Tropical Trousers

Wer mir auf Twitter folgt, hat es schon mitbekommen: ich bin gerade in Indien auf Dienstreise. Als sich abzeichnete, dass diese Reise ansteht, war klar, dass Tropen- und Werkstatt-geeignete Kleidung her muss. Also nähte ich Leinenhosen. Und Shirts aus viskosejersey.

Eine Kombination der so entstandenen reisegarderobe fotografierte der Liebste im Rahmen der „Sweetheart und Stacheldraht“ Session. 

Morgen gibt’s die ersten reisenotizen, jetzt erstmal nur Bilder der Tropical Trousers 

Der Shirtschnitt ist vom plantain top abgeleitet. Ich hab 4 cm in der Mitte vom Vorderteil zugegeben, hab diese mehrweite am Hals mit Falzgummi eingehalten 

und unten und an den ärmelsäumen mit der overlock und dem gummiannähfuß ein Gummi angenäht. Da der Stoff eher dünn ist, musste ich die Säume mit dünner Einlage bebügeln, damit es funktionierte

Die Hose ist mein bewährter Hosenschnitt mit einer Stickerei von urban threads auf dem Bein. 

In den Bund habe ich wieder eine Waschhilfe für den Liebsten eingestickt 

Die Tascheeingriffe sind ebenfalls mit Blumen verziert. Und der Knopf ist auch ne Blume.

Ich bin gespannt, wie sich die Hose bewährt. 


Geburtstagsgastkleid

Dieses Kleid hat mich Nerven gekostet. Sehr viele Nerven. Und ein paar vergossene Wuttränen.ballschuerze_170430-013

Vor einem Jahr bei einem Nähkränzchen wurden meine Mitstreiterinnen Karin, Antonia und Susi Zeuginnen davon, wieviel Aufwand es für mich ist, ein Schnittmuster anzupassen. Ich nähte eine Nesselprobe des Tia Dress. Und nachdem das Probeteil mit dem im Craftsy-Kurs gezeigten Full Bust Adjustment ü.ber.haupt nicht saß, machte ich die Schnittteile mit Hilfe meines Grundschnittes nochmal neu. Aber auch die saßen nur so mittel. Und dann wanderte Das Probeteil in eine Kiste und ich nähte andere Sachen und nunja. Dann hatte ich im März die Idee, dass ich das Tia Dress ja beim 60. Geburtstag meiner Mama tragen könnte. Also die Probe wieder hervor gekramt, angezogen, weit weg von perfekt. Ein bisschen rumprobiert, einen veritablen Wutanfall bekomme und dann kam dem Liebsten die rettende Idee: Sebastian Hoofs um Hilfe bitten. Gesagt, getan. Vorletzte Woche, als die kleinen Menschen die Osterferien bei den Großeltern verbrachten, radelte ich nach der Arbeit zu Sebastian und wir tüfftelten gemeinsam noch mehrere Stunden an dem Teil. ballschuerze_170430-011.jpg

Als ich es dann aus dem richtigen Stoff, eine Eroberung vom Tauschtisch bei der anNÄHerung 2016 (Danke Susi!!!!!) zuschneiden wollte, die ernüchternde Erkenntnis, dass der Stoff für einen eingekräuselten Rock nicht reichen würde. Im lokalen Stoffgeschäft gab es allerdings nur einen einzigen Stoff, der mir gefiel und der sollte 29,50 €/m kosten. IMG_20170422_125616549Ich brauchte 4 m. Das war mir dann doch etwas zu viel Geld. Also entschloss ich mich schweren Herzens dazu, den Rock eben als einfachen Tellerrock zu arbeiten, ohne Kräusel. (Schlussendlich kürzte ich den Rock um 11 cm, ein bisschen mehr Weite hätte ich also reinbekommen, hätte ich vorher die Länge gecheckt. Aber ich finde, das geht immer erst am fertigen Kleid)ballschuerze_170430-008

