Das Tweedjacket – Teil 2

Nachdem sich der vorhergehende Post um das Innenleben des Tweedjackets drehte, jetzt also Bilder vom fertigen Jacket. Ich habe nämlich sträflich vernachlässigt, den weiteren Fortschritt zu dokumentieren. Nachdem ich im Januar zuerst gut vorankam mit dem Jacket, den Reverskragen und das Futter für den Korpus einsetzte, kamen mir dann einige Sachen dazwischen. Hoodies für die kleinen Menschen, eine Ehekrise, ein Islandpullunder mit Papageitauchern,… Da ich das Jacket aber als Übergangsjacke tragen wollte, wurde es im März mit dem beginnenden Frühling so langsam höchste Zeit, dass ich das Jacket fertig nähte.

Ich raffte mich also auf, nähte die Zweinahtärmel aus Tweed und aus Futter zusammen, setzte Schulterpolster und Ärmelfische ein, verstürzte die Säume, nähte Knöpfe an und schloss zu guter Letzt die Wendeöffnung von Hand. Und hatte dann am Dienstag, als ich eine Dienstreise an die Nordsee machte

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eine wirklich wärmendes Jacket gegen den kalten Nordwind, der dort kräftig blies.

Aktuell ist das Wetter fast schon wieder zu kalt für das Jacket,

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das ich absichtlich mit wenig Bequemlichkeitszugabe nähte, da ich es ja nicht im Winter als äußerste Schicht tragen möchte, sondern im Frühling und Herbst, wenn es tagsüber schon warm genug für dünne Oberteile ist, aber morgens und abends noch kühl ist.

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Hier trage ich unter dem Jacket noch einen Islandpullover (den ich auch ganz dringend noch verbloggen muss, dumdidumm)

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Das ist etwas zu viel drunter, die Passform ist deutlich besser, wenn ich weniger warm angezogen bin.

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Ganz besonders angetan bin ich von der Rückenansicht. Was die Hohlkreuzkorrektur doch für einen riesigen Einfluss hat.

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Die Knöpfe passen ganz hervorragend zu diesem klassischen Jacket, wie ich finde

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(die Kreidestriche für die Paspeltasche muss ich dringend noch ausbürsten, hust…) Die Ärmelfische haben sich jedenfalls sehr gelohnt, um den Fall des Ärmels zu unterstützen.

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Und weil es ja original Harris Tweed ist, darf natürlich auch das Etikett nicht fehlen.

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Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dieser Übergangsjacke und plane bereits weitere Versionen aus Anzugtuch und aus Cord. Und aus dem restlichen Stoff werde ich wohl einen Rock nähen.

Das Tweedjacket – Teil 1

Vor über 2 Jahren bekam ich sehr sehr viel Harris Tweed geschenkt.

Ursprünglich plante ich daraus einen Mantel zu nähen. Aber nachdem der Probemantel sich sehr bewährt hat erschien mir ein zweiter Mantel, wo ich doch schon einen habe, irgendwie überflüssig. Also lag der Stoff hier so rum und ich wollte ihn nicht anschneiden, auch wenn oder vermutlich gerade weil ich den Stoff so großartig fand. So reifte die Idee in mir, dass ich ja statt Mantel ein Jacket als Übergangsjacke nähen könnte. Ein ganz klassisches Tweedjacket.

Ich überlegte monatelang daran, welches Schnittmuster ich dafür wohl nehmen sollte. Den Schnitt komplett selber machen wollte ich nicht, da ich damit schonmal nicht so richtig gute Ergebnisse erzielte. Ein fertiges Schnittmuster sitzt bei mir aber auch nicht wirklich gut. Es reicht in der Regel nicht, dass ich ein FBA mache. Das Revers klafft auf, es gibt am Rücken seltsame schräge Falten, das Armloch ist zu groß,…

Trotzdem entschied ich mich dazu, als Basis ein fertiges Schnittmuster zu nehmen. Vor einigen Jahren habe ich bei craftsy mal einen Kurs zum Anpassen von Jacken gekauft. Im Kurs inbegriffen war auch das Schnittmuster McCalls 6172. Ich schaute mir den Kurs nochmal an und änderte wie empfohlen den Taillenabnäher zu einer weiteren Teilungsnähte, die über die Brust bis zur schulternaht verlängert wurde. Ebenso fügte ich am Rücken diese Naht ein, so dass die Jacke aus 12 teilen bestand und so viele Nähte zur Anpassung bot. Denn ich wollte sehr gerne eine perfekt sitzende Jacke haben.

