Das Tweedjacket – Teil 2

Nachdem sich der vorhergehende Post um das Innenleben des Tweedjackets drehte, jetzt also Bilder vom fertigen Jacket. Ich habe nämlich sträflich vernachlässigt, den weiteren Fortschritt zu dokumentieren. Nachdem ich im Januar zuerst gut vorankam mit dem Jacket, den Reverskragen und das Futter für den Korpus einsetzte, kamen mir dann einige Sachen dazwischen. Hoodies für die kleinen Menschen, eine Ehekrise, ein Islandpullunder mit Papageitauchern,… Da ich das Jacket aber als Übergangsjacke tragen wollte, wurde es im März mit dem beginnenden Frühling so langsam höchste Zeit, dass ich das Jacket fertig nähte.

Ich raffte mich also auf, nähte die Zweinahtärmel aus Tweed und aus Futter zusammen, setzte Schulterpolster und Ärmelfische ein, verstürzte die Säume, nähte Knöpfe an und schloss zu guter Letzt die Wendeöffnung von Hand. Und hatte dann am Dienstag, als ich eine Dienstreise an die Nordsee machte

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eine wirklich wärmendes Jacket gegen den kalten Nordwind, der dort kräftig blies.

Aktuell ist das Wetter fast schon wieder zu kalt für das Jacket,

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das ich absichtlich mit wenig Bequemlichkeitszugabe nähte, da ich es ja nicht im Winter als äußerste Schicht tragen möchte, sondern im Frühling und Herbst, wenn es tagsüber schon warm genug für dünne Oberteile ist, aber morgens und abends noch kühl ist.

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Hier trage ich unter dem Jacket noch einen Islandpullover (den ich auch ganz dringend noch verbloggen muss, dumdidumm)

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Das ist etwas zu viel drunter, die Passform ist deutlich besser, wenn ich weniger warm angezogen bin.

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Ganz besonders angetan bin ich von der Rückenansicht. Was die Hohlkreuzkorrektur doch für einen riesigen Einfluss hat.

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Die Knöpfe passen ganz hervorragend zu diesem klassischen Jacket, wie ich finde

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(die Kreidestriche für die Paspeltasche muss ich dringend noch ausbürsten, hust…) Die Ärmelfische haben sich jedenfalls sehr gelohnt, um den Fall des Ärmels zu unterstützen.

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Und weil es ja original Harris Tweed ist, darf natürlich auch das Etikett nicht fehlen.

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Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dieser Übergangsjacke und plane bereits weitere Versionen aus Anzugtuch und aus Cord. Und aus dem restlichen Stoff werde ich wohl einen Rock nähen.

Das Tweedjacket – Teil 1

Vor über 2 Jahren bekam ich sehr sehr viel Harris Tweed geschenkt.

Ursprünglich plante ich daraus einen Mantel zu nähen. Aber nachdem der Probemantel sich sehr bewährt hat erschien mir ein zweiter Mantel, wo ich doch schon einen habe, irgendwie überflüssig. Also lag der Stoff hier so rum und ich wollte ihn nicht anschneiden, auch wenn oder vermutlich gerade weil ich den Stoff so großartig fand. So reifte die Idee in mir, dass ich ja statt Mantel ein Jacket als Übergangsjacke nähen könnte. Ein ganz klassisches Tweedjacket.

Ich überlegte monatelang daran, welches Schnittmuster ich dafür wohl nehmen sollte. Den Schnitt komplett selber machen wollte ich nicht, da ich damit schonmal nicht so richtig gute Ergebnisse erzielte. Ein fertiges Schnittmuster sitzt bei mir aber auch nicht wirklich gut. Es reicht in der Regel nicht, dass ich ein FBA mache. Das Revers klafft auf, es gibt am Rücken seltsame schräge Falten, das Armloch ist zu groß,…

