Meine Nähmaschine (Bernina 560)

Marja Katz fragte kürzlich, was die Pro und Cons der eigenen Nähmschine sei, weil sie sich mit dem Gedanken trägt, sich eine neue Nähmaschine zu kaufen. Und so entstand die Idee einer Sammlung verschiedener Nähmaschinenmodelle. Dafür hat sie einen Fragebogen entwickelt und ein Linktool eingerichtet. Hier also mein Bericht über die Bernina 560.

Anschaffung und Folgekosten

  • Welches Modell hast Du, welchen Preis hatte Deine Nähmaschine und wann hast Du sie gekauft? Bernina 560 inklusive Stickmodul für 3000€, gekauft im Spätsommer 2014
  • Findest Du das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen?
    Ich finde sie  auf der teuren Seite. Man zahlt da auf jeden Fall den Namen mit.
  • Welche Eigenschaften waren für Dich ausschlaggebend für die Kaufentscheidung? Verstellbarer Füßchendruck, Unterfadenwächter, integrierte Stickfunktion
  • Wieviel Zubehör wird mitgeliefert und wie teuer ist ein eventuelles Nachrüsten von Zubehör, z.B. Nähfüßchen?
    • Mitgeliefert: Anschiebetisch, Kniehebel, Transporttasche, Kantenlineal, Overlockfuß #2A Automatischer Knopflochfuß #3A, Reißverschlussfuß #4, Blindstichfuß #5, Applikationsfuß #20C, Zubehörschränkchen, 4 Spulen, 5 Nadeln, Höhenausgleichsplättchen, Nahttrenner, Schraubendreher, Winkelschraubendreher, Pinsel, Öl, 2 Schaumstoffteller, 3 Fadenablaufscheiben
    • Nachrüsten: Die Nähfüßchen kosten zwischen 25 € und 172 €. Universalfüßchen passen nicht, man muss auf jeden Fall die Füßchen von Bernina kaufen. Will man den Bernina Stich Regulator, welcher beim Freihandquilten immer exakt die gleiche Stichlänge näht, egal wie unregelmäßig man den Stoff bewegt, muss man für dieses Ding 460 € hinblättern. Wer gerne und viel quiltet und für die ein regelmäßiges Stichbild dabei wichtig ist, für die mag der BSR *das* Killerzubehör schlechthin sein, da es vergleichbares von anderen Herstellern meines Wissens nicht gibt.
  • Wieviel Zubehör gibt es insgesamt für Deine Nähmaschine, welches davon hast Du und welches davon nutzt Du am meisten? Welches möchtest Du unbedingt noch anschaffen?
    • Ich vermute, es gibt so um die 70 Nähfüßchen von Bernina, die meisten davon sind mit meiner Maschine nutzbar. Ich habe mittlerweile eine erkleckliche Sammlung an Nähfüßchen, am meisten nutze ich neben dem normalen Fuß den Applizierfuß, den Fuß für den nahtverdeckten Reißverschluss, den Knopflochfuß, Blindstichfuß, Bandeinfasser und (es ist mir ein wenig peinlich, aber er ist soooo praktisch) den Knopfannähfuß.
  • War Deine Nähmaschine schon einmal kaputt? Kannst Du eine Aussage darüber machen, ob die Reparatur- oder Wartungskosten hoch sind (z.B. aufgrund aufwendiger Elektronik)? Sie ist aktuell in Reparatur, weil das Netzteil nach 30 Minuten in einem unerträglich hochfrequenten Ton fiepte. Wird aber vermutlich auf Garantie laufen, von daher kann ich zu Reparaturkosten (noch) nix sagen
  • Wo würdest Du Dein Modell einordnen (Holzklasse, Mittelklasse, Luxusklasse) und für wen würdest Du es empfehlen (Anfänger, Fortgeschrittene, Profi)
    Mittelklasse (ja, trotz des hohen Preises. Es gibt von Bernina noch die 7er und 8er Serie, die sind nochmal eine ganz andere Liga). Empfehlenswert ist sie, vor allem, weil es eine hohe Investition ist, wohl eher für Fortgeschrittene, die wissen, dass sie dieses Hobby intensiver ausüben (möchten). Anfängerinnen kommen damit natürlich auch gut klar, vor allem gibt es einen sogenannten Nähberater. Dort wählt man Gewebeart und Stoffqualität aus und die Fadenspannung, Nähfußdruck und Nutzstich werden vorausgewählt. So hat auch eine Anfängerin einen Anhaltspunkt, an welchen Schräubchen man drehen muss, je nach Stoff.
  • Auf einer Skala von 1 bis 5 – wieviel Sterne würdest Du Deiner Nähmaschine geben und warum?
    5 Sterne. Sie hat ein schönes Stichbild (okay, die Pfaff 230 meiner Oma hat ein noch schöneres Stichbild), näht zuverlässig auch durch viele Lagen Stoff, der Unterfadenwächter hat mich schon vor vielen Metern sinnloser Naht bewahrt.