Das erste Probemodell aus Nessel ergab, dass die auf dem Schnittmuster eingezeichnete Hohlkreuzanpassung die schrägen Falten am Rücken eliminierte und die zugefügte Teilungsnaht nicht nötig war.

Das Revers brauchte einen horizontalen Abnäher, die Teilungsnaht des verlängerten Abnähers machte es einfach, den überflüssigen Stoff über der Brust los zu werden. Unter den Armen musste ich ebenso Stoff wegnehmen wie unter der Brust. An der Brust musste ich an der zugefügten Teilungsnaht etwas Stoff rauslassen.

Diese ganzen Änderungen übertrug ich auf den Papierschnitt bzw. fertigte neue Schnittteile an. Besonders das Revers machte mir Kopfzerbrechen, aber mit ein bisschen Recherche konnte ich das lösen.

Dann lag der angepasste Schnitt einige Monate hier rum, weil ich mich nicht aufraffen konnte, ein zweites probeteil zu nähen. Als im Dezember dann die Frage aufkam, was ich bei der anNÄHerung im Januar nähen könnte, entschied ich mich dazu, dieses Jackenthema wieder aufzunehmen. Im Weihnachtsurlaub nähte ich also das 2. Probeteil, begradigte die senkrechten Nähte und änderte erneut die schnitteilen.

Anschließend überlegte ich hin und her, welche Methode ich für die Einlage wählen sollte. Bügeleinlage schien mir für den Tweed nicht angemessen, ich fürchtete, dass sie nicht vernünftig auf der groben wolle kleben würde. Auf stundenlanges handpikieren hatte ich allerdings auch nur so mittel viel Lust. Also schaute ich nochmal intensiv in das Buch „Tailoring“ von creative international publishing. Dort wird neben der klassischen handnähmethode auch noch eine Maschinenmethode für die Rosshaareinlage vorgeschlagen. Dabei näht man einen Nesselstreifen auf die nahtzugabe und schneidet dann das Rosshaar zurück. So kann man den weichen Nessel auf die Nahtzugabe heften und hat trotzdem die Stabilität der Rosshaareinlage.

An die Rolllinie des Revers wird ein 1cm breites baumwollband mit ein bisschen zug angenäht, damit das Revers schön fällt.

Der Unterarm- und Schulterbereich wird mit Nessel verstärkt

Nachdem ich Futter und Einlage zugeschnitten hatte, traute ich mich endlich auch den Tweed anzuschneiden.

In Bielefeld angekommen, machte ich mich Freitag Abend erstmal daran, die Nesselstreifen auf das Rosshaar zu nähen. Ich heftete die Nesselverstärkung auf die anderen Teile, nähte alles bis auf die Vorderteile aufeinander und ging dann ins Bett.

Am nächsten Morgen ging ich nach dem Frühstück erstmal los Knöpfe kaufen. Es gibt in Laufentfernung der Jugendherberge einen Kurzwarenladen, der hat eine unfassbare Auswahl an Knöpfen. Und ich fand perfekt passende Lederknöpfe in lila! Damit hatte ich nicht gerechnet. Stilistisch waren Lederknöpfe die beste Wahl, aber ich ging davon aus, dass es die in verschiedenen Brauntönen und vielleicht noch schwarz geben würde. Es war mehr so aus Pflichtgefühl, dass ich bei den Lederknöpfen schaute und war dann sofort total überzeugt. Und mit den Knöpfen konnte ich dann auch die Paspelknopflöcher in Angriff nehmen. Paspelknopflöcher sind jedesmal wieder aufregend, jeder Stoff verhält sich anders und man muss einfach sehr sehr präzise arbeiten, damit sie gut aussehen. Also ließ ich mir sehr viel Zeit und verbrachte quasi den ganzen Nachmittag damit, die Knopflöcher zu arbeiten. Aber diese Sorgfalt hat sich gelohnt, wie ich finde

Anschließend heftete ich die Rosshaareinlage auf die Vorderteile und nähte diese an den Rest des Korpus.