Trotzdem entschied ich mich dazu, als Basis ein fertiges Schnittmuster zu nehmen. Vor einigen Jahren habe ich bei craftsy mal einen Kurs zum Anpassen von Jacken gekauft. Im Kurs inbegriffen war auch das Schnittmuster McCalls 6172. Ich schaute mir den Kurs nochmal an und änderte wie empfohlen den Taillenabnäher zu einer weiteren Teilungsnähte, die über die Brust bis zur schulternaht verlängert wurde. Ebenso fügte ich am Rücken diese Naht ein, so dass die Jacke aus 12 teilen bestand und so viele Nähte zur Anpassung bot. Denn ich wollte sehr gerne eine perfekt sitzende Jacke haben.

Das erste Probemodell aus Nessel ergab, dass die auf dem Schnittmuster eingezeichnete Hohlkreuzanpassung die schrägen Falten am Rücken eliminierte und die zugefügte Teilungsnaht nicht nötig war.

Das Revers brauchte einen horizontalen Abnäher, die Teilungsnaht des verlängerten Abnähers machte es einfach, den überflüssigen Stoff über der Brust los zu werden. Unter den Armen musste ich ebenso Stoff wegnehmen wie unter der Brust. An der Brust musste ich an der zugefügten Teilungsnaht etwas Stoff rauslassen.

Diese ganzen Änderungen übertrug ich auf den Papierschnitt bzw. fertigte neue Schnittteile an. Besonders das Revers machte mir Kopfzerbrechen, aber mit ein bisschen Recherche konnte ich das lösen.

Dann lag der angepasste Schnitt einige Monate hier rum, weil ich mich nicht aufraffen konnte, ein zweites probeteil zu nähen. Als im Dezember dann die Frage aufkam, was ich bei der anNÄHerung im Januar nähen könnte, entschied ich mich dazu, dieses Jackenthema wieder aufzunehmen. Im Weihnachtsurlaub nähte ich also das 2. Probeteil, begradigte die senkrechten Nähte und änderte erneut die schnitteilen.

Anschließend überlegte ich hin und her, welche Methode ich für die Einlage wählen sollte. Bügeleinlage schien mir für den Tweed nicht angemessen, ich fürchtete, dass sie nicht vernünftig auf der groben wolle kleben würde. Auf stundenlanges handpikieren hatte ich allerdings auch nur so mittel viel Lust. Also schaute ich nochmal intensiv in das Buch „Tailoring“ von creative international publishing. Dort wird neben der klassischen handnähmethode auch noch eine Maschinenmethode für die Rosshaareinlage vorgeschlagen. Dabei näht man einen Nesselstreifen auf die nahtzugabe und schneidet dann das Rosshaar zurück. So kann man den weichen Nessel auf die Nahtzugabe heften und hat trotzdem die Stabilität der Rosshaareinlage.

An die Rolllinie des Revers wird ein 1cm breites baumwollband mit ein bisschen zug angenäht, damit das Revers schön fällt.

Der Unterarm- und Schulterbereich wird mit Nessel verstärkt

Nachdem ich Futter und Einlage zugeschnitten hatte, traute ich mich endlich auch den Tweed anzuschneiden.

In Bielefeld angekommen, machte ich mich Freitag Abend erstmal daran, die Nesselstreifen auf das Rosshaar zu nähen. Ich heftete die Nesselverstärkung auf die anderen Teile, nähte alles bis auf die Vorderteile aufeinander und ging dann ins Bett.

