Nach Island fliegen kann ja jede

Der Liebste und ich waren vor 10 Jahren auf Island. Mit dem Rucksack. Fortbewegt haben wir uns damals entweder zu Fuß oder mit dem Linienbus. Das war für 2 Endzwanziger Thirtysomethings auch eine super Sache. So toll, dass wir schon bei der Rückkehr die nächste Reise dorthin im Sommer 2009 anfingen zu planen. Wir wollten mit einer Bergführerin die Tour über den Grænafjall ins Norðurdalur machen. Wir spielten mit einem GPS Gerät herum, das auch mit Linux sinnvoll zu benutzen wäre. Im November 2008 endete das Pläne schmieden jäh. Stattdessen wurden wir in ein Abenteuer der ganz anderen Art gestürzt: Wir wurden Eltern.

Unser Sehnen nach Island ließ dadurch aber nicht nach. Und auch der gr kl Mensch schien eine enge Bindung an diesen Sehnsuchtsort zu haben, den er ja nur aus unseren Erzählungen kannte. In der Phase, wo kl Menschen imaginäre Freunde haben, da hatte er unzählige Geschwister auf Island und arbeitete irgendwas mit Containern dort.

Dann kaufte sich mein Schwager einen Defender. Und der Liebste kam auf die verrückte Idee, dass wir uns dieses Auto ja mal einen Sommer ausleihen könnten und damit nach Island fahren. Denn eins war klar: mit kl Menschen wäre es schwierig nur mit Trekkingrucksack, Minizelt und sehr eingeschränktem Speiseplan zu verreisen. Klar, man könnte hinfliegen, dort ein Auto mieten und über die Ringstraße einmal um die Insel rumfahren. Aber wie man vielleicht oben schon bemerkt hat, reizen uns die eher abgelegenen Orte auf der Insel. Die man nur mit einem ernstzunehmenden Geländewagen erreicht. Wir diskutierten verschiedene Varianten durch:

  1. Hinfliegen, Geländewagen mieten: wie bekommt man das familientaugliche Zelt hin? Außerdem darf man die wirklich interessanten Straßen aus versicherungstechnischen Gründen oft nicht fahren. Also man kann schon, ist halt nur doof, wenn dann was passiert. (siehe auch *)
  2. Den Defender vom Schwager leihen: kam nicht in Frage, da war der Schwager unmissverständlich
  3. Selbst einen Geländewagen kaufen.

Der Liebste beobachtete also jahrelang mobile.de auf der Suche nach einem Geländewagen Baujahr 1986 oder früher. Er erklärte mir in epischer Breite, warum es alternativlos total rational sei, einen so alten Wagen zu kaufen.* Ich wollte eigentlich nur gerne wieder nach Island. Jetzt häng ich halt mit drin.

Der Liebste hat sich informiert, hat sich von den Machern von Matsch und Piste beraten lassen, hat eine Werkstatt ausgesucht, sich dort noch weiter beraten lassen und stetig den Suchagenten bei mobile.de im Blick gehabt. Im November 2016 wurde er dann fündig: Ein Nissan Patrol 160 Station Wagon 5-Türer Baujahr 1986 erfüllte seine Sehnsucht nach legendärem japanischem Altmetall und wurde gekauft. Die Restauration dieser Autos Rostbeule ist eine ganz eigene Geschichte, die jeden nervlichen, zeitlichen und finanziellen Rahmen sprengt.

Als das Auto gekauft war, war auch ungefähr absehbar, wann wir die Reise antreten können: Sommer 2018. Da man allein für die Anreise 4 Tage einplanen muss (2 Tage bis Hirtshals, 2 Tage auf der Fähre), ebensoviele Tage für die Abreise und wir wirklich Zeit auf Island haben wollten, wenn man sowas schonmal macht, war klar, dass wir mehr oder weniger die gesamten Sommerferien weg sein wollen würden. Wie macht man das mit nur 30 Tagen Urlaub/Jahr? Ich hatte schon länger überlegt, ob ich nochmal 2-3 Monate Elternzeit nehmen sollte. Beim kl kl Mensch bin ich ja 4 Monate nach seiner Geburt wieder voll arbeiten gegangen und das war schon sehr anstrengend. Außerdem waren auch die ersten drei Schuljahre beim gr kl Mensch sehr kräftezehrend. Also besprach ich im Sommer 2017 mit meinem Chef, ob ich im Sommer 2018 in Elternzeit gehen könne. Das dritte Jahr Elternzeitanspruch kann man bis zum Ende des siebten Lebensjahres des Kindes nehmen. Mein Chef machte zwar keine Freudensprünge, war aber auch nicht dagegen. Die Personalabteilung war auch einverstanden und so wurden mir im Herbst 2017 zwei Elternzeitmonate im Juli und August 2018 genehmigt. Der Liebste schiebt seit seiner Elternzeit 2012 30 Tage Urlaub vor sich her, so dass er genügend Urlaubstage hat für unsere Reise.

