivierten Terroranschläge. Ich hoffe sehr, dass das einer großen Mehrheit der Bürger in Europa bewusst ist.

Am Samstag morgen traf ich dann Lotti am Bahnhof und wir gingen gemeinsam zur Lesung von Meike in der Kölner Stoff und Stil Filliale. Dort trafen wir auch noch Marja Katz. Es waren nur noch ein paar wenige andere Zuhörerinnen da, was ich irgendwie schade fand, weil ich ja finde, dass Meike sehr viel schlaues zu Körpernormen und Selbstermächtigung zu sagen hat. Aber das anwesende Publikum konnte das auch nur zum Teil antizipieren, hatte ich den Eindruck. Und wir drei mussten dann auch recht früh wieder weg, da wir ja auch nicht unpünktlich am Treffpunkt für das eigentliche Bloggerinnentreffen-Programm sein wollten.

Los ging es vom Hauptbahnhof aus mit einer kleinen nähbezogenen Stadtführung, die Bele für uns vorbereitet hatte. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die interessanten Einblicke in diese Stadt, die ich im Alltag so noch nie wahrgenommen habe.

Beim anschließenden Besuch mehrerer Nähnerd-Konsumtempel war ich sehr sehr konsequent und habe wirklich nichts, keinen einzigen cm Stoff, Kurzwaren oder Nähgedgets gekauft. Ich merke schon seit Monaten, dass mein gigantischer Stoffvorrat und die Stoffe, die da zum Teil seit 2 1/2 Jahren und länger ihr Dasein fristen, mich sehr sehr stark hemmt, neue Stoffe zu kaufen. Ich kann im wesentlichen jedes Projekt, was mir in den Sinn kommt, ohne Einkauf sofort beginnen. Hin und wieder fehlen vielleicht mal Kurzwaren, hauptsächlich Knöpfe, aber Stoff, Reißverschlüsse, Futter,… ist alles ausreichend vorhanden. Als dann so gegen 14 Uhr auch deutlich Hunger einsetzte war ich sehr froh, mit Lotti, 700sachen und Marja in einem Bistro eine Kleinigkeit zu Mittag zu essen und ganz viel zu quatschen. Wir machten dann noch einen klitzekleinen Abstecher zu Stoff und Stil. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dort nich doch 3 m Seidenorganza gekauft zu haben, weil mir die, die ich vor ein paar Wochen als Einlage für das nach wie vor nur in meinem Kopf existente beerenfarbene Bar Jacket im Internet kaufte, doch ein wenig zu weich vorkommt.

Um 16 Uhr ging es dann in einer kleinen Gruppe weiter zu Plissee Becker. Ich schwärme ja schon seit Jahren von diesem Laden mit den unfreundlichen Öffnungszeiten. Kein Laden in Köln hat eine größere und vor allem kompetentere Knopfauswahl. Und hätte ich diesen Laden schon vor 2010 gekannt, hätte meine Mama zu unserem rauschenden Fest auch ihr Traumkleid ohne Kompromisse tragen können. Dort wird nämlich noch plissiert. Eine Kulturtechnik, die nahezu ausgestorben ist. Und wir hatten die Möglichkeit, mal hinter die Kulissen zu schauen und uns erklären zu lassen, wie das überhaupt funktioniert. Der Stoff wird zwischen 2 Pappformen Falte für Falte gelegt, aufgerollt und dann in einen Überdruckofen bei 80°C in einer Wasserdampfatmosphäre (wobei sich Überdruck, 80°C und Wasserdampf für mich nach wie vor komisch anhören) fixiert. Außerdem kann man bei Plissee Becker Knöpfe und Gürtelschnallen beziehen lassen, und Löcher in Kleidungsstücken kunststopfen lassen. Dabei wird Material aus den Nahtzugaben genommen und das Loch nahezu unsichtbar geflickt. Teure Cashmerepullis muss man also nicht zwangsläufig abschreiben, wenn diese den Motten zum Opfer fielen. Eigentlich wollte ich dort dann auch noch Knöpfe für das nur in meinem Kopf existente Bar Jacket kaufen, hatte aber leider die Stoffprobe vergessen. Nur anhand eines Fotos, was der Liebste netterweise draußen bei Tageslicht inklusive Weißabgleich machte, wollte Herr Teichmann mir leider keine Knöpfe verkaufen. Das war ihm einfach zu unsicher. Und wären da nicht die bereits erwähnten echt ungünstigen Öffnungszeiten, würde ich sagen, dem Mann ist Kundenzufriedenheit echt wichtig. Nunja, so werde ich also ganz bald nochmal in die Benesisstraße müssen. Einen sehr guten Eindruck von dem Laden und wie man plissiert bekommt man in diesem Video.

