Alaska 2006: Seward (17.-18.08.2006)

Nach einer trockenen in einem richtigen Bett bauten wir das Zelt auf dem kleinen Rasenstück vor dem Haus auf und rieben es von innen mit dem Handtuch trocken, da sich ein regelrechter See gebildet hatte. Von außen übernahm die Sonne diesen Job. Außerdem steckten wir unsere total verdreckten Klamotten in die Waschmaschine und gingen erstmal bei Safeway einkaufen. Nach einem ausgedehnten Frühstück machten wir einen kleinen Spaziergang zum Hostel-Office, um die Seakayaking-Tour vollends klar zu machen, was sich schwieriger als erwartet erwies. Am Ende buchten wir bei einem anderen Unternehmen. Das Zelt war inzwischen getrocknet und wir konnten mit dem Abdichten der Nähte beginnen, wovon ich am Abend noch einen silikonbeschichteten Zeigefinger hatte. Danach konnte den Liebsten nichts mehr halten und wir machten uns auf ins Alaska Sealife Center. recap_alaska_2006-013Jede Menge Fische, Vögel und Seelöwen. Vor allem die Vögel waren beeindruckend, wie sie unter Waser „flogen“.recap_alaska_2006-014 recap_alaska_2006_add-001Aber auch die auf dem Rücken schwimmenden Selöwen waren ein fesselnder Anblick. recap_alaska_2006_add-002anschließend durften wir einen Blick hinter die Kulissen des Centers werfen und hörten und sahen eine Menge über die wissenschaftliche Arbeit, die dort gemacht wird.recap_alaska_2006-015Zum Abendessen gab es eine King Crab, die wir zuvor in noch lebendigem Zustand anfassen durften. Makabre Angelegenheit, aber extrem lecker!recap_alaska_2006-016

Der nächste Tag war einer dieser Tage, an denen man besser im Bett bleibt. Eigentlich wollten wir den Shuttelbus zum Exit Glacier nehmen, um dort dann eine von den Exit Glacier Guides geführte Gletscherwanderung zu machen. Aber da es schon wieder in Strömen regnete, beschlossen wir doch mit dem Mietwagen zum Gletscher zu fahren. da zum verabredeten Zeitpunkt niemand dort auftauchte, der nach einem Guide aussah, begannen wir uns schon ein wenig Sorgen zu machen. Als das nächste Shuttle dort ankam, fragten wir den Fahrer, was denn mit unserer Tour sei und er erklÄrte uns, dass der Treffpunkt doch in Seward im Büro sei und nicht am Gletscher. So ein Schiet! Also fuhren wirzurück nach Seward. Dort erklärte uns der Guide, dass wir die Tour nun auf morgen verschieben müssten. Da wollten wir zwar eigentlich das seakayaking machen, aber das waru aufgrund des Windes sowieso eine unsichere Angelegenheit und den Glacierhike wollte ich unbedingt machen. Also gingen wir zu der Kayak-Company und fragten, ob wir die Kayaktour nicht auch heute machen könnten. Im Prinzip kein Problem, hieß es, wenn sich das Meer bis 15:30 Uhr ein wenig beruhigen würde.

Bis dahin war noch ein wenig Zeit und so fuhren wir nach Lowell Pointrecap_alaska_2006-019 um ein wenig spazieren zu gehen. Immer wenn wir zu Fuß unterwegs sind, wird es feucht… War trotzdem ein schönes Erlebnis. Tolle verrückte Häuser am Strand recap_alaska_2006-018und dank des Liebsten andauerndem Mangel an „Kleingeld“ (so nennt er sein Bargeld…) gestaltete sich die Parkplatzsuche etwas schwierig (warum ich kein Geld dabei hatte, lässt sich 9 1/2 Jahre später leider nicht mehr rekonstruieren).

Zurück in Seward erfuhren wir, dass die Kayaktour leider nicht stattfinden könne und so verbrachten wir den Rest des Nachmittags in einem witzigen Cafe auf der anderen Straßenseite.