Praktikabilität

  • Wie groß und wie schwer ist Deine Nähmaschine?
  • Kommt Deine Nähmaschine für einen Auf- und Abbau bei flexiblen Arbeitsplätzen in Frage oder ist sie eher für feste Arbeitsplätze geeignet? Auch wenn sie kein Fliegengewicht ist, kann man sie einfach rumtragen und woanders aufstellen.
  • Wie aufwendig ist Abbau/Verpackung/Transport für gemeinsame Nähkränzchen?
    Ich finde ja die Transporttasche extrem praktisch. Da hat alles seinen Platz und ist kompakt verpackt. Man muss nur aufpassen, dass man sowohl den Fußanlasser als auch das Stromkabel einpackt. Beim Stromkabel findet sich im Fall aber evtl auch ein Kabel vom Ghettoblaster oder ähnliches, da es ein Standard-Doppelbuchsenstecker ist.
  • Lässt sich die Nähmaschine gut reinigen oder kommst Du an einige Stellen gar nicht heran? Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendwo hätte sauber machen wollen/müssen, wo ich nicht rankam. Es ist ein Pinsel dabei, mit dem kriege ich den Staub schön aus den Ecken gepuzt.
  • Wie ist die Helligkeit der Beleuchtung? Da ich hauptsächlich abends nähe, ist die Beleuchtung für mich sehr wichtig. Das LED-Licht im Nadelbereich ist ausreichend, aber ich brauche drumherum noch ein bisschen mehr Licht.
  • Wie laut ist die Maschine?
    Kommt auf den Wartungszustand an 😉 Aber wenn man schnell näht, dann hört man die schon ordentlich. Im Vergleich zur Overlock ist sie natürlich sehr leise.
  • Ist die Maschine intuitiv bedienbar?
    Eher nein. Viele Features findet man tatsächlich nur mit Bedienungsanleitung. Es gibt sicher auch Menschen, die wild auf dem Display rumspielen, alles mal anklicken und ausprobieren. Einfädeln und losnähen funktioniert tatsächlich wie bei jeder anderen Nähmaschine, die ich bisher benutzte, gleich.
  • Ist die Bedienungsanleitung ausführlich genug? Die Anleitung für die Nähmaschine ist 14 Seiten lang und man braucht sie auch. Ich finde sie aber trotzdem sehr technisch geschrieben und teilweise eher knapp. Wenn man weiß, was man will, ist die Bedienungsanleitung gut. Aber um das ganze Potential der Maschine erfassen zu können, finde ich sie etwas nüchtern.
  • Kann man die Nähmaschine auch ohne Pedal bedienen?
    Ja. Nutze ich aber eigentlich nicht. Also beim Nähen. Beim Sticken natürlich schon. Was ich nutze ist die Geschwindigkeitsregelung. Bei frickeligen Stellen stelle ich diese auf langsam, so dass ich nicht durch eine ungeschickte Fußbewegung plötzlich viel zu schnell losnähe.

