Fehlt mir vielleicht ein Gen?

Irgendwie habe ich den komischen Verdacht, dass ich nicht ganz normal bin. Der angeblich bei allen werdenden Müttern unabwendbare Kaufrausch ist bei mir noch immer nicht eingetreten und auch ein anderes Phänomen, was ich angeblich allein aufgrund meines Chromosomensatzes erfahren müsste, habe ich bis jetzt noch nicht an mir feststellen können: den Aufzucht- und Pflegeinstinkt. Ich fühle mich in keinster Weise besser auf die Aufzucht und Pflege vorbereitet als ich den Eindruck bei Philip habe. Wir sind in manchen Punkten gleich unsicher, in anderen ähnlich zuversichtlich, dass das schon irgendwie laufen wird.
Glaubt man einigen schreibenden Männern der neuen Vätergeneration, dann haben Frauen allerdings einen angeborenen Mutterinstinkt, der Vaterinstinkt hingegen muss hart erarbeitet werden.
Meine Theorie dazu: Elternschaft ist so ziemlich der einzige Bereich, in dem die Gesellschaft den Frauen höhere Kompetenzen zuschreibt als Männern. Das führt dazu, dass die Frauen in dem Bereich ein Verhalten an den Tag legen, was im Berufsalltag sonst eher bei Männern zu beobachten ist: Absolute Sicherheit bei totaler Unkenntnis. Und weil die Männer das von den Frauen nicht gewohnt sind, denke sie, dass die Frauen instinktiv wissen, wie man mit einem Säugling umgehen muss.
Liebe Männer, lasst euch gesagt sein: Ich habe keinen blassen Schimmer, was da in naher Zukunft auf mich zukommt, da hilft mir auch mein zweites X-Chromosom wenig…
Also von einem Mutterinstinkt von der Entbindung an (oder sogar schon davor) kann wirklich nicht die Rede sein. Auch Mütter müssen sich an diesen Menschen, der von seinen Eltern so abhängig ist, erst mal gewöhnen. Klar, im Normalfall ist die Mutter die Person, die in der Lage ist, diesen Menschen zu ernähren, aber das allein führt doch noch nicht dazu, dass sie die einzige Person ist, die dem Kind Wärme und Sicherheit gibt.
Aber es ist natürlich viel bequemer, sich weiterhin mit dem zu beschäftigen, was man jahrelang eingeübt hat: Tag für Tag bei der Arbeit bei den Kollegen und den Chefs so zu tun, als wüsste man immer bestens Bescheid…

Nachtrag: Eben war ein Techniker hier, um unsere Waschmaschine zu reparieren. Er war sich allerdings nicht ganz sicher, wie lange seine Bastelei hält und meinte: „Falls Ihr Mann gerne bastelt…“ worauf hin ich ihm erklärt habe, dass ICH die Ingenieurin bin. Also, Männer, das nächste Mal, wenn ihr mal wieder nicht wisst, wie ihr mit eurem Kind umgehen sollt, stellt euch doch einfach vor, es sei eine kaputte Waschmaschine oder eine Bohrmaschine. Denn das sind doch die Dinge, wo es angeblich sowas wie einen männlichen Instinkt gibt… Dass es den männlichen Bohrmaschineninstinkt natürlich nicht gibt, wisst ihr schon lange, warum soll es also einen weiblichen Säuglingspflegeinstinkt geben? Aber so, wie ihr einfach ohne Berührungsängste die Bohrmaschine in die Hand nehmt, solltet ihr auch auf eure Kinder zugehen…

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Was ich gerade so treibe…

Sehr ereignisreich sind meine Tage gerade nicht, aber mir ist auch nicht langweilig, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich unglaublich viel schlafe und bei allen anderen Aktivitäten sehr viel Zeit brauche, weil ich super schnell erschöpft bin.

So langsam wird das mit der Kind kriegen echt konkret, am Sonntag haben wir einen Säuglingspflegekurs gemacht, der zum einen sehr beruhigend war, weil man scheinbar gar nicht so viel falsch machen kann mit einem Neugeborenen, andererseits aber auch sehr interessant und lehrreich war, denn nun habe ich immerhin mal eine Puppe gewickelt, verschiedene Tragepositionen ausprobiert, gesehen, wie man ein Tragetuch anlegt (ging bei mir leider nicht, weil mein Bauch zu dick ist…) und weiß jetzt, dass ich dem Kind immer eine Schicht Kleider mehr anziehen sollte wie mir selber. Am Montag war ich dann beim Geburtsplanungsgespräch mit einer Hebamme und einem Arzt in der Klinik, in der ich entbinden werde und abends haben wir uns dann dort auch noch den Kreißsaal und die Wochenbettstation angeschaut. Ausserdem habe ich in den letzten Tagen mal eine Liste gemacht mit den ganzen Babysachen, die wir aus den unterschiedlichsten Quellen bekommen haben und festgestellt, dass da noch ein paar Dinge fehlen. Da mich aber noch immer nicht der angeblich typische Kaufrausch erfasst hat, habe ich wenig Ambitionen, die fehlenden Sachen in so einem Babykonsumtempel zu kaufen. Ich hoffe mal, dass wir noch ein paar Quellen anzapfen können, an denen wir die Sachen gebraucht bekommen können. Ist eh viel besser, weil die Dinge nämlich schon ganz oft gewaschen sind und entsprechend weniger reizende Rückstände in den Sachen enthalten sind.
Sehr entzückend finde ich übrigens die Schuhe, die meine Oma gestrickt hat.
Wie miniklein die Schuhe sind, erkennt man auf dem Photo leider nicht so richtig. Aber ich werde auf jeden Fall auch noch eine Mütze in Auftrag geben, so windig und kalt wie es hier in Hamburg in den letzten Tagen war, kann das auch im Sommer nicht schaden.