Danach verführte ich 700sachen und Muriel noch dazu, mich nach Hause zu begleiten, um mein Auto zu holen. So hatten wir Gelegenheit in der Bahn und im Auto ein wenig zu quatschen.

Das Abendessen im Palanta war toll. So viele verschiedene Frauen, mit einigen davon habe ich mich unterhalten, mit vielen leider nicht. Aber für mich war es wichtiger, mit ein paar wenigen intensive Gespräche zu führen als mit allen nur 5 Sätze zu wechseln. Dadurch habe ich sicher interessante Begegnungen verpasst, aber einen Tod muss man sterben, wie meine Stiefschwiegermutter immer so schön sagt.

Sehr schön fand ich, dass ich noch ein bisschen Exklusivzeit mit Ella haben durfte, da sie ganz spontan dabei war und ich ebenso spontan unser Gästebett im Nähzimmer zur Verfügung stellte.

Am nächsten Morgen nach einem kurzen Frühstück machten wir uns dann wieder auf nach Köln um uns die Ausstellung „LOOK Modedesign von A-Z“ im Museum für angewandte Kunst anzuschauen. Vielen Dank an Bele, die uns hier hinter die Kulissen der Museumsarbeit blicken ließ. Sehr spannend zu sehen, worin die technischen Herausforderungen einer Modeausstellung liegen. Ebenso Danke an Patricia Brattig, die uns die Ausstellung vom kunsthostrischen Gesichtspunkt näherbrachte. Ich kann wirklich nur empfehlen, diese Ausstellung mit Führung zu besuchen, da die Schilder an den einzelnen Ausstellungsstücken bei weitem nicht das erzählen, was es über die einzelnen Stücke zu erzählen gibt. Da es sich bei fast allen Teilen um Schenkungen von wirklich getragenen Kleidungsstücken handelt, sind diese Geschichten sehr spannend! Abschließend gab es noch einen Tee und ein Stück Kuchen im Museumscafe und dann musste ich echt zur Bahn rennen, weil die kleinen Menschen mich doch etwas vermissten (und ich sie auch).

Danke an Dreikah, Alle Wünsche für die tolle Organisation, und an Marja Katz, Luzie, Machenstattkaufen, Bele und Overluck für die Unterstützung der Orga. Es war ein sehr bereicherndes Wochenende und auf jeden Fall ein sehr würdiges „Wir lassen uns in unserem täglichen Tun nicht von irgendwelchen Irren einschränken“, was an diesem Wochenende ja leider leider die Leichtigkeit ein wenig überschattete.

Bei Karin gibt es eine Linksammlung mit weiteren Beiträgen, da gibt es auch Fotos. Ich war leider zu sehr mit den Menschen beschäftigt um Fotos zu machen…

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Ich gestehe: Ich war beim Casting

Meike fragte in ihrem Bericht über das casting für „Geschickt eingefädelt – wer näht am besten„, wer denn eigentlich noch am casting teilgenommen habe. Kitty Koma hat schon über ihre casting Erfahrung berichtet, dann werde ich das auch mal tun.