Wir begannen also konkreter zu planen. Buchten die Fähre. Kauften ein familientaugliches Zelt, das sich schnell aufbauen lässt. Da wir eine Rundreise planen, ist das wichtig. Wir sind oft nur eine Nacht an einem Ort, da will man nicht 1 h lang am Abend Zelt aufbauen und 1h lang am Morgen Zelt abbauen.** Der Liebste wurde süchtig nach australischen Offroad Videos auf YouTube.

Ein erster Test sollten die Pfingstferien auf Ameland sein. Auto ausprobieren, Zelt ausprobieren, 4 Tage Nordsee genießen. Daraus wurde nur leider nix, weil die Werkstatt zwar handwerklich richtig richtig gut ist, aber eine absolute Katastrophe, was Zeitplanung von Langzeitprojekten angeht.

Wir liehen uns den Campingkocher von Familie 700Sachen und kochten die Pfingstferien über auf dem Balkon. Um Rezepte zu probieren und um zu schauen, welche Utensilien man immer in der Küche vergisst. Wir wissen also jetzt, dass One-Pot-Pasta mit Würstchen von allen gern gegessen wird, ebenso Pizza aus dem Omnia Campingbackofen. Reis mit Hackfleisch, Paprika und Tomaten ist okay (Ich fand es sehr lecker, vor allem mit einem Schuss Ketchup), Nudeln mit Käse-Sahne-Soße gehen eh immer. Wir arbeiten noch ein bisschen an der Erweiterung dieses Speiseplans. Mal schauen, ob bei sehr großem Hunger Couscous mit Nüssen und Trockenfrüchten nicht doch ginge.*** Wir werden ohne Kühlschrank verreisen, da diese Kühlboxen, die über das Autostromnetz betrieben werden können, dem Liebsten unsympathisch sind vermutlich das Gerüttel auf den F-Straßen nicht so gut mitmachen. Wir haben eine passive Kühlbox, wir müssen einfach immer irgendwelche Tiefkühlprodukte und gekühlte Getränke einkaufen und die gemeinsam mit den Sachen aus dem Kühlregal in der Kühlbox lagern. Da es auf Island in der Regel nicht so richtig heiß wird, hoffe ich, dass wir so einigermaßen klar kommen. Aber vielleicht kann man auch am Campingplatz so wie in Frankreich Kühlakkus einfrieren lassen. Wir haben aber auch Milchpulver und Volleipulver dabei. (Und ehe man sich versieht, landet man bei der Suche nach solcherlei Sachen auf Prepper-webseiten. Gruselig sag ich euch. Gru-se-lig!) Trockenfleisch als Proteinquelle scheidet leider aus, da man das nicht einführen darf. Ich komme auch gut mit Hülsenfrüchten klar, allerdings finden die kl Menschen das vollkommen inakzeptabel. Ich hoffe ja noch, dass ihnen Skyr schmeckt. Meiner Erinnerung nach schmeckte der auf Island damals wie Fruchtzwerge, ich hab da also begründete Hoffnung 🙂 Zum Frühstück wird es wohl mal Brot und mal Müsli geben. Oder Pfannkuchen. Ich mag nämlich kein Müsli, die anderen drei aber schon. Also werde ich mir dann wohl einfach einen Pfannkuchen machen, wenn die anderen Müsli essen. Dank Milch- und Volleipulver sollte das ja problemlos gehen. Oder ich kaufe so ein Pancake-Fertigmix, da muss ich dann nur schauen, wie ich den für eine Person portioniere. Tagsüber werden wir Müsliriegel, Nussmischungen, Cracker, Kekse, etc snacken. So der Plan. Lassen wir uns überraschen, wie wir uns da eingrooven.