Als ich das Kleid heute beim Geburtstag meiner Mama trug, waren sich meine Mama und meine Tanten einig, dass meine Oma sehr stolz auf dieses Kleid gewesen wäre. Perfekte Passform, akurat gearbeitet, wunderschöner Stoff. Diese Komplimente taten sehr gut! ballschuerze_170430-022Und sie hatten auch direkt Ideen für weitere Varianten des Kleides. Denn wir warne uns einig: Der Aufwand rechtfertigt noch ein paar weitere Kleider nach dem Schnittmuster. Und mit ausreichend Stoff auch mit Kräuseln/Falten im Rock. ballschuerze_170430-018

Da es heute eher kühl war, trug ich die meiste Zeit eine Jenna Cardigan dazu, die ich aus einem alten Merino-Feinstrick-Rolli des Liebsten geupcyclet habe.ballschuerze_170430-002

Sweetheart und Stacheldraht

Hin und wieder beißt mich die Inspiration. Da sehe ich plötzlich ein ganz bestimmtes Kleid vor mir und dann werden alle anderen Projekte liegen gelassen und ich arbeite fast schon manisch an der Umsetzung meiner Vorstellung. So geschehen mit diesem Kleid.dreiOutfits_170408-031

Das Schnittmuster ist das Coat Dress aus Gertis Book for better sewing. Aber wie eigentlich immer habe ich mir angeschaut, wie die charakteristischen Designelemente umgesetzt sind und den Schnitt dann selber nach meinem gut angepassten Grundschnitt gemacht. Für Kleider mit klassischen Brustabnähern, Taillenabnähern, Taillennaht funktioniert das mittlerweile sehr gut und ich muss kein Probeteil nähen. Der Zeitaufwand fürs Schnitt erstellen wird also auf jeden Fall durch den Wegfall von unendlichen Anpassungen aufgewogen.dreiOutfits_170408-027

Zuerst schwebte mir ein richtig winterliches Kleid aus Wollflanell vor, aber dann kam plötzlich dieser Biss der Inspiration (ja, es ist ein Biss, kein Kuss. Ein Kuss ist sinnlich, zärtlich, weich. Aber das ist es nicht. Es ist plötzlich, Adrenalin ausschüttend und einfach bäng!). Auf das Revers diese StickereidreiOutfits_170408-065

Grauer Anzugstoff schien mir für das Unterstreichen dieses Statements perfekt geeignet und ich hatte tatsächlich noch einen ausreichend großes Stück, das eigentlich für einen Hosenanzug vorgesehen war, im Lager. Das Reverse musste etwas vergrößert werden, damit die Stickerei drauf passte, aber ich mag große Revers. Zuerst schwebte mir noch mehr Stacheldraht am Saum des Kleides vor, aber da es ein sehr langer Saum ist, befürchtete ich, dass das zu viel werden könnte und imitierte stattdessen ein Oberarm TattoodreiOutfits_170408-059

Dem Saum spendierte ich dafür einen etwas weniger auffälligen Zierstich, der stilistisch aber sehr gut zum Stacheldrahttattoo passt

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Dieser Zierstick erfüllt aber durchaus noch einen Zweck, er hält nämlich das Versteifungsband (Crinolborte, horsehair braid), mit dem der Saum verstürzt istdreiOutfits_170408-064

Bei den eingesetzten Ärmeln habe ich ein bisschen experimentiert, die Falte hätte eigentlich in die andere Richtung (also nicht nach innen als Kellerfalte, sondern nach außen als Quetschfalte) gelegt werden sollen.  Ein Experiment, was ich eher nicht wiederholen werde. Es ist interessant, aber ein bisschen komisch sieht der Ärmel aus.dreiOutfits_170408-058

Aber dieses Kleid ist ganz ganz große Liebe. Auch oder gerade weil ich mich darin fühle wie eine KGB Führungsoffizierin. dreiOutfits_170408-045

