Sweetheart und Stacheldraht

Hin und wieder beißt mich die Inspiration. Da sehe ich plötzlich ein ganz bestimmtes Kleid vor mir und dann werden alle anderen Projekte liegen gelassen und ich arbeite fast schon manisch an der Umsetzung meiner Vorstellung. So geschehen mit diesem Kleid.dreiOutfits_170408-031

Das Schnittmuster ist das Coat Dress aus Gertis Book for better sewing. Aber wie eigentlich immer habe ich mir angeschaut, wie die charakteristischen Designelemente umgesetzt sind und den Schnitt dann selber nach meinem gut angepassten Grundschnitt gemacht. Für Kleider mit klassischen Brustabnähern, Taillenabnähern, Taillennaht funktioniert das mittlerweile sehr gut und ich muss kein Probeteil nähen. Der Zeitaufwand fürs Schnitt erstellen wird also auf jeden Fall durch den Wegfall von unendlichen Anpassungen aufgewogen.dreiOutfits_170408-027

Zuerst schwebte mir ein richtig winterliches Kleid aus Wollflanell vor, aber dann kam plötzlich dieser Biss der Inspiration (ja, es ist ein Biss, kein Kuss. Ein Kuss ist sinnlich, zärtlich, weich. Aber das ist es nicht. Es ist plötzlich, Adrenalin ausschüttend und einfach bäng!). Auf das Revers diese StickereidreiOutfits_170408-065

Grauer Anzugstoff schien mir für das Unterstreichen dieses Statements perfekt geeignet und ich hatte tatsächlich noch einen ausreichend großes Stück, das eigentlich für einen Hosenanzug vorgesehen war, im Lager. Das Reverse musste etwas vergrößert werden, damit die Stickerei drauf passte, aber ich mag große Revers. Zuerst schwebte mir noch mehr Stacheldraht am Saum des Kleides vor, aber da es ein sehr langer Saum ist, befürchtete ich, dass das zu viel werden könnte und imitierte stattdessen ein Oberarm TattoodreiOutfits_170408-059

Dem Saum spendierte ich dafür einen etwas weniger auffälligen Zierstich, der stilistisch aber sehr gut zum Stacheldrahttattoo passt

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Dieser Zierstick erfüllt aber durchaus noch einen Zweck, er hält nämlich das Versteifungsband (Crinolborte, horsehair braid), mit dem der Saum verstürzt istdreiOutfits_170408-064

Bei den eingesetzten Ärmeln habe ich ein bisschen experimentiert, die Falte hätte eigentlich in die andere Richtung (also nicht nach innen als Kellerfalte, sondern nach außen als Quetschfalte) gelegt werden sollen.  Ein Experiment, was ich eher nicht wiederholen werde. Es ist interessant, aber ein bisschen komisch sieht der Ärmel aus.dreiOutfits_170408-058

Aber dieses Kleid ist ganz ganz große Liebe. Auch oder gerade weil ich mich darin fühle wie eine KGB Führungsoffizierin. dreiOutfits_170408-045

Das Schnittmuster, an dem ich mich ja nur orientierte, aber eben schon schaute, wie ist der Fadenlauf, welche Schnittteile brauche ich, … sah keinen Rückenausschnittbeleg vor. Aber dann wäre diese Kante unversäubert geblieben und die vorderen Belege hätten an der Schulternaht unmotiviert rumgelommelt. Außerdem ist der Rückenausschnittbeleg bestens dafür geeignet, geheime Informationen zu verbergen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was den Fadenlauf angeht, hätte ich auch besser auf mein Gefühl hören sollen, die Knopflöcher am Rockteil sind nächmlich im schrägen Fadenlauf und sehen nicht sehr schön aus. Trotz Einlage…OLYMPUS DIGITAL CAMERA

(Oberteil: Knopflöcher senkrecht zum Fadenlauf, Rock: Knopflöcher schräg zum Fadenlauf)

Die Knöpfe sind die beziehbaren Knöpfe, die man in jeder Kurzwarenabteilung kaufen kann. Das ginge sicher auch noch schöner, aber irgendwie habe ich es verpeilt, Stoff nach Berlin zum Nähkontor zu schicken, damit die meine Knöpfe professionell beziehen.dreiOutfits_170408-061

Ich habe außerdem noch zwei unsichtbare Druckknöpfe angebracht, einen, damit der untere Teil des Vorderteils an Ort und Stelle bleibtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

und einen, damit das Kleid an der Rockansatznaht nicht komisch aufstehtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ich sehr mag, dadurch dass der Tellerrock in 7 Bahnen aufgeteilt ist, ergeben sich an den Nähten rechte Winkel der hauchdünnen Streifen des Stoffes. Da erfreue ich mich regelmäßig dran, wenn ich über den Gang gehe, der Rock schön weit schwingt und ich das unterschiedliche Brechungsmuster des Lichts bemerke.dreiOutfits_170408-039

