How to organize an anNÄHerung

So, nun also wie versprochen die Liste mit Dingen, die man so tun muss, wenn man eine anNÄHerung organisieren möchte.

1. Zwei Mitstreiterinnen finden, die bereit sind, mit einer so was aufzuziehen.

2. Ein doodle anlegen, mit dem man erstmal das Interesse abfragen kann (auch wenn ich überzeugt bin, dass man 30 Teilnehmerinnen schnell zusammenhat. Sicher ist sicher)

3. Location: Wir haben vorm ersten Mal ein paar verschiedene Optionen durchgespielt. Und sind schlussendlich bei der Jugendherberge Bielefeld gelandet. Preislich sind Jugendherbergen wirklich unschlagbar günstig. Und moderne Jugendherbergen sind auch nicht mehr ganz so spartanisch eingerichtet, wie man das noch so von Klassenfahrten kennt. Ganz wichtig: Ein ausreichend großer Seminarraum. Wir hatten für die 37 Teilnehmerinnen einen Raum, der 132 m² groß war. Das ist als Anhaltspunkt schonmal ganz gut. Hier könnt ihr auch nach Häusern suchen, die Tagungsräume haben, die bei U-Bestuhlung 45 Plätze bieten (müsst ihr in den Suchkriterien einstellen). Klärt außerdem mit der Jugendherberge, dass ausreichend Tische und Steckdosen da sind. Mein Eindruck: Kategorie IV bietet eine entsprechende technische Ausstattung. In Bielefeld gibt es sogar kostenloses wlan.

4. Anmeldung: Wir haben uns bei google ein Konto angelegt. Per Mail konnten sich die Teilnehmerinnen anmelden und wir haben dann bei google docs ein Spreadsheet angelegt, wo wir eine Teilnehmerinnenliste und eine Warteliste angelegt haben. Ein zweites Spreadsheet haben wir dann nochmal Vornamen, Wohnort und Blogname der Teilnehmerinnen gelistet und diese Tabelle dann mit den Teilnehmerinnen geteilt. So konnten die Teilnehmerinnen schauen, wer sonst noch alles dabei ist,  Fahrgemeinschaften bilden, eintragen, was sie so mitbringen (Overlock, Bügelbrett, Mehrfachstecker…)

5. Konto: Braucht man, um die Teilnahmebeiträge einzusammeln, die Anzahlung an die Jugendherberge zu leisten,… Um da keine Verwirrung auf dem eigenen Konto zu haben, haben wir ein extra Konto eingerichtet.

6. Kommunikation: Das Orgateam hat über Email und Skypekonferenzen kommuniziert. Mit den Teilnehmerinnen haben wir über die google-Mail-Adresse kommuniziert. Wir haben alle Adressen im Adressbuch gesammelt und dann Gruppen angelegt. So kann man schnell eine Mail an alle schreiben, ohne jedesmal die Adressen raussuchen zu müssen. Sobald es änderungen in der Teilnehmerinnenliste gab, haben wir die Adressgruppe entsprechend angepasst. So wurde bei der nächsten Update-Mail niemand vergessen.

7. Essen: Um maximale Nähzeit zu haben, haben wir Vollpension gebucht. Also Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Außerdem haben wir für zwischendurch Tee und Kaffee bestellt. Zusätzlich gab es Wasser, Softdrinks, Apfel- und Orangesaft und Sekt, Wein und Bier nach Verbrauch. Aber das müsst ihr direkt mit der Jugendherberge klären, wie die das handhaben. Jugendherbergen bieten auch vegetarisches Essen an. Das muss man halt im Vorfeld bei den Teilnehmerinnen abfragen und dann die entsprechende Anzahl der JuHe mitteilen.