Näheigenschaften

  • Welche Nähmaschine(n) hattest Du bisher? Wie schätzt Du Deine Maschine im Vergleich dazu ein? Mamas Pfaff 209, eine billige Singer Supermarkt-Nähmaschine, Bernina 330. Dagegen ist meine jetzige auf jeden Fall um Klassen besser. Mama sagte immer, dass man mit ihrer Pfaff keine dehnbaren Stoffe nähen könne. Mittlerweile glaube ich das nicht mehr so recht, aber ausprobiert habe ich es nie. Die billige Singer hat mir recht viel Kopfzerbrechen bereitet, aber nachdem ich gesehen habe, was andere mit dieser Maschine für Ergebnisse erzielen, glaube ich, dass es wohl eher am billigen Garn und an mir lag, dass sie so zickig war. Wobei das Stichbild schon eher unsauber ist. Die Bernina 330 ist eine solide elektronisch gesteuerte Maschine, die ich durchaus empfehlen kann. Die Bernina 560, um die es ja hier geht, hat aber einfach so viele nette kleine Zusatzfunktionen wie den Unterfadenwächter, den einstellbaren Füßchendruck, die integrierte Stickfunktion
  • Wie oft nähst Du? Was nähst Du hauptsächlich und findest Du Deine Nähmaschine dafür ungenügend, perfekt ausreichend oder etwas oversized? Ich nähe mehrmals die Woche am Abend 2 und mehr Stunden. Hauptsächlich nähe ich Kleidung, sowohl Businesskleidung für mich als auch Freizeitkleidung für mich und den Rest der Familie. Ich verarbeit also sowohl feine Webstoffe als auch Jersey mit der Maschine. Bis auf den fehlenden einstellbaren Füßchendruck war schon die Bernina 330 vollkommen ausreichend für diese Projekte. Wenn ich ganz ehrlich mit mir selber bin, dann ist meine Maschine schon eher oversized für meine Bedürfnisse.
  • Welches Feature fehlt Dir für Deine Näharbeiten und auf welches Vorhandene möchtest Du auf gar keinen Fall verzichten?
    Nicht verzichten: einstellbarer Füßchendruck
  • Hat Deine Nähmaschine Features, die Du für unsinnig hältst?
    Nicht direkt unsinnig, aber die Vielzahl an Zierstichen werde ich wahrscheinlich nie ausprobieren. Und noch viel weniger wahrscheinlich die Funktion, Stichmusterkombinationen zu erstellen.
  • Welche Knopflochfunktion(en) hat Deine Nähmaschine und bist Du damit zufrieden? Was könnte besser sein?
    Wäscheknopfloch, Stretchknopfloch, Rundknopfloch mit Normalriegel, Augenknopfloch, Heirloomknopfloch. Und das ganze mit Knopflochautomatik und Knopfmesseinrichtung am Display. Man legt den Knopf aufs Display und dreht solange am Drehknopf bis der Knopf in das angezeigte Quadrat passt. Das Knopfloch wird dann 2 mm länger als der vermessene Knopf genäht. Und zwar jedes einzelne Knopfloch. Sehr sehr komfortabel!
  • Potentielle Problemzonen
    • Wie näht Deine Nähmaschine enge Rundungen?
      Hm, dank sehr langsam möglichem Nähen, Nadelstop unten und einstellbarem Füßchendruck sind enge Rundungen kein Problem. Ich nähe die hauptsächlich bei Zahlenapplikationen auf Geburtstagsshirts, die ich nach wie vor „von Hand“ mache und nicht mit der Stickfunktion
    • Ist das Stichbild sauber, auch bei sehr dickem Nähgut oder sehr schnellem Nähen?
      Ja
    • Ist der Stofftransport gerade und gleichmäßig, auch wenn Du den Stoff nicht aktiv führst?
      Ich muss gestehen: Das habe ich noch nie ausprobiert
    • Ist ein sauberes Nähen an Stoffkanten möglich, ohne dass sich die Naht oder der Stoff zusammenzieht? (Nahtanfänge, versäubern)
      Ich muss etwa 0,5 bis 1 cm von der Kante anfangen zu nähen, sonst verheddern sich Ober- und Unterfaden und es gibt hässliche Wurschtel auf der Nahtunterseite. Da ich eigentlich ausschließlich mit der Overlock versäubere kann ich zum Zickzack an der Kante nix sagen.
    • Werden elastische Stoffe problemlos genäht oder wellt der Stoff?
      Mit reduziertem Füßchendruck gehts ganz gut, aber ich spiele mit dem Gedanken, mir das im Laden nochmal zeigen zu lassen, wie man Halsbündchen feststeppt, ohne dass sich die vorher glatte Naht anschließend wellt.
    • Wie ist die Kontrolle über Nähgeschwindigkeit? Ist sehr schnelles oder sehr langsames Nähen (Stich für Stich) möglich?
      Ja, beides möglich. Die Maschine mach 1000 Stiche die Minute, aber wenn ich es will, macht sie auch nur genau 1 Stich in der Minute
    • Bei welchen Nähfragen kommst Du an die Grenzen Deiner Nähmaschine? Was funktioniert überhaupt nicht?
      Bisher nichts, was mir nachhaltig in Erinnerung blieb.
  • Wie ist Dein abschließendes Gesamturteil in Kurzform?

