Tropical Trousers

Wer mir auf Twitter folgt, hat es schon mitbekommen: ich bin gerade in Indien auf Dienstreise. Als sich abzeichnete, dass diese Reise ansteht, war klar, dass Tropen- und Werkstatt-geeignete Kleidung her muss. Also nähte ich Leinenhosen. Und Shirts aus viskosejersey.

Eine Kombination der so entstandenen reisegarderobe fotografierte der Liebste im Rahmen der „Sweetheart und Stacheldraht“ Session. 

Morgen gibt’s die ersten reisenotizen, jetzt erstmal nur Bilder der Tropical Trousers 

Der Shirtschnitt ist vom plantain top abgeleitet. Ich hab 4 cm in der Mitte vom Vorderteil zugegeben, hab diese mehrweite am Hals mit Falzgummi eingehalten 

und unten und an den ärmelsäumen mit der overlock und dem gummiannähfuß ein Gummi angenäht. Da der Stoff eher dünn ist, musste ich die Säume mit dünner Einlage bebügeln, damit es funktionierte

Die Hose ist mein bewährter Hosenschnitt mit einer Stickerei von urban threads auf dem Bein. 

In den Bund habe ich wieder eine Waschhilfe für den Liebsten eingestickt 

Die Tascheeingriffe sind ebenfalls mit Blumen verziert. Und der Knopf ist auch ne Blume.

Ich bin gespannt, wie sich die Hose bewährt. 


Tagebuchbloggen 05.05.2017

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen möchte wissen, was ich eigentlich den ganzen Tag mache.

5:25 Uhr der Wecker vom Liebsten klingelt. Er schleicht sich aus dem Zimmer und macht sich auf Richtung Hörsaal, Studierenden was über Physik erzählen.

6:40 mein Wecker klingelt..wie immer kuschel ich noch ein wenig mit der Decke, Ehe ich um 7:00 Uhr aufstehe. Um 7:20 Uhr hole ich den kl kl Mensch aus seinem Bett. Der gr kl Mensch ist rekonvaleszent und darf heute noch zu Hause bleiben. Also auch ausschlafen. Die letzten 3 Tage war er mit dem Liebsten zu Hause. Heute bin ich dann wohl mal dran.

7:50 Uhr der kl kl Mensch und ich radeln zum Kindergarten

8:15 Uhr als ich nach Hause komme sitzt der gr kl Mensch vorm Fernseher. Das ist, glaube ich, das erste Mal, dass er ohne meine Erlaubnis den Fernseher anmachte. Aber gut, ich war ja auch nicht da, um gefragt werden zu können. Ich baue meinen Laptop im Esszimmer auf und fange an zu arbeiten.

8:45 Uhr ich muss für ne halbe Stunde ins Büro, telco mit Chef und kollege in Indien. Fragt nicht, warum das nicht per Skype ginge…. Aber das ist auch ganz gut so, denn so kann ich noch meine eigenen Sicherheitsschuhe holen und muss keine gebrauchten Leihschuhe anziehen in Indien.

10:00 Uhr ich bin wieder zu Hause, der gr kl Mensch schaut noch immer „es war einmal… Amerika“. Das Telefonat mit dem Kollegen war positiv. Nachdem der erste Tag von ihm eine Katastrophe war, hat sich wohl mittlerweile rumgesprochen, dass wir ziemlich pingelige Kunden sind. Und es geht wohl mittlerweile schneller voran, so dass sich mein Rückflug hoffentlich nicht nach hinten verschieben wird. Wir haben das Programm ja aufgeteilt. Mein Kollege ist seit Dienstag dort, ich fliege am Sonntag hin, dann arbeitet er mich 3 Tage ein, er fliegt zurück und ich mache den Rest alleine weiter. Was eben auch bedeutet, dass ich solange dort bleibe, bis alles fertig ist.

Homeoffice bedeutet, dass ich keinen Zugriff auf die Bürokaffeemaschine habe, die mir diese Mischung aus Kakao und Milchkaffee macht. Aber ich habe gerade festgestellt: Milch mit dunkler Caotina und nem Espresso ist noch viel leckererer. Weil nicht so süß wie das Zeug aus dem Automaten. 