Als nächstes standen die paspeltaschen auf dem Programm. Diese bereitete ich Samstag Abend vor. Ich übertrug die Markierungen vom Schnittmuster mit Heftfäden auf den Stoff, bügelte Gewebeeinlage als Verstärkung für die Tascheneingriffe auf und da wurde mir klar, dass es eine sehr gute Entscheidung war, dass ich mich gegen die Bügeleinlage für das gesamte Vorderteil entschied. Denn tatsächlich blieb sie nicht so richtig kleben. Die Paspeltasche mit Klappe nähte ich auch nach der Anleitung aus Tailoring. 2019-01-13-21.13.43.jpgSo richtig super finde ich das Buch nicht, es ist ein wenig durcheinander, manche Arbeitsschritte sind auch etwas zu knapp erklärt und die 1980er Jahre Optik ist auch irgendwie nicht wirklich hübsch. Dennoch schlug ich mich mit diesem Buch durch das gesamte Projekt, denn trotz der Schwächen in der Aufmachung sind alle wichtigen Arbeitsschritte enthalten.

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Das ist der Stand nach der anNÄHerung. Danach hatte ich erstmal wieder eine kleine Nähflaute bzw. nähte erstmal 3 Hoodies für die kleinen Menschen. Alle weiteren Schritte habe ich auch nicht dokumentiert, so dass im zweiten Teil das fertige Jacket im Vordergrund stehen wird.

Planetenrock

Seit einem Jahr schlummern diese Bilder im Entwürfe-Ordner. Und weil ich heute schon 3 Mal auf den Rock angesprochen wurde, dachte ich mir, das ist doch eine gute Gelegenheit, endlich mal wieder zu bloggen.

Die Inspiration ist von Emily Lakdawalla, die einen ähnlichen Rock anlässlich des Verglühens der Cassini Sonde im Inneren des Saturns am 15.September 2017 trug.

Ich suchte mir also ein paar schöne Bilder, die Cassini bei seiner Mission an die Erde gefunkt hatte auf der NASA-Webseite raus, platzierte sie in Gimp in 2 Halbkreisen auf einer schwarzen Fläche und diskutierte mit Katja von stoff’n, wie man dieses Projekt am sinnvollsten umsetzt. Ich ließ zuerst Stoffproben drucken und entschied mich schlussendlich für den Bio-Baumwollsatin

Das nähen ging dann ziemlich ruckizucki, es ist ein einfacher Tellerrock mit einem 5 cm breiten Bund.

Und natürlich Nahttaschen! Das ist das einzig komplizierte an dem Rock: ein nahtverdeckter Reißverschluss in der Seitennaht mit Nahttasche. Da muss man beim zusammennähen ein bisschen nachdenken, in welcher Reihenfolge man jetzt was zusammen näht. Ich habe das natürlich auch nicht dokumentiert und kann das deshalb hier leider auch nicht erklären, aber es ist keine große Hexerei! Alternativ kann man es so machen wie 700Sachen und einfach nur in die rechte Seitennaht eine Tasche machen und links nur den Reißverschluss.

Man muss diesen Rock allerdings mit einem eher bauschigen Petticoat tragen, damit Saturn und seine Monde auch ausreichend zur Geltung kommen.

 

Geburtstagsshirt mal anders

Ich habe für den Liebsten ein Geburtstagsshirt gemacht. Und es es ziemlich cool geworden!

Neulich bei Freunden hing da ein Stoffbeutel von einer Konferenz rum, auf dem ein Slogan stand, der dem Liebsten ausgesprochen gut gefiel und so hatte ich eine Geburtstagsgeschenk-Idee.

Ich nähte ihm ein T-Shirt und entwarf eine Schablone. Wie schon bei den Stoffbeuteln mit den Kätzchen plante ich die Schablone mit dem Cutter von Hand auszuschneiden. Doch dann kam Weihnachten dazwischen und ich bekam einen Schneidplotter geschenkt. Was zum Ausschneiden der Schablone natürlich perfekt war! Also ließ ich den Plotter die Schablone aus den Plastiktrennblättern für Aktenordner ausschneiden. Das hat ganz hervorragend funktioniert. Anschließend fixierte ich die Schablonen mit Sprühkleber auf dem T-Shirt und schablonierte mit schwarzer Glitzerfarbe den Slogan.

