Sommerfest bei Drehumdiebolzens

Als Catherine im Mai erzählte, dass die Frozen Cocktails auf ihrer Party der absolute Renner waren, verspürte ich plötzliche den unbändigen Wunsch, auch mal im Sommer ein Fest zu feiern. Vor meinem geistigen Auge sah ich eine Gartenparty mit Frozen Drinks, Lichterketten in den Bäumen, Bierzeltgarnituren, Planschbecken voller Kölsch und Wasserbomben schmeißende Kinder. Als ich dem Liebsten davon erzählte, war er sofort Feuer und Flamme und fügte diesem Bild noch das i-Tüpfelchen hinzu: Einen fahrbaren Pizzaofen, der vor dem Haus steht und aus dem unsere Gäste von den Jungs und Mädels vom Pizzaprinzip mit frischer Pizza versorgt werden.

Also googlete ich nach Verleihern, die solche Frozen Drink Maschinen (auch Slush Ice Maschine genannt, nur für den Fall, dass ihr nun auch alle diesen Drang nach einem Sommerfest verspürt :D) vermieten und nach Rezepten für Cocktails aus einer ebensolchen Maschine. Letzeres erwies sich als nicht so einfach. Denn im Prinzip sollen diese Maschinen nur in Verbindung mit so fertigen Sirups befüllt werden. Aber das hätte sowohl an meiner Berufsehre als auch an meiner Ehre als Selbermacherin gekratzt. Ich gebe zu, der Phasenübergang Flüssig -> Fest ist jetzt nicht gerade meine Kernkompetenz, ich bewege mich ja eher so im Bereich Gas-Flüssig-Trennung, aber ganz ahnungslos bin ich da ja trotzdem nicht! Mir war klar, dass der Zuckergehalt entscheidend darüber ist, ob man die Maschine kaputt macht oder herrlich sulziges Wassereis produziert (Ja, auch der Alkohol hat einen gewissen Einfluss, aber deutlich weniger als der Zucker). Aber da nichts über die Temperatur herauszufinden war, auf die diese Maschinen die Masse runterkühlen, konnte ich auch nicht einfach selber ausrechnen, wieviel Zucker ich hinzufügen musste. Aber bei der Wikipedia wurde ich schlussendlich fündig, dass es 12-22 % Zucker braucht, damit der Gefrierpunkt hinreichend erniedrigt wird. Jetzt wusste ich also, wieviel Zucker ich meinem wie auch immer gearteten Cocktail zufügen musste. Blieb also nur noch die Rezeptentwicklung. Dafür machte ich dann wissenschaftlich einwandfreie Versuchsreihen.2014-06-16 22.26.26Allerdings wollte ich auch gerne eine alkoholfreie Variante anbieten. Und je mehr ich drüber nachdachte, desto mehr gelangte ich zu der Einsicht, dass die zahlreich eingeladenen Kinder wohl eher auf Erdbeer als auf Limette-Minze abfahren würden. Also entschied ich mich für Erdbeer-Zitrone ohne und Limette-Minze mit Alkohol.

Der Zucker muss selbstverständlich im Wasser gelöst sein, um den oben beschriebenen Effekt der Gefrierpunktserniedrigung herbeiführen zu können. Also bereitete ich ziemlich große Mengen Läuterzucker zu. Außerdem plünderte ich den Strauch Marokkanischer Minze auf unserem Balkon und legte diese in einem Teil des Zuckersirups ein, so dass daraus Minzsirup entstand.

Minzsirup

1 kg Zucker

1 kg Wasser

jede Menge frische Minze

Den Zucker mit dem Wasser aufkochen, die Minze in den heißen, gerade nicht mehr kochenden Sirup legen. 1 Tag durchziehen lassen. Minze wieder herausnehmen, Sirup durch ein Sieb gießen, nochmals aufkochen lassen und in sterilsierte Flaschen abfüllen.

Limette-Minz-Cocktail mit Alkohol

jetzt musste ich ein wenig rechnen. Ich wusste, dass die einzelnen Kammern der Frozen-Drink-Maschine 10 Liter Inhalt hatten. Der Einfachheit halber beschloss ich, dass 10 Liter gleich 10 kg sind (ja, ich weiß, bei 12-22 Gewichts-% Zucker und außerdem Alkohl ist das alles nicht mehr so, aber in Anbetracht der Messgenauigkeit der mir zur Verfügung stehenden Messinstrumente ist diese Vereinfachung legitim, trust me!). Allzu süß sollte das ganze nicht werden, aber ich wollte auch ein bisschen Abstand zur untere Grenze des Zuckergehalts haben, weil wegen Messungenauigkeit, vereinfachte Annahmen und so. Wir nennen das Sicherheitszuschlag. Also beschloss ich, 15 % Zuckergehalt anzustreben. Also mussten 1,5 kg Zucker in die Mischung. Der Sirup hatte einen Zuckergehalt von 50 Gewichts-%, also mussten 3 kg Minzsirup rein. Die nächste Frage war: Wieviel Alkohl? Ich entschied mich, mal so 10 Vol-% anzustreben (ja, auch hier: Ich weiß, Wasser dehnt sich beim Gefrieren aus, also ist das dann alles ein bisschen anders, aber ob es nun 10 Vol-% oder 9,5 Vol-% sind, who cares?). Wenn ich 10 Liter Cocktail mit einem Alkoholgehalt von 10 Vol-% haben möchte, heißt das also, ich brauche 1 l reinen Alkohol (Der wäre aber unverhältnismäßig teuer bzw auf legalem Wege auch sehr schwer beschaffbar). Da ich keinen Rum mag, nahm ich Pitu als Alkoholquelle. Der enthält laut Etikett 40 Vol-% Alkohol (hm, bei welcher Temperatur?). Es mussten also 2,5 Liter Pitu in die Mischung. Da ich 2x 0,7 und 1x 1 Liter kaufte, waren es schlussendlich nur 960 ml Alkohol. Jetzt musste noch der Geschmack abgestimmt werden. Also kippte ich eine Flasche Limettensaft nach der anderen in die Mischung, aber es brauchte insgesamt 4x 0,75 Liter Limettensaft, bis es nicht mehr pappsüß schmeckte. Den Rest füllte ich mit Wasser auf, gab noch eine gute Handvoll ganz fein gehackte Minze hinzu und stellte die Frozen Drink Maschine an.

