MeMadeMittwoch 24.09.2014

Dieses Kleid ist mal wieder ein eindeutiger Beweis, dass ich viel viel Zeit brauche, um aus einem tollen Stoff ein heißgeliebtes Kleidungsstück zu produzieren. Vor allem, wenn ich beim Stoffkauf noch so gar keine klare Idee davon hab, was aus dem Stoff mal werden soll. Diesen Baumwollstoff mit Lochstickerei kaufte ich bei meinem ersten Maybachufermarktbesuch in Berlin im Mai 2013. Ich ich erinnere mich noch ganz genau daran, dass Wiebke (die heute auch ein Kleid aus einem Stoff zeigt, den wir damals beide kauften) tief einatmete, als ich beherzt 4 m davon kaufte. Aber da ich noch nicht wusste, was ich daraus machen möchte, und der Preis unglaublich niedrig war, sah ich keinen Grund, weniger von dem schönen Stoff zu nehmen. Bei meinem letzten Marktbesuch im April mit Lucy kaufte ich dann noch schwarzen Baumwollbatist, weil klar war, dass die Lochstickerei an den meisten Stellen ein Futter verlangte. Und mittlerweile wusste ich auch, was ich aus dem Stoff nähen wollte. Eine weitere Version von Simplicity 2403. Diesmal mit den kurzen Ärmeln ohne Manschette, dafür aber mit genug Platz für den Busen. Außerdem schwebte mir für die verspielte Lochstickerei ein halber Tellerrock vor. Den schmalen Rock fand ich etwas zu straight für den verspielten Stoff.MiriamKleider140922-002Also setzte ich mich an einem Wochenende Anfang Juli, als die kleinen Menschen bei meiner Mutter waren und der Liebste am Baikalsee Studierenden Physik beibrachte, hin und passte das Oberteil an. Das dauerte natürlich mal wieder länger als erwartet, denn trotz Prinzessnähten, die toll zum Anpassen sind, war es nicht mit ein paar cm über der Brust rauslassen getan. Denn oberhalb der Brust mussten dafür ein paar cm weggenommen werden. Alleine vorm Spiegel immer eine enorme Fummelei. Außerdem musste auch noch ein bisschen was an der Balance des Taillenverlaufs gemacht werden.MiriamKleider140922-006Als das Oberteil dann fertig war, maß ich die Breite von Vorder- und Rückenteil und konstruierte aus diesen Maßen dann einen halben Tellerrock. Anschließend nähte ich noch ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwägerin und dann war der Samstag auch schon rum. Dann kam diese total fiese Mandelentzündung, die ich dank wirklich lieber, zum spontanen Notfalleinsatz bereiter Schwiegereltern in Ruhe auskurieren konnte, aber die mich natürlich trotzdem 2 Tage total außer Gefecht setzte. Da ich das Kleid aber gerne auf eine Hochzeit am Samstag drauf tragen wollte, war die Motivation, den Rock anzunähen, ihn 2 Tage aushängen zu lassen und dann zu säumen, doch recht hoch. Und ich habe es tatsächlich geschafft und seither trage ich dieses Kleid ständig, wie man unschwer an den Knitterfalten erkennen kann.MiriamKleider140922-011Ich liebe liebe diesen Schnitt und es wird noch mehr Versionen davon geben.

Der MeMadeMittwoch ist aus der Sommerpause zurück (schon letzte Woche…) und es gibt ein paar tolle Neuerungen. Eine davon heißt Claudia, die heute ein sehr stimmiges Partyoutfit präsentiert.

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Für mehr Kosmonautinnen/Astronautinnen

Auch die selfish seamstress näht hin und wieder mal für andere. Und weil ich mittlerweile eine echte Blockade habe, was Gekauftes zu verschenken, ist es natürlich Ehrensache, dass auch zur Geburt was Selbstgemachtes her muss. Da aber Nähzeit bei mir, wie bei vielen anderen auch, eher knapp ist, mag ich ungern einen Body in Größe 62 verschenken, der dann 4 Wochen lang passt und unter den weiteren Lagen Kleidung und Deckchen dann doch irgendwie versteckt ist.

Als der große kleine Mensch geboren wurde, haben wir echt lange nach einer richtig praktischen Wickeltasche gesucht. Alles was wir fanden, war entweder zu wenig Wickel- oder zuviel -tasche. Schlussendlich fand ich dann aber den Wickelmax. Genau sowas hatten wir uns vorgestellt. Und das Ding ist nun also seit über 5 Jahren nonstop hier im Einsatz. Und da schon mehrere Eltern echt neidisch auf diese Wickeltasche waren, dachte ich mir, dass das doch eigentlich ein viel sinnvolleres Geschenk zur Geburt sei als ein Body.