Am nächsten Morgen ging ich nach dem Frühstück erstmal los Knöpfe kaufen. Es gibt in Laufentfernung der Jugendherberge einen Kurzwarenladen, der hat eine unfassbare Auswahl an Knöpfen. Und ich fand perfekt passende Lederknöpfe in lila! Damit hatte ich nicht gerechnet. Stilistisch waren Lederknöpfe die beste Wahl, aber ich ging davon aus, dass es die in verschiedenen Brauntönen und vielleicht noch schwarz geben würde. Es war mehr so aus Pflichtgefühl, dass ich bei den Lederknöpfen schaute und war dann sofort total überzeugt. Und mit den Knöpfen konnte ich dann auch die Paspelknopflöcher in Angriff nehmen. Paspelknopflöcher sind jedesmal wieder aufregend, jeder Stoff verhält sich anders und man muss einfach sehr sehr präzise arbeiten, damit sie gut aussehen. Also ließ ich mir sehr viel Zeit und verbrachte quasi den ganzen Nachmittag damit, die Knopflöcher zu arbeiten. Aber diese Sorgfalt hat sich gelohnt, wie ich finde

Anschließend heftete ich die Rosshaareinlage auf die Vorderteile und nähte diese an den Rest des Korpus.

Als nächstes standen die paspeltaschen auf dem Programm. Diese bereitete ich Samstag Abend vor. Ich übertrug die Markierungen vom Schnittmuster mit Heftfäden auf den Stoff, bügelte Gewebeeinlage als Verstärkung für die Tascheneingriffe auf und da wurde mir klar, dass es eine sehr gute Entscheidung war, dass ich mich gegen die Bügeleinlage für das gesamte Vorderteil entschied. Denn tatsächlich blieb sie nicht so richtig kleben. Die Paspeltasche mit Klappe nähte ich auch nach der Anleitung aus Tailoring. 2019-01-13-21.13.43.jpgSo richtig super finde ich das Buch nicht, es ist ein wenig durcheinander, manche Arbeitsschritte sind auch etwas zu knapp erklärt und die 1980er Jahre Optik ist auch irgendwie nicht wirklich hübsch. Dennoch schlug ich mich mit diesem Buch durch das gesamte Projekt, denn trotz der Schwächen in der Aufmachung sind alle wichtigen Arbeitsschritte enthalten.

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Das ist der Stand nach der anNÄHerung. Danach hatte ich erstmal wieder eine kleine Nähflaute bzw. nähte erstmal 3 Hoodies für die kleinen Menschen. Alle weiteren Schritte habe ich auch nicht dokumentiert, so dass im zweiten Teil das fertige Jacket im Vordergrund stehen wird.

MeMadeMittwoch ganz ungewohnt im Hoodie

Bei der anNÄHerung auf dem Tauschtisch hatte Chrissy einige Meter lila Sweatshirtstoff ausgesetzt, die ich dank meines veränderten Beuteschemas sehr bereitwillig mitnahm. Der erste Plan sah vor, dass ich mir daraus einen Onesie nähen könnte. Es gab einige Gegenstimmen, unter anderem schien sogar der von mir hochgeschätzte Max Buddenbohm, der ja schon für das Herzdamekleid verantwortlich war, Wind von meinen Plänen bekommen zu haben und sprach sich dagegen aus.

Also entschied ich mich dazu, dass es wohl doch erstmal bei einem Hoodie bleiben sollte. Vor einiger Zeit hatte ich bei Makerist ein paar ebook-Schnittmuster gekauft. Ich bastelte mir also den Schnitt Mrs. Klassik von Konfetti Patterns am Computer zusammen, ließ ihn an einem Stück ausdrucken und schnitt den Hoodie zu. Ein paar Tage vorher hatte Sina Trinkwalder von Manomama auf Twitter behauptet, aus 1 m Stoff bekäme man locker einen Hoodie raus.hoodie_160315-005 Das mag in der industriellen Produktion, wo man dank hoher Stückzahlen optimierte Zuschneidepläne hat, am Ende rein theoretisch zutreffen, in der Praxis ist es bei einem Einzelstück auch bei 1,80 m breit liegendem Stoff unmöglich. 1,3m müssen es schon sein, auch mit Zuschneidetetris.hoodie_160315-017