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und last but not least gibt es noch ein Vintageportrait, bei dem es der Liebste es nicht schafft mit Photoshop ein paar Knitter und einen Büttenrand hinzuzufügen nach stundenlangem rumprobieren den perfekten Look hin zu bekommen ❤dreiOutfits_frame_170408-004

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Individuelles Handeln im gesellschaftlichen Zusammenhang

Dieser Text wird polarisieren. Aber ich kann ihn nicht so schreiben, dass er es nicht tut. Gemeinschaften bestehen immer aus Individuen. Kritisiert man ein Merkmal einer Gemeinschaft, fühlen sich trotzdem die Individuen angegriffen. Individuelles Handeln hat aber immer einen größeren Zusammenhang.

Seit Wochen gärt es in mir. Ich spüre Unbehagen, ja fast schon Wut in mir. Es fing schleichend an. Aber in den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich das nicht mehr schweigend hinnehmen möchte, dass ich dem etwas entgegensetzen möchte. Weil ich mich betrogen fühle. Betrogen von „meiner“ Nähbloggerinnen-Community.

Als ich den MeMadeMittwoch entdeckte, war es wie eine Offenbarung! Neben der Lifestyle/Modebloggerinnen-Welt auf der einen und Bastelmutti-Welt auf der anderen Seite gab es da einen Platz im Netz, wo sich modebewusste, nähbegeisterte Frauen mit politischem Anspruch versammelten. Dieser Text fasst diesen Anspruch des MeMadeMittwochs sehr gut zusammen. Darin heißt es

Es geht um Unterstützung, Stärkung und Empowerment – dezidiert auch in Abgrenzung zum herrschenden Modediktat und der damit einhergehenden Normierung weiblicher Körper.

und weiter

Diese Blogs sind von Hypes und Moden nicht frei, sie entstehen aber im Zuge der Vernetzung „von unten“, aus der Bewegung selbst und lassen sich nur bedingt steuern.

Und damit kommen wir zum Punkt: Der neueste Hype in der Community bezieht sich nicht auf *das* Schnittmuster, das rauf und runter genäht wird, oder *die* Technik, zu der man nun in jedem Blog ein Tutorial findet sondern auf das eigene Körperbild, das für viele nicht mehr zu stimmen scheint. Meinen Instagramfeed habe ich zum größten Teil mit Selbermacherinnen gefüllt. In der Erwartung, dass man sich über Schnittmuster, Techniken, Inspiration,… austauscht. Aber seit ein paar Monaten nimmt etwas anderes immer mehr Raum ein: Essen mit kcal-Angaben, Gewichtsangaben, Kleidergrößen. Dinge, die bis vor einem Jahr vollkommen irrelevant in meiner Selbermacherinnenblase waren. Und es wird sich gegenseitig gratuliert für das nächste kg, dass da dem Hungern zum Opfer fiel. Und plötzlich bekommt dieser Absatz aus dem oben verlinkten Artikel einen sehr bitteren Beigeschmack

Diese Galerie mit Bildern „echter Frauen“, die ihren eigenen Kopf und Stil haben, verändert aber noch mehr. Wer Woche für Woche Zeit damit zubringt, „echte Menschen“ anzuschauen, schwächt damit die tief verwurzelte aber unbewusst verankerte Überzeugung, dass eine normale Frau aussehen muss, wie die ge-fotoshopten Kunstgeschöpfe in den Medien. Das scheinbar „Normale“ wird ersetzt durch das wirkliche Leben, das durch die Vielfalt der Erscheinungsmöglichkeiten einen neuen Entscheidungsraum bietet. Frauen übernehmen damit selbst die Deutungshoheit über ihr eigenes Bild.

Denn jetzt ist das, was uns InStyle und Co. seit Jahren predigen, massiv durch die Hintertür wieder über uns reingebrochen. Dadurch, dass wir Tag für Tag Zeit damit verbringen, dabei zuzusehen, wie sich gegenseitig für Gewichtsabnahmen auf die Schulter geklopft wird, stärken wir eben wieder die tief verwurzelte Überzeugung, dass normale Frauen eben *doch* aussehen wie gephotoshoppte Kunstgeschöpfe in den Medien.

Und jetzt höre ich sie, die Einwände: „Aber jede soll doch für sich selbst entscheiden, wie sie sich schön fühlt! Dürfen wir uns etwa für unsere Erfolge, endlich einen Weg gefunden zu haben, uns wohl zu fühlen, nicht freuen?!?  Ist gesund sein etwa nicht erstrebenswert?“

Journelle hat vorgestern schon sehr viele wohlbedachte Worte für diese Einwände gefunden. Und damit mich schlussendlich animiert, jetzt doch was dazu zu schreiben. Es gärt seit Monaten in mir.