So eine Wickeltasche ist natürlich eher was für die Eltern als für das Baby, und dieser Blümchen-und-Bärchen-Infantilität kann ich nur dann was abgewinnen, wenn das Kind sowas ausdrücklich wünscht. Also machte ich mich auf die Suche nach Patchworkstoffen, die zwar bunt sind, aber doch auch irgendwie anders als die üblichen Kinderstoffe. Und ich fand den perfekten Stoff.

SternenKacka-001Das ist die Tasche im zusammengefalteten Zustand.

SternenKacka-003Und so sieht sie aus, wenn man sie auseinanderfaltet. Das weiße mit der türkisen Einfassung ist ein Moltontuch, welches mit Klettband aut der Unterlage festgeklettet wird (Merke: Selbstklebendes Klettband ist des Teufels und kann eine 2 Wochen alte Nähmaschine fast ruinieren. Ein Hoch auf Nagellackentferner und Wattebäuschchen!). Die Unterlage besteht aus einer wasserdichten Betteinlage, die auf die Rückseite des Planetenstoffs aufgenäht ist.

An den Seiten sind jeweils 2 Taschen angebracht, in denen man den Kram verstauen kann, den man halt zum Wickeln so braucht:

SternenKacka-007Feuchttücher

SternenKacka-005Windeln

SternenKacka-006und Kleinkram kommt in die Reißverschlusstasche.

Was ich bei diesem Projekt aber auch mal wieder gemerkt habe: Ich bin kein Taschen-Näh-Typ. Die Bandeinfassungen sind alle eher schäpp und krumbelig. Keine Ahnung, warum ich beim Kleidung nähen soviel sorgfältiger sein kann als beim Taschen nähen.

Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass die Tasche für die beschenkte Familie genauso praktisch ist wie unser gekauftes Vorbild.

Edit: Dank Mizoal darf diese Wickeltasche heute auch beim Creadienstag mitmachen. Yeah!

Featurette-Bloggerin der Woche

Ich bin diese Woche „Bloggerin der Woche“ bei der Featurette.

Die Featurette ist ein tolles Projekt der feministischen Initiative „Frau Lila“. Dahinter stecken die von mir sehr geschätzten Katrin Rönicke, Susanne Klingner und Barbara Streidl. Die Featurette hat sich auf die Fahnen geschrieben, Frauen im Netz sichtbarer zu machen und dabei auch Überaschendes bieten, was man, wenn man „nur“ die großen Alphablogs liest, ansonsten vielleicht verpassen würde.

Für mich ist es eine große Ehre, Teil der Featurette zu sein, schließlich habe ich über die Featurette das Blog von Mamamachtsachen und Allures-und-Couture entdeckt und bin somit Teil der tollen Nähnerdcommunity geworden. Aber auch andere Blogs, wie das makellosmag, irgendwie jüdisch, The diary of Kitty Koma, Anders anziehen, Demenz für Anfänger, cloudette, Das Nuf Advanced, … habe ich über die Featurette gefunden.

Wer die Featurette also noch nicht kennt: Stöbert dort ruhig mal, es gibt da wirklich tolle Sachen zu entdecken!

Und wer gerne Podcasts hört, der möchte ich an dieser Stelle noch den Lila Podcast wärmstens ans Herz legen!

Eine Winterjacke für den großen kleinen Menschen

Ich nähe ja durchaus auch für die kleinen Menschen und schon vor einiger Zeit habe ich bei Extremtextil einen dicken Faserpelz für die 2. Bekleidungsschicht gekauft, um daraus eine Jacke für den großen kleinen Menschen zu nähen. Ich wusste aber irgendwie nicht so recht, welchen Schnitt ich nehmen sollte. Ich wollte einen schlichten Schnitt ohne Kapuze. Kapuzen an der 2. Schicht versteh ich nicht. Für gegen kalt gibts Mützen, die 1000 mal besser warm halten und für gegen nass ist ja die 3. Schicht da.

Es hat sich bei Unterziehjacken als praktisch erwiesen, wenn die an den Ärmelabschlüssen diese kleinen Daumenlöcher haben. Dann rutsch der Ärmel beim drüberziehen der 3. Schicht nicht hoch.2014-09-03 21.42.49

In der letzten Kinder-Ottobre war genau so ein Schnitt drin. Schlicht, ohne Schnickschnack, ohne Kapuze, ohne Tüdelü und mit Daumenlöchern.