Beim annähen der Kapuze an den Halsausschnitt hielt ich mich genau an die Anleitung, die sagte, man sollte die Ecken vom Halsauschnitt zuerst einschneiden, dann die waagerechte Naht arbeiten und schlussendlich die Kapuze rundherum in den Halsausschnitt nähen. Dabei entstand dann diese Falte an der waagerechten Kante.hoodie_160315-001 Ich hab noch eine weitere Version des Pullovers genäht und da habe ich zuerst die waagerechte Naht genäht, dann habe ich die Ecken eingeknipst und dann habe ich die Halsausschnittkante genäht. Das hat viel sauberer funktioniert. Auf jeden Fall sollte man sich die Nahtlinien am Halsausschnitt auf alle rechten Stoffseiten aufmalen und diese sehr genau, vor allem in den Ecken aufeinanderstecken. Ansonsten hat der Pullover keine sonderlich großen Herausforderungen parat und ist wirklich ruckizucke genäht. hoodie_160315-002Die Ärmelbündchen habe ich nur halb so lang gemacht wie im Schnitt vorgesehen und ich finde sie, ebenso wie das Bauchbündchen noch immer eher auf der breiten Seite. Aber das ist Geschmackssache und ja nun wirklich leicht zu ändern.

Außerdem habe ich mir eine weitere Marlenehose nach meinem eigenen Hosengrundschnitt genäht, diesmal aus einem dunklen Jeansstoff. Auch wenn es keine echte Jeans werden sollte, habe ich ein paar Nähte mit pinkem Garn als Kontrast abgesteppt und finde das sehr gelungen. Ebenso die Knöpfe, die ein Werbegeschenk von stoffe.de waren. hoodie_160315-012

Beim Zurückschneiden der Nahtzugabe an der oberen Bundkante habe ich offensichtlich die Nahtsicherung mit weggeschnitten. Theoretisch weiß ich, dass man diese immer vor der Nahtzugabe machen sollte, praktisch mache ich sie meistens in der Nahtzugabe. Jetzt muss ich den Bund also wohl mit einem Matrazentich nochmal ausbessern.hoodie_160315-013

Die Taschenbeutel und die Schrägbandversäuberung vom Bundbeleg habe ich aus einer pink gemusterten Popeline gemacht, was mir ebenfalls sehr gut gefällt.hoodie_160315-014

Jedenfalls war dieses Outfit am Samstag vormittag nicht ordentlich genug, um im Music Store in Köln ein E-Piano zu kaufen, fand der Liebste, der mich zum Umziehen wieder nach oben schickte. Ich hatte mich zwar durchaus bewusst für den Hoodie entschieden, weil Musiker, Hipster und so, aber ich war so perplex, dass ich tatsächlich nach oben ging und den Hoodie gegen einen Blazer austauschte. Im Music Store liefen die Leute dann größtenteils mit zerissenen Hosen und so rum…hoodie_160315-003

Mehr selbstgemachte Kleidung wie jeden Mittwoch beim MeMadeMittwoch.

MeMadeMittwoch im anNÄHerungs-Kleid

Dieses Jahr nähte ich bei der anNÄHerung Anfang Januar in Bielefeld ein bewährtes Schnittmuster: Simplicity 2403. Zum 4. Mal. Wobei alle Versionen anders aussehen. Das Schnittmuster bietet schon sehr viele Variationsmöglichkeiten. Und ich ergänzte diese Möglichkeiten ja noch um die Variante Tellerrock statt Bleistiftrock.

Ich liebe dieses Kleid! Es ist aus einem grauen Anzugstoff von Alfatex in Köln. Eigentlich hätte ich gerne einen noch dunkleren Grauton gehabt, aber Stoffkaufen ist ja bekanntlich kein Wunschkonzert 😉

Diesmal habe ich den Reverskragen genäht.kleid_160309-011 Das Rückenteil habe ich nicht gekräuselt sondern eine Kellerfalte eingelegt. kleid_160309-013Ebenso habe ich die Ärmel nicht gekräuselt sondern Falten eingelegt. Ich wollte einen möglichst cleanen Look.kleid_160309-012