Als ich das britische Original sah, war mir klar, dass ich das Format an sich sehr sehr toll finde, aber selbst wohl bei jeder einzelnen Aufgabe mit Pauken und Trompeten scheitern würde, einfach weil ich sehr langsam nähe. Und bei den Alteration challenges wusste ich, dass ich mir unter Druck sicher nicht solche abgefahrenen Veränderungen ausdenken könnte. Als dann im Sommer 2014 der Aufruf einer Produktionsfirma  für einen deutschsprachigen Ableger der show in einigen blogs und Selbermachplattformen auftaucht hab ich mich nach kurzem zögern doch beworben. Sehr genau wissend, dass ich nicht 3 Wochen meines Jahresurlaubs für die Dreharbeiten opfern würde. Aber so ein casting mit zu machen stellte ich mir spannend vor. Und ich wollte auch mal schauen, wie weit ich aus meiner Komfortzone so rauskommen mag (spoiler: gar nicht). Also Bilder vom blog zusammen gesucht, noch ein paar neue Bilder gemacht und Bewerbung abgeschickt. Recht bald gabs dann ein Telefoninterview, was sehr angenehm war, dabei fühlte ich mich viel wohler als erwartet. Der Termin fürs casting stand noch nicht ganz fest und die möglichen Termine rückten immer nähern und die Produktionsfirma hatte sich noch immer nicht gemeldet. Irgendwann gabs dann mal eine mail, dass sich der Drehtermin deutlich nach hintern verschoben habe und man auch nochmal einen Aufruf zur Bewerbung gestartet habe.
An einem Samstag im November machte ich mich dann früh morgens mit meiner Nähmaschine im Gepäck auf nach Köln zum casting. Das Jacket für den Kniebundhosenanzug hatte ich in der Nacht vorher fertig genäht.
Im ersten Teil mussten wir einen Tulpenrock  nach Schnittmuster aus Fahnentuch nähen. Dabei sollten wir einen Reißverschluss in Kontrastfarbe und auch Nähgarn in Kontrastfarbe zum ausgewählten Stoff nehmen. Das machte eine Mitbewerberin schier verrückt, weil man das doch so nicht macht. Interessant, wie unterschiedlich sich Stress äußern kann. Das Nähen an sich war kein Problem, der rock war recht simpel, ungefüttert und musste auch nicht versäubert werden. Nur beim Reißverschluss hab ich gemurkst, weil ich im Eifer des Gefechts die Methoden für normale und nahtverdeckte RV zusammenschmiss und es dann unter großem Zeitdruck irgendwie hinwurschtelte…
Danach kamen dann die verschiedenen Präsentationsaufgaben und das war dann der Teil, wo ich so richtig abgeloost hab. Ich mag Posen für die Fotokamera schon nicht. Rumhampeln vor ner Filmkamera ist noch viel ätzender. In der Pause traf ich dann Ella Mara, deren Blog ich schon seit gefühlt Jahren lese. Und sie war in Echt mindestenst so sympathisch wie auf ihrem Blog.  Am Ende stand noch ein Interview mit einem der Producer und ich fand den Typ derart unsympathisch, dass ich entsprechend genervt auf seine Fragen antwortete. Zumal ich auch nicht in der Lage war, mich an die einfachsten Regeln zu halten. Er stellte eine Frage, und man sollte in der Antwort immer zuerst die Frage wiederholen. Also ungefähr so: „Warum findest du nähen toll?“ „Ich finde nähen toll, weil ich mir dann Kleidung herstellen kann, die zu mir passt“. Ich hab aber *immer* einfach nur gesagt „Weil ich mir dann Kleidung herstellen kann die zu mir passt“. Das klingt ernsthaft viel leichter als es ist. Und wenn man eh schon keinen Bock mehr hat, strengt man sich halt auch nicht mehr an. Also ich jedenfalls 😊
Der Gipfel jedenfalls war, als der Producer versucht, vor laufender Kamera den Namen meiner Arbeitgeberin aus mir rauszukitzeln. Ich hatte zwar in den beiläufig hingeworfenen Casting Verträgen rausgestrichen, dass die Filmaufnahmen an Dritte verkauft werden dürfen (Stichwort Stockvideo, ähnlich wie Kitty will ich mich nicht irgendwann in einem Werbevideo für was auch immer wiederfinden). Aber trotzdem fand ich die direkte Frage nach der Arbeitgeberin, nachdem ich mich in den vorigen Antworten sichtlich rumgewunden hatte, total daneben. Auch wenn mich interessiert hätte, ob sie mir für die 3 Wochen Dreharbeiten meinen Gehaltsausfall inkl Rentenversicherungsbeiträgen gezahlt hätten (ich vermute: nein), war es keine Enttäuschung, dass es zu diesen Verhandlungen nicht mehr kam. Teilgenommen hätte ich so oder so nicht. Die endgültige Absage kam allerdings erst kurz vor Beginn der Dreharbeiten.

Umso mehr freue ich mich auf 6 gemütliche Folgen #nähTV mit Meike, Ella und 6 weiteren spannenden Kandidatinnen immer Dienstags auf Vox. Auch wenn ich Guido Maria Kretschmer in seinen bisherigen Formaten immer unerträglich fand. Ich hoffe inständig, dass er weniger lästert als bei Shopping Queen und der Spirit des BBC-Originals erhalten blieb.

Achja, ich habe mir übrigens vorgenommen, nicht über die Kandidatinnen zu lästern. Das sind alles Menschen, die einfach ihr Bestes gegeben haben und im Zweifel nichts dafür können, dass die Produktionsfirma Momentaufnahmen so zusammengeschnitten hat, dass da ein ganz bestimmter Eindruck erweckt wird. Das Skript haben nicht die Teilnehmerinnen geschrieben.