Ja, jede bestimmt selbst, wie sie sich wohl fühlt. Aber wenn jetzt jedes kg, das die Waage weniger anzeigt, mehr Applaus bekommt als ein perfekter Musterverlauf, dann bereitet mir das Sorge. Und wenn dann jeden Tag noch jemand dazu kommt, die trotz Normalgewicht Menüfolgen mit Tageskalorienzufuhr verknüpft, dann beschleicht mich das Gefühl, dass sich da gerade ein Trend entwickelt, der gewaltige Sogwirkung hat. Wenn es nämlich wirklich nur um eine selbst ginge, dann bräuchte man das öffentliche Zelebrieren nicht. Die Gruppendynamik scheint mir aber durchaus ein wichtiger Faktor bei diesem Phänomen zu sein.

Und die, die nicht mitmachen wollen, schauen sprachlos zu. Fühlen sich um die Ideale ihrer Blase betrogen. Deshalb waren wir doch mal alle hier. Weil Körperformen hier nur insofern eine Rolle spielten, wie man dafür die optimale Passform findet. Doch plötzlich geht es auch hier nicht mehr um Passformoptimierung sondern Körperformoptimierung. Wie in den Frauenmagazinen, deren Diktat man sich entziehen wollte, dem man etwas entgegensetzen wollte. Sprachlos sind sie deshalb, weil es ja individuelle Geschichten sind, die da erzählt werden. Dagegen kann man schlecht was sagen. Weil das oberste Gebot ja immer war und auch weiterhin sein soll: Jede wie sie mag. Aber in der Häufung, wie diese individuellen Geschichten gerade aufpoppen, sind sie eben nicht mehr individuell sondern als Gesamtheit sehr wirkmächtig.

Aber ich bin nicht allein mit meinem Unbehagen. Wenn ich mich in geschützter Umgebung ein bisschen vorwage und dieses Unbehagen äußere, dann gibt es da viel Zustimmung. Aber niemand will es laut sagen. (In den letzten Tagen, die ich zögerte, diesen Post zu veröffentlichen, sind die Stimmen lauter geworden, was mir schlussendlich den Mut zur Veröffentlichung gab.)

Mit diesem Blogpost möchte ich euch sagen: Egal wie ihr seid, ihr seid nicht allein. Ihr seid nicht die einzigen, die ihre Ideale verraten fühlen.


Drei Tagen lag dieser Post nun im Entwurfsordner. Selten lasse ich einen Post von zwei weiteren Personen gegenlesen, bevor ich ihn veröffentliche. Seit Frau Crafteln ihren Senf zum Thema gestern abend abgab, zögerte ich wieder mehr, auf „Veröffentlichung“ zu klicken.

Weil die Entrüstung groß ist. Meine Enttäuschung aber auch. Und deshalb steht der Text jetzt hier.

 

Interstellar – eine biologistische und trotzdem feministische Kritik

Gestern abend haben wir bei den Nachbarn im Garten – nach einer etwas längeren Einführung in die physikalischen Hintergründe von Raumzeit und Relativität – den Film Interstellar von Christopher Nolan gesehen. Weil der Film allerdings sehr lang ist und der große kleine Mensch um Mitternacht dann doch ins Bett wollte, blieb mir das sehr gefühlsduselige Ende erspart. Allerdings fand ich ihn bis dahin sehr gut!

Wer ihn noch nicht gesehen hat: Nachholen!!! Und erst dann hier weiterlesen (Spoilerwarnung!).

Der Film bietet auf einigen Ebenen Nachdenk- und Diskussionsstoff. Aber was den Liebsten und mich den ganzen Tag heute am meisten beschäftigte war das absolut größte Plothole, was für uns so unglaublich offensichtlich war, aber ansonsten keinem aufgefallen zu sein scheint: Es ergibt biologisch ÜBERHAUPT keinen Sinn, nur *eine* Frau und *drei* Männer auf eine intergalaktische Mission zu schicken, um ein neues Habitat für die Menschheit zu finden. Noch dazu, wo Plan B vorsah, die ersten der mitgeführten 5000 befruchteten Eizellen durch die einzige Frau an Bord austragen zu lassen, sollte es in der verfügbaren Zeit nicht schnell genug gelingen die Gravitation so gut zu verstehen, dass man die auf der Erde verbliebenen Milliarden Menschen durch das Wurmloch zu dem neuen Habitat transportieren könnte. Plan B war also auf Frauen als Gebärorganismus angewiesen (sollten der Liebste und ich beide den Punkt im Film verpasst haben, wo vom mitführen künstlicher Uteri die Rede war, schreibt es bitte in die Kommentare :D). Warum um alles in der Welt nimmt man dann nur eine einzige Frau mit?!? Warum? Wenn Dr. Brand anstelle von Doyle auf Millers Planet gestorben, hätte es niemanden mehr gegeben, die die Eizellen hätte austragen können. 4 Frauen auf diese Mission zu schicken wäre von dem Gesichtspunkt also viel sinnvoller gewesen als 3 Männer und 1 Frau.