Wir hatten eine grobe Vorstellung, was wir alles sehen wollen auf Island. Da wir mit der Fähre im Osten ankommen und wir zum eingewöhnen das etwas stabilere Wetter im Norden nutzen wollen, war klar: grobe Richtung ist gegen den Uhrzeigersinn einmal um die Insel. Dabei ist der Plan, den nördlichsten, westlichsten, südlichsten und östlichsten Punkt der Insel zu besuchen. Mal schauen, wie das so klappt. Der Liebste legte ein Textdokument an, wo er reinschrieb, was er sehen will. Ich probierte ein bisschen mit verschiedenen Reiseplanungsapps rum und wir landeten schließlich bei Google MyMaps als Planungstool. Dort legte ich verschiedene Ebenen für Campingplätze, Sehenswürdigkeiten, Wanderungen, Einkaufsmöglichkeiten und heiße Quellen an und übertrug das Textdokument in diese Karte. Dabei fiel mir auf: Reykjavik und der Golden Circle fehlten in den Plänen des Liebsten. Ich fand allerdings, dass wir den kleinen Menschen diese zugegeben sehr touristischen Orte nicht vorenthalten können. Andererseits möchte ich den kleinen Menschen auch den Reiz der Abgeschiedenheit des isländischen Hochlands näherbringen. Wir werden also einige lange Wanderungen machen, evtl sogar eine mit Übernachtung im Minizelt. Mal schauen. Aber wir haben ja diesen Geländewagen eigentlich nur auch deshalb, damit wir auch mit dem Auto abseits der Ringstraße an abgelegene Orte kommen. Die Westfjorde z.B. Oder ins Fjallabak. Trotzdem ist wandern für mich nochmal ein ganz anderes Level an Erholung. Ich bin sowieso mal gespannt, wie die kleinen Menschen das mit dem vielen Autofahren finden werden. Der kl kl Mensch leidet ja häufig unter Reisekrankheit.

Einige Leserinnen fragen sich jetzt vielleicht: Wird sie selbstgenähte Kleider tragen beim Campen in der Wildnis? Die Antwort ist: Nein. Ich habe tatsächlich Hosen gekauft. Ganz auf selbstgemachte Kleidung werde ich aber auch bei diesem Trip nicht verzichten. Ich habe den Port Charlotte Sweater von Katie Davis aus isländischer Wolle gestrickt. Und ich habe mir T-Shirts aus Merinojersey genäht. Und aus den Resten des Jerseys wurden Slips. Und für die ganz warmen Tage habe ich den Wanderlust-Rock dabei.

Wie wir das Auto für so einen Camping-Roadtrip packen erzähle ich euch dann mit dem ersten Reisebericht.

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*in Wahrheit konnte er vor sich selbst nicht zugeben, dass er einfach scharf auf so eine asoziale CO2-Schleuder ist und es mit seinem Selbstbild nur vereinbaren konnte, wenn es wenigstens ein cooler Oldtimer ist

**Der Nachteil dieses Zelts: Sein Packmaß und sein Gewicht. Auch im verpackten Zustand ist es 2 m lang, man muss es also auf jeden Fall mit dem Dachgepäckträger transportieren. Und es ist hässlich.

*** Gestern probiert: Nein, geht nicht.

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Inhaltsverzeichnis Reisetagebuch Island 2008

So, nun habe ich alle Tagebucheinträge des Islandurlaubs abgetippt, mit Photos versehen und in den Blog hochgeladen. Und wie das bei Blogs so ist, muss man unten anfangen zu lesen, wenn man es in chronologischer Reihenfolge lesen möchte. Oder man nutzt das untenstehende Inhaltsverzeichnis 😉
Viel Spaß beim Lesen

25.07.08 Freudenberg
26.07.08 Siegen – Frankfurt – Reykjavík
27.07.08 Reykjavík – Skaftafell
28.07.08 Skaftafell
29.07.08 Skaftafell – Jökulsárlón – Egilsstaðir
30.07.08 Egilsstaðir – Mývatn
31.07.08 Mývatn – Dettifoss
01.08.08 Dettifoss – Vesturdalur
02.08.08 Vesturdalur – Ásbyrgi
03.08.08 Mývatn
04.08.08 Mývatn
05.08.08 Mývatn
06.08.08 Mývatn – Sprengisandur – Landmannalaugar
07.08.08 Landmannalaugar – Hrafntinnusker – Álftavatn
08.08.08 Álftavatn – Emstrur/Botnar
09.08.08 Emstrur/Botnar – Þórsmörk (Langidalur)
10.08.08 Þórsmörk
11.08.08 Þórsmörk
12.08.08 Langidalur – Fimmvörðuskáli
13.08.08 Fimmvörðuskáli – Skogar -Selfoss
14.08.08 Selfoss – Hveragerði
15.08.08 Hveragerði
16.08.08 Hveragerði – Geysir – Gullfoss – Þingvellir – Reykjavík
17.08.08 Reykjavík
18.08.08 Reykjavík