Am nächsten Morgen starteten wir nach einem gemütlichen Frühstück einen zweiten Versuch mit den Exit Glacier Guides, diesmal erfolgreich. Nach etwa einer Stunde Zustieg erreichten wir den Gletscherrecap_alaska_2006-024 über seine linke Seitenmoräne, als wir den offiziellen Trail verließen kam von unserem Guide Brandon die kurze Zwischenfrage „Waterproof boots?“ als er auf einen kleinen Bach abbog. Auf meine Gegenfrage „What have happened if not?“ sagte er: „You would have got wet feet!“ Wir hatten also tatsächlich eine Tour gebucht, wo man nicht zwangsläufig satt und zufrieden nach Hause geht, stattdessen scheint ein bisschen Abenteuer und allfällige Unanehmlichkeiten hier kein Problem zu sein. Aber wir hatten vorher ja auch unterschrieben, dass wir „emotionale Verletzungen“ in Kauf nehmen würden.

Der Zustieg erfolgte durch einen sehr dichten Wald, von wo aus man den Gletscher nicht sehen konnte und man fragte sich unwilkürlich, wie eine so üppige Vegetation so nah an einem Gletscher möglich ist. Der Abstieg von der Seitenmoräne zum Gletscherrand war etwas abenteuerlich, da der Untergrund natürlch aus sehr losem feinen Schutt bestand. Wir legten die Steigeisen an und ab gings auf den Gletscher. Das blaue Licht von unten war wirklich beeindruckend.recap_alaska_2006-025 Da kein Schnee auf dem Gletscher lag (man also alle Spalten sehen konnte) konnten wir ohne Seil dort oben herumturnen. Wir überquerten einige Gletscherspaltenrecap_alaska_2006-026 und stiegen schließlich herab in eine breite Rinne, wo wir dann noch ein bisschen Steilwandklettern übten.recap_alaska_2006-027 Der Liebste ist laut Brandon ein „natural“. Das Wetter war leider eher unangenehm, es regnete die meiste Zeit recht heftig.recap_alaska_2006-023 Auf der Innenseite der Moräne und auf dem Gletscher wehte zudem noch ein eisig kalter Wind. Der Abstieg war bis auf ein ziemlich unerschrockenes Murmeltier ziemlich ereignislos. Und: wir haben noch immer keinen Bären gesehen.

Wir machten uns dann auf den Weg nach Norden, aber darüber dann demnächst mehr

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Alaska 2006: Resurrection Pass Trail (14.08. – 16.08.2006)

Tag 1: Start 11:40 Uhr Trailhead, Ende 19:00 Uhr Campground zwischen Fox Creek und East Creek (7 Stunden, 12,5 Meilen)

Den  nördlicheTrailhead des Resurrection Pass Trails erreicht man, wenn man bei Meile 16,1 auf dem Hope Highway links auf die Palmer Creek Road abbiegt.

Wasserbehälter und Benzinflasche aufgefüllt und los konnte es gehen. recap_alaska_2006-001 Der Regen hatte mittlerweile auch aufgehört. Der Weg ging entlang des Resurrection Creek durch Nadelholz, Birken- und Espenwälder und mächtig schlammiger Buschlandschafften.recap_alaska_2006-002 Die beigen Hosen wurden immer dunkler und die neuen Schuhe blieben dicht.

Der Weg ist sehr gut ausgebaut, es gibt sogar Brücken über die kleinen Bäche, die in den Resurrection Creek fließen. Die Landschaft wechselt immer mal wieder.recap_alaska_2006-004 recap_alaska_2006-003Wir kamen sehr gut voran, so dass es realistisch erscheint, dass wir den Trail in weniger als 4 Tagen schaffen können. Unser Zelt haben wir neben 2 Niederländern zwischen dem Fox Creek und dem East Creak aufgeschlagen. Nach Beef Teryaki mit Reis, einer Brühe und einem Müsliriegel liegen wir nun im Zelt und es hat wieder begonnen zu regnen.

Tag 2: Start 9:30 Uhr Campground, Ende17:45 Uhr Campground nördlich Juneau Lake (8 1/4 Stunden, 16 Meilen)

Nach einer feuchten Nach sollten wir uns merken den Nahtdichter aufzutragen, bevor wir im Regen zelten. Das Frühstück konnten wir im Trockenen zu uns nehmen,recap_alaska_2006-005 als wir uns dann ans zusammenfalten machten fing der Regen wieder an (heftigst). Also musste der Liebste gleich mal einige kg Wasser mehr durch die Gegend schleppen.

