Bewerbungsfrust

Jaja, da behaupte ich noch, dass es ja voll easy ist mit so einem Säugling und dann schreibe ich über 4 Monate nichts hier. Liegt aber vor allem daran, dass sich meine spannenden Erlebnisse zur Zeit zum Großteil darauf beschränken, was der kleine Mensch so den lieben langen Tag treibt und da ich nicht so ein Sendungsbewusstsein bezüglich der Wickelfront habe wie so mancher Mann, halte ich es für nicht sehr unterhaltsam, darüber zu schreiben. Es ist tatsächlich so, dass ich durchaus Zeit habe, mich anderen Dingen als dem kleinen Menschen zu beschäftigen, vor allem, da sich der Liebste wirklich sehr engagiert, aber ich habe natürlich wenig Möglichkeiten, mal für ein Wochenende in den Bergen wandern zu gehen um hier davon zu berichten.

Dann wäre da noch die Bewerbunsgfront, an der tut sich aber nicht viel. Dank der Wirtschaftskrise stellen die Unternehmen gerade aus Prinzip nicht ein und die wenigen Stellenausschreibungen, die es gibt, suchen Ingenieure mit Berufserfahrung in der Produktion. Bisher konnte ich mich bei den Absagen noch damit trösten, dass ich wahrscheinlich überqualifiziert bin für den ausgeschriebenen Job, aber trotzdem beschleicht mich von Zeit zu Zeit der Verdacht, dass es auch daran liegen könnte, dass ich nicht nur im gebährfähigen Alter bin sondern zu allem Überfluss auch schon ein Kind habe. Und bekanntlich müssen sich Mütter ja permanent um die kranken Kinder kümmern und fehlen deshalb ständig und überhaupt sind die nicht so leistungsbereit wie Männer, schließlich müssen Frauen ja Familie und Beruf vereinbaren, was ein Mann ja nicht muss…
In Diskussionen mit Freunden, denen gegenüber ich meine Ängste schildere, aufgrund meiner Mutterschaft nun ziemlich schlechte Karten auf dem Jobmarkt zu haben (noch dazu in so einem konservativen und männlich geprägten Berufsfeld wie den Ingenieuren), kommen wir immer wieder zu dem Schluss, dass es sich die Unternehmen heutzutagen nicht mehr leisten können, eine so gut qualifizierte Frau nicht einzustellen, und dass es doch eigentlich von Vorteil für die Unternehmen sein sollte, jemanden einzustellen, die ein halbes Jahr nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten will, schließlich spart sich das Unternehmen einmal Mutterschutz und Elternzeit und hat eine gewisse Sicherheit, dass beim vielleicht 2. Kind die Arbeitnehmerin auch nur 6-8 Monate aussteigt. Doof nur, dass Personalentscheidungen selten total rational getroffen werden und ausserdem doof, dass ein männlicher Bewerber nach wie vor das deutlich geringere Risiko birgt wegen Elternschaft überhaupt auszufallen.

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