Nun will ich mal nicht so sein und unterstelle zusätzlich zu der Möglichkeit, dass Plan A (die verbliebenen Menschen nachzuholen) scheitert, auch noch, dass Plan B durch den Verlust der Eizellen scheitert, dann wäre es noch immer Erfolg versprechender gewesen, 3 Frauen und 1 Mann auf die Mission zu schicken. Sollten sich nämlich einer der drei in Frage kommenden Planeten als geeignet herausstellen, könnte dieser vielleicht dadurch besiedelt werden, dass der eine Mann drei Frauen schwängern und man hätte den Fortpflanzungsflaschenhals Austragezeit optimal minimiert (ja, ich weiß, extrem kleine genetische Varianz, sicher sehr viel schlechter als die 5000 Eizellen, aber hey, wir hatten ja die Möglichkeit unterstellt, dass Plan B scheitern könnte).

Aus rein biologisch-rationalen Überlegungen heraus wären mindestens 3 Frauen bei dieser Mission das einzig sinnvolle gewesen.

Interessehalber habe ich mal bei Google „Interstellar feminist critique“ eingegeben und erschütternderweise habe ich auf der ersten Seite keinen einzigen Artikel gefunden, wo der Autorin dieser wirklich einzige richtig krasse Fehler in der Erzählung aufgefallen wäre.

Es wird darüber lamentiert, dass Dr. Brand irrational argumentiert, als sie (von Cooper dazu gezwungen!) erklärt, sie würde gern zu Edmonds Planet fliegen, weil sie diesen Mann liebe. Cooper und Romilly hatten genausowenig wissenschaftlich handfeste Argumente, warum es erfolgversprechender wäre, zuerst den Planeten von Dr. Mann anzufliegen. Wenn man mal die differenzfeministische Perspektive einnimmt, dass Frauen tatsächlich emotional anders agieren als Männer, lässt der Ausgang des Films aus meiner Sicht nämlich durchaus die Deutung zu, dass die weibliche Perspektive nicht irrationaler ist als die männliche. Die Männer hatten einfach nur die Statistik auf ihrer Seite (2 Planeten (Miller und Mann) auf etwa dem gleichen Gravitationsniveau gegen einen Planeten (Edmonds) auf einem anderen. Nur macht Statistik eben keine Aussage darüber, ob einer der drei Planeten *wirklich* geeignet war. Dr. Brand konnte durchaus nachvollziehen, warum Cooper und Romilly so entschieden, sie hatte schlicht neben der gleichen dünnen Faktenlage eben noch emotionale Gründe. Und diese Gründe hat sie erst in den Ring geworfen, nachdem Cooper sie dazu genötigt hat. Ich habe ihre Darstellung an keiner Stelle so empfunden, dass sie nicht in der Lage gewese wäre, die Argumente der anderen nicht nachzuvollziehen.

Eine Googelsuche im deutschsprachigen Netz zu „Interstellar Fehler“ liefert eine Reihe mehr oder weniger intelligenter Überlegungen dazu, ob Millers Planet so nahe an einem schwarzen Loch überhaupt hätte existieren können, ob die mehrstufige Rakete so überhaupt funktionieren kann und viel einfältigem rumgenerde mehr. Auch hier fällt keinem das offensichtliche auf: Es fehlen die Frauen!

Die Tatsache, dass dies sowohl den Drehbuchautoren/Regisseur/Produzenten als auch den Kritikerinnen mit dem höchsten Google Ranking nicht auffiel, erhärtet meinen Verdacht, dass diese patriachalische Männlichkeit sehr sehr viel tiefer in unseren Köpfen sitzt als uns das lieb ist. Mit mehr Frauen an Bord hätte der Film im übrigen auch den Bechdel-Test bestanden. Denn trotz zwei starker weiblicher Hauptrollen scheitert er am Kriterium „Sprechen die miteinander?“

Nochmal: Nicht aus ideologischer Überlegung heraus *müssten* mindestens 50 Prozent der Endurance-Besatzung weiblich sein, sondern aus rein biologischer Notwendigkeit. Ironischerweise diskreditieren viele Feministinnen solche Feststellungen als biologistisch ¯\_(ツ)_/¯

Edit: Ein Leser wies mich noch auf einen interessanten Artikel hin, der ebenfalls biologisch argumentiert, warum Frauen die besseren Astronautinnen sind: http://www.scotsman.com/future-scotland/tech/why-women-are-better-astronauts-than-men-1-571322

Wie man den Spiegel vorgehalten bekommt macht wie man sich sieht

Erinnert ihr euch noch, wie ich am ersten Arbeitstag nach 5 Monaten Mutterschutz/Elternzeit vom neuen Chef direkt mal als minderleistende Mutter abgestempelt wurde?