Da das vpn aus unerfindlichen Gründen immer meint, ich sei offline, muss ich mit dem IT Support telefonieren. Der gr kl Mensch konstatiert, dass er kein Wort verstehe. Zwischendurch dem dpd Boten den Empfang eines Pakets quittieren. Die Teller, die ich vorgestern bestellte sind da. Denn unsere Frühstücksteller von Ikea werden immer weniger und die haben aktuell keine hübschen Porzellanteller im Angebot. Die hier sind von Kahla.

12:15 Uhr wir fischen Hühnersuppe aus dem Tiefkühlschrank. Auftauen, Buchstabennudeln rein, fertig ist unser Mittagessen. 

12:50 die Bananen sind mal wieder überreif, also back ich schnell mal wieder ein Bananenbrot. Diesmal aber mal ein neues Rezept. Und wer sich jetzt, so wie ich, fragt, wo man Muscovado-zucker herbekommt: das ist Vollrohrzucker. Gibts bei dm, Rewe oder im Reformhaus (bestimmt auch noch woanders, das waren die stellen, wo ich ihn bisher sah). Und der schmeckt tatsächlich sehr anders als rafinierter Zucker. 

13:30 der gr kl Mensch hätte gerne „Papa Weidt“ vorgelesen. Ich hab jedesmal wieder Gänsehaut, wenn ich das lese. Danach schaut er in der maus-app Sachgeschichten, ich schlage mich weiter mit excel-formatierungen rum.

Zwischendrin bekomme ich eine Mail, dass mein Paket zugestellt worden sei. Der DHL Bote probiert es wochentags gar nicht mehr, uns das Paket persönlich zu übergeben, sondern stellt es direkt am vereinbarten Ort ab. 

15:15 Uhr der Liebste kommt nach Hause. Ich muss noch in die Apotheke, die Reiseapotheke abholen. Malariatabletten, Breitbandantibiotikum (zu dem die Apothekerin meinte, das helfe gegen Grippe. Ja, so hab ich auch geguckt), Mückenschutz, etc. Also gehen wir zu dritt einkaufen, der kl kl Mensch ist bei einem Freund.

16:30 Uhr ich fange schonmal an, die wichtigsten Sachen für die Reise zusammen zu suchen. Ich fliege zwar erst Sonntag, aber ich packe nicht gerne auf den letzten Drücker. 2 Hosen müssen auch noch gebügelt werden, eine noch gesäumt.

Zwischendurch chatte ich mit dem Kollegen, der schon vor Ort ist. Und packe den Stapel DIN A3 Zeichnungen wieder aus. Unnötig. 

19:00 Uhr Abendessen

19:40 Uhr während der Liebste die kleinen Menschen ins Bett bringt räume ich die Küche auf und verarbeite den Rhabarber aus der Gemüsekiste zu Kompott 

20:00 Uhr wir machen eine Flasche Wein auf, öffnen ne Tüte Chips und recherchieren Unternehmungen auf Ameland. Dann suche ich Gummistiefel. Anschließend schauen wir noch eine Folge von „The Americans“ bevor wir ins Bett gehen. 

22:30 Uhr der brötchenteig für morgen früh muss noch gemacht werden. Während der Liebste Brötchen macht, falle ich mal wieder in das YouTube-kanninchenloch.

Geburtstagsgastkleid

Dieses Kleid hat mich Nerven gekostet. Sehr viele Nerven. Und ein paar vergossene Wuttränen.ballschuerze_170430-013