tl;dr

3 kg Minzsirup

2,4 Liter Pitu

3 Liter Limettensaft

auf 10 Liter mit Wasser auffüllen

1 gute Handvoll feingehackte Minze

Erdbeer-Zitronen-Cocktail (ohne Alkohol)

Weitere Recherchen ergaben, dass Erdbeeren von sich aus einen Zuckergehalt von um die 12 Gew-% haben. Die Erdbeeren kauften wir bereits im Juni, als sie so richtig schön süß und aromatisch waren. Wir pürierten 2,5 kg Erdbeeren, füllten das Pürree in Gefrierdosen und bewahrten sie im Tiefkühlschrank auf. Am Freitag abend nahmen wir sie wieder aus dem Tiefkühlschrank, nur um sie am Samstag wieder einzufrieren. Energieeffizient geht anders, ähem…

Die verbleibenden 7,5 kg der Mischung brauchten jetzt also auch wieder einen Zuckergehalt von 15 Gew-%. Also 1,125 kg Zucker oder aber auch 2,25 kg Sirup. Und weil das ja das Kindergetränk werden sollte, kam hier auch nur 1 Flasche (750 ml) Zitronensaft rein. Den Rest wieder mit Wasser auf 10 Liter aufgefüllt.

tl;dr

2,5 kg pürrierte Erdbeeren

2,25 kg Zuckersirup (50 Gew-%)

750 ml Zitronensaft

auf 10 Liter mit Wasser auffüllen

Schon bevor die Party überhaupt losging, hatten wir auf die Weise schon jede Menge Leergut produziert

2014-08-23 13.45.13Beide Mischungen brauchten dann ca 2 Stunden, bis sie eine richtig schön sulzige Konsistenz entwickelten. _DSC1618Und ich sag euch, beide Drinks waren saulecker und auch toll miteinander mischbar! Ein voller Erfolg! 20 Liter Cocktails wurden von 38 Erwachsenen und ner ganzen Menge Kindern restlos weggetrunken! (Dass wir noch ca 2,5 Kisten Bier von 3 übrig haben, darüber hüllen wir hier ganz dezent den Mantel des Schweigens… Und auch andere Getränke haben sich wahrscheinlich etwas wenig beachtet gefühlt, kamen aber zum Einsatz, als die Frozen Drinks alle waren)_DSC1619Die andere Attraktion des Abends waren die frischgebackenen Pizzas vom Pizzaprinzip. Um 15 Uhr kam das 3-köpfige Team und feuerte den fahrbaren Steinofen mit Buchenholz an2014-08-23 15.30.51 und ab ca. 17 Uhr begann dann der Spaß mit Pizza Bianca (hachdünn ausgerollter Pizzateig mit Olivenöl bestrichen und mit Salz und Rosmarin bestreut), gefolgt von Margharita, Salami, Cipolla Piccantina, Salsicce, Napoli und zum Nachtisch gabs dann Pizza Nutella! Ja, das schmeckt und es wurde von mehreren anwesenden Italienerinnen bestätigt, dass das kein Frevel sei (und Italienerinnen können sehr dogmatisch in Bezug auf italienisches Essen sein!). Da wir das Gartenfest ja leider aufgrund der herbstlichen Witterung spontan zum Wohnungsfest umgemodelt hatten, wurde uns die Pizza sogar von unten, wo der Ofen auf der Straße stand, nach oben in den 1. Stock gebracht. Jede konnte sich am herumgetragenen Teller so viel bedienen, wie sie wollte und es wurde laufend Nachschub geliefert. Und wirklich jede Pizza war geschmacklich grandios! Tolles Konzept, dieses PizzaPrinzip. Ganz klare Empfehlung, falls ihr im Raum Köln/Bonn wohnt und mal ein etwas anderes Catering für eure Party wollt.

Dank der tollen Gäste, die durch sehr leckere mitgebrachte Salate, Desserts und Kuchen auch noch zur totalen Überfütterung beitrugen hatten wir ein wunderschönes, sehr entspanntes und mit minimalem Arbeitsaufwand vorbereitetes Sommerfest im herbstlichen August (nie wieder plane ich ein Draußenfest im August, auf unserer Hochzeitsfeier 2010 war es auch schon ziemlich frisch und feucht).

Allgäu 21.07.2014 – Regen im Paradies

Es hatte sich eingeregnet. Oder, wie der Liebste zu sagen pflegt: Heute regnet es auch nur einmal.

Den Morgen vertrödelten wir in der Ferienwohnung. Erstaunlich harmonisch. Die kleinen Menschen haben gespielt, gemalt, Bücher geguckt, Hörspiel gehört und waren wirklich sehr sehr gut drauf. Die Erwachsenen haben gelesen, sich unterhalten, vorgelesen, Fragen beantwortet und waren sehr entspannt. Und Uno haben wir alle zusammen gespielt.