So gegen 9:30 Uhr sind wir dann losgegangen in strömenden Regen. Wir waren noch immer im Wald, durch die vielen Wolken am Himmel war es irgendwie duster dort. Nachdem wir gestern noch von Zeit zu Zeit startende Flugzeuge hören konnten, waren wir mittlerweile weit genug von Anchorage weg.

Irgendwann kamem wir dann aus dem Wald heraus und liefen einige Zeit durch bauchhohes Wuschwerk. Es taten sich beeindruckende Aussichten sowohl vor als auch hinter uns auf. Etwa um 11:30 Uhr erreichten wir dann das Tal, in dem auch der Pass lag.recap_alaska_2006-006 Keine Bäume, keine Sträucher mehr, nur noch knöchelhohes Buschwerk und beeindruckende Berge. Der Regen setzte immer mal wieder aus, aber die meiste Zeit war es doch eher nass von oben. Wir sahen einige Biberdämme und -burgen mit recht großen Seen drumherum.recap_alaska_2006-008Um 13:15 Uhr erreichten wir dann den Resurrection Pass,recap_alaska_2006-007 von nun an liefen wir in Fließrichtung des Juneau Rivers. Da das Flussbett sehr morastig war, ging der Weg ständig rauf und runter. Dann gab es noch eine gewaltige Endmoräne zu bestaunen, hinter der sich ein luxuriöses Plumsklo versteckte. Es ging noch eine Zeit durch diese Tundralandschaft, uns begegneten 2 Mountainbiker, bis wir schließlich einen ekelhaften, mannshohen Grasdschungel durchqueren mussten. Die Regenhosen waren Gold wert. Wir waren heilfroh, als wir den Wald erreichten. Dort ging es dann recht steil abwärts, einmal hätte es uns beide fast erwischt, wir rutschten beide an der gleichen Stelle aus.

Wir erreichten die Talsohle, die zu großen Teilen aus Sumpf und kleinen Seen besteht, in denen viele umkippende Bäume stehen. Der Weg zog sich in einer Achterbahnfahrt am Hang der rechten Talseite entlang. Tagesziel war eigentlich der Juneau Lake. Wir schätzten, dass wir noch etwa 2 1/2 Stunden nach erster Sichtung desselben dorthin zu gehen hatten. Jedoch verspürten wir um kurz vor 6 eine ziemliche Müdocgkeit und beschlossen, den nächsten Campground einen kleinen Besuch abzustatten. Wir erkannten von einer kleinen Anhöhe aus, dass wir den Juneau Lake fast erreicht hatten und nach kurzem Zögern schlugen wir trotz mangelndem Bärencontainer unser Zelt auf. Wir gönnten uns gleich 2 Portionen unserer gefriergetrockneten Trekkingnahrung (für 4 Personen angeblich!), da wir nun sehr viel schneller vorangekommen sind als erwartet. Nach dem Spülen machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Versteck für unser Essen und fanden den bärensicheren Container doch noch.Wunderschön gelegen in einem Espenhain.

Ich entwickelte eine leichte Paranoia und hörte ständig Raubtiere wie Squirrels, Vögel,… Die Mücken sind tatsächlich ziemlich lästig und ich habe schon wieder einige dieser Monsterstiche abbekommen (direkt in beide Augenlieder, wie gemein ist das denn?!?)

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Tag 3: Start 9:50 Uhr Juneau Lake, Ende 14:50 Uhr Sterling Highway (5 Stunden, 9,5 Meilen) Start 17:15 Uhr Hope Highway, Ende 18:15 Uhr Trailhead Resurrection Creek (1 Stunde, 4 Meilen)

es hat die ganze Nacht ununterbrochen und ziemlich stark geregnet. Diesmal hat das Zelt allerdings etwas besser dicht gehalten. Trotzdem war am Morgen natürlich alles klamm. recap_alaska_2006-010Das Essen war auch noch da, dem Bären wars wohl auch zu nass, arme Touris zu beklauen…

Die Mücken waren unglaublich aggressiv, selbst das Mückenspray konnte manche nicht davon abhalten, sich auf uns niederzulassen. Wir bauten bei leichtem Regen das klatschnasse Zelt ab, um dann im Trockenen unser Frühstück und unsere Morgentoillette zu erledigen.

