Freitagsliebe (3): Marja Katz

Weiter geht es mit der Freitagsliebe, eine locker Folge von Beiträgen, wo ich eine mir liebgewonnene Person aus dem Netz mit Liebe überschütte. Denn Hasss gibt es in diesem Internet schon genug. Die Idee stammt von der wunderbaren Vrouwelin.

Irgendwann fragte ich bei Twitter, ob es denn vielleicht auch nähbegeisterte Personen in Köln gäbe, ich sehnte mich nämlich sehr nach soetwas wie einem Nähkränzchen. Zum einen wurde ich so auf den Nähnerd-Stammtisch aufmerksam und zum anderen meldete sich Antonia. Nachdem wir gegenseitig unsere Blogs leergelesen hatten, trafen wir uns an einem Samstag vormittag in der Stadt und gingen gemeinsam Stoff kaufen und einen Kaffee trinken. Und seither ist es Liebe. Das mit dem gemeinsamen Nähkränzchen hat zwar noch ein bisschen gedauert und wir mussten verschiedene Formate ausprobieren, aber mittlerweile treffen wir uns regelmäßig, wenn auch viel zu selten zum Nähen.

Bei der anNÄHerung ist es vollkommen klar, dass wir gemeinsam hin fahren, gemeinsam in einem Zimmer schlafen (die letzten beiden Male mit der fabelhaften 700Sachen) und an einem Tisch sitzen. Die anderen Tischnachbarinnen waren jedesmal andere, aber Antonia und ich, das ist einfach klar.

In ihrem Blog gehts hauptsächlich (ausschließlich?) ums Nähen. Sie näht für sich und für ihre Kinder. Und neben dem Zeigen der genähten Sachen veröffentlicht sie immer mal wieder ganz tolle Tutorials zu den verschiedensten Themen. Sehr lustig war, als meine Mama mir mal ganz vorfreudig das Tutorial für die Eimertasche Mascha zeigte, die sie für meinen Neffen nähen wollte. Und natürlich war sie am Ende total begeistert von dem Tutorial. Denn die haben bei Antonia immer Hand und Fuß. Halbgares gibts bei ihr nicht.img-20161103-wa0006

Sie hat ein unfassbar großes Nähwissen, ich hab immer das Gefühl, sie näht schon ihr ganzes Leben. Und hat eine ganz selbstverständliche Art, dieses Wissen weiter zu geben.

Wer ihrem Twitteraccount folgt, ahnt, dass sie auch ansonsten eine intelligente Frau ist, die das Herz am rechten Fleck hat.

In den letzten Monaten, als ich eine sehr sehr doofe Geschichte erlebte, da war sie eine unglaublich großartige Unterstützung. Sie hat mich immer wieder darin bestärkt, dass ich mich richtig verhalte und auf mein Gefühl vertrauen kann.

Liebe Antonia, ich bin sehr froh, dich zu kennen und dass du meine Freundin bist. Du machst mein Leben reicher ❤

Freitagsliebe 2: Siebenhundert Sachen

Weiter geht es mit der Freitagsliebe. Weil diese Welt mehr Liebe braucht. Gerade jetzt. Vrouwelin hat heute auch schon einem tollen Menschen gehuldigt.

@700Sachen

700Sachen lernte ich bei Twitter kennen, als ich mich mit Karacho ins Nähbloggerinnenuniversum stürzte. Da war sie gerade schwanger und sie erzählte viel von dem Hochzeitsgastkleid, dass sie gerade nähte. Und dann kam alles anders und sie konnte nicht auf die Hochzeit und der Minimensch kam sehr sehr mini zur Welt. Ich bewunderte die Gelassenheit, mit der sie die Situation zu meistern schien.

Ich begann recht schnell auch ihren Blog zu lesen, dessen Name wirklich Programm ist. Selbst machen – selbst denken – selbst reden. Dass ich auf so ein Motto abfahre, könnt ihr euch sicher denken.

Anfangs war mir noch nicht so recht klar, was sie beruflich machte, aber das lag wahrscheinlich vor allem daran, dass sie in Elternzeit war. Sie arbeitete an der Hochschule, soviel war klar, aber was genau, das blieb für mich lange im Dunkeln.

Als dann meine Nichte viel zu früh und viel zu klein auf die Welt kam, da hatte 700Sachen sehr nützliche Tipps für Frühchenschlafsäcke und Frühchenkleidung parat und schickte mir sogar ein Schnittmuster für einen minikleinen Schlafsack. Leider habe ich diesen Schlafsack nie genäht, weil er nicht gebraucht wurde 😦

Dann trafen wir uns das erste Mal bei einem Nähbloggerinnentreffen und ich hatte es voll verpeilt, dass sie 700Sachen ist. Ich begrüßte sie sehr verhalten und erst nach längerer Zeit kapierte ich, dass sie die tolle Frau ist, die so viele schlaue Sachen twitterte. Beim Abendessen konnte ich den verhaltenen Start dann aber noch richtigstellen. Zum Glück! Nicht auszudenken, wenn sie gedacht hätte, ich möge sie nicht.