Um ehrlich zu sein, wurde das nicht viel besser, im Gegenteil, immer wieder machte er klar, was er von arbeitenden Mütter hielt. Beispiel gefällig? Er hatte eine Besprechung mit einer anderen Gruppenleiterin (!), die 2 Kinder im Alter der kleinen Menschen hat. Nach der Besprechung gingen wir alle zusammen zum Mittagessen. Als wir vorm Gebäude standen, fiel der Gruppenleiterin ein, dass sie ihren Fahrradhelm im Besprechungsraum vergessen hatte. Sie ging also nochmal rein und holte ihren Helm . Mein Chef kommentiert das mit: „Achja, diese jungen Mütter.“ (man nennt sowas übrigens benevolenten Sexismus).

Mir gab er nie das Gefühl, dass ich etwas gut oder richtig gemacht habe. Dass ich eine Wasserdampftafel nicht als laminierte Hardcopy auf dem Schreibtisch liegen hatte sondern als Bookmark in meinem Browser brachte ihn bereits sichtlich aus der Fassung. Wenn ich mit einem Problem zu ihm kam, suchte er den Fehler bei mir statt mir konstruktiv weiter zu helfen. Gleichzeitig wurde in den jährlichen Zielerreichungsgesprächen festgestellt, dass ich meine Ziele erreicht hatte, keines meiner Projekte ging jemals schief, ich habe den Laden nicht in die Luft gejagt oder eine Milliardeninvestition in den Sand gesetzt.

Das alles führte dazu, dass ich immer mehr den bis dahin recht festen Glauben an mich und meine Fähigkeiten verlor. Ich wurde immer mehr zu dem, was mein Chef vom ersten Tag in mir sah. Eine Frau, die zwischen den Ansprüchen, die der Job stellte und den Aufgaben als Mutter, zerissen und aufgerieben wurde. Ich wurde mit jedem Tag unzufriedener mit dem Job und fragte mich, wie lange ich diesen Job, der mir anfangs soviel Spaß gemacht hatte, noch machen will. Ich hatte aber auch keine Ahnung, was ich sonst machen wollte. Ich hatte derart das Vertrauen in mich verloren, dass ich mir auch keinen anderen Job zutraute. Ich traute mich noch nicht einmal, mich firmenintern umzuschauen, weil ich befürchtete, dass mich eh keine wolle.

Dann wurde ein Unternehmensteil abgespalten und es war von vornherein klar, dass Teile der Gruppe, in der ich arbeitete, in das neu geschaffene Unternehmen übergehen würden. Es war der Unternehmensteil, in dessen Projekten ich immer am liebsten gearbeitet hatte, aber ich konnte mir auch hier nicht vorstellen, dass ich dahin wechseln würde. Dass irgendwer auf der anderen Seite sagen würde, wir brauchen auf jeden Fall eine Drehumdiebolzeningenieurin. Tatsächlich brauchten sie aber zwei Drehumdiebolzeningenieure. Win win. Wenn mein Chef schon zwei seiner 5 Drehumdiebolzeningenieure abgeben musste, war es natürlich praktisch, dass ich eine davon war.

Seit einem knappen Jahr habe ich also nun  einen neuen Chef (den alten Chef bin ich sogar schon mehr als 1 Jahr los, es gab zwischendrin noch einen Interimschef, der auch schon ein unfassbarer Lichtblick war). Und plötzlich identifiziere ich mich wieder mit meinem Job. Entwickele Ideen. Setze Dinge in Bewegung. Sehe Perspektiven für mich. Sowohl im jetzigen Job als auch in anderen Bereichen. Ich bekomme Feedback, mit dem ich was anfangen kann. Klar, sachlich und fair. Und zu meiner eigenen Verwunderung oft positiv. So positiv, dass ich einmal sogar geweint hab, als ich aus dem Büro raus war. Vor Erleichterung.

Heute morgen kam mein Chef in mein Büro und sagte: „Sie gehen ja nächste Woche in Urlaub. Ich würde gerne auf Stand gebracht werden. Heute 14 Uhr. Sie müssen nichts vorbereiten, einfach nur, dass ich weiß, was los ist, sollte was sein, während Sie weg sind.“ Und was mach ich? Ich frag mich stundenlang, ob ich mal wieder verpeilt hab, dass man seinen Chef 4 Tage vor dem Urlaub bereits auf Stand bringen muss. War ich mal wieder zu unorganisiert, dass ich nicht längst einen Termin für Montag oder Dienstag eingestellt hab, um ihn auf Stand zu bringen?