Dazu trage ich eine Jenna Cardigan. Die erste Variante war ein ziemlicher Reinfall, weil sie viel zu groß war. Also durchforstete ich den Kleiderschrank des Liebsten nach alten Pullovern für ein Probemodell. Dabei stieß ich auf 3 Feinstrickrollkragenpullover aus Merinowolle, die ich noch nie gesehen hatte (wir kennen uns seit 17 Jahren und wohnen seit 6 1/2 Jahren zusammen). Ich bekam das okay, dass ich die Pullover zerschneiden dürfe. Also pauste ich Jenna erneut 2 Größen kleiner ab, an den Schultern sogar 3 Größen kleiner. Außerdem ließ ich die Schulterpassen mit den Kräuseln über der Brust weg. Dann zerschnitt ich den dunkelblauen Rollkragenpullover. Und nun bin ich schwer verliebt in meine Upcycling-Jenna aus feinstem Merinostrick.kleid_160309-004 Die Knopfleiste ist nicht perfekt. Ich hab auch nach 5 Jahren noch nicht rausgefunden, wie man bei der Overlock verhindert, dass die Naht am Ende immer etwas ausleiert in Strickware.  kleid_160309-008

Mehr Frauen in selbstgemachter Kleidung gibt es wie jeden Mittwoch beim MeMadeMittwoch

anNÄHerung 2015

So, wir haben es wieder getan. Susi, Alexandra und ich haben 34 andere Nähnerds nach Bielefeld gelockt, um mit uns gemeinsam das Wochenende durchzunähen.

Und nun sitze ich hier, einerseits noch total beseelt von der tollen Atmosphäre vor Ort, den tollen Frauen in dieser Vielfalt, die sich alle so unvoreingenommen und herzenswarm begegnet sind. Andererseits traue ich mich kaum, von diesem unfassbar tollen Ereignis zu schwärmen, weil es ganz offensichtlich Begehrlichkeiten weckt, denen ich mich nicht gewachsen fühle.

Wir haben schon im Vorfeld gemerkt, dass auch locker 50 Nähnerds dem Ruf nach Bielefeld folgen würden und haben Möglichkeiten diskutiert, wie wir diesen Wünschen nachkommen könnten. Wir haben uns seinerzeit, als wir die erste anNÄHerung planten, bewusst für einen überschaubaren Kreis entschieden. Urspünglich geplant waren 30 Plätze, 2014 waren es, wie auch 2015 schlussendlich 37 Frauen, die gemeinsam genäht, gefachsimpelt, gefeiert, ermutigt, gelacht und geflucht haben. Und mit diesen 37 Personen und geschätzt 50 Nähmaschienen, 3 Bügelbrettern, 1 Spiegel, 1 Schneiderpuppe, 1 Dampfdingsi, 2 Pinnwänden, 1 Getränkekühlschrank und 1 Wühltisch war der größte Seminarraum, den die Jugendherberge zu bieten hat, einfach auch voll. Also überlegten wir im Vorfeld, ob es vielleicht sinnvoll wäre, den nächstkleineren Seminarraum noch mit dazu zu nehmen, um noch mehr Teilnehmerinnen akzeptieren zu können. Wir haben uns dagegen entschieden. Es wäre einfach nicht das gleiche, wenn es noch einen Nachbarraum gäbe. Man hätte ständig das Gefühl, man könnte was verpassen. Viele haben berichtet, dass sie die Zeit intensiv zum nähen genutzt haben und es schade finden, nicht mehr mit anderen in Interaktion getreten zu sein. Ich glaube aber, dadurch, dass wir alle in einem Raum waren, gab es auch viel passive Interaktion. Die wäre bei einem 2. Raum in 2 Lager geteilt. Und auch in den festen Pausenzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) gab es durch die begrenzte Gruppengröße die Möglichkeit, wirklich mit jeder mal am Tisch gesessen zu haben. Das hat sich ganz automatisch so ergeben und fühlte sich sehr natürlich an.