    Sehr solide Maschine mit viel Schnickschnack, die bei mir keine Wünsche offen lässt. Und dank integrierter Stickfunktion auch als Stickmaschine einsetzbar. Ein Schnäppchen ist sie allerdings nicht.

Nähmaschinenerinnerungen

Im März ist meine Oma gestorben. Die, von der ich nähen lernte. Sie war selbst gelernte Schneiderin.

Nachdem mich meine Mama in die Benutzung ihrer Pfaff 209 eingeweiht hatte und ich den ein oder anderen Wickelrock genäht hatte (im Sommer 1997 waren die total angesagt), wollte ich gern ein schwarzes Abendkleid nähen. Beim Kaufen meines Abiballkleides war mir nämlich mal wieder aufgefallen, dass meine Figur nicht für Kaufkleidung gemacht ist bzw. mein Geldbeutel nicht gemacht war für die Kleider, die richtig richtig scharf an mir aussahen. Eine Schulfreundin stiftete mich an, es mal mit einem Schnittmuster aus der Burda (leider kann ich nicht mehr rekonstruieren, aus welcher Burda das Schnittmuster war) zu probieren. Da ich gerade Abitur gemacht hatte und zwar jobbte, bis ich im Oktober mein Studium begann, hatte ich trotzdem genug freie Zeit, um stundenlang mit meiner Oma in der Küche zu sitzen und meine Nähfähigkeiten deutlich auszubauen. Bei Karstadt fand ich einen wirklich tolles Wollmischgewebe zu reduziertem Preis.

Ich nahm also Mamas Nähmaschine mit zu meiner Oma und dort zeigte sie mir, wie sie Nähen gelernt hatte. Beim Anzeichnen, zuschneiden und zusammenheften (sie nannte es „reihen“) durfte ich mich nicht hinsetzen. Es musste alles von Hand gereiht werden, dann gab es eine Anprobe, sie steckte ab, dann durfte ich es zusammennähen. Sie weigerte sich strikt, mit der elektrisch angetriebenen Nähmaschine meiner Mama zu nähen. Bei frickeligen Stellen, die ihr für mich zu schwierig erschienen, nähte sie mit ihrer Pfaff 230. Die hatte allerdings keinen Motor als Antrieb sondern wurde über ein Schwungrad angetrieben.

So nähte ich also ein schlichtes schwarzes Kleid, welches ich sehr lange bei Chorkonzerten trug.

Knapp 2 Jahre später wollte ich für den Abiball meines damaligen Freundes gerne ein richtiges Abendkleid nähen. Ich hatte ein Burda-Einzelschnittmuster gesehen, welches ich sehr sehr toll fand. Auch hier kann ich leider nicht mehr rekonstruieren, welches das war. Auf jeden Fall hatte es einen assymetrischen Ausschnitt, der mit Chiffon hinterlegt war. Ebenso war ein Ärmel aus Chiffon. Dummerweise wurde ich im Stoffgeschäft schlecht beraten und ich kaufte einen viel zu steifen Stoff für dieses Kleid. Empfohlen war u.a. Samt, wenn ich mich richtig erinnere. Ich kaufte einen changierenden Taft. Mit Stoffen und Schnittmuster bewaffnet verbrachte ich ein paar Freitage bei meiner Oma und wir nähten dieses Kleid zusammen. Der Chiffon wurde mit einem Satinstich am geschwungenen Ausschnitt festgenäht. Weil das natürlich perfekt werden musste, übernahm meine Oma diese Aufgabe. Um anschließend zu konstatieren, dass ihre Maschine sowieso das schönere Stichbild habe (wo sie Recht hatte). Wir nähten also dieses Kleid, hatten bei den Ärmeln leider etwas wenig Stoff (und ich glaube mittlerweile außerdem einen zu weiten Armausschnitt). Erschwerend kam dieser steife Stoff dazu. Resultat war, dass ich die Arme in dem Kleid kaum heben konnte. Ich zog es trotzdem zu dem Abiball an (und irgendwann am Abend um, um doch noch tanzen zu können).