8. Namensschilder: Man kann sowohl diese Plastikhüllen, als auch vorperforierte DinA4-Bögen zum Bedrucken kaufen. Auf der Verpackung der perforierten Bögen steht in der Regel auch eine url, wo man sich eine Vorlage runterladen kann, damit man dann die Namensschildchen in MS Word oder LibreOffice Writer erstellen kann. Man kann sie aber auch einfach von Hand beschriften 😉

9. Semiarraumausstattung: Wir hatten 5 Inseln, bestehend auf 4 Tischen, mit jeweils 7-8 Nähplätzen. Außerdem noch ein paar Tische am Rand, um Platz zum Abstellen zu haben. Zugeschnitten haben die Teilnehmerinnen weitestgehend zu Hause. Außerdem haben wir noch 2 Pinnwände für die Nähsteckbriefe aufstellen lassen. Verlängerungskabel und Mehrfachstecker haben die Teilnehmerinnen mitgebracht, hätte es aber, glaube ich, auch von der JuHe gegeben. Muss man mit der JuHe absprechen (beim ersten Gespräch weist auf jeden Fall darauf hin, dass die Steckdosen ausreichend abgesichert sein müssen, wenn da >30 Nähmaschinen und 3 Bügeleisen dranhängen)

So, ich denke, das waren so die wichtigesten Sachen, die wir gemacht haben. Vieles ergibt sich auch ganz einfach während man es organisiert. Beim ersten Mal hatten wir 3 Monate Vorlaufzeit und das war ohne großen Stress machbar zu dritt. Aber auch das hängt wahrscheinlich ein bisschen von der Jugendherberge ab.

So, dann hoffe ich mal, dass sich ein paar von euch nun von uns anstiften lassen Ableger der anNÄHerung überall in Deutschland, Europa und der ganzen Welt zu organisieren 😀

Bei Fragen dürft ihr euch gerne an mich wenden!

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anNÄHerung 2015

So, wir haben es wieder getan. Susi, Alexandra und ich haben 34 andere Nähnerds nach Bielefeld gelockt, um mit uns gemeinsam das Wochenende durchzunähen.

Und nun sitze ich hier, einerseits noch total beseelt von der tollen Atmosphäre vor Ort, den tollen Frauen in dieser Vielfalt, die sich alle so unvoreingenommen und herzenswarm begegnet sind. Andererseits traue ich mich kaum, von diesem unfassbar tollen Ereignis zu schwärmen, weil es ganz offensichtlich Begehrlichkeiten weckt, denen ich mich nicht gewachsen fühle.

Wir haben schon im Vorfeld gemerkt, dass auch locker 50 Nähnerds dem Ruf nach Bielefeld folgen würden und haben Möglichkeiten diskutiert, wie wir diesen Wünschen nachkommen könnten. Wir haben uns seinerzeit, als wir die erste anNÄHerung planten, bewusst für einen überschaubaren Kreis entschieden. Urspünglich geplant waren 30 Plätze, 2014 waren es, wie auch 2015 schlussendlich 37 Frauen, die gemeinsam genäht, gefachsimpelt, gefeiert, ermutigt, gelacht und geflucht haben. Und mit diesen 37 Personen und geschätzt 50 Nähmaschienen, 3 Bügelbrettern, 1 Spiegel, 1 Schneiderpuppe, 1 Dampfdingsi, 2 Pinnwänden, 1 Getränkekühlschrank und 1 Wühltisch war der größte Seminarraum, den die Jugendherberge zu bieten hat, einfach auch voll. Also überlegten wir im Vorfeld, ob es vielleicht sinnvoll wäre, den nächstkleineren Seminarraum noch mit dazu zu nehmen, um noch mehr Teilnehmerinnen akzeptieren zu können. Wir haben uns dagegen entschieden. Es wäre einfach nicht das gleiche, wenn es noch einen Nachbarraum gäbe. Man hätte ständig das Gefühl, man könnte was verpassen. Viele haben berichtet, dass sie die Zeit intensiv zum nähen genutzt haben und es schade finden, nicht mehr mit anderen in Interaktion getreten zu sein. Ich glaube aber, dadurch, dass wir alle in einem Raum waren, gab es auch viel passive Interaktion. Die wäre bei einem 2. Raum in 2 Lager geteilt. Und auch in den festen Pausenzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) gab es durch die begrenzte Gruppengröße die Möglichkeit, wirklich mit jeder mal am Tisch gesessen zu haben. Das hat sich ganz automatisch so ergeben und fühlte sich sehr natürlich an.