Um 9:55 Uhr gings dann los, mit dem Plan in 4-5 Stunden am Trailhead (oder heißt es Trailtail?) zu sein. Nach etwa 30 Minuten trafen wir eine einsame Kanadierfahrerin auf dem spiegelglatten Juneau Lake und hielten ein kleines Schwätzchen mit ihr.

Weiter am See entlang ging es auf einem Pfützen übersäten Weg, die sich im Laufe der Nacht zu kleinen Seenlandschaften gefült hatten.. Es ging eine ganze Weile durch morastiges Buschland mit vereinzelten Nadelbäumen über einen unglaublich matschigen Weg.

An einem tosenden Wasserfall machten wir um 12:55 Uhr unsere Mittagspause, nachdem wir die Entscheidung gefällt hatten, den Trail zum Sterling Highway zu gehen und nicht den Bean Creek Trail nach Downtown Cooper Landing. Diese Entscheidung stellte sich als etwas ungeschickt heraus, da auf der relativ schlecht aufgelösten Karte nicht sichtbar war, dass der Trailhead mindestens genauso weit weg war.

Am Trailhead angekommen (14:50 Uhr) waren wir recht schnell erfolgreich beim Hitchhiken und 2 Männer auf dem Weg nach Anchorage nahmen uns mit bis zur Hope Junction, womit nur noch 16+x Meilen bis zum Auto übrig blieben. Kurze Zeit später hielt eine Gruppe Rafter an, die uns weitere 7 Meilen mitnahmen (feuchte Hintern inklusive). Danach wurde es etwas schwieriger, da die Straße nach Hope eher wenig befahren ist. Irgendwann hielt ein Pickup voll mit 5 jungen coolen Leuten an und nahmen uns auf der LadeflÄche des Pickup mit.recap_alaska_2006-012 Leider nicht, wie gehofft bis zum Trailhead, an dem der Mietwagen stand, sondern nur bis zur Abzweigung des extrem wenig befahrenen Schotterstraße zum Trailhead. Ich bestand nach ca 1 km darauf, die Rucksäcke im Wald zu verstecken, da wir einfach so schneller und bequemer voran kamen. Trotzdem lag noch eine Kräftezehrende Wanderung vor uns, die leider nicht durch ein vorbeifahrendes Auto verkürzt wurde. Nach 1 Stunde strammen Marsches erreichten wir endlich das auto und ein Check auf dem Meilenzähler bestätigte unsere Vermutung, dass wir mehr als 4 Meilen in 1 Stunde marschiert waren. Die Rucksäcke waren auch noch an ihrem Platz.

So konten wir gegen 18:30 Uhr unsere Fahrt nach Seward beginnen. Auf dem Weg gabelten wir eine Anhalterin auf, die nach Cooper Landing wollte, was zwar nicht ganz auf unserem Weg lag, aber nach der doofen Erfahrung 2 Stunden zuvor sammelten wir Karmapunkte und brachten sie dorthin. Die Landschaft am Kenai Lake war aber auch schön genug, sie sich ein zweites Mal anzuschauen.

In Seward recap_alaska_2006-021gestaltete es sich um 20 Uhr etwas schwierig ein Zimmer für 3 Nächte zu finden, aber schlussendlich lagen wir in einem trockenen sauberen Bett der Moby Dick Lodge (alternativ, günstig, sympathisch). Wir belohnten uns mit einem riesigen Jonny Cash Burger (Double Cheeseburger mit Pilzen und Aioli). Rucksäcke, Schlafsäcke und Isomatten haben wir zum Trocknen im ganzen Haus verteil und das Zelt im Wintergarten aufgebaut.