18.08.08 Reykjavík

Unser letzter Tag in Island, heute abend gehts zurück nach Frankfurt, wo uns morgen um 7:00 Uhr das Frühstück bei einem wahrscheinlich total verschlafenen Udo erwartet. Also noch ein bißchen nostalgisch vor uns hingeträumt und die schönsten Momente der letzten drei Wochen Revue passieren lassen, noch einmal das grandiose Gebäck von Sandholt genossen, die auch-nicht-so-besonderen Hotdogs (isländisch Pylzur) von Bæjarins Betzu ausprobiert (Bill Clintons letzter Hotdog vor dem Herzanfall…),
das Walfleisch im Restaurant Sea Baron (Wale werden überall auf der Welt strikt nur für wissenschaftliche Zwecke gejagt, ist doch klar) neben dem alten Hafen begutachtet,

wo alte rostende Walfangschiffe auf der einen Seite des Piers liegen, während von der anderen die Whale Watching Touren ablegen,

und noch etwas bei Utilif und Everest nach gefriergetrockneten Trekkingmalzeiten und anderen unnötigen Trekkinggütern gestöbert. Den Rest der Zeit haben wir dann noch in einem netten multikulturellen Cafe auf der Hverfiskgata abgesessen.

Impressionen von Reykjavík



17.08.08 Reykjavík

Da am Sonntag nur manche Geschäfte geöffnet haben und wir morgen auch noch was zu tun haben müssen, haben wir den heutigen Tag genutzt und waren im Isländischen Nationalmuseum und haben uns dort über die 1200 jährige Geschichte seit der Entdeckung Islands informiert. Vorher haben wir noch eine Bäckerei schräg gegenüber des Guest House VON
ausprobiert, nämlich Sandholt, und auch diesmal waren wir sehr begeistert von den Backwaren, so daß wir nach dem Museumsbesuch nochmal dorthin sind um dort Tee und Kaffee zu trinken und noch mehr von den unglaublichen Blätterteigtaschen mit Äpfeln und Pecanüssen zu essen.

16.08.08 Hveragerði – Geysir – Þingvellir – Reykjavík

Trotz der Party, die um uns herum stattfand, mit Zelten und Wohnwagen dicht an dicht und Gitarrenmusik überall auf dem Campingplatz, haben wir dank Ohropax eigentlich ganz gut geschlafen und haben es sogar geschafft, ohne Wecker rechtzeitig für unseren frühen Bus wach zu werden.

An der N1-Tankstelle haben wir noch versucht, herauszufinden, ob der SBA-Bus tatsächlich dort abfährt, nachdem wir auf der Hinfahrt vor 3 Wochen beobachtet hatten, wie jemand winkend an der Tanke stand und unser Netbus vorbei gefahren ist, um dann 300m weiter an der
Shell-Tankstelle zu halten. Aber die beiden Gestalten an der Tankstelle waren scheinbar vom Abend vorher noch so besoffen, daß aus ihnen keine in irgend einer Form nennenswerte Information heraus zu bekommen war. Aber da der Zeltplatzwart ja bereits bei der Busgesellschaft angerufen hat, um uns anzukündigen, hielt der Bus problemlos an der verregneten Haltestelle.

Das Wetter wurde besser, und der Geysir, also Strokkur, war schon irgendwie beeindruckend, vor allem, da es einer kleinen Geduldsprobe gleichkam, im richtigen Moment auf den Auslöser für ein Photo (wegen der Auslöseverzögerung der Kompaktkamera fast unmöglich)



Außer dem Geysir gabs aber irgendwie nicht viel zu sehen, schöne Landschaft natürlich, aber ein gewissen Scenic Overdose Syndrome machte sich nach der ganzen Faszination der letzten Wochen breit, und das bequeme warme Visitor Center rief mit seinem Angebot an Tee, heißer Schokolade und warmen Sitzplätzen, wo wir dann ein kleines Picknick mit ein paar dort gekauften und vielen mitgebrachten Sachen veranstalteten.