Hinzu kommt, dass es eben auch organisatorisch einen Unterschied macht, ob man von 37 Frauen Anmeldungen abheftet, die Zahlungseingänge kontrolliert, Listen mit Essenswünschen, Zimmerbelegung, etc erstellt, Namensschilder eintütet (Danke an Antonia und Antje, die das diesmal während der Autofahrt erledigten!), und und und, oder ob man das für 50 Personen tut. Für 37 ist das ein überschaubarer Aufwand, den ich gemeinsam mit Susi und Alexandra gerne betreibe. Und das Lob, das man jetzt bei all den Rückblicken lesen kann, tut gut und gibt uns Recht, dass wir die Orga gut gemacht haben. Ob das bei noch mehr Personen der Fall wäre? Ich möchte es, ehrlich gesagt, gar nicht ausprobieren.

Wenn man sowas zu dritt in seiner Freizeit organisiert, ist es eigentlich wirklich nicht viel Aufwand, vor allem, wenn man es häufiger als einmal macht. Ich schreibe in den nächsten Tagen mal auf, was wir so grob gemacht haben in der Hoffnung, noch andere anzustiften, Ableger der Bielefelder anNÄHerung zu organisieren, damit noch viel viel mehr Menschen in den Genuss dieser wirklich tollen Veranstaltung kommen. Ich glaube nämlich nicht, dass nur wir das organisieren können. Und ich bin auch gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Wie wir die Anmeldung für nächstes Jahr organisieren, wissen wir noch nicht. Das werden wir in den nächsten Wochen mal miteinander bequatschen. Und bis dahin wäre ich dankbar, wenn der Hype wieder etwas abflauen würde. Ich habe schon jetzt bereits den Überblick verloren, wer sich wo über welchen Kanal „angemeldet“ hat.

So, lange Vorrede, ich weiß. Jetzt mein Rückblick.

Nachdem Antonia und ich letztes Jahr zu zweit das Auto ziemlich voll geladen hatten, wussten wir diesmal, was wir zu Hause lassen konnten und haben stattdessen Antje mitgenommen. Das war ein guter Tausch! Wir kamen super durch auf der Autobahn und waren sehr früh in Verl beim Marc Aurel Outlet, wo ich es schaffte, mich stofftechnisch wirklich zurück zu halten. Nur ein wirklich toller Wollstrick, ein grauer Baumwollstoff und 1 m Futter durften mit. Außerdem noch ettliche Meter Ripsband, Einfassgummi, Garn und Knöpfe. Und dann sah ich da noch ein Paar wunderschöne Lackschuhe stehen. Für 20 Euro, weil schon getragen. Von einem Model bei einer Modenschau.kleid150120-009 Schon dort trafen wir ein paar andere Teilnehmerinnen, die ich vom letzten Jahr kannte bzw regelmäßig beim Kölner Nähnerdstammtisch treffe.

Die Ankunft in der Jugendherberge war viel weniger aufregend und viel mehr freudiges Wiedersehen als beim letzten Mal. Schön!

Ich hatte mir diesmal ein weniger aufwändiges Projekt vorgenommen. Simplicity 2403. Schon zweimal genäht, Schnitt angepasst, das sollte sicher in 2 Tagen fertig zu nähen sein. Vor allem, weil der Stoff für Ärmel nicht mehr reichte. Auch wenn ich vorsichtshalber noch ein Backupprojekt mitnahm, ich habe es nicht angefangen. Aber ich wurde fertig mit dem Kleid! Yeah!!! Faszinierend, dass ich auch beim dritten Mal nähen noch immer was anpassen musste. Aber dank Antonias Hilfe war das viel schneller erledigt, als wenn ich da allein vor dem Spiegel rumgehühnert hätte.