Etwas Respekt hatte ich vor der Verarbeitung des Faserpelzes schon. Er hat eine glatte und eine florige Seite. Das Flor wollte ich innen haben, da ists schön kuschelig auf der Haut. Und die glatte Seite rutscht im Fall auch besser unter der 3. Schicht. Das bedeutet aber, dass man beim Nähen das Flor außen hat. Ich hatte echt Sorge, dass sich das Flor in der Stichplatte verheddert und hatte mich schon auf Nähen mit Seidenpapier eingestellt. Dann erinnerte ich mich wieder, dass ich ja immer mal den 3-Faden-Flatlockstich meiner Overlock ausprobieren wollte. Damit war auch die Frage nach einer sauberen Innenverarbeitung geklärt, denn der Stoff ist schon dick und wenn ich die Nahtzugaben dann zusammen mit der Overlock versäubert hätte, wäre das schon arg wulstig geworden. 100 % geeignet ist der Flatlockstich für den dicken Stoff auch nicht, weil selbst bei Null Fadenspannung an der linken Nadel ist der entstehende Stich nicht locker genug, um den dicken Stoff richtig glatt zu legen. 2014-09-03 21.42.33 Das Zuschneiden war eine riesen Sauerrei, das Flor hat gefusselt wie Hulle!

Die Kanten habe ich mit elastischem Schrägband eingefasst. Das war eine ganz schöne Fitzelarbeit, das Schrägband um den dicken Stoff zu legen und es sauber anzunähen.

Ich habe hiernoch rostrotes 3-Lagen-Laminat von Gore rumliegen. Daraus habe ich mir in der 2. Schwangerschaft einen Einsatz in meine Regenjacke genäht, um Platz für den Bauch zu schaffen und trotzdem weiterhin bei Wind und Wetter Fahrradfahren zu können. Daraus plane ich jetzt noch eine Jacke als 3. Schicht zu nähen.EmilJackeOhneGesicht140906-004EmilJackeOhneGesicht140906-007

Gedanken zu Selbstgemachtem

Ich hab heute morgen im Kindergarten die Kleidchen von zwei Schwestern als selbstgenäht identifiziert. Weil sie einfach viel individueller waren als gekaufte Kinderkleidung. Weil sie aus den typischen Jerseys, die so in der Nähcommunity verarbeitet werden, waren. Weil sie sehr ähnlich, aber nicht 100% identisch waren. Die Verarbeitung war super, daran hab ich es nicht erkannt. Trotzdem frage ich mich seither, ob mein spontaner Kommentar: „Oh, tolle Kleider habt ihr an, die sehen aber auch sehr nach selbstgenäht aus!“ abwertend aufgefasst werden könnte. Der Vater, der die Sachen nicht genäht hat, sondern seine Frau, erklärte dann, dass seine Frau total verrückt nach Nähen sei. Ich hab dann mit Verweis auf den kl kl Menschen, der in einer viel schlechter verabeiteten selbstgenähten Jacke unterwegs war, erzählt, dass ich auch ganz viel nähe. Dass ich selber fast nur noch selbst genähte Kleidung trage. Ich hoffe, dadurch wurde deutlich, dass ich selbermachen nicht abwerte.

Selbermachen ist zwar wieder in, aber es gibt noch immer viele Personen außerhalb unserer DIY-Filterblase, bei denen hat Selbermachen einen eher negativen Touch. Und ich merke es selber, dass ich mich manchmal frage, woran erkennen andere, dass ich etwas selbst gemacht habe? Meist fragen sie erst nach einem subtilen Hinweis von mir total überrascht „Wie, DAS hast du selbst genäht?“, so dass ich das als Kompliment auffasse. Und eigentlich ist es ja auch paradox, dass wir zwar einerseits gerne Lob für unsere selbst gemachten Dinge bekommen, aber andererseits danach streben, sie so perfekt aussehen zu lassen, dass keiner bemerkt, dass sie selbst gemacht sind.

Ich bemerke auch immer häufiger, dass ich mich darüber wundere, dass andere gar nicht bemerken, dass ich das selbst gemacht habe. Denn bei allem Streben nach gutem Handwerk mache ich natürlich Fehler. Aber die sieht man eben nur, wenn man selbst dieses Handwerk beherrscht. Und nur dann kann man es wahrscheinlich auch so richtig wertschätzen.