Vor einem Jahr bei einem Nähkränzchen wurden meine Mitstreiterinnen Karin, Antonia und Susi Zeuginnen davon, wieviel Aufwand es für mich ist, ein Schnittmuster anzupassen. Ich nähte eine Nesselprobe des Tia Dress. Und nachdem das Probeteil mit dem im Craftsy-Kurs gezeigten Full Bust Adjustment ü.ber.haupt nicht saß, machte ich die Schnittteile mit Hilfe meines Grundschnittes nochmal neu. Aber auch die saßen nur so mittel. Und dann wanderte Das Probeteil in eine Kiste und ich nähte andere Sachen und nunja. Dann hatte ich im März die Idee, dass ich das Tia Dress ja beim 60. Geburtstag meiner Mama tragen könnte. Also die Probe wieder hervor gekramt, angezogen, weit weg von perfekt. Ein bisschen rumprobiert, einen veritablen Wutanfall bekomme und dann kam dem Liebsten die rettende Idee: Sebastian Hoofs um Hilfe bitten. Gesagt, getan. Vorletzte Woche, als die kleinen Menschen die Osterferien bei den Großeltern verbrachten, radelte ich nach der Arbeit zu Sebastian und wir tüfftelten gemeinsam noch mehrere Stunden an dem Teil. ballschuerze_170430-011.jpg

Als ich es dann aus dem richtigen Stoff, eine Eroberung vom Tauschtisch bei der anNÄHerung 2016 (Danke Susi!!!!!) zuschneiden wollte, die ernüchternde Erkenntnis, dass der Stoff für einen eingekräuselten Rock nicht reichen würde. Im lokalen Stoffgeschäft gab es allerdings nur einen einzigen Stoff, der mir gefiel und der sollte 29,50 €/m kosten. IMG_20170422_125616549Ich brauchte 4 m. Das war mir dann doch etwas zu viel Geld. Also entschloss ich mich schweren Herzens dazu, den Rock eben als einfachen Tellerrock zu arbeiten, ohne Kräusel. (Schlussendlich kürzte ich den Rock um 11 cm, ein bisschen mehr Weite hätte ich also reinbekommen, hätte ich vorher die Länge gecheckt. Aber ich finde, das geht immer erst am fertigen Kleid)ballschuerze_170430-008

Als ich das Kleid heute beim Geburtstag meiner Mama trug, waren sich meine Mama und meine Tanten einig, dass meine Oma sehr stolz auf dieses Kleid gewesen wäre. Perfekte Passform, akurat gearbeitet, wunderschöner Stoff. Diese Komplimente taten sehr gut! ballschuerze_170430-022Und sie hatten auch direkt Ideen für weitere Varianten des Kleides. Denn wir warne uns einig: Der Aufwand rechtfertigt noch ein paar weitere Kleider nach dem Schnittmuster. Und mit ausreichend Stoff auch mit Kräuseln/Falten im Rock. ballschuerze_170430-018

Da es heute eher kühl war, trug ich die meiste Zeit eine Jenna Cardigan dazu, die ich aus einem alten Merino-Feinstrick-Rolli des Liebsten geupcyclet habe.ballschuerze_170430-002

Sweetheart und Stacheldraht

Hin und wieder beißt mich die Inspiration. Da sehe ich plötzlich ein ganz bestimmtes Kleid vor mir und dann werden alle anderen Projekte liegen gelassen und ich arbeite fast schon manisch an der Umsetzung meiner Vorstellung. So geschehen mit diesem Kleid.dreiOutfits_170408-031

Das Schnittmuster ist das Coat Dress aus Gertis Book for better sewing. Aber wie eigentlich immer habe ich mir angeschaut, wie die charakteristischen Designelemente umgesetzt sind und den Schnitt dann selber nach meinem gut angepassten Grundschnitt gemacht. Für Kleider mit klassischen Brustabnähern, Taillenabnähern, Taillennaht funktioniert das mittlerweile sehr gut und ich muss kein Probeteil nähen. Der Zeitaufwand fürs Schnitt erstellen wird also auf jeden Fall durch den Wegfall von unendlichen Anpassungen aufgewogen.dreiOutfits_170408-027

Zuerst schwebte mir ein richtig winterliches Kleid aus Wollflanell vor, aber dann kam plötzlich dieser Biss der Inspiration (ja, es ist ein Biss, kein Kuss. Ein Kuss ist sinnlich, zärtlich, weich. Aber das ist es nicht. Es ist plötzlich, Adrenalin ausschüttend und einfach bäng!). Auf das Revers diese StickereidreiOutfits_170408-065