Das Schnittmuster, an dem ich mich ja nur orientierte, aber eben schon schaute, wie ist der Fadenlauf, welche Schnittteile brauche ich, … sah keinen Rückenausschnittbeleg vor. Aber dann wäre diese Kante unversäubert geblieben und die vorderen Belege hätten an der Schulternaht unmotiviert rumgelommelt. Außerdem ist der Rückenausschnittbeleg bestens dafür geeignet, geheime Informationen zu verbergen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was den Fadenlauf angeht, hätte ich auch besser auf mein Gefühl hören sollen, die Knopflöcher am Rockteil sind nächmlich im schrägen Fadenlauf und sehen nicht sehr schön aus. Trotz Einlage…OLYMPUS DIGITAL CAMERA

(Oberteil: Knopflöcher senkrecht zum Fadenlauf, Rock: Knopflöcher schräg zum Fadenlauf)

Die Knöpfe sind die beziehbaren Knöpfe, die man in jeder Kurzwarenabteilung kaufen kann. Das ginge sicher auch noch schöner, aber irgendwie habe ich es verpeilt, Stoff nach Berlin zum Nähkontor zu schicken, damit die meine Knöpfe professionell beziehen.dreiOutfits_170408-061

Ich habe außerdem noch zwei unsichtbare Druckknöpfe angebracht, einen, damit der untere Teil des Vorderteils an Ort und Stelle bleibtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

und einen, damit das Kleid an der Rockansatznaht nicht komisch aufstehtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ich sehr mag, dadurch dass der Tellerrock in 7 Bahnen aufgeteilt ist, ergeben sich an den Nähten rechte Winkel der hauchdünnen Streifen des Stoffes. Da erfreue ich mich regelmäßig dran, wenn ich über den Gang gehe, der Rock schön weit schwingt und ich das unterschiedliche Brechungsmuster des Lichts bemerke.dreiOutfits_170408-039

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und last but not least gibt es noch ein Vintageportrait, bei dem es der Liebste es nicht schafft mit Photoshop ein paar Knitter und einen Büttenrand hinzuzufügen nach stundenlangem rumprobieren den perfekten Look hin zu bekommen ❤dreiOutfits_frame_170408-004

Der verfluchte Rock

Im Januar bei der anNÄHerung in Bielefeld gab es wieder einen Tauschtisch mit Stoffen und Schnittmustern. Und obwohl ich seit Jahren behaupte, ich brauche keinen Stoff, finde ich auf Tauschtischen doch immer irgendeinen Stoff, der unbedingt mit muss. Dieses Mal war es ein türkis-blauer recht robuster Jacquardstoff. Zuerst wollte ich daraus einen weiteren Chardon Skirt nähen, aber je länger ich den Stoff anschaute, desto mehr wurde mir klar: Das ist ein Tellerrockstoff.dreiOutfits_170408-005

Also schnitt ich vor 1 1/2 Wochen einen Tellerrock zu. Nähte den Rock auch sehr zügig. Und himmelte bei der finalen Anprobe den nahtverdeckten Reißverschluss. Ich bestellte 50 neue nahtverdeckte Rockreißverschlüsse, trennte den alten Reißverschluss raus, setzte einen neuen ein, probierte an, zack, beim zumachen der nächste Reißverschluss hin. Beratung mit den Nähnerds bei Twitter ergab: Da kommt jetzt ein sichtbarer Reißverschluss mit Metallzähnen rein. Also kaufte ich am Freitag einen normalen Reißverschluss mit Metallzähnchen. Den alten raus, den neuen rein und dass man den Reißverschluss jetzt so prominent sieht ist tatsächlich Absicht.dreiOutfits_170408-023

Beim Verarbeiten kamen mir immer mehr Zweifel daran, dass der Stoff, wie anfänglich angenommen, Baumwolle sei. Da ich ja schon seit Dezember das Materiallexikon von Constanze besitze, machte ich das erste Mal in meiner Nähnerdkarriere eine Brennprobe. Und in der Tat, der Stoff brannte nicht, er schmolz. Ich mag ihn trotzdem! Von wem auch immer dieser Stoff stammt, ich bedanke mich sehr sehr herzlich dafür!