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Da ich den Slogan so groß wie möglich haben wollte, schnitt ich die Schablone im Querformat aus zwei von diesen Trenndingsis aus. Nachdem die erste Schablone fertig schabloniert war, kam also die nächste Schablone darunter

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Und dann hatte ich noch einen wirklich coolen Einfall. Der Liebste hätte nämlich gerne, dass der hashtag #saveeurope populärer würde. Nun kann er ihn sogar analog verbreiten:

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Und weil mir die Botschaft des Motivs wirklich am Herzen liegt, stelle ich die Vektorgrafik gerne zur Verfügung, damit jede, die es genauso cool findet wie ich, selber machen kann. Wer einen Schneidplotter hat, kann es sich natürlich auch aus Flexfolie aufs Shirt bügeln. Oder man druckt es mit einem Tintenstrahldrucker auf Bügeltransferfolie aus (denkt daran, dass ihr für beide Verfahren das Motiv zuerst spiegeln müsst!). Oder eben ganz klassisch mit Messer die Schablone von Hand ausschneiden und mit Stofffarbe schablonieren.

PS: Ich habe übrigens nicht den Neujahrsvorsatz, wieder mehr zu bloggen. Ich habe überhaupt keine Neujahrsvorsätze. Ich habe gerade einfach nur Zeit und Muse zum Selbermachen und darüber bloggen.

Handmade Christmas

Da ich schon seit dem 6. Dezember Urlaub habe, hatte ich viel Zeit und Muse für selbstgemachte Weihnachtsgeschenke. Und weil ich ja selbst auch immer auf der Suche nach Inspiration für selbstgemachte Geschenke bin, dachte ich mir, ich teile sie hier mit euch. Unter SEO Gesichtspunkten wäre es vermutlich schlauer, mit der Veröffentlichung bis nächsten Dezember zu warten, aber bis dahin habe ich bestimmt wieder vergessen, dass ich euch das erzählen wollte.

Da war zuerst einmal das selbstgemachte Geschenkpapier. Nach Inspiration von Siebenhundertsachen und Laura Kampf habe ich nämlich das Packpapier, das als Füllmaterial in vielen Paketen drin ist, mit dem Wellholz bedruckt. Dafür beklebt man Moosgummi mit doppelseitigem Klebeband, schneidet Formen daraus aus, beklebt ein Wellholz mit Tesakrepp um es vor Kleberesten des doppelseitigen Klebebandes und Farbe zu schützen, klebt das Moosgummi aufs Wellholz und kann dann in die Serienproduktion von selbstbedrucktem Geschenkpapier gehen. 

Aber Vorsicht, man kann da schnell in einen Rausch geraten und sucht die ganze Wohnung nach noch mehr Papier ab, was man noch bedrucken könnte.

Außerdem habe ich mir dann noch die Weihnachtkarten-Idee von Laura schamlos abgeguckt und die kl Menschen und ich haben Weihnachtskarten gedruckt. 

Dann gab es noch selbstgemachte Body Butter nach diesem Rezept

Außerdem Karamellbonbons nach diesem Rezept

Peanutbuttercups nach diesem Rezept (ich finde ja, Peanutbuttercups müssen mit Milchschokolade gemacht werden, aber Milchschokolade temperieren und Hohlformen daraus gießen ist eine mühsame Angelegenheit. Deshalb mache ich viel zu selten Peanutbuttercups.)

Dann gab es noch Schokomandeln

und ein Glühweinset bestehend aus selbstgemachtem Pflaumensirup (3 kg Zwetschgen, 300 ml Rotwein, 700 ml Wasser, 1 kg Zucker, Spekulatiusgewürz zusammen aufkochen, 30 min offen kochen lassen, durch ein Geschirrtuch abseihen) und einem Teelöffel losem Yogitee als Gewürzmischung in einem Teebeutel. Dazu die Anleitung (1 Flasche Rotwein mit 300 ml Sirup erwärmen, Gewürzmischung 10 min ziehen lassen, fertig)

Außerdem habe ich noch selbstgemachte Wachstücher verschenkt, was gefühlt dieses Weihnachten so ziemlich jede verschenkt hat, die Weihnachtsgeschenke selber macht. Zum Teil habe ich die Wachstücher auch in Schüsselabdeckungen vernäht, aber das war eine sehr mühsame Angelegenheit, die meine Nähmaschine obendrein auch ziemlich mit Bienenwachs verschmiert hat.

Über die Badeamethyste hüllen wir besser den Mantel des Schweigens, denn meine Lebensmittelfarbe scheint mit dem Salz zu reagieren und statt ansehnlich lila-violett eingefärbten Bath Melts hatte ich am Ende grün-braune…

Jedenfalls habe ich so meinen ausgedehnten Urlaub vor Weihnachten sehr gut genutzt um viele Kleinigkeiten zu werkeln und das Verschenken hat sehr viel Spaß gemacht.