Und auch ich bin voller Liebe für mein Paspelfüßchen. So gleichmäßig hab ich noch nie eine Paspel angenäht (okay, so oft hab ich ja sowieso noch keine Paspel angenäht). Liebe Nähmaschinenhersteller, solltet ihr einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Paspelfüßchen feststellen: Dankespost und weitere Nähfüßchen, die wir dann anpreisen können bitte an uns 😉

Den Reißverschluss musste ich zwar trotzdem 1 mal raustrennen, aber im Vergleich zu meiner unfassbar geduldigen Nachbarin Antonia, die 4 (!!!) mal die Ärmel aus ihrem Kleid (flutschige Viskose, ich wäre wahnsinnig geworden) kann ich mich da wirklich nicht beklagen! Und nun passen die Nähte auch annähernd perfekt.kleid150120-006

Montag nahm ich mir nach einem Blick in den Kalender (keine Besprechungstermine \o/) spontan frei, da dieses Wochenende einfach doch sehr viele Eindrücke, sowohl körperlich (gähn) als auch seelisch hinterlassen hatte und ich so sehr viel sanfter wieder in der Realität landete. Nächstes Jahr nehme ich mir von vornherein Freitags und Montags frei!

Montag nähte ich dann auch noch schnell das nicht umgesetzte Zweitprojekt, so dass ich also unter das ärmellose Kleid nun auch ein adrettes Langarmshirt mit Blusenmanschetten ziehen kann.kleid150120-003Ich weiß, es klingt, als wären wir auf irgendeinem Erweckungswochenende einer obskuren Sekte gewesen. Aber es war wirklich einfach so unfassbar flauschig, wie es alle beschreiben. Liebe Teilnehmerinnen, es war mir eine große Freude, diese Insel der Flauschigkeit gemeinsam mit den weltbesten Schwestern im Geiste Alexandra und Susi, für euch organisiert und verbracht zu haben. Ihr alle habt es zu dem gemacht, was es war: Ein rauschhaftes, unglaublich motivierendes und zugewandetes Wochenende!

All die andern Lobhudeleien sammelt Alexandra.

Tagebuchbloggen 05.01.2015

Heute ist wieder der 05. und Frau Brüllen will wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag machen.

7:15 Uhr Weil der Liebste und ich heute noch frei haben (aus Gründen), klingelt der Wecker 1 Stunde später als sonst. Was trotzdem hart ist, weil wir die letzten 2 Wochen in der Regel bis 8:30 Uhr geschlafen haben. Ja, auch die kleinen Menschen. Die haben dieses „abends spät ins Bett, morgens nicht aus den Federn kommen“-Gen ihrer Eltern geerbt.

8:05 Uhr Der Liebste bringt die kleinen Menschen in den Kindergarten, ich verpacke schnell noch das Geburtstagsgeschenk für den Liebsten.2015-01-05 08.23.498:30 Uhr Der Liebste kommt vom Kindergarten zurück und bekommt sein Geburtstagsgeschenk überreicht. Ich bin etwas aufgeregt, weil es sich um was selbstgenähtes handelt und ich unsicher bin ob es passt und gefällt.

9:30 Uhr Wir gehen frühstücken. Da wir hier in der uncoolen Nachbarstadt noch immer kein vernünftiges Frühstückscafe gefunden haben, müssen wir wohl mal wieder in die Großstadt. Aber wir bleiben auf der schääl Sick, auch dort gibts nämlich nette Cafes mit interessanter Tischdeko (wäre das nicht mal was für den Kölner Nähnerdstammtisch?)2015-01-05 10.18.42Das Früstück und vor allem die abschließende Schokotarte war exzellent! Also, liebe Kölnerinnen, das Cafe Vreiheit in Mülheim kann ich wärmstens empfehlen!