Fazit: Wunderschöne Wanderung, bei schönem Wetter hätten wir es bestimmt nicht so schnell geschafft. Man kann auch über Russian Lakes – Resurrection River Trail system bis zum Exit Glacier weiterwandern.

 

Alaska 2006

2006. Da habe ich noch gar nicht gebloggt. Damit habe ich erst 2007 angefangen. 2006. Da lebte der Liebste in Kalifornien und ich in der Schweiz. Zu der Zeit habe ich die digitalen Fotos noch auf Papier abziehen lassen und in Fotoalben eingeklebt. Und wir sind megaviel gewandert. Sowohl in der Schweiz als auch in Kalifornien. Und ich wollte unbedingt auf einen Viertausender. In der Schweiz für mich technisch nicht machbar. Aber in Kalifornien gibts den Mt Whitney. Den höchsten Berg der USA außerhalb Alaskas. Und diesen Berg kann man erwandern. Dafür braucht es keine besonderen technischen Bergsteigerfähigkeit. Aber man darf nicht einfach so dahin gehen und den Berg besteigen. Die Besucherzahlen sind stark reglementiert. Man braucht eine Permit, auf die man sich bewerben muss. Was ich auch tat. Und wir bekamen eine Permit! Und dann fällt dem Liebsten auf, dass er zu dem Termin eine Konferenz in Europa hat. Termin-Fuck-up konnten wir schon immer gut.

Also trug ich dem Liebsten auf, sich einen neuen Urlaub auszudenken. Es war klar, dass es mindestens so spektakulär wie der Mt Whitney sein musste, um als Entschuldigung durchzugehen. Er schlug Alaska vor! Wenn das mal keine adäquate Alternative zum Mt Whitney ist.

Am 10. August flog ich nach San Francisco. In meiner Zürcher Wohnung hörte ich im Radio, dass es in der Nacht in London einige Festnahmen wegen eines geplanten Terroranschlags auf ein Flugzeug gegeben hatte. Ich machte mich auf verschärfte Sicherheitskontrollen am Flughafen gefasst. Dort war aber alles wie gehabt. Ich hatte 250 ml Shampoo sowie einen Laptop im Handgepäck. Beides war kein Problem. Einige Stunden später bei der Zwischenlandung in Las Vegas war die Sicherheitsstufe plötzlich auf rot und wir mussten alle Flüssigkeiten und alle elektronischen Geräte aus dem Handgepäck ins aufgegebene Gepäck packen.

Ich verbrachte 3 Tage in Menlo Park, in denen ich meinen Jetlag einigermaßen überwand und wir planten den Trip. Bisher hatten wir nämlich nur den Flug und eine vermeintliche Mietwagenreservierung. Und ein paar Outdoor-Reiseführer2015-03-28 11.36.55Empfehlenswert fanden wir vor allem „55 ways  to the wilderness in Southcentral Alaska“ von Helen D. Nienhueser und John Wolfe Jr., „Denali National Park“ von Ike Waits und den „Alaska Atlas and Gazetteer“ mit großformatigen Karten für die Übersicht beim Autofahren und generelle topographische Orientierung

Es war klar, dass wir in den 2 Wochen, in denen wir dort sein würden, nur einen Bruchteil des riesigen Bundesstaates erleben würden können. Zumal wir ja viel wandern wollten. Und ich wollte nach meiner ersten Gletschererfahrung dem Liebsten unbedingt dieses tiefe leuchtende blau eines Gletschers zeigen. Dass wir Mt Denali sehen wollten, war sowieso klar. Da wir das Zelt dabei hatten, waren wir sehr unabhängig und unsere vorherigen Roadtrips durch den Südwesten der USA hatten gezeigt, dass man eigentlich immer irgendwo ein Motel findet, in dem man übernachten kann. Deshalb machten wir einen groben Plan: Resurrection Pass Trail, Seward inkl Exit Glacier, Denali Nationalpark und Wrangell Staint Elias Nationalpark. Im Vergleich zu Kaliforniens Nationalparks ist Alaska auch im Sommer  menschenleer und man muss nirgendwo Monate im Vorraus reservieren. Wie sich noch herausstellen sollte, ist Planung sowieso etwas, das dazu da ist, umgeworfen zu werden.