Als ich dann um 14 Uhr in sein Büro kam, bat er mich, die Tür zu schließen. Ein untrügliches Zeichen, dass es kein fachliches Gespräch werden wird sondern ein Personalgespräch. Kurze Panik. Letzte Woche hatte er mich sehr souverän aus einer etwas ungeschickten Situation rausgeboxt, in die ich naiverweise geraten war. Hatte er deshalb ein Hühnchen mit mir zu rupfen?

Stellt sich raus: Er wollte mir meine Beförderung mitteilen. 2016-07-28 14.53.30

 

Die perfekte Nähnerd-Serie

Ich bin ein großer Fan von „Fernseh“-Serien, in den letzten Jahren hat sich die Qualität dieses Genre extrem verbessert. Was ich an Serien so mag ist, dass es einfach viel mehr Zeit hat, die einzelnen Charaktere zu entwickeln und es werden viel größere und komplexere Geschichten erzählt als in einem Film. Und dank „Fernsehn on demand“ wie z.B. Netflix oder DVD kann man die Serien in mehr oder weniger großen Häppchen schauen. Entweder 10 Folgen hintereinander weg, wenn man mal krank zu Hause auf dem Sofa rumliegt (so wie jetzt gerade) oder jeden Abend vorm zu Bett gehen eine Folge, so 40 min gehen ja immer.

Dank MIZOAL wurde ich auf eine wirklich wirklich tolle Serie aufmerksam: The Bletchley Circle.

Darin geht es um einen Kreis von in London lebenden Frauen, die im 2. Weltkrieg in Bletchley Park als Kryptoanalytikerinnen gearbeitet haben. Die Serie spielt allerdings 1952/53. Alle sind ins zivile Leben zurückgekehrt und dürfen auch nicht über ihre Zeit in Bletchley Park reden. Eine der Frauen erkennt ein Muster in einer Mordserie und wendet sich an ihre ehemaligen Kolleginnen, nachdem die Polizei ihr nicht glaubt. Sie klären den Fall auf und es folgen weitere Rätsel, die sie knacken.

Den Bechdel-Test besteht diese Serie mit Bravour. Männer spielen in dieser Serie eine absolute Nebenrolle. Diese Frauen sind intelligent, unabhängig und mutig. Und müssen damit irgendwie klar kommen in einer Gesellschaft, in der solche Frauen keinen Platz haben.

Zu allem Überfluss hat diese Serie ganz offensichtlich eine sehr sehr fähige Kostümbildnerin. Was für einen Nähnerd wie mich natürlich das Tüpfelchen auf dem i ist. Ich gebe zu, ich habe eine Schwäche für Vintage-Kleider. Bis vor  ein paar Jahren waren es vor allem Sachen aus den 1920er bis 1940er Jahren, aber seit ich erkannt habe, dass für mich der New Look doch auch sehr vorteilhaft ist, schaue ich bei den 1950er auch sehr gerne hin, um neue Inspirationen zu bekommen. Und vor allem Susans weinroter Mantel hat es mir sehr sehr angetan. Auch wenn der Film und Serien Sew Along längst vorbei ist, hätte ich jetzt ein Projekt, was da sehr sehr gut reinpassen würde. Wenn ich mal einen Wintermantel nähe, dann den.

Und was mir persönlich am allerbesten gefällt: Diese unterschwellig spürbare aber total unproblematische homoerotische Vergangenheit von Susan und Millie. ❤

Also, absolute Guck-Empfehlung!

Absurde Symmetrien

Gestern morgen kam mir ein Artikel von Karl Popper in der Zeit von 1971 unter. Darin erklärt Popper, warum es wissenschaftlich unredlich sei

„wenn die Intellektuellen es versuchen, sich ihren Mitmenschen gegenüber als große Propheten aufzuspielen und sie mit orakelnden Philosophien zu beeindrucken.“

Er bezeichnet sich selbst als Antimarxisten und Liberalen. Und findet klare Worte über Neodialektikerinnen:

Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialititen hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so „tiefen“ Buch Gedanken zu finden, die er schon selbst einmal gedacht hat. (Wie heute jeder sehen kann – des Kaisers neue Kleider machen Mode!)

Da war doch was. Vor kurzem machte ein Statement der Gender Studies Fachschaft der HU Berlin die Runde, das nach genau diesem Kochrezept geschrieben zu sein schien. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Kritikerinnen dieses Forschungsgebietes. Der Text war eine Aneinanderreihung von sinnlosen Phrasen verpackt in unlesbare grammatikalische und semantische Konstrukte. Inhaltlich wertlos, aber dafür umso lustiger in seinen Verrenkungen, die er machte, um irgendwie schlau zu klingen. Und genau das wurde hämisch und belustigt kommentiert. Was wiederum Menschen auf den Plan rief, die behaupteten, die Kritikerinnen seien einfach nur zu ungebildet die Fachsprache dieser Forschungsrichtung zu verstehen. Habermas und Adorno lassen grüßen.