Danach machte ich aus Zeit-, Platz- und Geldmangel erstmal eine sehr lange Nähpause. Irgendwann kaufte ich mir dann eine günstige Supermarktmaschine, schlich um die gebrauchten Berninas im Schaufenster des Nähmaschinenladens, der in dem Haus, in dem ich wohnte war, rum und machte einen Nähkurs. Und entdeckte die Nähbloggerwelt. Und seither ists um mich geschehen. Ich holte nach wie vor Rat von meiner Oma ein. Sie war sehr stolz darauf, dass eine ihrer Enkelinnen ihr Handwerk als Hobby aufgegriffen hat und mit der Zeit erlangte ich sogar ihren Respekt für mein autodidaktisches Können. Sie selbst nähte da schon einige Zeit nicht mehr, weil ihre Augen zu schlecht geworden waren. Mich versorgte sie nach und nach mit Reststoffen, die sie noch irgendwo aufbewahrte. Irgendwann wurde ihr Allgemeinzustand immer schlechter und im März ging dann endlich ihr mittlerweile sehnlichster Wunsch in Erfüllung: Sie starb.

Und vor ein paar Wochen Monaten holte ich dann ihre Pfaff 230 hierher und nun hat sie gut verpackt einen Ehrenplatz im Esszimmer. Die Maschine ist tiptop in Ordnung, einzig das Spulergummi muss erneuert werden und der Nadeleinfädler tut nich mehr. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass meine Oma den benutzt hat, ich vermute, der ist schon immer kaputt. Auch meine Mama kann sich an sowas abgefahrenes wie einen Nadeleinfädler nicht erinnern.

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Allerdings tue ich mich mit der Fuß-Hand-Auge Koordination noch immer schwer, was das Antreiben der Maschine per Schwungrad betrifft. Ich muss mich mega konzentrieren, was ich da mit meinen Füßen mache, sonst näht die Maschine rückwärts. Dank Youtube hab ich es aber überhaupt geschafft, die Maschine mit Muskelkraft zum laufen zu bekommen.pfaff230_150621-040

Von daher wird sie wohl leider ein reines Erinneringsstück bleiben, das nun im Esszimmer steht und als Ablage für Nähprojekte dient. Auch wenn mich ein Vintage-Sew-Along auf historischen Maschinen durchaus reizen würde. Vielleicht würde das meine Motivation, es wirklich zu lernen, mit dieser Maschine zu nähen zu lernen, deutlich steigern.

 

Brötchen selber backen

Seit über 1 Jahr backen wir am Wochenende unsere Brötchen selber. Alles fing damit an, dass die Bäckereifilliale, die von hier am nächsten liegt, zu machte. Und das Brötchenholen dadurch deutlich länger dauert als früher. Und jede Alternative hatte Nachteile: schlechte Brötchen, sehr eingeschränkte Auswahl, unfreundliches Personal, beknackte Öffnungszeiten,… Und zum Wochenende gehören nunmal Brötchen. Schon immer.

Also fing ich an, mit Brötchen backen rum zu experimentieren. Und eigentlich ist das gar nicht so schwer. Mittlerweile haben wir folgende Routine: Freitags abends vorm zu Bett gehen machen wir den Teig. Die eine Hälfte kommt in eine Tupperschüssel in den Kühlschrank, die anderen Hälfte steht in einer mit einem feuchten Tuch abgedeckten Schüssel in der Küche auf der Arbeitsplatte. Am Samstag morgen steht einer von uns zwischen 8 und 9 Uhr auf, formt die Brötchen, lässt sie 20-30 Minuten in der Gärstufe des neuen Backofens gären, dann werden sie nochmal rausgenommen aus dem Ofen, dieser wird in der Brotbackstufe auf 220 °C aufgeheizt und dann kommen die Brötchen da für 12 Minuten rein. Am Samstag abend wird der Teig aus dem Kühlschrank genommen und Sonntags morgens wiederholt sich das Procedere von Samstag morgen.

Ich gebe zu, der neue Backofen mit Dampffunktion ist da schon nochmal eine tolle Verbesserung, aber auch schon vorher mit einem stinknormalen Backofen waren die Ergebnisse ganz passabel. Da haben wir die Brötchen einfach in der Küche noch ein bisschen gehen lassen und dann zu Beginn des Backens eine Tasse Wasser in den Backofen gekippt zum Schwaden. Das übernimmt nun der Backofen für uns.