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen kleinen Spaziergang durch Mühlheim gemacht und uns (mal wieder) darüber gewundert, wieviele Apotheken es so gibt.

13:00 Uhr Wieder zu Hause, ein bisschen auf dem Sofa rumgammeln, twitter lesen, sich über nette Hilfsangebote freuen (Alleine mit 2 kleinen Menschen auf die Anti-kögida-Demo gehen überfordert mich. Twitter bietet Hilfe an. Toll!)

14:00 Uhr Eine Freundin fragt an, ob wir um 16 Uhr die 2 kleinsten Kinder hüten können. Sie möchte ein Möbelstück irgendwo abholen und braucht den Platz im Auto. Genau diese Situation hatten wir am Freitag, als wir 2 Tische für meinen ergonomischen Nähplatz2015-01-05 23.13.14 kaufen wollten und diese Freundin aushalf. Selbstverständlich revanchieren wir uns. Heißt leider auch, dass damit die Demo für uns ausfällt.

Dann beantwortete ich die Fragen von Corinne noch zu Ende, anschließend verdaddelte ich noch eine Stunde im Internet mit Twitter und Blogs lesen. Dann raffte ich mich endlich auf, doch noch was produktives zu tun und übte noch ein bisschen Hand Lettering. Um 16 Uhr machte ich mich dann auf den Weg, die kleinen Menschen aus dem Kindergarten abzuholen.

Das schöne an Besuchskindern für beide kleinen Menschen ist, dass die dann ziemlich gut beschäftigt sind und man tatsächlich nebenher noch was tun kann, wofür man längere Aufmerksamkeitsspannen als 30 sek benötigt. Also fing ich an, ein Dinkelkissen zu nähen, während die kleinen Menschen ein Theaterstück einübten. Irgendwann durfte ich mir das auch anschauen, was ein sehr surreales Erlebnis war, weil es nämlich in einem dunklen Zimmer aufgeführt wurde (es spielte bei Nacht).

19:00 Uhr Abendessen, danach wurden die Besuchskinder abgeholt und die kleinen Menschen bestanden noch auf ihre obligatorischen 10 min Cartoons. Heute war es Yakari.

19:40 Uhr kleine Menschen bettgehfein machen. Der Liebste, der von 17 bis 19:30 Uhr im Phone Meeting hing, bringt sie ins Bett und liest noch ein bisschen Paddington vor, während ich das Dinkelkissen fertig nähe. Da ich den Dinkel in 50 g Portionen in 10×10 cm große Kompartemente eingenäht hab, brauchte ich für das ganze Projekt etwas länger. Aber das Kissen (50×20 cm) legt sich ganz wunderbar um den verspannten Nacken.2015-01-05 23.15.31Danach mit dem Liebsten auf dem Sofa rumgesessen, nochmal in die letzte Folge Forschergeist reingehört, um ein bisschen fundiert rummeckern zu können und uns darüber unterhalten, dass Rassismus wohl leider was zutiefst menschliches ist und welche Identifikationsmerkmale für wen wichtig sind. Aber das würde jetzt hier den Rahmen sprengen.

Jetzt schauen wir uns noch eine uralte Folge Big Bang Theory an und dann geht es ins Bett, morgen geht der Alltag wieder los.

Fragen und Antworten

Corinne vom Makellosmag hat unter anderem mich gebeten, ihr ein paar Fragen zu beantworten. Mir geht es ähnlich wie Marco damit: Kettenbriefe mag ich nicht, aber Corinne ignorieren mag ich auch nicht. Also beantworte ich ihre Fragen, werde aber keine neuen stellen.

Wie geht’s dir jetzt, da du anfängst die Fragen zu beantworten? Freude, unliebsame Pflicht oder “Ich mache einfach copy-paste aus anderen Fragebögen”?