Grauer Anzugstoff schien mir für das Unterstreichen dieses Statements perfekt geeignet und ich hatte tatsächlich noch einen ausreichend großes Stück, das eigentlich für einen Hosenanzug vorgesehen war, im Lager. Das Reverse musste etwas vergrößert werden, damit die Stickerei drauf passte, aber ich mag große Revers. Zuerst schwebte mir noch mehr Stacheldraht am Saum des Kleides vor, aber da es ein sehr langer Saum ist, befürchtete ich, dass das zu viel werden könnte und imitierte stattdessen ein Oberarm TattoodreiOutfits_170408-059

Dem Saum spendierte ich dafür einen etwas weniger auffälligen Zierstich, der stilistisch aber sehr gut zum Stacheldrahttattoo passt

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Dieser Zierstick erfüllt aber durchaus noch einen Zweck, er hält nämlich das Versteifungsband (Crinolborte, horsehair braid), mit dem der Saum verstürzt istdreiOutfits_170408-064

Bei den eingesetzten Ärmeln habe ich ein bisschen experimentiert, die Falte hätte eigentlich in die andere Richtung (also nicht nach innen als Kellerfalte, sondern nach außen als Quetschfalte) gelegt werden sollen.  Ein Experiment, was ich eher nicht wiederholen werde. Es ist interessant, aber ein bisschen komisch sieht der Ärmel aus.dreiOutfits_170408-058

Aber dieses Kleid ist ganz ganz große Liebe. Auch oder gerade weil ich mich darin fühle wie eine KGB Führungsoffizierin. dreiOutfits_170408-045

Das Schnittmuster, an dem ich mich ja nur orientierte, aber eben schon schaute, wie ist der Fadenlauf, welche Schnittteile brauche ich, … sah keinen Rückenausschnittbeleg vor. Aber dann wäre diese Kante unversäubert geblieben und die vorderen Belege hätten an der Schulternaht unmotiviert rumgelommelt. Außerdem ist der Rückenausschnittbeleg bestens dafür geeignet, geheime Informationen zu verbergen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was den Fadenlauf angeht, hätte ich auch besser auf mein Gefühl hören sollen, die Knopflöcher am Rockteil sind nächmlich im schrägen Fadenlauf und sehen nicht sehr schön aus. Trotz Einlage…OLYMPUS DIGITAL CAMERA

(Oberteil: Knopflöcher senkrecht zum Fadenlauf, Rock: Knopflöcher schräg zum Fadenlauf)

Die Knöpfe sind die beziehbaren Knöpfe, die man in jeder Kurzwarenabteilung kaufen kann. Das ginge sicher auch noch schöner, aber irgendwie habe ich es verpeilt, Stoff nach Berlin zum Nähkontor zu schicken, damit die meine Knöpfe professionell beziehen.dreiOutfits_170408-061

Ich habe außerdem noch zwei unsichtbare Druckknöpfe angebracht, einen, damit der untere Teil des Vorderteils an Ort und Stelle bleibtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

und einen, damit das Kleid an der Rockansatznaht nicht komisch aufstehtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ich sehr mag, dadurch dass der Tellerrock in 7 Bahnen aufgeteilt ist, ergeben sich an den Nähten rechte Winkel der hauchdünnen Streifen des Stoffes. Da erfreue ich mich regelmäßig dran, wenn ich über den Gang gehe, der Rock schön weit schwingt und ich das unterschiedliche Brechungsmuster des Lichts bemerke.dreiOutfits_170408-039

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und last but not least gibt es noch ein Vintageportrait, bei dem es der Liebste es nicht schafft mit Photoshop ein paar Knitter und einen Büttenrand hinzuzufügen nach stundenlangem rumprobieren den perfekten Look hin zu bekommen ❤dreiOutfits_frame_170408-004