Nach dem Mittagschlaf des kleinen kleinen Menschen war dann aber trotzdem mal rausgehen angesagt. Also zogen wir uns alle die Regensachen an und los gings An unserem letzten Tag im Allgäu ist es vor allem eines: Nass!zum Hinanger Malerwinkel.2014-07-21 16.04.52Hier also mal die Version für faule Maler. Keine Farben, keine Details, keine Berge. Ist man auch schnell fertig mit dem Bild 😀 (Wie es im Dunkeln dort aussieht, kann man hier sehen.)

Wir machten uns stattdessen einen Spaß daraus, wer die meisten Bergsalamander sieht. Das hat aber auch interessante Begleiterscheinungen.Der kleine kleine Mensch beeindruckte uns durch einen unglaublich scharfen Blick. Auf den Schultern des Liebsten entdeckte er aus über 2 Metern Höhe einige Exemplare, die keiner von uns vorher entdeckt hatte und ging voll ab! Da! Mehr! Wieder! Lamander!

Da die Wettervorhersage für den nächsten Tag leider auch nichts anderes sagte als für diesen, entschieden wir uns, einen Tag früher als geplant ganz gemütlich zusammenzupacken und gegen Mittag abzureisen und gen Schwaben zu fahren.

Es waren wieder einmal ganz wundervolle 9 Tage im Allgäu auf dem Hof der Familie Winkler und auch, wenn es uns im nächsten Jahr mal wieder in die Ferne zieht (wir haben nur leider noch immer keinen Plan, wohin genau eigentlich), werden wir auf jeden Fall in nicht allzu ferner Zukunft wieder dort Urlaub machen!

Allgäu 20.07.2014 – Freibergsee

Den Freibergsee hatten wir 2011 eher zufällig als Badesee entdeckt. Damals ohne Badekleider unterwegs, kühlten der große kleine Mensch und ich uns kurzerhand im Adams- bzw. Evaskostüm ab. Diesmal hatte ich eine andere Mission: Fotoshooting für den Bombshell Swimsuit.

Geparkt haben wir an der Ziegelbachbrücke. Von da aus ging es über gut ausgebaute Wanderwege mal wieder, wie sollte es anders sein, steil bergauf, dafür aber auf direktem Weg zum See. Am See angekommenZum Freibergsee. suchten wir das gleiche Badehüttchen wie vor 3 Jahren, weil, ich hatte ja eine Mission. DSCF7842Dort badete gerade eine recht große Gruppe sehr entspannter, sympathischer Menschen. Als die dann alle aus dem Wasser wieder raus waren (man will ja keine fremden, (halb)nackten Menschen auf seinen Fashionbildern draufhaben), und sich anzogen, machte der Liebste also Bilder von mir im selbstgenähten Badeanzug. miriam_badeanzug_140725-001Anschließend planschte ich noch abwechselnd mit den kleinen Menschen, die sich sehr amüsierten. Dann nochmal Fotos, diesmal von nassen, etwas aus der Form geratenen Badeanzugmiriam_badeanzug_140725-016 und dann machten wir uns auf Richtung Badeanstalt mit Bootsverleih. Der große kleine Mensch hatte nämlich den Wunsch geäußert, Tretboot fahren zu wollen und wir fanden diese Idee alle ganz großartig. Leider waren alle Boote ausgeliehen und wir mussten noch etwas warten. Der sehr freundliche Bootsverleihmensch setzte uns sozusagen auf die Warteliste und wir konnten im angrenzenden Restaurant zu Mittag essen. Leider zog sich der Himmel, wie angekündigt, im Laufe des Essens immer weiter zu. Als wir zum Bootssteg zurückkamen, war noch eine Familie vor uns dran, deren Kinder legten ihre Kleider sorgfältig zusammengefaltet auf eine Bank und in Badekleidern stiegen sie ins Boot. Sie waren keine 5 minuten auf dem Wasser, da fing es an zu regnen. Zuerst nur leicht, dann immer doller. Irgendwann kamen nach und nach die anderen Boote wieder an Land, wir hatten nun die große Auswahl, welches Boot wir nehmen wollten. Der Bootsverleihmensch machte uns, als der Regen etwas nachließ, das Angebot, dass wir es ja mal probieren könnten und jenachdem, wie lange wir auf dem Wasser blieben, dann Mietgebühren zahlen sollten (der war echt sehr nett, der Mensch!). Also Regensachen angezogen, den kleinen Menschen die Schwimmwesten angelegt und raus in den Regen. DSCF7950Ins Boot eingestiegen, was schon recht schaukelig war, uns versucht zu sortieren und dabei fing es wieder sehr heftig an zu regnen. Dem großen kleinen Mensch war das dann aber auch alles nicht so ganz geheuer (er mag nass werden nur unter ganz bestimmten Umständen) und damit war die Bootstour einvernehmlich beendet, ohne dass sie angefangen hatte. Wir blieben dann noch eine Weile unter dem SonnenRegenschirm sitzen, bis der Regen wieder auf ein erträgliches Maß runterging und dann machten wir uns auf den Rückweg, auf dem es Babyfrösche in rauen Mengen zu sehen gab.DSCF7961(Der Liebste entschuldigt sich an dieser Stelle in aller Form, dass es aus unerklärlichen Gründen kein anständiges Foto gibt) Dafür gabs aber auch noch hübsche Disteln.DSCF7962

Wieder in Hinang, hatte der Regen auch wieder ganz aufgehört und wir machten mit der Quadrocopterdrohne vom Trauzeugen noch einen Ausflug zum Bolz- und Spielplatz, wo ich die Drohne im jugendlichen Überschwang dann auch gleich mal in die Böschung fliegen ließ. 2014-07-20 17.46.29

Allgäu 19.07.2014 – Nebelhorn

Manche Dinge muss man einfach wiederholen. Vor drei Jahren durfte der Trauzeuge den großen kleinen Menschen in der Kiepe aufs Nebelhorn tragen, diesmal war der kleine kleine Mensch dran. Die Wettervorhersage war gut, was fürs Nebelhorn, welches ja mit 2224 m schon so richtig Hochgebirge ist (also für allgäuer Verhältnisse), schon wichtig ist. Ich hatte mal ein echt fieses Erlebnis mit Gewitter und Schneeregen am Säntis, das will ich nicht nochmal erleben!