Selbstgebackene Brötchen

(Für 2 Erwachsene und 2 Kinder an 2 Morgen zum Frühstück)

750 g Mehl 550

500 ml lauwarmes Wasser

1 Päckchen Trockenhefe

2 1/4 Teelöffel Salz

Alles mit der Küchenmaschine 5-10 min durchkneten, bis ein eher feuchter, aber nicht mehr klebriger Teig entstanden ist (evtl muss man etwas Mehl zufügen).

Teig in 2 Teile teilen. Einen Teil in einer geschlossenen Plastikschüssel im Kühlschrank aufbewahren, der Teig ist 1-3 Tage haltbar im Kühlschrank. Den anderen Teil über Nacht bei Zimmertemperatur gären lassen.

Am nächsten Morgen den Teig in 8 gleich große Teile teilen und jeden einzelnen Klumpen zu Kugeln oder Stangen formen. Ob man die Brötchen wie in dieser Anleitung rund schleifen möchte ist eigentlich nur eine Frage des eigenen Perfektionismus. Dann nach Belieben noch in Mohn, Kürbiskernen, Sesam, Sonnenblumenkernen,… wälzen, auf ein gelochtes Backblech legen. Entweder 20 min im Backofen bei Gärstufe gären lassen oder den Backofen mit einer Tasse Wasser drin auf 50 °C aufheizen und die Brötchen darin gären lassen. Oder auf dem Fensterbrett über der Heizung. Dann die Brötchen wieder aus dem Backofen rausnehmen, diesen auf 220 °C aufheizen und die Brötchen darin 12 min backen. Beim Backen müssen die Brötchen auf jeden Fall geschwadet werden. Entweder übernimmt das der Backofen in der Brotbackstufe oder man kippt am Anfang des Backvorgangs 1 Tasse Wasser unten in den Backofen. Nur so werden die Brötchen außen schön knusprig und innen saftig.

Gerade experimentieren wir noch mit auf die Brötchen aufgesprühtem Wasser rum, um die Brötchen glänzend zu bekommen. Vor dem Backen einsprühen hat noch nicht den gewünschten Effekt.

 

 

 

Tagebuchbloggen 05.12.2015

Es ist der 5. und Frau Brüllen will wieder wissen, was ich eigentlich den ganzen Tag mache.

8:00 Uhr ich werde davon wach, dass der Liebste die Heizung im Schlafzimmer anmacht.

8:56 Uhr ich liege noch immer im Bett, beginne diesen Beitrag. So langsam macht sich Hunger breit. Aber irgendwie bleibe ich bei diesem sehr beeindruckenden Video hängen. Maryam Namazie redet an der Goldsmith University zum Thema Blasphemie und Abkehr vom Glauben und diese Veranstaltung wird massiv von islamischen Aktivistinnen gestört. Und Namazie reagiert mega cool. Sehr beeindruckende Frau!

9:30 Uhr ich stehe auf, ziehe mich an, forme die Brötchen nach dieser Anleitung und sitze weiter einfach auf dem Sofa rum. Ich trinke Tee, durchforste eine Amazon-Wunschliste und lese das Internet leer.

Frühstück dann endlich um halb 11. so richtig gemütlich ohne Geschrei, gequengel, oder sonstige Befindlichkeiten

Danach mousse au chocolat machen für eine geburtstagseinladung am abend. Das ist ja schon immer ein ziemlicher Aufwand…
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Aber der lohnt sich
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Dann schneide ich die belege und kragenteile für mein aktuelles nähprojekt zu. Aus Stoff und Einlage. Als alles zugeschnitten ist, geht mir auf, dass ich irgendwie den falschen kragen zugeschnitten hab. Also nochmal neuen kragen konstruieren (das Schnittmuster ist das suit Jacket aus gerties New book for better sewing und hat keinen reverskragen, den ich jetzt aber drangebastelt hab)

So gegen 15 über bekomme ich Hunger und koche eine maronensuppe. Interessantes Experiment, was nicht wiederholt werden wird. Nach dem essen pikiere ich den kragen von Hand mit rosshaareinlage während wir ein bisschen fernsehen.

Um 18:30 Uhr machen wir uns dann auf den weg zur Geburtstagsfeier. Das navi findet, wir könnten mal ein bisschen Kurven fahren üben, was bei mir ziemliche Übelkeit auslöst.