Der verfluchte Rock

Im Januar bei der anNÄHerung in Bielefeld gab es wieder einen Tauschtisch mit Stoffen und Schnittmustern. Und obwohl ich seit Jahren behaupte, ich brauche keinen Stoff, finde ich auf Tauschtischen doch immer irgendeinen Stoff, der unbedingt mit muss. Dieses Mal war es ein türkis-blauer recht robuster Jacquardstoff. Zuerst wollte ich daraus einen weiteren Chardon Skirt nähen, aber je länger ich den Stoff anschaute, desto mehr wurde mir klar: Das ist ein Tellerrockstoff.dreiOutfits_170408-005

Also schnitt ich vor 1 1/2 Wochen einen Tellerrock zu. Nähte den Rock auch sehr zügig. Und himmelte bei der finalen Anprobe den nahtverdeckten Reißverschluss. Ich bestellte 50 neue nahtverdeckte Rockreißverschlüsse, trennte den alten Reißverschluss raus, setzte einen neuen ein, probierte an, zack, beim zumachen der nächste Reißverschluss hin. Beratung mit den Nähnerds bei Twitter ergab: Da kommt jetzt ein sichtbarer Reißverschluss mit Metallzähnen rein. Also kaufte ich am Freitag einen normalen Reißverschluss mit Metallzähnchen. Den alten raus, den neuen rein und dass man den Reißverschluss jetzt so prominent sieht ist tatsächlich Absicht.dreiOutfits_170408-023

Beim Verarbeiten kamen mir immer mehr Zweifel daran, dass der Stoff, wie anfänglich angenommen, Baumwolle sei. Da ich ja schon seit Dezember das Materiallexikon von Constanze besitze, machte ich das erste Mal in meiner Nähnerdkarriere eine Brennprobe. Und in der Tat, der Stoff brannte nicht, er schmolz. Ich mag ihn trotzdem! Von wem auch immer dieser Stoff stammt, ich bedanke mich sehr sehr herzlich dafür!

Als ich den Rock anprobierte und der Reißverschluss diesmal hielt, kam mir sofort die letztes Jahr genähte Alma Blouse in den Sinn, deren Stoff ich bei der anNÄHerung 2016 vom Tauschtisch fischte. Und ich finde, diese beiden Teile sind wie füreinander gemacht.dreiOutfits_170408-013

Den Saum des Rockes habe ich mit Versteifungsband, auch als Crinolborte oder im englischen Nähsprachraum als horsehair braid bekannt, verstürzt. Ich glaube, das mache ich bei Tellerröcken jetzt immer so. dreiOutfits_170408-024

So, und jetzt gibt es noch viele Bilder. Davon haben wir nämlich reichlich gemacht heute, und das ganz ohne uns zu streiten. Wozu youtube doch alles gut sein kann…

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Tagebuchbloggen 5.04.2017

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen will wissen, was ich eigentlich den ganzen Tag mache.

6:30 Uhr der Wecker klingelt. Wie immer döse ich noch 20 min bis ich um 6:50 aufstehe. Anziehen, frühstücken, zwischendurch dem kl kl Menschen beim Anziehen helfen, ermahnen, antreiben.

7:40 Uhr die kl Menschen und der Liebste sind aus dem Haus, ich trinke noch meinen Brennesseltee fertig und schminke mich.

8:00 auf dem Weg ins Büro fährt ein Fahrrad hinter mir her, das einen unfassbar lauten Freilauf hat. Fast schon nervig. Erinnert mich ein wenig an das Röhren eines getuneten Autos. Vorm Gebäude stellt sich raus, dass das Fahrrad einem Bekannten gehört und er erklärt mir, dass dieses laute Geknatter von der Carbonfelge kommt. Lag ich mit dem getunten Auspuff doch gar nicht so falsch. Im Büro Mails lesen, mit der Sekretärin schnacken, Orgakram erledigen.

9:11 Uhr #ootd Foto machen, Kaffee Kakao mit Milch und homöopathischen Dosen Kaffee holen.