Da ich, wie schon gesagt, keine Freundin von Kettenbriefen bin, geht copy-paste nicht. Ein bisschen geschmeichelt gefühlt habe ich mich natürlich schon, dass Corinne sich für meine Antworten interessiert, vor allem, wenn man sieht, welche andere Leute sie auch noch gefragt hat. Schaut euch ihre Liste an, da sind tolle Blogs dabei!!!

(Vor etwa 14 Jahren gab es mal einen Kettenbrief per e-Mail, in dem triviale aber irgendwie auch witzige Fragen gestellt wurden. Daraufhin suchte der Liebste, den ich damals gerade kennenlernte und noch nicht als „Liebsten“ bezeichnete, die Fragebögen von Max Frisch raus.)

Seit wann gibt es deinen Blog? Worum geht es? Hat sich das Thema schon einmal gewandelt?

Diesen Blog gibt es seit 2007. Er ist ein wildes Sammelsurium dessen, was mich gerade privat interessiert. Anfangs waren es viele Reise- und Wanderberichte in Tagebuchform, seit ein paar Jahren nutze ich ihn hauptsächlich für Dokuzwecke meiner Selbermachaktivitäten. Dabei ist mir aber ganz wichtig, dass ich mich dabei von diesen pastell-Herzchen-heile Welt DIY Blogs unterscheide. Der Prozess des Selbermachens ist mir wichtiger als perfekt arrangierte Fotos. Der Liebste macht zwar tolle Fotos, aber er steht ja nun nicht immer mit der Kamera daneben (und selbst dann wird selten für ein Foto das perfekte Setting arrangiert, sonder so fotografiert, wie es gerade ist). Es gibt also, vor allem bei den Sachen, wo ich den Entstehungsprozess dokumentiere, auch Handyphotos bei schlechtem Licht. Und ganz sicher werde ich mir nie Holzdielen auf Din A3 ausdrucken und als Unterlage für meine selbstgemachten Sachen zum Fotografieren benutzen. Tisch abwischen muss reichen. Bei den selbstgenähten Sachen bemühen wir uns meist schon, die Sachen hübsch zu präsentieren. Aber häufig zeige ich die Sachen ja im Rahmen des MeMadeMittwochs und dann entstehen die Bilder auch genau an diesem Mittwoch, abends irgendwann, wenn die kleinen Menschen im Bett sind. Und das ist dann halt oft mit zerknitterten Kleidern, vom Fahrradhelm derangierter Frisur und bei Kunstlicht. Und es werden maximal allzu prominente Pickel wegretuschiert. Ich möchte ehrliche Fotos zeigen. Und damit meine ich nicht die Sachen, wie sie bei Pinterest Fails zu sehen sind. Und wenn mir mal ein gesellschaftliches oder politisches Thema unter den Nägeln brennt, dann schreibe ich das genauso in diesen Blog. Und seit ein paar Monaten mache ich bei der „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“-Aktion von Frau Brüllen mit. An jedem 5. eines Monats protokolliere ich meinen Tag. Und mache damit sichtbar, wie dieses Leben mit Vollzeitjob, 2 kleinen Menschen, einem Liebsten und den Selbermach-Hobbys so vereinbar ist.

Was war zuerst da? Die Lust am Schreiben oder die Lust, einen Blog aufzumachen?

Lust am Schreiben? Hahaha. Wenn ihr wüsstet, wie sehr ich mich bei der Dissertation gequält hab, irgendwie 100 Seiten voll zu schreiben, dann wüsstet ihr, wie wenig gern ich schreibe. Es war mehr die Lust, ein Blog aufzumachen. Das mal auszuprobieren. Weil ich andere Blogs las, das irgendwie spannend fand. Anfangs brauchte ich für jeden Beitrag ungelogen Stunden. Mittlerweile tippe ich etwas freier von der Leber weg. Obwohl ich eigentlich häufig gerne mehr in die Tiefe gehen würde. Mehr Links und so. Anfangs dachte ich auch, dass ich mit den Blogbeiträgen Menschen aus meinem analogen Leben, die weit weg wohnten, ein bisschen teilhaben lassen könnte ohne sie ständig mit Mails belästigen zu müssen. Also von push auf pull Benachrichtigung umstellen wollte. Und damit wären wir wohl schon bei der nächsten Frage.