Popper sagt weiter:

Obzwar ich fast immer an scharf bestimmten wissenschaftlichen Problemen arbeite, so geht durch alle meine Arbeit ein roter Faden: für kritische Argumente – gegen leere Worte und gegen die intellektuelle Unbescheidenheit und Anmaßung – gegen den Verrat der Intellektuellen, wie es Julien Benda nannte. Ich bin der Überzeugung, daß wir – die Intellektuellen – fast an allem Elend schuld sind, weil wir zu wenig für die intellektuelle Redlichkeit kämpfen. (Am Ende wird deshalb wohl der sturste Anti-Intellektualismus den Sieg davontragen.) In der „Open Society“ sage ich das in hundert verschiedenen Angriffen auf die falschen Propheten, und ich nehme kein Blatt vor den Mund.

„Gegen den Verrat der Intellektuellen“ da machte es bei mir plötzlich klick.  Hatte ich doch vor kurzem erst einen Artikel einer Basler Geschlechterforscherin in der Wochenzeitung gelesen, der Kritkerinnen der Genderstudies pauschal „Antiintellektualismus“ vorwarf. Es wurden wild Rechtskonservative, christliche Fundamentalistinnen, Liberale und Naturwissenschaftlerinnen in einen Topf geworfen, weil diese es wagen, gewisse Strömungen der Genderstudies zu kritisieren. Was mir dabei am allermeisten negativ aufstieß: Es wurde keinerlei Unterschied zwischen den verschiedenen Zielsetzungen der Kritik gemacht. Es wurde pauschal nach dem Prinzip „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ verfahren und jegliche Kritik mit „Antiintellektualismus“ gekennzeichnet.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Geschlechterforschung habe. Ich halte es für extrem wichtig, dass es z.B. Forschung dazu gibt, wie die Geschlechter in der Gesetzgebung und Rechtssprechung diskriminiert werden. Dass erforscht wird, wie sich das Verhältnis der Geschlechter, der unterschiedliche Zugang zu Bildung für die Geschlechter, unterschiedliche Performance im Bildungssystem, etc auf eine Gesellschaft auswirkt. Ich habe mittlerweile allerdings auch einen sehr sensiblen Bullshit-Detektor in dem Bereich entwickelt und der schlug sehr weit aus als ich folgendes las:

Darin spiegelt sich eine zunehmend antiintellektuelle, ja autoritäre Geisteshaltung, die sich weigert, Wissen und damit auch Gesellschaft als immerwährenden Prozess von Aushandlungen zu verstehen. Geworben wird für positivistische Ideale und eine Alleingültigkeit bestimmter naturwissenschaftlicher Methoden. Nach diesem Verständnis ist Wissenschaft nur dann richtig, wenn sie universell gültige Aussagen trifft, zum Beispiel darüber, wie Männer und Frauen wirklich sind.

Schon seit langem hege ich den Verdacht, dass es zwischen bestimmten Strömungen der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften auf der einen Seite und den Naturwissenschaften auf der anderen Seite ein unüberbrückbares Verständnisproblem vorliegt. Und da stand es plötzlich in einer Klarheit, die mir aber erst so richtig bewusst wurde, als ich den 44 Jahre alten Artikel von Karl Popper nochmal las. Da hat eine ganze Denkschule auch 50 Jahre nach dem Positivismusstreit noch immer nicht verstanden, wie naturwissenschaftliche Erkenntnis funktioniert. Wissen wird dort als immerwährender Prozess von Aushandlungen verstanden. Nein, Wissen ist in der naturwissenschaftlicher Erkenntnistheorie das Ergebnis der Konfrontation von Theorien und ihren Vorhersagen mit Experimenten. Danach wissen wir, welche Theorien falsch sind, kennen aber noch immer nicht die Wahrheit. Ausgehandelt wird da nichts. Aushandeln kann man z.B. einen Kompromiss zwischen konträren Zielsetzungen in der Politik. Da diese Denkschule ihren Auftrag also scheinbar im Aushandeln von Positionen begreift, betreibt sie also eigentlich Gesellschaftspolitik und keine Wissenschaft. Deshalb müssen dann Strohmänner aufgebaut werden.

Dabei setzt sich auch in den Naturwissenschaften zunehmend die Erkenntnis durch, dass sich nicht allein anhand biologischer Dispositionen begründen lässt, warum wir auf welche Weise leben. So legt die Neurologie etwa den Fokus vermehrt auf die Interaktion von Natur und Umwelt und zeigt zum Beispiel, dass es selbst bei einer ausgeprägten Sprachbegabung immer darauf ankommt, auf welche sozialen und kulturellen Einflüsse diese Disposition trifft. Dasselbe gilt für Hormone oder Gene: Eine Disposition allein vermag kaum etwas darüber auszusagen, wie ein Menschenleben verläuft oder verlaufen soll.