Willkommen in Absurdistan

Eigentlich wollte ich zu der ganzen Sache mit der Krankenversicherung nichts schreiben, aber mittlerweile ist in dem Zusammenhang soviel passiert, dass es nun wohl doch mal nötig ist, ein paar Highlights hier zu verewigen…
Ist man in Deutschland gesetzlich krankenversichert und geht in die Schweiz, dann wird einem von der deutschen GKV erzählt, dass es bei einer Rückkehr nach Deutschland kein Problem sei, wieder in die GKV reinzukommen. Soweit so gut. Dann stellt man fest, dass die obligatorische Krankenversicherung in der Schweiz ganz schön teuer sein kann (okay, verglichen mit dem Höchstsatz, den Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen maixmal an die GKV in Deutschland zahlt, ist eine durchschnittliche schweizerische Versicherung fast schon wieder günstig, wenn man alleinstehend ist). Aber es gibt Mittel und Wege, Geld zu sparen, wenn man nämlich Student oder Forscher mit einer begrenzten Aufenthaltsbewilligung ist, dann kann man sich von der obligatorischen Krankenversicherung befreien lassen, wenn man einen vergleichbaren Versicherungsschutz vorweisen kann. Und diesen vergleichbaren Versicherungsschutz bekommt man u.U. deutlich günstiger, wenn es sich um eine Reisekrankenversicherung handelt, bei der keine Rücklagen gebildet werde (klar, denn man wird auch nur für maximal 6 Jahre befreit von der obligatorischen Krankenversicherung, warum sollte die Versicherungsgesellschaft da Rücklagen fürs Alter bilden wollen).
Wie ich dann aber Anfang Mai herausfinden durfte, darf/muss die GKV in Deutschland einen nicht mehr wieder aufnehmen, wenn man sich vom Versicherungsobligatorium in der Schweiz hat befreien lassen. Naja, es gibt ja schließlich noch private Krankenversicherungen, aber die nimmt eine Schwangere nach der 20. Schwangerschaftswoche nicht mehr auf. Das wusste ich auch, denn ich hatte mich bereits im November nach Möglichkeiten, mich in D kranken zu versichern erkundigt. Und auch von Seiten der PKV wurde mir damals gesagt, dass die GKV mich nehmen müsse. Ich hätte schier verrückt werden können, als ich mehrmals täglich mit beiden Krankenversicherungen telefoniert habe und jede behauptete, die andere KV müsse mich versichern. Denn es gibt seit 01.01.09 einen sogenannten Basistarif, den die privaten Krankenversicherer anbieten müssen und bei dem sie niemanden aus gesundheitlichen Gründen ablehnen dürfen. Denn das deutsche Krankenversicherungssystem war scheinbar soooo löchrig, dass viel zu viele Menschen in D nicht in der Lage waren, sich kranken zu versichern, weil sie schlicht und einfach nicht ins Raster passten.
Letze Woche dann endlich erhielt ich die mündliche Zusage, dass ich in diesem Basistarif versichert werden kann und dass die Unterlagen fertig gemacht werden. Da dachte ich „Puh, das wäre also endlich geklärt“, aber weit gefehlt. Am Montag hatte ich meinen ersten Termin zur Vorsorgeuntersuchung bei einer Gynäkologin hier in Hamburg. Und natürlich hat das Praxisteam dort Stress gemacht, weil sie nicht wissen, wie sie mich abrechnen sollen. Teile der Unterhaltung sowohl mit der Arzthelferin als auch mit der Ärztin waren total absurd und ich hab mich wirklich gefragt, ob ich Chinesisch spreche. Die Ärztin behauptete, den Basistarif gäbe es erst ab September, die Arzthelferin sagte, sie habe noch nie etwas von einem Basistarif gehört. Und solange ich nichts schriftliches von der Krankenversicherung vorlege, werden sie mich nach dem Standardtarif für Privatpatienten abrechnen, der natürlich über dem Satz liegt, den mir die PKV im Basistarif zurückerstattet.
Bei den ganzen Diskussionen um die Gesundheitsreform in Deutschland habe ich immer gesagt, dass die Kopfpauschale auch keine Lösung sei, denn auch das schweizerische Gesundheitssystem hat mit Kostenexplosionen zu kämpfen und erst kürzlich wurde bekannt, dass manche Krankenversicherung die Prämien um bis zu 20 % erhöhen wird. ABER im schweizerischen System gibt es immerhin kein 2-Klassen-System. Dem Arzt ist egal, wer die Rechnung zahlt, er rechnet immer gleich ab und somit wird auch jeder Patient gleich behandelt. Dass dies in Deutschland nicht der Fall ist, durfte ich am Montag am eigenen Leib erfahren, denn dass mein ungeklärter Krankenversicherungsstatus während der ganzen Untersuchung im Vordergrund stand, hat mich dann doch ziemlich geschockt.
Da heute das Bundesverfassungsgericht den Basistarif bestätigt hat, gegen den 5 private Krankenversicherer geklagt haben, kann nun auch keine Arzthelferin mehr behaupten, den Basistarif kenne sie nicht, denn dann werde ich sie fragen, ob sie die Nachrichten nicht verfolge…