10:17 Uhr Ich bekomme die Nachricht, dass ich doch erst im Mai nach Indien dienstreisen muss. Also kann ich zum 20-jährigen Abitreffen und zum 60. Geburtstag meiner Mama Ende April gehen! Yeah! (Bedeutet aber auch: noch 2 neue Kleider nähen 😉 )

11:30 Uhr Mittagessen

12:30 Uhr da ich gerade ein Grundlagenseminar über mein Fachgebiet für Schichtmeister, Betriebsleiterinnen und andere Interessierte „Laien“ vorbereite, muss ich mich selbst in die vor über 15 Jahren intensiv gelernten Grundlagen reindenken. Beim gestrigen Testlauf mit einer Physikerin haben mein Chef und ich schon festgestellt, dass wir erschreckend viele Dinge als vollkommen selbstverständlich vorraussetzen und die grundlegenden Zusammenhänge dahinter gar nicht mehr erklären können. Hinzu kommt, dass wir Fachbegriffe benutzen, die jeder Uneingeweihten wie eine Geheimsprache erscheinen muss. Oder wisst ihr, was „Brüden“ sind?

13:50 Uhr Diese Indienreise zu organisieren wächst sich zu einer tagefüllenden Beschäftigung aus. Nachdem der Visaantrag endlich vollständig ist, die Termine fixiert sind, müssen nun Flüge gebucht werden und die Sekretärin gibt ihr Bestes, aber die Verbindungen sind alle nur so semi-optimal.

15:25 Uhr Nachdem wir endlich okaye Flüge gefunden hatten, erklärt der Algorithmus uns, dass diese Verbindungen nicht die günstigsten seien und schlägt eine Verbindung vor, bei der ich nachts um 0:05 Uhr in Mumbai lande. Dass ich noch 3 h Autofahrt vor mir habe und am nächsten Morgen um 9 das Meeting losgeht ist dem Algorithmus natürlich egal… Reiserichtlinien sind echt wie Bauchschmerzen.

16:10 Uhr Die Kinderfrau ist diese Woche krank und ich bin heute dran mit Kinder abholen. Nun also schnell, damit beide bis 16:30 Uhr eingesammelt sind.

16:45 Uhr Zuhause dann erstmal eine archäologische Expedition in die Tiefen des Schulranzens des gr kl Menschen. Auf der Suche nach einem Arbeitsblatt, das er für die Hausaufgaben braucht. Anschließend noch Lernwörter schreiben. Dann wurschteln wir alle drei irgendwie so vor uns hin, der kl kl Mensch möchte unbedingt Eis essen, ich finde tatsächlich noch einen Rest steinhart gefrorene Eiscreme vom letzten Sommer im Gefrierschrank. Ich telefoniere mit meiner Mama, um ihr zu berichten, dass ich nun doch zu ihrem Geburtstag kommen kann.

18:15 Uhr zweite Runde Lernwörter. Wobei es fast mehr die Schreibschrift als die Rechtschreibung ist, an der es hakt.

18:30 Uhr die kleinen Menschen dürfen ihre täglichen 20 min serie gucken. Sie entscheiden sich für Lego Batman.

19:00 Uhr der Liebste kommt nach Hause, wir essen zu Abend. Ich erzähle dem kl kl Menschen, dass ich an seinem Geburtstag nicht da bin. Das scheint ihm aber ziemlich egal zu sein, Hauptsache, er darf an dem Tag bestimmen.

19:40 Uhr Die kleinen Menschen gehen nach oben. Der Liebste ist dran mit zu Bett bringen. Da mir in meinem Kleid irgendwie kalt ist, ziehe ich mir dicke Socken, Hose und eine warme Jacke an. Und ringe mich endlich dazu durch, mal wieder den Stuhl, der als Klamottenablage dient, aufzuräumen.

20:00 Uhr Der Liebste muss noch ein bisschen arbeiten, ich lese derweil in „Little red in the city“ darüber, wie man Abnäher in Strickstücke einarbeitet.

21:00 Uhr Wir schauen noch 2 Folgen „The Good Wife“ und um 22:30 Uhr gehe ich ins Bett und falle mal wieder in das Youtube Kanninchenloch. Diesmal ist es America’s Test Kitchen und ich weiß jetzt, wie man Marshmallows, Nutella, Tofu und geräucherten Speck selber macht.