Irgendwann bekam ich dann mit, dass sie Ökonomin ist. Während der Griechenlandkrise letztes Jahr hat sie eine sehr aufschlussreiche Serie in ihrem Blog gehabt, was diese ganzen Verhandlungen eigentlich genau bedeuten, für uns EU-Bürgerinnen und für die Griechinnen im speziellen. Spätestens da war deutlich zu spüren, dass ihre Leidenschaft nicht nur das Forschen sondern auch das Lehren ist. Vor kurzem dann hat sie eine ähnliche Reihe zum Brexit gemacht und auch da mochte ich ihre gut verständlichen und sehr fundierten Texte sehr.

Was ich außerdem sehr an ihr schätze: Sie ist noch viel rückwärtsintegrierter als ich was das Selbermachen angeht. Sie backt nicht nur Brötchen, sie backt auch ihr Brot selber. Sie hat einen Balkongarten mit Gemüse. Und sie macht sich viele interessante Gedanken um ihre „Indianermentalität„, wie sie es nennt. Aber eigentlich sind all ihre Texte, die sie unter der Rubrik Just my 2 Cents ablegt sehr empfehlenswert. Egal, ob sie sich um Wirtschaftsthemen, nachhaltige Kleidung, Flüchtlinge oder andere wichtige Themen drehen

Sie macht außerdem ganz tolle Geburtstagsgeschenke. Weil sie aufmerksam die Timeline liest und deshalb weiß, was man gerade braucht. Und sie verschickt Schnittmuster schneller, als man gucken kann.

Mit anderen Worten: Ich bin sehr froh, 700Sachen zur Freundin zu haben. Sie bereichert mein Leben ungemein mit interessanten Gedanken und mit viel Liebe.

Freitagsliebe (1): @dieKadda

Die Vrouwelin hatte eine ganz wundervolle Idee: Angestoßen von Kübras Vortrag auf der re:publica mit dem Titel „Organisiert Liebe“ hat sie den Plan gefasst, immer Freitags eine ausgesuchten Person mit Liebe zu übergießen. Weil es schon genug Hass im Netz gibt. Und ich schließe mich dieser Aktion an. Weil es nämlich sehr sehr schön war, soviel liebe Dinge über mich selbst zu lesen. Diese Freude möchte ich anderen auch machen.

Die Kadda

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich die Mädchenmannschaft entdeckte, aber Kadda war damals jedenfalls schon mit dabei. Und ich mochte ihre Artikel sehr. Sie waren unaufgeregt, differenziert und in einem völlig anderen Duktus geschrieben als das, was ich bis dahin unter Feminismus verstand. Irgendwann verließ Kadda die Mädchenmannschaft, was ich sehr bedauerte. Aber wir blieben weiterhin lose über Mail in Kontakt. Ich las ihren privaten Blog, folgte ihr auf Twitter und erfüllte wahrscheinlich alle Kriterien für ein „Fangirl“. Umso mehr schmeichelte es mir, als ich von der Featurette (ein Gemeinschaftsprojekt von Kadda, Susanne Klingner und Barbara Streidl) gefragt wurde, ob sie einen Blogbeitrag von mir featuren dürfen und ob ich Teil des Featurette-Portfolio werden wolle.

Bei Grünen Geschlechtergipfel im September 2012 traf ich Kadda dann zum ersten mal in Echt. Aber wie das ja oft mit so Internetmenschen ist, hatte ich das Gefühl, sie schon ewig zu kennen.

Dann gab es diese sehr unschöne Episode mit meiner feministischen Bezugsgruppe hier in Köln und da war es sehr gut, dass Kadda da war. Sie hatte ja sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und hat mich sehr darin bestärkt, dass es sehr freiheitsfeindliche Tendenzen im modernen Feminismus gibt, wo weder sie noch ich mitmachen wollen. Aber sie wird trotzdem nicht müde, sich feministisch zu engagieren und das ist auch gut so! Sie ist einer der Menchen, weshalb ich mich nach wie vor als Feministin bezeichne.

Seither treffen wir uns von Zeit zu Zeit und es ist jedesmal so, als würde ich eine alte gute Freundin treffen.

Ihr erstes Buch „Bitte freimachen“ habe ich in einem fort verschlungen. Es ist wirklich ein toller Rundumschlag über viele gesellschaftliche feministisch relevanten Themen, und sie geht sogar noch einen Schritt weiter und behandelt neben den klassischen Themen wie Schönheitsideal, Mutterbild, Sex,… auch die im feministischen Diskurs eher stiefmütterlich behandelten Felder Politik und Militär.

Beim Nähen höre ich gerne Podcasts und Kadda ist definitiv eine der Stimmen, die ich am häufigsten höre. Der Lila Podcast ist ja fast schon legendär, aber auch den Erscheinungsraum, der leider viel zu selten erscheint,mag ich sehr sehr gerne. Weil sie sich da so schön viel Zeit nimmt, ihren Gesprächspartnerinnen diesen Erscheinungsraum zur Verfügung zu stellen. Und dann macht sie mit Holgi noch die Wochendämmerung.

Also, wer Kadda noch nicht kennt: lest sie! Hört sie! Sie hat wichtige Dinge zu sagen. Und tut dies auf eine unaufgeregte aber trotzdem kritische Art und Weise. Sie mischt sich ein, ohne Angst davor zu haben, anzuecken.