Danach ging es weiter zum Gullfoss, dem gefühlten 1000. Wasserfall unserer Reise. Man spürt deutlich, daß dieser Wasserfall am ‚Golden Circle‘ liegt, es gab deutlich mehr Touristen als an den anderen Wasserfällen und die Wege waren mit Holzplanken sehr gut ausgebaut. Trotzdem boten sich beeindruckende Blicke, da man an einigen Stellen recht dicht unterhalb der oberen Kante des Wasserfalls stehen kann.


In Þingvellir hatten wir etwa 50min Aufenthalt, so daß wir uns noch den ‚berühmten‘ Lögberg und die Spalte des mittelatlantischen Rückens


anschauen konnten. Diesen Spaziergang unternahmen wir zusammen mit einem sehr netten französischen Ehepaar, das wir schon in Þorsmörk kennen gelernt hatten (und ob ihrer perfekten und unfranzösischen Ausrüstung, hauptsächlich Mammut und Arcteryx, für Schweizer hielten). Anschließen ging es dann endgültig zurück nach Reykjavik.

15.08.08 Hveragerði

Irgendwie haben uns die letzten Tage doch ein wenig mitgenommen und wir hatten das Gefühl, nochmal so richtig ausschlafen zu müssen, so daß wir erst um 8 Uhr aufgestanden sind. Dann haben wir uns auch noch ziemlich Zeit gelassen mit dem Frühstücken und fertig werden, um
anschließend auch noch der Empfehlung des Hüttenwarts von Fimmvörðuskáli zu folgen, die lokale Bäckerei und deren Hverabrauð auszuprobieren. Natürlich konnen wir dort auch dem legendären süßen Gebäck nicht widerstehen und kosteten neben dem im geothermisch heißen Boden gekochten Brot Hverabrauð auch noch ein Stück leckeren Apfelkuchen und ein frittiertes Hefegebäck, das zwar ganz OK war, aber nicht so super gut wie der Rest.
Um 10:30 Uhr kamen wir endlich los und machten uns wieder auf den Weg ins Reykjadalur, diesmal mit dem Plan, eventuell den Hengill zu besteigen. Also folgten wir dem Wanderweg weiter rauf als gestern, wo wir dann auch die Zelte der Franzosen vom Dettifoss fanden, die uns (unfallbedingt nur noch zu fünft) gestern beim Abstieg entgegenkamen. Irgendwie trifft man immer die gleichen Leute.
An der nächsten Kreuzung stellten wir uns ein bißchen ungeschickt beim Kartenlesen an, weshalb wir absichtlich vom markierten und geplanten Weg abkamen, aber nach einiger Zeit (Navigation war doch an sich nicht schlecht) wieder an der richtigen Stelle rauskamen und an einer Schotterpiste den Wanderweg wieder fanden. Mittlerweile war der Wind und der zeitweilige Regen so kalt, und das auf nur 400 bis 500m H.ü.M., daß uns klar war, daß eine Besteigung des 800m hohen und sehr ausgesetzten Hengill heute nicht mehr in Frage kommen würde. Also änderten wir unser Tagesziel und steuerten die Kuppe an, über die man bis zum Þingvallavatn schauen konnte. Ein wunderschöner Ausblick mit

sehr abwechslungsreichem Himmel bot sich uns, aber zum Photographieren mit der Kompaktkamera war es leider etwas zu trübe, so daß die Bilder die Faszination der Landschaft und der starken Naturgewalt des Windes nicht so richtig einfangen konnten. Wir blickten über die Schlucht Kýrgil bis zum Þingvelir, und wir stellten fest, daß eine Trekkingtour von Reykjadalur zum Þingvallavatn durchaus reizvoll wäre. Der Wind war wohl schon ein Sturm und so machten wir uns auf den Rückweg (mit Gegenwind). Hinter eine Kuppe war es geschützt genug, so daß wir dort im weichen Gras picknicken konnten. Gestärkt für den Abstieg wählten wir diesmal den richtigen Weg und entdeckten, zurück am oberen Ende des Reykjadalur, die kochend heiße Quelle, die für das warme Badevergnügen weiter unten verantwortlich war. In diese Quelle hatte jemand ein großes Edelstahlsieb gefüllt mit Kichererbsen


gestellt, etwas weiter oben (wo der in die kochend heiße Quelle hineinfließende warme Bach etwa 30 Grad warm war) stand ein Brotteig zum gehen in einer Schüssel im Wasser. Auch toll das Farbenspiel: oberhalb der Quelle saftig grüne Algen, um die Quelle herum nur
schwefliges Orange.