Hinzu kommt, dass es eben auch organisatorisch einen Unterschied macht, ob man von 37 Frauen Anmeldungen abheftet, die Zahlungseingänge kontrolliert, Listen mit Essenswünschen, Zimmerbelegung, etc erstellt, Namensschilder eintütet (Danke an Antonia und Antje, die das diesmal während der Autofahrt erledigten!), und und und, oder ob man das für 50 Personen tut. Für 37 ist das ein überschaubarer Aufwand, den ich gemeinsam mit Susi und Alexandra gerne betreibe. Und das Lob, das man jetzt bei all den Rückblicken lesen kann, tut gut und gibt uns Recht, dass wir die Orga gut gemacht haben. Ob das bei noch mehr Personen der Fall wäre? Ich möchte es, ehrlich gesagt, gar nicht ausprobieren.

Wenn man sowas zu dritt in seiner Freizeit organisiert, ist es eigentlich wirklich nicht viel Aufwand, vor allem, wenn man es häufiger als einmal macht. Ich schreibe in den nächsten Tagen mal auf, was wir so grob gemacht haben in der Hoffnung, noch andere anzustiften, Ableger der Bielefelder anNÄHerung zu organisieren, damit noch viel viel mehr Menschen in den Genuss dieser wirklich tollen Veranstaltung kommen. Ich glaube nämlich nicht, dass nur wir das organisieren können. Und ich bin auch gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Wie wir die Anmeldung für nächstes Jahr organisieren, wissen wir noch nicht. Das werden wir in den nächsten Wochen mal miteinander bequatschen. Und bis dahin wäre ich dankbar, wenn der Hype wieder etwas abflauen würde. Ich habe schon jetzt bereits den Überblick verloren, wer sich wo über welchen Kanal „angemeldet“ hat.

So, lange Vorrede, ich weiß. Jetzt mein Rückblick.

Nachdem Antonia und ich letztes Jahr zu zweit das Auto ziemlich voll geladen hatten, wussten wir diesmal, was wir zu Hause lassen konnten und haben stattdessen Antje mitgenommen. Das war ein guter Tausch! Wir kamen super durch auf der Autobahn und waren sehr früh in Verl beim Marc Aurel Outlet, wo ich es schaffte, mich stofftechnisch wirklich zurück zu halten. Nur ein wirklich toller Wollstrick, ein grauer Baumwollstoff und 1 m Futter durften mit. Außerdem noch ettliche Meter Ripsband, Einfassgummi, Garn und Knöpfe. Und dann sah ich da noch ein Paar wunderschöne Lackschuhe stehen. Für 20 Euro, weil schon getragen. Von einem Model bei einer Modenschau.kleid150120-009 Schon dort trafen wir ein paar andere Teilnehmerinnen, die ich vom letzten Jahr kannte bzw regelmäßig beim Kölner Nähnerdstammtisch treffe.

Die Ankunft in der Jugendherberge war viel weniger aufregend und viel mehr freudiges Wiedersehen als beim letzten Mal. Schön!

Ich hatte mir diesmal ein weniger aufwändiges Projekt vorgenommen. Simplicity 2403. Schon zweimal genäht, Schnitt angepasst, das sollte sicher in 2 Tagen fertig zu nähen sein. Vor allem, weil der Stoff für Ärmel nicht mehr reichte. Auch wenn ich vorsichtshalber noch ein Backupprojekt mitnahm, ich habe es nicht angefangen. Aber ich wurde fertig mit dem Kleid! Yeah!!! Faszinierend, dass ich auch beim dritten Mal nähen noch immer was anpassen musste. Aber dank Antonias Hilfe war das viel schneller erledigt, als wenn ich da allein vor dem Spiegel rumgehühnert hätte.