Weil wir wirklich bis auf den Gipfel wollten, um die guten Sichtverhältnisse so richtig auszukosten, nahmen wir die Gondelbahn bis zur Bergstation Höfatsblick. Die Gondel war vollgepackt mit Gleitschirmfliegern. In der Gondel wurden dann die Kunden der Tandemflüge über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt („Wir sind bis 1,5 Millionen Euro versichert. Aber nur, wenn du auch wirklich das machst, was ich dir sage. Wenn ich sage ‚Renn‘ dann muss du rennen, verstanden?“) und mussten die Einverständniserklärung unterschreiben. Oben angekommen verbrachten wir dann auch ziemlich lange damit, den Gleitschirmfliegern beim Starten zuzuschauen und uns gegenseitig zu versichern, dass wir das für ein sehr bescheuertes Hobby halten. allgaeu_web_2014-028Wir hingegen gingen von der Bergstation über den Südgrat zum Gipfel, die zwar erhöhte Anforderungen an die Besteigerin vorraussetzt, aber wir wussten vom letzten Mal, dass dieser Hinweis den Menschen in Sandalen und Flipflops galt._DSC0934 Nach der Tour zum Gaisalpsee war klar, dass der große kleine Mensch diesen Anforderungen gewachsen sein würde. Der Südgrat belohnt außerdem mit einem grandiosen Ausblick. allgaeu_web_2014-029Der Liebste freute sich schon riesig auf die Dohlen, denen er diesmal mit seinem 70-200 mm Teleobjektiv optisch zu Leibe rücken wollte._DSC0887Die letzten Meter des Aufstieges gestalteten sich dann doch irgendwie zäh, der große kleine Mensch wollte nicht mehr so recht und irgendwie war er auch mit nix so richtig zu locken. Auch nicht mit so Mutmaßungen wie „Vielleicht können wir ja von oben den Gaisalpsee sehen, da wo wir vorgestern waren!“. Ihm war das alles herzlich egal und ich musste dann auch feststellen, dass man den Gaisalpsee tatsächlich nicht sehen konnte.

Als wir dann über den „einfachen“ Weg Richtung Höfatsblick aufbrechen wollten, gab es dann auch noch einen ziemlich heftigen Disput über die Wahl des Fortbeweungsmittels. Ich schlimme Mutter hatten nämlich nur Gondeltickets zum Höfatsblick und zurück gekauft. Die Gipfelrunde mussten wir also zu Fuß machen. Das stieß beim großen kleinen Menschen auf ziemlich lautstarken Protest. Schließlich hatte er die Snackpause direkt neben der Gondelabfahrt nach unten gemacht. Warum also sollte er laufen, wenn es doch auch eine Gondel nach unten gab… Dieses Theater ging diesmal auch wirklich lange, so 15 Minuten oder so (der Weg war aber auch wirklich steil und rutschig, so Schotterzeugs, auf dem man ständig rutscht…). Dann entdeckten wir am Wegesrand ein altes Schneefeld. Und plötzlich gings wieder. Aber gut, wenn man dem Papa mittels des kleinen Bruders Schnee in den Nacken stecken kann, wer denkt da noch an Protest und Rummotzen?

Auf dem Weg nach unten konnten wir uns auch weiterhin sehr darin bekräftigen, was für ein beklopptes Hobby dieses Gleitschirmfliegen ist. Außerdem gab es noch eine Gratislektion in Meteorologie und man konnte schön sehen, wo der Hangaufwind, der seit Mittag blies, am stärksten war.Manche sind aber wagemutiger als andere.(Wir nehmen an, dass dieser Stunt Absicht war und soweit wir das beurteilen konnten, wurden bei der Erstellung dieses Fotos auch niemand verletzt)

Da ich den großen kleinen Menschen ja den ganzen Abstieg über versucht hatte, mit dem Spielplatz zu locken, legten wir also zurück am Höfatsblick eine sehr ausgedehnte Spielplatz- und Mittagspause ein. Das fiese am Hochgebirge ist ja, dass es dort meist ein paar Kelvin kälter als im Tal ist (was ich ja toll finde!) und man mangels Bäumen in der prallen Sonne sitzt. Aber wir sind alle ohne Sonnenbrand oder Sonnenstich davon gekommen. Abschließend gab es noch einen Abstecher zum Zeigersattel.allgaeu_web_2014-050 Irgendwann wurde mir bewusst, dass es schon kurz vor 4 war und die letzte Gondel ins Tal um viertel vor 5 fuhr. An sich kein Problem, aber mit den drei Kindern (hups, haben wir uns verzählt? Nein, den Trauzeugen durften wir halt auch nicht da oben unbetreut zurücklassen) braucht man ja immer, bis man loskommt. Und kurz vor knapp an der Gondelstation ankommen ist auch suboptimal („Ich muss Pipi!“, ihr kennt das…). War dann aber auch alles ganz entspannt. Durch das richtige Objektiv betrachtet, liegt die Gondelstation ja eh quasi direkt neben dem Zeigersattel.allgaeu_web_2014-048

Allgäu 18.07.2014 – Jetzt aber wirklich chillen!

