Sweetheart und Stacheldraht

Hin und wieder beißt mich die Inspiration. Da sehe ich plötzlich ein ganz bestimmtes Kleid vor mir und dann werden alle anderen Projekte liegen gelassen und ich arbeite fast schon manisch an der Umsetzung meiner Vorstellung. So geschehen mit diesem Kleid.dreiOutfits_170408-031

Das Schnittmuster ist das Coat Dress aus Gertis Book for better sewing. Aber wie eigentlich immer habe ich mir angeschaut, wie die charakteristischen Designelemente umgesetzt sind und den Schnitt dann selber nach meinem gut angepassten Grundschnitt gemacht. Für Kleider mit klassischen Brustabnähern, Taillenabnähern, Taillennaht funktioniert das mittlerweile sehr gut und ich muss kein Probeteil nähen. Der Zeitaufwand fürs Schnitt erstellen wird also auf jeden Fall durch den Wegfall von unendlichen Anpassungen aufgewogen.dreiOutfits_170408-027

Zuerst schwebte mir ein richtig winterliches Kleid aus Wollflanell vor, aber dann kam plötzlich dieser Biss der Inspiration (ja, es ist ein Biss, kein Kuss. Ein Kuss ist sinnlich, zärtlich, weich. Aber das ist es nicht. Es ist plötzlich, Adrenalin ausschüttend und einfach bäng!). Auf das Revers diese StickereidreiOutfits_170408-065

Grauer Anzugstoff schien mir für das Unterstreichen dieses Statements perfekt geeignet und ich hatte tatsächlich noch einen ausreichend großes Stück, das eigentlich für einen Hosenanzug vorgesehen war, im Lager. Das Reverse musste etwas vergrößert werden, damit die Stickerei drauf passte, aber ich mag große Revers. Zuerst schwebte mir noch mehr Stacheldraht am Saum des Kleides vor, aber da es ein sehr langer Saum ist, befürchtete ich, dass das zu viel werden könnte und imitierte stattdessen ein Oberarm TattoodreiOutfits_170408-059

Dem Saum spendierte ich dafür einen etwas weniger auffälligen Zierstich, der stilistisch aber sehr gut zum Stacheldrahttattoo passt

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Dieser Zierstick erfüllt aber durchaus noch einen Zweck, er hält nämlich das Versteifungsband (Crinolborte, horsehair braid), mit dem der Saum verstürzt istdreiOutfits_170408-064

Bei den eingesetzten Ärmeln habe ich ein bisschen experimentiert, die Falte hätte eigentlich in die andere Richtung (also nicht nach innen als Kellerfalte, sondern nach außen als Quetschfalte) gelegt werden sollen.  Ein Experiment, was ich eher nicht wiederholen werde. Es ist interessant, aber ein bisschen komisch sieht der Ärmel aus.dreiOutfits_170408-058

Aber dieses Kleid ist ganz ganz große Liebe. Auch oder gerade weil ich mich darin fühle wie eine KGB Führungsoffizierin. dreiOutfits_170408-045

Das Schnittmuster, an dem ich mich ja nur orientierte, aber eben schon schaute, wie ist der Fadenlauf, welche Schnittteile brauche ich, … sah keinen Rückenausschnittbeleg vor. Aber dann wäre diese Kante unversäubert geblieben und die vorderen Belege hätten an der Schulternaht unmotiviert rumgelommelt. Außerdem ist der Rückenausschnittbeleg bestens dafür geeignet, geheime Informationen zu verbergen.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was den Fadenlauf angeht, hätte ich auch besser auf mein Gefühl hören sollen, die Knopflöcher am Rockteil sind nächmlich im schrägen Fadenlauf und sehen nicht sehr schön aus. Trotz Einlage…OLYMPUS DIGITAL CAMERA

(Oberteil: Knopflöcher senkrecht zum Fadenlauf, Rock: Knopflöcher schräg zum Fadenlauf)

Die Knöpfe sind die beziehbaren Knöpfe, die man in jeder Kurzwarenabteilung kaufen kann. Das ginge sicher auch noch schöner, aber irgendwie habe ich es verpeilt, Stoff nach Berlin zum Nähkontor zu schicken, damit die meine Knöpfe professionell beziehen.dreiOutfits_170408-061

Ich habe außerdem noch zwei unsichtbare Druckknöpfe angebracht, einen, damit der untere Teil des Vorderteils an Ort und Stelle bleibtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

und einen, damit das Kleid an der Rockansatznaht nicht komisch aufstehtOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Was ich sehr mag, dadurch dass der Tellerrock in 7 Bahnen aufgeteilt ist, ergeben sich an den Nähten rechte Winkel der hauchdünnen Streifen des Stoffes. Da erfreue ich mich regelmäßig dran, wenn ich über den Gang gehe, der Rock schön weit schwingt und ich das unterschiedliche Brechungsmuster des Lichts bemerke.dreiOutfits_170408-039

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und last but not least gibt es noch ein Vintageportrait, bei dem es der Liebste es nicht schafft mit Photoshop ein paar Knitter und einen Büttenrand hinzuzufügen nach stundenlangem rumprobieren den perfekten Look hin zu bekommen ❤dreiOutfits_frame_170408-004

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7 Gedanken zu „Sweetheart und Stacheldraht

  1. Ich bin begeistert und weiß gar nicht genau, was ich schreiben soll. Zum einen ist es einfach großartig, dass du dir den Schnitt selbst bastelst und von der Vision bis zum fertigen Kleidungsttück einfach deinen Weg gehst. Und dann ist es einfach wunderschön und die Fotos sind toll und die Frisur erst.

    Aber was das wirklich Wichtige ist: Das bist du. Du bist das! Es ist einfach dein Kleid, dein Styling. Das ist der Grund, wieso nähen wirklich glücklich machen kann und zauberhaft ist.

  2. Topfotos. Kannste nicht anders sagen. Styling, Ausschnitt, Licht, Nachbearbeitung: super.
    Grüße,
    Ralf

  3. Das beste Beispiel dafür, warum wir unsere Kleidung selber machen! Besonders liebe ich das Detail der Stacheldrahtstickerei am Ärmel. Und die Frisur ist großartig für dich!
    LG, Bele

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