Und auch ich bin voller Liebe für mein Paspelfüßchen. So gleichmäßig hab ich noch nie eine Paspel angenäht (okay, so oft hab ich ja sowieso noch keine Paspel angenäht). Liebe Nähmaschinenhersteller, solltet ihr einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Paspelfüßchen feststellen: Dankespost und weitere Nähfüßchen, die wir dann anpreisen können bitte an uns 😉

Den Reißverschluss musste ich zwar trotzdem 1 mal raustrennen, aber im Vergleich zu meiner unfassbar geduldigen Nachbarin Antonia, die 4 (!!!) mal die Ärmel aus ihrem Kleid (flutschige Viskose, ich wäre wahnsinnig geworden) kann ich mich da wirklich nicht beklagen! Und nun passen die Nähte auch annähernd perfekt.kleid150120-006

Montag nahm ich mir nach einem Blick in den Kalender (keine Besprechungstermine \o/) spontan frei, da dieses Wochenende einfach doch sehr viele Eindrücke, sowohl körperlich (gähn) als auch seelisch hinterlassen hatte und ich so sehr viel sanfter wieder in der Realität landete. Nächstes Jahr nehme ich mir von vornherein Freitags und Montags frei!

Montag nähte ich dann auch noch schnell das nicht umgesetzte Zweitprojekt, so dass ich also unter das ärmellose Kleid nun auch ein adrettes Langarmshirt mit Blusenmanschetten ziehen kann.kleid150120-003Ich weiß, es klingt, als wären wir auf irgendeinem Erweckungswochenende einer obskuren Sekte gewesen. Aber es war wirklich einfach so unfassbar flauschig, wie es alle beschreiben. Liebe Teilnehmerinnen, es war mir eine große Freude, diese Insel der Flauschigkeit gemeinsam mit den weltbesten Schwestern im Geiste Alexandra und Susi, für euch organisiert und verbracht zu haben. Ihr alle habt es zu dem gemacht, was es war: Ein rauschhaftes, unglaublich motivierendes und zugewandetes Wochenende!

All die andern Lobhudeleien sammelt Alexandra.

3 Tage <3

annaeherung2014_vs3Am Wochenende hat ja nun das von Alexandra, Susi und mir organisierte Nähwochenende in Bielefeld stattgefunden. Und ich bin noch immer total geflasht von der Atmosphäre. Es war einfach nur toll. 38 nähbegeisterte Frauen, aus ganz Deutschland, die sich in Bielefeld trafen, um sich 2 1/2 Tage exzessiv ihrer Leidenschaft hinzugeben.

Nachdem die Anreise für einige mit der Bahn erstaunlich problemlos klappte, standen andere Stunden im Stau, ließen sich davon aber auch nicht ihre gute Laune und Vorfreude verderben. Meine Mitfahrerin und ich hatten das Glück, dass wir so früh dran waren, dass wir die erste Vollsperrung der A2 umfahren haben und dadurch auch nicht in die 2. Vollsperrung reingeraten sind, die 10 min, nachdem die erste aufgehoben war, errichtet wurde. Trotz des Umweges konnten wir so noch zum Outlet von Marc Aurel in Verl, wo es auch ein paar Stoffe (vor allem gemustertes Futter!!!) zum Spottpreis von 3 Euro/m gibt.