An Ausrüstung hatten wir folgendes dabei: Vaude Mark II light, Ajungilak Schlafsäcke (einer mit Reißverschluss rechts, einer mit Reißverschluss links, da kann man einen großen kuscheligen gemeinsamen Schlafsack draus machen. In Bear Country ist Sex allerdings aus geruchstechnischen Gründen ein  no go), Therm-a-rest Matten, Benzinkocher („white gasoline“ gibts bei REI oder bei Walmart), Bärenbox für Essen, Zahnpasta, alles was interessant riecht, 55 bzw 65 l Trekking-Rucksack, Trekkingklamotten aus Polytierchen, kniehohe Gamaschen, Mountain House gefriergetrocknete Trekkingnahrung, Milchpulver, Müsli, Müsliriegel, Lemon Zinger Früchtetee, Canon Ixus 300 und Sony Cybershot DSC-P73 (was die Qualität der Photos erklärt)2015-03-28 23.42.00

So, das als kleinen Teaser, die nächsten Tage gehts dann weiter mit den einzelnen Stationen.

Tagebuchbloggen 05.03.2015

Frau Brüllen will wieder wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag machen.

Es ist ein normaler Arbeitstag, als klingelt um 6:20 Uhr der Wecker. Die Morgenroutine wie gehabt, klappte auch reibungslos. Ich finde es ja echt interessant, wie stark  der Entspanntheitslevel am Morgen schwankt. Allerdings hab ich starke Schluckbeschwerden, was beim Frühstück etwas nervig war, weil ich auf jedem Bissen extrem lange rumgekaut hab, weil ich Angst vorm Schlucken hatte.

7:45 Uhr  Ankommen im Büro

8:30 Uhr die erste Besprechung. Nur mit einem Kollegen, die aber wichtige Erkenntnisse für die nächsten 2 Besprechungen brachte.

9:00 Uhr Telefonkonferenz

10:00 Uhr Besprechung Ich darf das hier ja nicht zu laut sagen, aber manchmal ist es echt schwierig mit Chemikern zu sprechen. Der Kunde heute hatte zum Glück einen „Übersetzer“ dabei, der offensichtlich wusste, wie man mit dem Herrn reden muss, damit er versteht was wir meinen. Immer wieder putzig finde ich ja auch, wenn sie vollkommen geschockt sind, wenn wir erzählen, wie lange es dauert, bis so ein kontinuierlicher Laborversuch bei uns im stationären Zustand ist. Beruhigend war für mich aber zu sehen, dass mein Seniorkollege ähnliche Probleme bei der Vermittlung bestimmter Tatsachen hatte wie ich. Auch er war heilfroh über den Übersetzer. Ich finde es auch immer ein sehr schönes Gefühl, wenn ich in einem Projekt das Gefühl hab, ich hab die Fragestellung tatsächlich durchdrungen und kann dem Kunden auch qualifizierte Antworten geben und nicht nur so tun muss, als hätte ich Ahnung. In der Regel steh ich am Anfang ja immer etwas ahnungslos vor den Kunden, weil die mit einer Fragestellung auf uns zukommen. Die haben da also meist schon etwas drüber nachgedacht. Und dann sind es halt häufig auch noch Chemiker, die teilweise eine andere Sprache sprechen. Heute war aber ganz klar der Punkt erreicht, wo ich merkte, ich weiß, was ich da tue.

11:30 Uhr Mittagessen

12:30 Uhr Versuchsanleitung schreiben. Immer noch besser als Bericht schreiben.

14:00 Uhr zu den Halsschmerzen gesellen sich Kopfschmerzen. Ich werde doch nicht etwa…? Nein, werde ich nicht! Nicht jetzt bitte!