Soso, es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch… ähm, ja, ich sagte es bereits, an der Stelle war die Debatte vor 50 Jahren bereits. Es wird den Naturwissenschaften unterstellt, sie mache aus einer deskriptiven Analyse eine normative Aussage und das sei unredlich. Dem letzten Halbsatz stimme ich vollunfänglich zu. Nur macht die Naturwissenschaft keine normativen Aussagen. Dieser Schluss wird ihr lediglich von einer Denkschule unterstellt, die schlicht nicht versteht, wie naturwissenschaftliche Erkenntnis funktioniert.

Und deshalb finde ich es schon sehr belustigend, wenn jemand „Antiintellektualismus“ schreit, sich dabei gegen Naturwissenschaflterinnen und Liberale wendet, den kritischen Rationalismus als Positivismus verkennt und gleichzeitig klar wird, dass sie keinen blassen Schimmer hat, was z.B. Karl Popper (oder jede andere moderne naturwissenschaftliche Erkenntnistheorie der letzten 50 Jahren) eigentlich gesagt hat.

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Wenn ich mal Zeit und Muße hab, schreibe ich nochmal ein bisschen was dazu, wie naturwissenschaftliche Erkenntnistheorie funktioniert, was es mit Definitionen auf sich hat und was der Unterschied zwischen normativ und deskriptiv ist und warum man das nicht durcheinanderbringen sollte. Zur Einstimmung empfehle ich Poppers Übersetzungen von Adornos und Habermas Geschwurbel am Ende des oben verlinkten Popper-Textes

Über den Wert weiblicher Arbeit

Vor ein paar Tagen hatte ich einen sehr seltsamen Anfall von „Nähen für andere“. Beide kleine Menschen brauchten dringend neue Lederpuschen für den Kindergarten. Der große kleine Mensch wünschte sich Gespenster-Puschen mit Schneeflocken in schwarz. miriam_naehutensilien_141125-005Als ich dann die Farbkombination für den kleinen kleinen Menschen zusammengesucht hatte, hatte ich plötzlich die fixe Idee, dass da unbedingt Frösche drauf appliziert werden müssen. miriam_naehutensilien_141125-002Und dabei kam mir eine Unterhaltung in den Kopf, die ich vor ein paar Wochen auf einem Hoffest geführt hatte. Auf dem Fest wurden verschiedenste landwirtschaftliche Erzeugnisse angeboten, unter anderem auch solche Lederpuschen. Ein Paar, ähnlich verziert wie diese beiden Paare, sollte 15 Euro kosten. Das erzählte mir meine Gesprächspartnerin, während wir in der Küche standen und Essen zubereiteten. Ich fand das viel zu günstig und sagte das auch. Darauf erwiderte meine Gesprächspartnerin: „Ach weißt du, die macht das doch so nebenher.¨ Ihr könnt euch sicher denken, was ich darauf gesagt habe, oder? Ich habe erklärt, dass das in keinster Weise rechtfertigt, warum ihre Arbeitszeit nur so wenig wert sein soll. Dass allein das Leder schon ungefähr 5 Euro pro Paar kostet (mag sein, dass es das in größeren Mengen günstiger gibt, ich jedenfalls zahle je nach Größe 5-8 Euro fürs Material). Dazu kommt noch die Anschaffung der Näh- und Stickmaschine, Garn, Nadeln, Strom.

Jetzt bin ich sicher nicht die Routinierteste, was Puschen verzieren und Nähen angeht. Mache ich alles halbe Jahr mal. Für Zuschnitt, Applikation und Zusammennähen habe ich pro Paar mehrere Stunden gebraucht. Das geht mit etwas Übung sicher schneller. Aber selbst wenn es alles in allem 1 Stunde dauert, muss man ja auch noch die Zeit, die man auf solchen Märkten oder Festen rumsteht, mit einrechnen. Und/oder das Pflegen des Onlineshops, sei es nun der eigene oder die Präsenz bei dawanda. Der Stundenlohn beläuft sich also auf wenige Euro. Ohne Sozialabgaben. Weil: „Das macht die ja so nebenher.“ Es ist ja ihr Hobby, ihr macht das ja Spaß, da muss sie ja gar nicht erst anfangen, realistische Preise zu kalkulieren, oder was?!? Mir macht mein Job auch Spaß und trotzdem erwarte ich, dass mir meine Arbeitgeberin ein angemessenes Gehalt zahlt, von dem ich leben kann und anständig gegen Krankheit, Alter und sonstige Widrigkeiten des Lebens versichert bin.

Diese Abwertung weiblicher Arbeit kotzt mich echt ganz gewaltig an.

In diesem Zusammenhang auch sehr interessant, wie Ella von Ringelmiez die Preise ihrer Quilts kalkuliert.