Die Party war toll! Nette, hoch interessante Menschen kennengelernt, gute Gespräche geführt und vorzüglichst gegessen. Danke @700sachen für die Einladung!

Um 2 Uhr zu Hause, dann doxh noch diesen Beitrag geschrieben und nun mal schnell schlafen.

Dimensionierung von Paspelknopflöchern

Am Wochenende habe ich in das Jacket, dass mittlerweile nicht mehr nur in meinem Kopf existiert, Paspelknopflöcher eingenäht. Zuerst habe ich ein paar Probeknopflöcher genäht. Als erstes probierte ich die Methode aus, die in Gerties New Book for better sewing beschrieben ist. Das ist im Wesentlichen die Methode mit dem Stück Stoff, dass von rechts aufgenäht wird, dann aufgeschnitten, gewendet und hingewurschtelt. So richtig überzeugt hat mich das Ergebnis nicht. Das war mir alles zu wurschtelig.2015-12-01 19.45.31Also die Anleitung von Frau Crafteln ausprobiert. Das klappte viel besser!2015-12-01 19.45.43Allerding waren mir die Paspeln bei einem 2,4 cm langen Knopfloch mit 0,75 cm zu breit. also der nächste Versuch mit schmaleren Paspeln. Die fertige Paspelbreite in Gerties Anleitung betrug 3 mm, das gefiel mir von den Proportionen her gut.

2015-12-01 19.46.33Total daneben. Da Frau Crafteln ja Füßchenbreit feststeppt ist die Paspelbreite vorgegeben. Also dachte ich, wenn ich schmalere Paspeln will, nehme ich einfach den Patchworkfuß und orientiere mich an der inneren Kante, die ist 3 mm von der Nadel entfernt. Das Ergebnis seht ihr oben…

Nächster Versuch: Wieder die schmale Paspel, aber diesmal zeichnete ich genau in der Mitte die Nahtlinie auf, um die Paspelbreite richtig hin zu bekommen.

2015-12-01 19.46.33Kann sich sehen lassen, finde ich.

Nun also die große Frage: Wie dimensioniere ich so ein Paspelknopfloch?

Als erstes muss der Knopf ausgemessen werden, der durch das Knopfloch passen soll. Mein Knopf war 2,2 cm im Durchmesser. Das Knopfloch sollte 2 mm länger sein, damit der Knopf da durchgeht. (Lotti weist in den Kommentaren darauf hin, dass das bei dicken Knöpfen nicht reicht, sondern die Länge des Knopfloches besser Knopfdurchmesser + Knopfdicke beträgt) Diese Knopflochlänge zeichnet man sich dann am besten mal auf Papier auf, und probiert ein bisschen mit der Breite rum, was einem so gefällt. Je breiter, desto einfacher zu nähen. Gerade dicke Stoffe sind nur begrenzt in schmale Paspelknopflöcher zu verarbeiten. Ich habe auch schon dünneren Stoff für die Paspel verwendetMantel_140615-011Also, Skizze machen:

2015-12-01 17.54.35Ein annhähernd quadratisches Knopfloch finde ich persönlich nicht sehr wohlproportioniert. Wenn man die für sich stimmige Proportion gefunden hat, misst man am Knopfloch folgende Maße aus:2015-12-01 18.08.13

Knopflochbreite ist 2x Paspelbreite. Nun geht es ans Zuschneiden der Paspelstreifen. Die Länge ergibt sich aus dem Knopfdurchmesser + 2mm + 2×2,5 cm Überstand auf beiden Seiten. Die Breite ist 2xKnopflochdruchmesser bzw 4xPaspelbreite. In meinem Fall wollte ich 3 mm breite Paspeln. Also habe ich Paspelstreifen von 7,4×1,2 cm zugeschnitten. Und zwar 2 pro Knopfloch. Diese Streifen habe ich der Länge nach mittig gefaltet, so dass ich 6mm breite Streifen hatte. Gebügelt. Und dann mit einem Kreidemarkierrädchen ganz akurat die Nahtlinie genau bei 3 mm (also mittig) auf dem zusammengefalteten Streifen markiert. Alles weitere habe ich wie Frau Crafteln gemacht, nur dass ich eben nicht füßchenbreit festgesteppt habe sondern auf der Markierung.