Ikea Hack: Gästebett Hemnes wird zum Zuschneidetisch

Zwischen den Jahren haben wir innerhalb der Wohnung einen mittelgroßen Umzug hingelegt. Die kleinen Menschen hatten bisher ein Spielzimmer auf der Wohnebene und ein gemeinsames Schlafzimmer auf der Schlafebene. Nun wollten sie gerne getrennte Schlafzimmer haben, was eben bedeutete, dass wir 3 Zimmer rotieren mussten. Das Arbeitszimmer wurde ins Spielzimmer verlegt, das Näh- und Gästezimmer ins Arbeitszimmer und der kl kl Mensch zog beim gr kl Mensch aus ins Näh- und Gästezimmer. Das neue Nähzimmer ist aber deutlich kleiner als das alte und ich war anfangs nicht sonderlich begeistert von dem Plan. Dann übernachtete ich bei Freunden in einem ausziehbaren Gästebett. Im zusammengeschobenen Zustand ist es knapp 90 cm breit, im ausgezogenen Zustand hat es 1,60 m Liegefläche. Das erschien mir für das kleinere Zimmer eine sehr attraktive Lösung. Ich finde nämlich ein Gästezimmer sehr notwendig, weil wir gerne Gäste bei uns haben. Aber ich brauche auch Platz für meine Nähmaschinen. Und dann kam mir bei der Betrachtung des Bettes noch eine sehr viel bessere Idee: Der Rahmen um dieses sehr an Küchenbank für Mägde in einer Astrid Lindgren Geschichte erinnernde Bett ließe sich sicher sehr gut als Auflagefläche für eine Tischplatte nutzen, so dass ich einen Zuschneidetisch hätte. Bislang schnitt ich nämlich immer auf dem Esstisch zu, was dazu führte, dass der Liebste den Esstisch als Basteltisch bezeichnete.

Und wenn mein Hirn dann erstmal angefangen hat mit Nachdenken, dann kann es passieren, dass ich in so einen Strudel aus Ideen komme. Zuerst war der Plan, dass man die Tischplatte, wenn Gäste da sind und das Bett benutzt werden soll, hinters Bett hebt. Ich hatte aber Bedenken, dass das in dem engen Zimmer so einfach möglich sein würde. Dann fiel mir der Wickeltisch ein, den mein Schwiegervater für uns baute. Damals wohnten wir in Hamburg in einer kleinen Wohnung mit einem sehr kleinen Bad und einer Toplader-Waschmaschine. Deshalb konnten wir den Wickeltisch nicht einfach oben auf der Waschmaschine einrichten. Mein Schwiegervater als gelernter Zimmermann und Architekt baute uns also einen Wickeltisch zum hochklappen, der exakt in die Ecke der Waschmaschine passte (es gab noch andere Constraints, weshalb ein fertig gekaufter Klapptisch nicht in Frage kam). Jedenfalls hatte ich dann die Idee, die Tischplatte statt wegzuheben doch viel besser wegzuklappen sei. Ich tauschte noch ein paar Ideen mit dem Liebsten aus und dann bestellte ich eine 28 mm dicke 220x110cm große Tischplatte im Internet (es ist ein Jammer, aber so ein gewöhnlicher Baumarkt mit Holzzuschnitt ist einfach nicht in der Lage, vernünftig umleimte Tischplatten zu machen. Und raue Kanten sind nun mal das letzte, was man will bei einem Zuschneidetisch. Klar hätte ich mir auch noch ein Angebot von einer lokalen Schreinerin hier holen können, aber meine Erfahrungen mit Handwerkern (sic!) sind nun mal eher von frustrierenden Erlebnissen geprägt). Diese Platte wurde gestern morgen geliefert. Also machten wir uns gestern ans Werk und montierten die Tischplatte mit Scharnieren auf dem Bettrahmen. Zuerst markierte ich in 60 cm Abständen die Stellen am hinteren Rahmen und an der Tischplatte, wo die Scharniere festgeschraubt werden sollten.

Dann markierte ich die Bohrlöcher, um die Scharniere an der Tischplatte und am Rahmen (da muss es genau mittig sein, damit man die 2 cm dicke Platte, auf der der Rahmen sitzt, auch wirklich trifft) fest zu schrauben.