Ich verschenke mittlerweile ziemlich häufig selbstgemachtes. Instant-Gemüsebrühe, Orangenkürbis und Seife sind so die kleinen Mitbringsel, wenn ein Baby geboren wird, näh ich meist eine Kleinigkeit. Dabei ist mir aber tatsächlich wichtig, dass es erkennbar selbstgemacht ist, damit es auch entsprechend wertgeschätzt wird. Und trotzdem hab ich dann immer die Angst, dass andere denken könnten, sie bekommen minderwertige Geschenke von mir…

Was sagt ihr, wenn ihr etwas als selbstgemacht erkennt und eure Wertschätzung darüber kundtun wollt? Wie geht ihr damit um, wenn andere eure Sachen als selbst gemacht identifizieren?

Tagebuchbloggen September 2014

Frau Brüllen fragt mal wieder: was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Der morgen begann wie jeden morgen um 6:20 Uhr. In letzter Zeit fällt es mir wieder sehr schwer, wach zu werden. Vor 6:50 Uhr kam ich selten aus dem Bett die letzten Wochen. Die kleinen Menschen mögen das mit dem aufstehen auch nicht und motzen immer etwas, wenn wir sie wecken. Die Tage werden kürzer, unser biorhythmus scheint das schon zu spüren…
Anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Schuhe anziehen, Fahrräder aus dem Keller holen und um 7:50 Uhr saß ich im Büro.
9 Uhr die obligatorische kaffeepause mit den Kollegen. Anschließend eine Betriebsanweisung für einen Versuch mit dem Laborkoordinator durchgesprochen. Außerdem die Versuchsanweisung mit dem Laboranten.

Wir gehen immer recht zeitig Mittagessen, um dem größten Ansturm in der Kantine zuvor zu kommen. Für mich gabs heute Salat.

Nach dem essen hatte ich dann einen verpassten Anruf eines Kollegen auf dem display. Ich ahnte schon, was er von mir wollte und musste erstmal tief durchatmen. Wie erwartet wollte er von mir wissen, wo er die von mir versprochenen Ergebnisse finde. Die gabs aber noch nicht. Weil ich andere dringende Sachen vorher erledigen musste. Aber auch, weil die von ihm zur Verfügung gestellten Daten lücken- und fehlerhaft waren. Das wollte er natürlich nicht hören. Da ich mir aber recht sicher war, dass ich ihm die gewünschten Ergebnisse noch heute liefern würde (wir hatten uns auf Ende der Woche geeinigt), kratzte mich sein genörgel nur peripher. Und wie erwartet hatte ich 2 h später, nachdem er mir die fehlenden Daten geliefert hatte, die Sachen fertig.

Zur Belohnung verließ ich dann um 16:45 Uhr das Büro (freitags schließt der Kindergarten zwar schon um 16 Uhr, aber freitags holt der liebste die kleinen Menschen ab).

Seit ein paar Wochen gibts den Bäcker, bei dem wir samstags morgens immer Brötchen holten, nicht mehr. Der nächste ist deutlich weiter weg und das nervt. Deshalb experimentieren wir gerade mit selbstgebackenen Brötchen am Wochenende. Im Prinzip ist so ein Hefeteig ja recht schnell gemacht und wenn man ihn dann über Nacht in den Kühlschrank stellt, kann der gemütlich vor sich hin zellteilen und pupsen und man kann am nächsten morgen daraus Brötchen backen. Mal schauen, ob wir da noch ein Rezept und eine routine finden, die für uns passt.

Heute ist wieder unser monatlicher Nähnerdstammtisch. Da ich es so gut es geht vermeide mit dem auto nach Köln rein zu fahren (seit es navis gibt, ists ein bisschen besser, aber das nervige Parkplatz suchen nimmt mir das ding auch nicht ab) muss ich schon um kurz vor 18 Uhr wieder los, will ich pünktlich um 19 Uhr dort sein. Der Kölner Süden ist von uns aus mit öffis echt schlecht erreichbar. In so Situationen sehne ich mich nach Zürich zurück, wo man mit dem ÖV innert 30 min überall war…

Der Stammtisch war sehr sehr nett, was sich vor allem daran ablesen lässt, dass ich um 1:30 Uhr zu Hause war. Das wird sich in 5 Stunden wahrscheinlich rächen. Immerhin konnte ich eben noch den Hefeteig aus dem Kühlschrank nehmen, so dass die Brötchen morgen früh nicht kalt in den Backofen kommen. Aber das wird sicher nicht teil unserer freitagsroutine werden, dass eine von uns um 2 Uhr nachts Hefeteig aus dem Kühlschrank holt…