Die Begrüßung der nach und nach eintrudelnden Teilnehmerinnen fühlte sich schon unheimlich vertraut an, vor allem bei denjenigen, deren Blog ich regelmäßig lese (und wer behauptet, Beziehungen im Internet seien nicht real, die hat doch keine Ahnung! Einer Teilnehmerin, die ich vorher noch nie gesehen hatte, bin ich zur Begrüßung sogar spontan um den Hals gefallen). Eigentlich war nicht geplant, dass wir Freitag abend schon mit Nähen anfangen, aber irgendwie waren wir alle so erpicht darauf, soviel Zeit zum nähen zu haben, dass wir es dann doch taten.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Am Samstag habe ich dann ohne Witz von 9 Uhr morgens bis nachts um 12 genäht, nur unterbrochen von Mittag- und Abendessen. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Immer, wenn ich den Schritt, den ich noch fertig machen wollte, erreicht hatte, wollte ich wissen wie es weitergeht.2014-01-11 16.47.30 Das war wie ein Rausch. Unglaublich. Aber ich war nicht die Einzige, der es so ging. Ich hatte mir einen klassischen Blusenschnitt vorgenommen und da ich noch nie eine Bluse mit Kragensteg, Kragen, Manschetten und Knopfleiste genäht habe, fand ich es irre spannend, zu sehen, wie nach und nach die Bluse Form annahm. Da es sich um einen Simplicity Amazing Fit Schnittmuster handelte, war die Anleitung sehr ausführlich (hat schonmal jemand in der Anleitung gelesen, dass eine Heftnaht wieder aufgetrennt werden soll?) und hatte so manchen Trick auf Lager. Fasziniert war ich von der Art, wie der Schulterpassenbeleg verarbeitet wurde, ohne dass auch nur eine einzige Naht mit der Hand genäht werde musste. Das werde ich mir merken, denn das Hemdblusenkleid von Gertie hat noch immer einen losen Passenbeleg, weil ich mich nicht zum Handnähen überwinden kann.

Es entstanden ganz unterschiedliche Kleidungsstücke. Vom Brautkleid bis zur Bikerjacke war alles dabei. Und so unterschiedlich wie die Projekte waren auch die Teilnehmerinnen. Und trotzdem war da unglaublich viel Wohlwollen und positives Gegenübertreten. Wie es schon an anderen Stellen geschrieben wurde, es bot sich immer eine sofort zum Abstecken, Annaeherung2014_Miriam-001Rock abrunden und Anleitung enträtseln an. Und auch mit Werkzeug wurde sich vollkommen problemlos ausgeholfen. Und wenn ein Projekt fertig war, haben sich alle gemeinsam gefreut.

Ic bin noch immer ganz beseelt von dieser tollen Atmosphäre und so froh, dass das alles so toll war! Vielen Dank an Alexandra, die den Anstoß gab, vielen Dank an Susi, die genauso begeistert wie ich diesen Anstoß aufgenommen hat und vielen Dank an all die Teilnehmerinnen, die dieses Wochenende zu einem unvergesslichen Erlebnis haben werden lassen.

Alexandra sammelt auf ihrem Blog die ganzen Beiträge, dort könnt ihr nachlesen, wie andere das Wochenende erlebt haben.

Achja, und dass das ganze als Nähkurs von der Jugendherberge gelabelt wurde, dafür kann ich nix! Ich hab denen nur gesagt, dass wir ganz viele Tische und ganz viele Steckdosen brauchen, weil wir zusammen nähen wollen. Das mit den Nähkurs haben die sich ausgedacht 😉

anNÄHerung – Anmeldung

12 Uhr mittags. Jetzt wird’s ernst.

Jaaa, wir fahren nach Bielefeld. In die Jugendherberge. Das war der klare Favorit. Da bleibt auch mehr Geld für Stoff über. 😉

Und für Bielefeld könnt Ihr Euch nun anmelden. Und zwar so:

Bitte dieses Formular herunterladen, ausfüllen, unterschreiben und dann einscannen oder photographieren. Als .pdf formatiert bitte zurück schicken an folgende Adresse: annaeherung@gmail.com. Eure Anmeldung gilt ab dem Moment, in dem Ihr unsere Bestätigung erhaltet. Darin findet Ihr dann auch alle weiteren relevanten Informationen.

Für die Bielefelder locals, die nachgefragt haben, gibt es hier das Anmeldeformular als Tagesgast. Kreuzt bitte an, wann Ihr mit uns essen wollt (Freitag gibt es aber noch kein Mittagessen) und verfahrt dann wie oben beschrieben.

Wir sitzen jetzt ganz aufgeregt vor unseren Bildschirmen, halten die Kaffeetassen fest und warten auf Eure tatsächlichen Anmeldungen.

Und los!