Als ich den Rock anprobierte und der Reißverschluss diesmal hielt, kam mir sofort die letztes Jahr genähte Alma Blouse in den Sinn, deren Stoff ich bei der anNÄHerung 2016 vom Tauschtisch fischte. Und ich finde, diese beiden Teile sind wie füreinander gemacht.dreiOutfits_170408-013

Den Saum des Rockes habe ich mit Versteifungsband, auch als Crinolborte oder im englischen Nähsprachraum als horsehair braid bekannt, verstürzt. Ich glaube, das mache ich bei Tellerröcken jetzt immer so. dreiOutfits_170408-024

So, und jetzt gibt es noch viele Bilder. Davon haben wir nämlich reichlich gemacht heute, und das ganz ohne uns zu streiten. Wozu youtube doch alles gut sein kann…

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Freitagsliebe (3): Marja Katz

Weiter geht es mit der Freitagsliebe, eine locker Folge von Beiträgen, wo ich eine mir liebgewonnene Person aus dem Netz mit Liebe überschütte. Denn Hasss gibt es in diesem Internet schon genug. Die Idee stammt von der wunderbaren Vrouwelin.

Irgendwann fragte ich bei Twitter, ob es denn vielleicht auch nähbegeisterte Personen in Köln gäbe, ich sehnte mich nämlich sehr nach soetwas wie einem Nähkränzchen. Zum einen wurde ich so auf den Nähnerd-Stammtisch aufmerksam und zum anderen meldete sich Antonia. Nachdem wir gegenseitig unsere Blogs leergelesen hatten, trafen wir uns an einem Samstag vormittag in der Stadt und gingen gemeinsam Stoff kaufen und einen Kaffee trinken. Und seither ist es Liebe. Das mit dem gemeinsamen Nähkränzchen hat zwar noch ein bisschen gedauert und wir mussten verschiedene Formate ausprobieren, aber mittlerweile treffen wir uns regelmäßig, wenn auch viel zu selten zum Nähen.

Bei der anNÄHerung ist es vollkommen klar, dass wir gemeinsam hin fahren, gemeinsam in einem Zimmer schlafen (die letzten beiden Male mit der fabelhaften 700Sachen) und an einem Tisch sitzen. Die anderen Tischnachbarinnen waren jedesmal andere, aber Antonia und ich, das ist einfach klar.

In ihrem Blog gehts hauptsächlich (ausschließlich?) ums Nähen. Sie näht für sich und für ihre Kinder. Und neben dem Zeigen der genähten Sachen veröffentlicht sie immer mal wieder ganz tolle Tutorials zu den verschiedensten Themen. Sehr lustig war, als meine Mama mir mal ganz vorfreudig das Tutorial für die Eimertasche Mascha zeigte, die sie für meinen Neffen nähen wollte. Und natürlich war sie am Ende total begeistert von dem Tutorial. Denn die haben bei Antonia immer Hand und Fuß. Halbgares gibts bei ihr nicht.img-20161103-wa0006

Sie hat ein unfassbar großes Nähwissen, ich hab immer das Gefühl, sie näht schon ihr ganzes Leben. Und hat eine ganz selbstverständliche Art, dieses Wissen weiter zu geben.

Wer ihrem Twitteraccount folgt, ahnt, dass sie auch ansonsten eine intelligente Frau ist, die das Herz am rechten Fleck hat.

In den letzten Monaten, als ich eine sehr sehr doofe Geschichte erlebte, da war sie eine unglaublich großartige Unterstützung. Sie hat mich immer wieder darin bestärkt, dass ich mich richtig verhalte und auf mein Gefühl vertrauen kann.

Liebe Antonia, ich bin sehr froh, dich zu kennen und dass du meine Freundin bist. Du machst mein Leben reicher ❤