Das mit dem Chillen begann dann tatsächlich schon am Abend direkt nach der Wanderung. Wir haben immer recht simple, aber immer leckere Sachen gekocht, aber an dem Abend gab es Nudeln mit Pesto, einfacher kochen geht kaum. Ich bin dann auch mehr oder weniger mit den kleinen Menschen gleichzeitig ins Bett, unter anderem auch deshalb, weil die Halsschmerzen, die ich vor dem Urlaub schon mit Antibiotikum bekämpft hatte, nicht so recht weggehen wollten und ich schon ahnte, dass es wohl ein paar hartnäckigere Bakterien geschafft hatten, das Amoxicillin zu überleben. Doof das…

Der Liebste raffte sich, als es annähernd dunkel war, nochmal auf, nahm die Kamera und das 8 mm Fisheye-Objektiv mit und legte sich neben der Kuhweide ins Gras.allgaeu_web_2014-026natürlich nicht, ohne sich vorher nochmal ordentlich mit Antibrumm eingesprüht zu haben (denn sein ansonsten sehr wirksamer Insektenschutz (c’est moi) lag schon im Bett und ließ sich dort zerstechen)allgaeu_web_2014-027Dabei fürchtete er sich die ganze Zeit um sein geniales Köpfchen, denn er hatte zwar den Insektenschutz nicht vergessen, dafür aber den Kuhhufschutz. Im Dunkeln konnte er zwar nicht sehen, wo die Kühe waren, aber das wiederkäuende Schmatzen in unmittelbarer Nähe konnte er dafür umso besser hören.

Am nächsten Tag machten wir es dann aber wirklich wahr mit der Erholung, größtenteils aber nur deshalb, weil wir den Trauzeugen/Patenonkel um 16 Uhr am Bahnhof in Sonthofen abholen wollten. Und so Langschläfer wie wir (ich muss ja mal ein bisschen angeben vor den ganzen gefrusteten Eltern kleiner Kinder: Wir haben jeden Morgen bis 8 Uhr geschlafen und mussten die kleinen Menschen teilweise um 8:30 Uhr wecken. Jaja, seid ruhig ein bisschen neidisch!) sind um 16 Uhr natürlich noch nicht wieder vom Berg runter und geduscht. Also gingen wir in das neu eröffnete Freibad in Altstädten.emiljulius_gallery_140727-062_jpgEin ganz unprätentiöses, aber sehr schön angelegtes Naturfreibad mit toller Aussicht. Und vor allem: Keine Wasserrutschen oder anderer Schnickschnack, der den Lärmpegel in unerträgliche Höhen treibt. Der Spielplatz mit Hängematten zum Chillen für die kleinen Menschen war schön im Schatten, einzig, dass es keine Pommes zu essen gab, hat die Freibadnostalgie ein wenig getrübt. Anschließend haben wir den auch sehr schön angelegten Spielplatz auf der anderen Straßenseite noch ausprobiert und sind dann gemütlich nach Sonthofen gefahren.emiljulius_gallery_140727-063_jpg

Hochglanznaivität

Kurze Unterbrechung des Wohlfühlprogramms auf diesem Kanal für einen kleinen Rant. Morgen gehts dann weiter mit Familienurlaubsflausch, versprochen!

Während die einen jammern, dass an ihrem Elend doch immer nur die anderen (Gesellschaft, Strukturen, Patriachat) Schuld sind, erzählen uns nun andere, dass wir doch schlicht selber schuld seien, wenn wir unseren Traumlifestyle, unseren Traumjob und unsere Traumkinder nicht total easy und entspannt unter einen Hut bekommen.

Am Wochenende wurde ich via featurette.de auf einen Artikel von Teresa Bücker aufmerksam in dem sie für das online Magazine Edition F die Profibloggerin und Fotografin Katja Hentschel porträtiert. Bzw. ihr massiv Platz für Selbstmarketing einräumt. Selbstmarketing ist ja an sich nichts schlechtes, aber wenn es derart substanzlos und oberflächlich ist, wie in diesem Fall, nunja, dann ist das irgendwie wohl eher Angeberei.

In dem Portrait erklärt uns also Katja Hentschel, dass Vereinbarkeit von Mutterschaft und Job ganz viel mit Einstellung zu tun habe. Nach 5 Wochen Mutterschaft weiß sie zu berichten, dass sie die anstrengendste Zeit mit dem Baby ja bereits erlebt habe. Und dass das ja alles halb so wild sei, und sie finde, es fehle an positiven Vorbildern in den Medien, wie man es schaffen könne Elternschaft und Karriere zu verbinden. Deshalb hat sie parallel zum Kind kriegen noch ein neues Blogprojekt gestartet. Ein Gemeinschaftsblog, welches eben diese positiven Vorbilder zeigen will.

Ich mein, ernsthaft? Nach 5 Wochen weiß sie wirklich wie der Hase läuft? Weil sie ja schon 5 Tage nach der Entbindung wieder im Cafe war? Wieviel Prenzlauer Berg Hipster Klischee kann man eigentlich in ein Leben packen? (Okay, das war jetzt unfair. Katja Hentschel hat nun mal dieses Leben, und das gönne ich ihr auch von Herzen.) Aber für die allermeisten Frauen besteht das Leben nun mal nicht darin, in High Heels um die Welt zu jetten, in Prenzlauer Berg Kaffee trinken zu gehen und ein Leben wie im Hochglanzmagazin zu inszenieren. Okay, das ist die eine Seite.