Wann passen dein digitales & analoges Leben nicht zusammen?

Ich habe den Eindruck, dass das ziemlich oft der Fall ist. Genau kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich habe das Gefühl, dass mein Blog überwiegend von meinen digitalen Freunden und Bekannten gelesen wird. Meine Geschwister, Mutter, Freunde aus dem Real Life lesen meinen Blog nicht, glaube ich (oder?). Meine Arbeitskollegen finden Facebook, Twitter und Blogs suspekt. Und vor allem bei ihnen merke ich, dass sich meine digitale Blase mit vollkommen anderen Themen und Welten beschäftigt als meine analoge Umwelt.

Was horten und sammeln Sie – und was verbrauchen und genießen Sie?

Ich horte vor allem Dinge, von denen ich denke, die könnte man zum Basteln nochmal gebrauchen. Aber da ich lange Zeit sehr beengt gelebt habe, habe ich mir das ziemlich abgewöhnt. Stoff und Kurzwaren horte ich. Und mittlerweile kann ich tatsächlich einfach drauflosnähen und muss nicht erst Zutaten kaufen gehen, wenn ich plötzlich eine Idee habe. Bücher habe ich früher mal gesammelt. Auch wenn ich ein Buch ganz ganz selten 2x lese. Mittlerweile lese ich viel online. Neben dem gehorteten Stoff, wo ich es genieße, ihn zu verarbeiten, verbrauche und genieße ich Lebensmittel. Ich koche und backe gerne, gehe aber auch gerne gut essen. Seit die kleinen Menschen da sind, leider viel zu selten…

Welche Speisen essen Sie aus Heimweh (z.B. die deutschen Urlauber auf den Kanarischen Inseln lassen sich täglich das Sauerkraut mit dem Flugzeug nachschicken) und fühlen Sie sich dadurch in der Welt geborgener?

Im Urlaub eigentlich nicht. Aber als ich in der Schweiz lebte, habe ich schon kräftiges Körnervollkornbrot vermisst (der Klassiker, Deutsche und ihr Brot…). Aber jetzt vermisse ich Bürli.

Gibt es Freundschaft ohne Affinität im Humor?

Schwierig.

Hätten Sie von sich aus die Ehe erfunden?

Wahrscheinlich nicht. Obwohl ich aus rationalen Gründen verheiratet bin, hat sich emotional dadurch für mich nichts an der Beziehung zum Liebsten geändert. Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass dieser Trauschein die romantische Zweierbeziehung wirklich zu was exklusiven machen kann.

Was bewundern Sie an Frauen?

So pauschal schwierig zu beantworten. Ich tue mich wirklich schwer mit diesen binären Kategorien.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Dass ich ein ordentlicher Mensch werde

Was ertragen Sie nur mit Humor?

Ganz schwierige Frage, finde ich. Vielleicht bin ich ein zu ernsthafter Mensch. Oder zu pietistisch erzogen. Wenn ich etwas unerträglich finde, fände ich Humor irgendwie unangebracht.

Manche Situationen in meiner Herkunftsfamilie sind hin und wieder so absurd bescheuert, dass ich nur noch drüber lachen kann. War aber ein langer schmerzhafter Prozess, dahin zu kommen.

 

So, und nun noch ein paar empfehlungen von Blogs, die ich gerne lese:

Frau Brüllen

Kitty Koma

Cloudpharming

Cati Basmati

Mama arbeitet

Absolut nicht vollständig, vor allem hab ich die Nähblogs hier mal außen vor gelassen, aber rechts in der Blogroll gibt es noch jede Menge mehr Empfehlungen!