16:00 Uhr Der Laborant teilt mir mit, dass sie mit dem Aufbau der Versuchsanlage bis morgen früh um 9 nicht fertig werden. Also direkt mal einen neuen Termin mit der Sicherheitsfachkraft für die Abnahme der Anlage machen. Es bleibt spannend, ob wir Ende nächster Woche schon einen Versuch gemacht haben werden…

16:50 Uhr Aufbruch, die kleinen Menschen abholen. Heute ist Donnerstag, da nehme ich immer noch den besten Freund vom großen kleinen Menschen mit. Wir trödeln nach Hause. Auf dem Heimweg müssen wir einen riesigen stillgelegten Parkplatz überqueren, auf dem vor ein paar Monaten ein 2x2m großes Loch in den Teer gebuddelt wurde. Der dadurch entstandene Schutthügel ist ein willkommener Zwischenstop… Zuhause angekommen spielen der große kleine Mensch und sein Freund noch eine ganze Weile im Garten, während der kleine kleine Mensch und ich schonmal rein gehen und was essen.

18:00 Uhr Der Liebste kommt nach Hause. Die Kopfschmerzen sind Migräne geworden und ich bin sehr dankbar, dass er eine Stunde früher als sonst nach Hause kommt. Der große kleine Mensch und sein Freund sind mittlerweile auch rein gekommen und sie essen was, während ich irgendwie rumwurschtel. Der Freund wird abgeholt, die kleinen Menschen schauen noch eine Folge JoNaLu und dann müssen der große kleine Mensch und ich noch 4(!) Freundschaftsbücher ausfüllen. Aber immerhin waren die Angaben in allen vier Büchern konsistent 😀

Der Liebste bringt die kleinen Menschen ins Bett, während ich auf dem Sofa liege und mir selbst leid tue. Zur Abwechslung äußern sich die Migränebedingten Wahrnehmungsstörungen nicht wie sonst in komischen Gerüchen sondern in Sehstörungen. Öfter mal was neues…

21:00 Uhr Jetzt schaue ich das Halbfinale von Great British Sewing Bee und dann geh ich ins Bett!

Nähfrage

Als vor 11 Monaten meine eine Oma starb, stellte ich fest, dass ich kein schwarzes Kleid besitze. Auch wenn sich der Dresscode bei Beerdigungen aufweicht, wäre es mir zu dem Anlass unangemessen vorgekommen, aus der Reihe zu tanzen. Das ist definitiv noch eine Generation, in der darauf geachtet wird, was sich gehört.

Also brauche ich dann wohl mal ein formales schlichtes schwarzes Kleid. Also sichtete ich meine Schnittmuster und  bestellte schwarzen Wollcrepe und Viskosefutter. Ausgesucht habe ich mir New Look 6143, das in der „Meine Nähmode“ drin war.2015-03-01 15.52.49Ich werde es ohne die Spitze nähen, aber den Wollcrepe muss ich füttern, damit er schön fällt und nicht kratzt.

Nun hab ich 2 Fragen:

1. Beim Futterrock werde ich die Kellerfalten weglassen. Nur: wie? Stattdessen 10 cm lange abnäher? Bei Twitter erklärte auch eine (Michou? Frifris?), ich könne die Kellerfalten einfach zulegen. Aber wird der Rock am Saum dann nicht zu eng? Wie bekomme ich die Mehrweite da rein?

2. Die Ärmel. Nähe ich einfach das komplette Kleid aus Futterstoff, stecke es links auf links ins Oberkleid und veräubere Halsausschnitt und Ärmelsäume mit Schrägband? Ich las mal was von Rollweite in Futterärmeln. Kann dazu aber nix ergiebiges finden. Außer im Hofenbitzer, da gibt es dieses Bildchen 2015-03-03 19.19.50Das Nahtdiagramm verstehe ich nicht. Wird das Futter am Armloch mit dem Oberstoff zusammengenäht? Warum? Wenn ich es so mache, wie ich es oben beschrieben hab, sieht das Nahtdiagramm so aus 2015-03-03 21.41.00Oder ist da ein Denkfehler? Brauch ich die Rollweite? Aber dann nur 1x NZ + 0,5 cm, oder?

Und dann der Ärmelsaum. Kann ich Futter und Oberstoff gemeinsam mit Schrägband versäubern, so wie den Halsausschnitt? Oder kann ich dann die arme nicht mehr bewegen?

Liebe Nähnerds, ich zähle auf euer geballtes Wissen, ich fürchte nämlich, ich werde das Kleid in nicht allzuferner Zukunft brauchen…