Es gibt aber auch noch die andere: Mir geht regelmäßig die Hutschnur hoch, wenn ich lese, höre, erlebe, dass es nun mal nicht anders gehe, als dass ein Elternteil Teilzeit arbeite, dass das nun mal meist die Frauen seien, weil die ja eh schon den geringeren Verdienst haben, weil ja der Kindergarten nur bis 12 Uhr Mittags geht, dass der Kindsvater in seinem Job auf keinen Fall mehr als 2 Monate Elternzeit nehmen könne (die dann gerne auch gleichzeitig mit der Mutter genommen werden, um gemeinsam eine Weltreise zu machen, statt der Frau dadurch den Rücken für den Wiedereinstieg in den Beruf freizuhalten), etc. pp. Am meisten ärgern mich solche vorgebrachten Klagen von Frauen, die sich als Feministinnen verorten und die Gesellschaft, das Patriachat und die Machtstrukturen dafür verantwortlich machen. Verdammt nochmal, kriegt euern Arsch hoch, verlasst eure Komfortzone and get real!

Ich wusste als Teenager schon, dass ich nie nie niemals auch nur irgendwie finanziell abhängig von irgendjemand sein wollte, wenn ich mal groß bin. Keine Ahnung, ob das einen großen Einfluss auf meine Studienwahl hatte, aber ich habe einen Beruf gelernt, der realistisch in Aussicht stellt und aktuell auch realisiert, dass ich genug Geld verdiene um eine Familie zu ernähren. Klar kann ich ein Ingenieursstudium nur empfehlen, wenn einer sowas auch Spaß macht, wenn sie vor einem Doppelbruch keinen Monsterschreck im Matheunterricht bekommt, und auch Textaufgaben im Physikunterricht ihr Ding sind. Als ich dann in der Situation war, dass ich plötzlich nicht mehr nur Verantwortung für mein eigenes Leben zu tragen, sondern da auch noch der große kleine Mensch (und dessen Vater) war, merkte ich, dass das mit der totalen Unabhängigkeit und dem selbstbestimmten Leben etwas tricky werden könnte. Ich fand nämlich nach der Geburt des großen kleinen Menschen keinen Job in der Stadt, in der der Liebste als Wissenschaftler eine feste Stelle hatte. Sich damit abzufinden, sich halt irgendeine Arbeit zu suchen, was völlig anderes zu machen, und darüber zu klagen, dass alles so gemein und ungerecht ist, und ich auch nicht so genau weiß, warum ich mich plötzlich in einer klassisch rollenverteilten Ehe wiederfinde, wie konnte das passieren, das ist nicht mein Ding. Es war klar, wir müssen unseren Plan ändern. Und das war für uns beide klar. Dieses „Hups, mein Partner ist plötzlich der totale Machochauvi, seit das Kind da und ich zu Hause“ ist auch was, was ich nur sehr bedingt nachvollziehen kann. Es folgte also eine sehr schmerzhafte Zeit, in der ich für den tollsten Job, den ich mir vorstellen konnte, nach Köln zog, während der Liebste und der große kleine Mensch in Hamburg blieben. Für den Liebsten hätte es hier im Rheinland beruflich sogar eine Übergangslösung gegeben, aber hier in NRW war das 2010 mit spontan verfügbarer U3-Betreuung aussichtslos. In Hamburg hatten wir einen Kitaplatz. Für den Liebsten war das keine schöne Zeit, wochentagsalleinerziehend und immer die Perspektive vor Augen, seine Wissenschaftlerkarriere aufgeben zu müssen, wenn wir wieder als Familie zusammenwohnen wollten. Trotz meines höheren Einkommens habe ich von verschiedenen Seiten zu hören bekommen, dass ich seinen Lebenstraum zerstöre. Schlussendlich fügte sich eins ins andere, wir zogen nicht nach Köln, weil es dort schlicht unmöglich war, eine vernünftige Kinderbetreuung zu finden, sondern in eine Nachbarstadt, total unsexy, aber pragmatisch und der Liebste gewann in der Wissenschaftlerlotterie und bekam eine feste Stelle an einer hiesigen Uni. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich all die Schmerzen, die Tränen, die Sehnsucht sowas von gelohnt haben und ich bin froh, dass wir an uns, an unsere Träume, an unsere Karriere geglaubt und daran festgehalten haben, auch als es sehr sehr schwer auszuhalten war. Es ist eine Frage der Prioritäten und für mich war und ist klar: Ich habe nicht 10 Jahre Zeit und Geld in eine Ausbildung investiert, um am Ende beim Job einen großen Kompromiss einzugehen.

Aus der heutigen Perspektive (Vollzeitstelle im Traumberuf, 2 Kinder, Mann festangestellter Wissenschaftler, der 50% der Sorge- und Reproduktionsarbeit leistet) würde ich sagen: Joah, ziemlich so hab ich mir das vorgestellt. Aber: es ist verdammt anstrengend! Es ist hart erkämpft. Wir hatten gute Ausgangsbedingungen. Gute Ausbildung, renommierte Hochschulen, körperlich und psychisch gesund, konnten immer füreinander sorgen (finanziell, emotional und in der alltäglichen Praxis). Das alles ist nicht selbstverständlich und das meiste liegt außerhalb unseres Einflussbereichs.