Etwas weiter unten als gestern (kühler) suchten wir uns einen schönen tiefen Pool im Bach, in dem wir es uns gemütlich machten. Diesmal war es die dunkle Regenwolke, die uns aus dem Wasser trieb, im Wasser hätte man den Regen zwar gut aussitzen können, aber die Klamotten und Schuhe am Ufer sollten dann doch nicht so naß werden.

Der Rückweg war relativ unspektakulär. Beim Abendessen haben wir dann noch zwei Bioverfahrenstechnikstudenten aus Dortmund bzw. Iserlohn kennengelernt, die mit dem Fahrrad unterwegs sind. Hier auf dem Campingplatz tanzt der Bär im Kettenhemd, dieses Blumenfestival, für das die halbe Stadt mit roten, blauen und pinken Luftballons und Schleifchen
geschmückt ist, scheint halb Island in auffaltbaren Wohnwägen anzulocken.

14.08.08 Selfoss – Hveragerði

Nachdem sowohl eine nette Isländerin in Þórsmörk als auch der Hüttenwart in Fimmvörðuskáli uns Hveragerði als nächstes Ziel für die 2 noch verbleibenden Tage empfohlen hatte, entschlossen wir uns kurzfristig, statt nach Þingvelir lieber nach Hveragerði zu gehen.

Bereits um 9:40 waren wir dort auf den noch fast leeren Zeltplatz und haben uns zuerst geduscht und unsere Sachen gewaschen. Danach haben wir ein wenig im Bonus eingekauft und gemütlich im Zelt gepicknickt. Das hat uns so müde gemacht, daß wir gleich noch einen kleinen Mittagschlaf eingeschoben haben. So gegen 16:00 Uhr sind wir dann mal losgegangen auf unsere kleine Tagestour ins Reykjadalur. Die Isländerin in Þórsmörk hatte uns den Tipp gegeben, daß es dort einen Bach gibt, der von heißen Quellen gespeist wird und in dem man baden kann. Also haben wir unsere Badesachen eingepackt und latschten erstmal 3km durchs Dorf und an den angrenzenden Farmen vorbei zum Trailhead. Überall auf dem Weg dampfte es aus dem grünen Wiesenboden, und es gibt hier wohl auch einen unregelmäßig arbeitenden Geysir, den wir aber nicht gesehen haben (das kommt davon, wenn man aus Gewichtsgründen den Lonely Planet zu Hause lässt und nur ein paar Kopien von den wichtigsten Seiten mitnimmt). Und es stank bei weitem nicht so bestialisch wie in Njamafell am Myvatn!

Irgendwann kamen wir zu einer Furt, die wir sehr gerne durchwateten, da das Wasser etwa 30 Grad Celsius warm war, auch wenn die Steine trotzdem etwas spitz waren (an die Sandalen hatten wir nicht gedacht). Etwas weiter oben waren mit Steinen immer wieder kleine Pools im Bach aufgestaut, in die man sich reinsetzen konnte, was wir dann auch taten und sehr genossen. Es war fast ein wenig zu heiß, denn im Gegensatz zur Badewanne wurde das Wasser im laufe der Zeit nicht kühler…

Ganz so einsam, wie wir gehofft hatten, war der Bach zwar nicht (nackig baden leider auch um 6 bis 7 Uhr abends nicht angesagt), aber es war immer noch wesentlich weniger Betrieb als etwa am Hotpot in Landmannalaugar. Als wir wieder aus dem Wasser raus sind hatten wir dann auch beide leichte Probleme mit dem Kreislauf… Auf dem Rückweg hatten wir Glück beim Trampen und konnten ca. 2km Weg ins Dorf zurück im Miet-Geländewagen einer englischen Familie zurücklegen.

Der schöne Zeltplatz ist mittlerweile voll mit Wohnmobilen und Wohnwagen, aber es ist trotzdem schön hier.

Zeltplatz Hveragerði

600ISK p.P. und Nacht
Saubere Toilette, heiße Dusche inkl.
300 ISK pro Waschmaschine, Trockenraum, Wäschespinne
Wind- und regengeschützte kleine Koch- und Essecke, kein Kocher