Mal wieder Montag

Heute hatte ich den ersten Teil eines dreitägigen Didaktik-Workshops. Im Einladungsschreiben stand, dass man einen Gegenstand mitbringen sollte, der eine besondere Bedeutung habe und anhand dessen man sich vorstellen sollte. Nach einiger Überlegung habe ich mich für eine Plüschversion des Elefanten von Der Sendung mit der Maus entschieden. Zuerst hatte ich etwas die Befürchtung, dass das vielleicht zu kindisch wirken könne, aber dann dachte ich mir, dass das ja auch ganz gut zu mir passt, schließlich fühle ich mich manchmal wie eine Sechsjährige… Und außerdem ist der Elefant ja auch der Neugierigere in dem Duo mit der Maus. Die Maus ist die Konservative, etwas Langweilige, Vernünftige, aber der Elefant ist frech, vorwitzig und einfach cool. Noch dazu benutze ich die Sendung mit der Maus ganz oft dazu, Menschen zu erklären, was denn bitte schön eine Chemieingenieurin macht. Denn in den Sachgeschichten wird ganz häufig erklärt, wie irgendwelche Sachen, wie z.B. Papier, Karnevalsschminke, Bonbons mit Füllung oder Eisen, gemacht werden. Und das sind alles Verfahren und Prozesse, mit denen sich eine Chemieingenieurin beschäftigt. Und die anderen Sachgeschichten, die nicht erklären, was eine Chemieingenieurin macht, die erklären mir die Welt und weil ich unglaublich gerne dazu lerne, schaue ich, wenn immer es geht, Sonntags morgens um halb 12 die Maus.

Und last but not least habe ich den Plüschelefanten von Lars zum 25. Geburtstag bekommen und das allein ist ja schon Grund genug, dass dieser Gegenstand mir etwas bedeutet.

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Die Mittagsfrau

Dieses Buch habe ich zum Geburtstag bekommen. Und um Lesestoff bin ich ja immer froh.

Es geht um eine Frau in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zum größten Teil spielt das Buch zwischen den beiden Weltkriegen im Berlin. Aufgewachsen als Tochter eines christlichen Buchbinders und einer jüdischen psychisch labilen Mutter in Bautzen geht Helene als 15 Jährige mit ihrer älteren Schwester anfang der 20er Jahre nach Berlin. Obwohl sie bereits eine Ausbildung zur Krankenschwester hat, findet sie dort nur eine Anstellung in einer Apotheke. Sie besucht einen Gymnasialkurs und macht ihr Abitur. Währenddessen lernt sie einen Mann kennen, mit dem sie 3 Jahre lang in wilder Ehe zusammenlebt. Ihre Schwester hat ein Verhältnis mit einer jungen Ärztin und auch sonst lebt ihre Schwester ein sehr wildes Leben mit Drogen und Parties. Als Helenes Freund bei einem Fahrradunfall ums Leben kommt, zieht sich Helene vollkommen in sich zurück. Anfang der 30er Jahre lernt sie einen Mann kennen, der sie jahrelang umwirbt. Mittlerweile hat sie eine Anstellung in einem Krankenhaus bekommen, aber sie hat dort nie ihre Papiere abgegeben. Als ihr 33 aufgrund der fehlenden Papiere die Entlassung droht, willigt sie in die Ehe mit diesem Mann ein, der ihr als „Gegenleistung“ gefälschte Papiere besorgt. Die Ehe ist alles andere als glücklich, ihr Mann ist recht entsetzt über die Tatsache, dass sie keine Jungfrau mehr ist und noch viel mehr scheint es ihn zu irritieren, als Helene ihm demonstriert, wie sie es gerne im Bett mag. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ihrerseits wird sie schwanger und bekommt einen Sohn. Ihr Mann wendet sich immer mehr seiner Arbeit und Prostituierten zu, schließlich seilt er sich ganz nach Frankfurt ab. Während der Kriegsjahre bringt Helene sich und den Sohn ganz alleine durch, sie arbeitet wieder als Krankenschwester. Als der Krieg vorbei ist, lässt sie ihren 7 jährigen Sohn alleine zurück.

Anfangs musste ich mich ein wenig an die Tatsache gewöhnen, dass die Autorin scheinbar eine Abneigung gegen Anführungszeichen hat, denn in dem ganzen Buch steht die wörtliche rede nie in Anführungszeichen, was schonmal sehr verwirrend sein kann. Aber ansonsten ist der Schreibstil enorm fesselnd und spannend und man möchte unbedingt erfahren, warum diese Frau ihren Sohn alleine auf dem Bahnsteig zurücklässt, wie im Prolog geschildert. Leider gibt es dafür keine Erklärung, es bleibt einem nur die Spekulation. Ebenso wird nichts über das Schicksal ihrer Schwester erzählt, die wahrscheinlich aufgrund der jüdischen Mutter und mangelnder gefälschter Papiere in einem KZ umgekommen ist. Dies wird allerdings nirgendwo erwähnt, es wird lediglich darauf hingedeutet, dass irgendwann keine Briefe mehr von der Schwester kommen. Am komischsten fand ich das Ende, das schildert, wie Helene nach 10 Jahren auf dem Hof ihres Schwagers auftaucht, um ihren Sohn zu sehen, der sich allerdings im Stall vor ihr versteckt, weil er ihr nicht verzeihen kann, dass sie ihn damals allein gelassen hat.

Trotz der vielen nicht aufgelösten Enden, oder wahrscheinlich gerade deshalb hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich kann es nur wärmstens weiter empfehlen.