Und deshalb wehre ich mich entschieden dagegen, wenn eine Frau, die seit 5 Wochen Mutter ist, einen hochflexiblen, weitestgehend selbstbestimmten Job hat, uns erzählen will, dass die Frauen sich nicht so haben sollen, das ist doch voll easy, Kind und Karriere. Mein Traumjob sieht nunmal etwas anders aus. Ich gebe zu, ich bin aus verschiedenen Gründen kein Typ für die Freiberuflichkeit. Ich bin ein Sicherheitsjunkie. Ich finde es für mein seelisches Gleichgewicht verdammt wichtig, zu wissen, wieviel Geld jeden Monat aufs Konto kommt. Außerdem brauche ich feste Strukturen, in denen ich arbeite. Diese festen Strukuren bedingen aber nun mal, das ich da auch nicht so megaflexibel mit den Familienverpflichtungen bin. Ich kann mir mein Leben nun mal nicht um meine Alltagsbedürfnisse drumrumbauen. Mein Job, den ich wirklich sehr sehr liebe, ich will überhaupt gar nichts anderes machen, findet in einem Großkonzern statt. Und noch dazu in einer Männerdomäne. Männer, die größtenteils Alleinverdiener sind, deren Frauen ihnen den Rücken frei halten. Die deshalb auch über Kolleginnen denken, wenn die Mütter sind, dann sind sie genauso wie ihre Frauen zu Hause komplett allein für die Kinderbetreuung und Haushaltsorganisation zuständig. Vergisst eine Mutter mal ihren Fahrradhelm im Büro, dann liegt das daran, dass sie als junge Mutter ja soviel unter einen Hut bringen muss. Egal, wie sehr ich mich für mich anstrenge, mein Leben zu organisieren, ich bewege mich in einem Wahrnehmungsumfeld, in dem ich bewertet werde und in extrem vielen beruflichen Zusammenhängen gibt es Vorurteile gegen Mütter. Dagegen kann ich durch mein eigenes Handeln angehen, aber ich habe keine Garantie, dass ich damit jeden verbohrten Betonkopf bekehre. Ich kann noch so gut sein, noch so sehr wollen, wenn jemand mich immer unter der Blickwinkel „Mutter“ sieht und beurteilt, dann wird es verdammt schwer, den davon zu überzeugen, dass das eigentlich keine Rolle für meine professionelle Beurteilung zu spielen hat und vor allem, dass Väter und Mütter doch bitte wenn schon, dann doch bitte mit den gleichen Vorurteilen zu belegen sind.

Und auch die Kinderbetreuung kann ich nicht um mein Leben drumrum bauen, sondern muss meinen Alltag auch daran ausrichten. Wir sind in der sehr komfortablen Situation, dass unsere KiTa bis 17:30 Uhr geöffnet hat (DER Grund, warum wir NICHT in der hippen Großstadt, sondern in der unsexy Nachbarstadt wohnen). Geht zu zweit. Wenn einer von uns auf Dienstreise ist, kann der andere schon keine 40h/Woche arbeiten. Außerdem: 3 Wochen Sommerschließzeit, die sich nicht mit der vorlesungsfreien Zeit des Liebsten deckt. Ab nächstem Jahr eine offene Ganztagesschulen, wo die Kinder nur bis 16:30 Uhr betreut werden. Kinderkrankheiten die sich nicht an Projektpläne, Betriebsstillstände, Produktionskampagnen halten. Kleinigkeit verglichen mit den Problemen, die ich im Freundinnenkreis so mitbekomme. Ich motze auf hohem Niveau. Aber, und das möchte ich ausdrücklich festhalten, ich sehe, wie privilegiert ich bin, dass viele eben keine Kinderbetreuung bis 17:30 Uhr haben, dass sich viele von einer befristeten Stelle zur nächsten hangeln, keine 10 Tage Urlaub im Allgäu machen können, auch wenn sie sich noch so sehr dafür anstrengen und ihre Prioritäten entsprechend setzen.Die sich abstrampeln, alles geben, sich voll einsetzen und doch ausgebremst werden. Von Strukturen, von schizophrener christdemokratischer Politik, von verbohrten, unflexiblen Arbeitgeberinnen.

Wir brauchen keine Role Models, die uns zeigen, dass man nur genug wollen muss, dann klappt das auch mit der Karriere. Denn wenn es nicht klappt, dann bedeutet das nämlich im Umkehrschluss, dass wir ja schlicht und einfach selber Schuld sind. Ja, Karriere muss man wollen. Beide Geschlechter übrigens. Es gibt auch genügend Männer, die genausowenig ins mittlere Management aufsteigen (wollen), genauso wie es Frauen gibt, die unter Karriere schlicht und einfach „erfüllende Berufstätigkeit“ verstehen. Ich möchte nicht, dass wir mit solchen Erzählungen wie sie bei Glowbus stattfinden, einen unglaublichen Druck auf Frauen ausüben, sich noch mehr anstrengen zu müssen, um ein Leben wie aus dem Hochglanzmagazin führen zu können. Ich halte aber auch nichts davon, es sich in einer vermeintlich ungerechten und von der Gesellschaft erzwungenen Unterlegenheitsposition bequem zu machen und nur die anderen für mein Leid verantwortlich zu machen.

Exemplarisch möchte ich euch hier zwei ganz unterschiedliche, von starken Frauen geschriebene Blogs ans Herz legen:

Frau Brüllen (die heute etwas schneller zum gleichen Thema gebloggt hat ❤ ), eine klare Vorstellung davon hat, welche Prioritäten sie in ihrem Leben setzt und damit, so scheint mir, beruflich das erreicht, was sie will.

Mama arbeitet will auch, aber sie ist leider ein Beispiel dafür, dass wollen alleine nicht genug ist. Sie ist alleinerziehend, unfreiwillig freiberuflich und trotz exzellenter Ausbildung bewegt sie sich finanziell am Existenzminimum.