Ich schraubte die Scharniere in die Tischplatte

Wir waren uns etwas unsicher, ob der Rahmen die 50 kg schwere Platte tragen würde, weshalb wir uns entschlossen, an die Stellen, wo die Scharniere waren, noch Vierkanthölzer zur Unterstützung von hinten gegen die Rückwand des Bettes zu schrauben und zu verleimen. Dafür musste aber zuerst einmal eine Aussparung oben aus dem Holz gesägt werden für den Rahmen.threema-20190102-144034-22b9e621e76787e8

Anschließend bestrich ich das Vierkantholz mit Leim

und wir schraubten es von hinten gegen das Bett an den Stellen, die ich vorher am Rahmen angezeichnet hatte.

Dann kam der schwierigste Part, den man am besten zu dritt erledigt: Das festschrauben der hochgeklappten Platte auf dem Rahmen. Davon gibt es keine Fotos, weil 2 Personen die Tischplatte hielten, während die dritte die Scharniere festschraubte. Niemand wollte da Zeit mit Fotos vertrödeln!

Damit die Gäste, wenn sie im Bett liegen nicht von einer 50 kg schweren Platte erschlagen werden, brachten wir noch eine Sicherung an der Wand an, damit die Platte wirklich hochgeklappt bleibt.

Außerdem noch 5 mm dicke Latten rechts und links um die Höhe der Scharniere auszugleichen und eine waagerechte Tischplatte zu haben.

Und jetzt habe ich eine wirklich großartigen Zuschneidetisch und trotzdem noch immer ein Gästebett!!!

Zimtknoten

Normalerweise bestelle ich unser Mehl bei einer regionalen Mühle. Jetzt wollte ich aber aus Gründen unbedingt Baguettemehl haben, und das gibt es dort nicht (dafür haben sie Spätzlesmehl aus Dinkel!!!). Jedenfalls bestellte ich also bei einer anderen Mühle das Baguettemehl und außerdem auch noch ein Bäckerleinen. Und mit dieser Bestellung kamen dann ein Baguette-Rezept und ein Rezept für Zimtknoten mit.

Heute war ein perfekter Tag für Zimtknoten backen. An rausgehen war wegen Regen und Sturm nicht so richtig zu denken und überhaupt hatten wir uns ganz absichtlich für heute einen Gammeltag vorgenommen. Ich setzte also gestern Abend zusammen mit dem Brötchenteig den Vorteig an.

Vorteig

  • 100 g Weizenvollkornmehl
  • 100 g Milch
  • 5 g Hefe

Alles miteinander vermengen und über Nacht im Kühlschrank quellen lassen.

Hauptteig

  • Vorteig
  • 400 g Weizenmehl Type 550
  • 180 g Milch
  • 10 g Hefe
  • 5 g Salz
  • 65 g Butter
  • 65 g Zucker
  • 1 Ei

Alle Zutaten mit der Küchenmaschine für 10 Minuten zu einem weichen Teig verkneten und den Teig 45 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen.

Der Teig ist sehr feucht, deshalb ist es ratsam, ihn mit Hilfe einer Teigware aus der Schüssel auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche zu bugsieren. Die Oberfläche des Teiges auch gut bemehlen und dann zu einem Rechteck ausrollen (in der Anleitung stand „Rechteck mit 0,5 cm Stärke“, ich habe mich an der Größe des Holzbrettes orientiert, das ist 35×50 cm groß, fand das aber etwas zu groß und würde es beim nächsten mal etwas kleiner ausrollen.)Füllung

  • 65 g flüssige Butter
  • 40 g Zimt-Zucker-Mischung
  • optional 100 g gehackte Pecannüsse oder Mandeln

Den ausgerollten Teig mit Butter bestreichen und mit der Zucker-Zimt-Mischung bestreuen. Wer es mag, kann jetzt auch noch die gehackten Pecannusskerne draufstreuen, ich habs nur auf die eine Hälfte gestreut, weil es hier in der Familie ein paar Geschmacksspezielle gibt. Ich würde beim nächsten mal außerdem etwas weniger Zucker und etwas mehr Zimt in die Zucker-Zimt-Mischung machen.Dann den Teig einmal an der schmalen Seite zur Mitte falten und mit dem Teigabstecher oder einem Messer 12 Stränge abstechen. Die Stränge eindrehenund verknotenAuf einem Backblech abgedeckt nochmal 45 min ruhen lassen.Vor dem Backen mit Ei bestreichen, dann für 17 min bei 190 Grad Celsius backen.abkühlen lassen und genießenMan erkennt es vielleicht an den Händen, dass ich heute tatkräftige Unterstützung vom großen kleinen Menschen hatte. Das war toll!