Allgäu 17.07.2014 – Gaisalpsee

Dachten wir gestern schon, wir sind irre, müsste man uns spätestens jetzt in die Klapse einweisen. Nach der (für die Erwachsenen dieser Familie) Anstrengung von gestern wollten wir heute eher was ruhiges machen. Also konsultierte ich einen unserer Wanderführer, und wir entschieden uns für eine Wanderung „direkt vor der Haustür“. Von Reichenbach entlang des Reichenbachtobels zur Gaisalpe und optional noch bis zum Gaisalpsee. Der zweite Teil war in dem Wanderführer für Kinder ab 6 angegeben. Wir sagten uns: Umkehren können wir jederzeit, mal schauen, wie es läuft. Wollten wir nicht was ruhiges machen? Irgendwo unterwegs muss dieser Vorsatz verloren gegangen sein, wir wissen auch nicht so genau, was da passiert ist…

Die bewährte Strategie, steil, spektakulär, Wasserfälle wendeten wir auch hier wieder an. Vom Wanderparkplatz kurz vor Reichenbach bis zum echten Einstieg in den Tobelweg war es mal wieder mühsam, ab da lief es wie geschmiert.allgaeu_web_2014-018Recht schnell gelangten wir durch den Tobel nach oben auf Alpwiesen und hatten dann die Wahl zwischen der Gaisalpe und der Richtersalpe für eine Einkehr zur Mittagspause. Wir entschieden uns für die etwas kleinere und in unseren Augen sympathischere Richtersalpe (vor allem aber deshalb, weil der Wegweiser zum Gaisalpsee dorthin zeigte).allgaeu_web_2014-019Nach einer Mirabellensaftschorle und einer ausgedehnten Ruhepause machten wir uns dann weiter Richtung Gaisalpsee. Ich fragte die Alpwirtin extra nochmal nach dem Weg (weil mir nämlich die Kante, die mir als zu überwinden notwendig erschien, doch einigen Respekt einflößte) und sie schien in keinster Weise beunruhigt, dass wir mit den beiden kleinen Menschen dort hin wollten. Innerlich lachte ich ein bisschen über den Wanderführer, der den Wegteil zum See erst für größere Kinder empfahl. Also ging es weiter über Alpwiesen und durch kleine Wäldchen, immer weiter hinauf. Wir waren alle guter Dinge, unterhielten uns über alles mögliche, irgendwann musste der Blutzuckerspiegel des großen kleinen Menschen mal ein bisschen aufgefrischt werden, weshalb wir auf dem doch recht schmalen, viel bewanderten Pfand eine Pause einlegten. Dann kam eine leichte Klettersteigpassage mit Drahtseilsicherung und Eisentritten, die der große kleine Mensch aber souverän meisterte (auch nichts anderes als klettern auf dem Spielplatz, oder?). Was dann nicht mehr wie auf dem Spielplatz war, war die Stelle, wo es einen kleinen Wasserfall zu überwinden galt. Das war etwas tricky, weit das eine Seil endete am einen Rand des Wasserfalls und das andere Seil begann am anderen Rand des Wasserfalls. Dazwischen waren 30 cm ungesicherter Steig zu überwinden. Ich bin vorgegangen, habe ihn an die Hand genommen, und doch ist der große kleine Mensch aus Vorsicht sehr nah am Fels und damit direkt unter den Wasserfall getreten. Der wasserdichte Schuh (was immer wieder in Bächen getestet werden musste) war dann also von oben mit erfrischend kühlem Bergwasser gefüllt worden, was für die nächsten 5 Minuten für Geschrei und Gejammer beim großen kleinen Menschen führte. Als das Wasser dann endlich Körpertemperatur hatte, war das Gejammer aber wieder vorbei und weiter ging es frohen Mutes Richtung See.allgaeu_web_2014-020 Ganz zum Schluss, kurz bevor wir den See sehen konnten, bedurfte es dann schon ein bisschen gutes Zureden, aber allein das Versprechen, dass da ganz bald ein See sein würde reichte schon als Motivator.Und da wollen wir hin: Zum Gaisalpsee.Das war übrigens auch die Kante, die uns beim Anblick von unten etwas Respekt eingeflößt hatte.

Am See angekommen wurden dann zuerst die pitschnassen Schuhe und Socken ausgezogen und die geschundenen Füße den im See lebenden Raubfischen zum Fraß angeboten.Oben angekommen, kann Emil erstmal ganz vorsichtig die Füße kühlen.Nach einer ausgedehnten Mittagspause überlegten wir noch ganz kurz, ob es einfacher sei, den Weg zum Höfatsblick zu nehmen und dann mit der Gondel nach Oberstdorf zu schweben und von dort mit dem Bus nach Reichenbach zurück zu fahren, aber uns entgegenkommende Wanderer bestätigten unsere Vermutung, dass der Weg nach oben nicht ganz anspruchslos ist und wir entschieden uns dann doch für den Abstieg über den gleichen Weg, den wir gekommen waren. Merke: wenn die kleinen Menschen lang genuge Beine für diese Klettereien haben: Früh genug los und von Reichenbach zum Höfatsblick durchsteigen.

Auf dem Rückweg nochmal an der Richtersalpe gerastet, den fast schon obligatorischen Käsekuchen gegessen, ein bisschen auf dem Spielplatz getolltemiljulius_gallery_140727-049_jpgDann über die Fahrstraße nach Reichenbach abgestiegen,allgaeu_web_2014-024 wirklich wenig Motivationsspiele spielen müssen und am Ende des Tages bekamen die kleinen Menschen von unserer Vermieterin einen Orden verliehen. Den hatten sie sich aber auch redlich verdient!!!