Stoff bedrucken mit Inkodye

Bereits letztes Jahr hatte ich ja ein wenig mit photographischen Druckverfahren rumexperimentiert.

Vor ein paar Wochen dann tauchte diese Frage auf

Und natürlich ging bei mir sofort der Denkprozess los, wie man diesen Beutel selber machen könnte. Die Kätzchen sahen sehr nach Spitzengardine aus. Also suchte ich mit der Google Bildersuche nach Kätzchengardinen, wurde aber leider nicht so richtig fündig. Also musste ein Alternativplan her. Diese Spitzengardinenoptik ließe sich doch sicher auch mit Gimp erreichen.

Also spielte ich nach langer langer Zeit mal wieder mit Gimp rum. Ich lernte, wie man aus einem Foto eine Bleistiftzeichnung macht, ich suchte nach Häkelspitze-Pinsel und –Hintergründen. Als ich hinreichend zufrieden mit dem Ergebnis auf meinem Bildschirm war,2016-04-06 20.37.39 druckte ich das Bild auf Overhead-Folie aus. Zufälligerweise waren an dem Wochenende die kleinen Menschen bei ihrer Oma und das Wetter war sonnig. Beste Bedingungen also für Inkodye. Ich bestrich im abgedunkelten Zimmer einen gekauften blanko Stoffbeutel mit oranger Inkodye, platzierte die Overheadfolie auf dem Beutel2016-04-09 11.09.57 und trug das ganze auf einem Holzbrett in die Sonne. Dort ließ ich es wie auf der Flasche angegeben 10 min belichten.2016-04-09 11.44.12 Schon als ich es reinholte, sah ich, dass die Kätzchen kaum zu sehen waren, die Spitzenkante wenigstens ein bisschen, aber alle feineren Strukturen waren nur erahnbar.2016-04-09 14.14.50 10 Minuten ist bei starker Sonne also eindeutig zu lang zum belichten. Aber ich hatte auch den Verdacht, dass die Kätzchen einfach noch zu viel feine Struktur hatten, die sich nicht so leicht auf den Stoff übertragen ließ. Also mussten die Konturen irgendwie grober und die Kontraste schärfer werden. Und so unintuitiv es auch klingt, das erreicht man, indem man die Konturen zuerst mit einem Weichzeichnerfilter verwischt und anschließend die Kanten schärft.

Zusätzlich war ich aber noch der Meinung, dass unser Farbdrucker nicht genügend schwarz aufträgt und die Folie an den schwarzen Stellen zuviel Licht durchgelassen hatte. Deshalb fuhr ich zu einem Copyshop und ließ das Bild mit einem Laserdrucker auf Overheadfolie drucken. Und zwar auf 2 Folien, die ich übereinanderklebte, um die Lichtundurchlässigkeit noch zu erhöhen.2016-04-09 14.00.50

Die Flasche mit der orangen Inkodye war leider fast alle. Ich hatte aber noch ein Probepäckchen lila (und 2 schwarz, aber die waren für diesen Zweck etwas ungeeignet). Außerdem hatte ich auch keine fertigen blanko Stoffbeutel mehr. Aber in einem guten Nähnerd-Haushalt gibt es zum Glück Stoffvorräte noch und nöcher. Bei der Wohnungsauflösung meiner Oma hatte ich unter anderem 2 weiße Baumwollbettlaken ergattert mitnehmen dürfen. Gedacht waren sie für Probekleider, aber das eine war schon in Teilen in ein Gespensterkostüm für Halloween verarbeitet worden. Aus den Resten schnitt riss ich zwei 30×60 cm große Stücke aus.

Das eine Stück bestrich ich auf einer Hälfte mit den Resten der orangen Farbe. Es reichte leider nicht mehr ganz für die komplette Fläche. Aber ich wollte erstmal testen, ob der neue Audruck besser funktionierte und wie lange ich das ganze maximal in die Sonne legen sollte.

Es stellte sich raus: 5 min reichen bei strahlend blauem Himmel. Also das zweite Stück Stoff zur Hälfte mit der lila Farbe bestrichen, Folie drauf, 5 min Sonne. Und mit dem groberen Motiv, der doppelten Folie und der kürzeren Belichtungszeit kam das Motiv sehr schön raus.

Allerdings war die Farbe ansich etwas fleckig. Ich vermute, das liegt daran, dass ich die überschüssige Farbe nach dem Auftragen nicht abgetupft habe, und sich kleine Seen auf dem Stoff gebildet haben. Das war nicht viel, aber evtl eben schon zu viel.

Ich wusch die nicht belichtete Farbe in der Waschmaschine mit Inkowash aus, damit sie nicht beim Ausführen der Beutel weiterreagieren konnte. Es wird auch dringend empfohlen die Farbe am Besten in der Waschmaschine gründlich auszuwaschen.

Während der Stoff trocknete bereitete ich die Schablone für den Schriftzug vor. Ich suchte mir bei dafont eine Schablonierschrift aus, druckte den Slogan auf ein Blatt Papier, klebte dieses Blatt mit Sprühkleber auf so ein Trennblatt für Aktenordner aus Plastik und schnitt mit einem Cutter die Buchstaben aus.2016-04-09 16.28.28 Anschließend entfernte ich das Papier wieder. Als der Stoff getrocknet war, sprühte ich die Rückseite der Schablone mit Sprühkleber ein und klebte sie links neben die Kätzchen. Mit schwarzer Stoffmalfarbe schablonierte ich den Slogan auf den Stoff.2016-04-09 17.15.27

Zu guter Letzt nutzte ich das Nähkränzchen dazu, den Stoff in Beutel zu verwandeln und spendierte ihnen lange Henkel damit man die Beutel hübsch über der Schulter tragen kann.

Beim ersten Beutel, der nach dem Waschen einfach nur noch orange mit einer dezenten Spitzenborte am unteren Rand war, schablonierte ich noch zwei Kätzchen mit weißer Stoffmalfarbe über die total überbelichteten Kätzchen. Und so hatte ich dann 3 coole Beutel

Ich hab mittlerweile noch weitere Experimente gemacht, über die ich dann demnächst mehr erzähle.

Mehr kreative Abenteuer gibts beim Creadienstag.

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5 Gedanken zu „Stoff bedrucken mit Inkodye

  1. Sehr cooles Statement! Auch wenn die Kätzchen nicht so unbedingt meins sind, find ich den Kontrast super. Von Inkodye hab ich schon öfter gelesen, hatte aber nie so das „habenwollen“, obwohl ich es teilweise echt genial finde, was damit machbar ist. Deine Variante klingt auch nach echt viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt 🙂
    Liebe Grüße,
    Ronja

  2. Ich hab da auch meine Erfahrungen mit gemacht und kann Dir den Tipp geben, die Overhead Folien mit der Einstellung Foto und sehr fein zu drucken, damit das Licht nicht durchkommt. Dann klappt es auch mit dem Druck zu Hause.

  3. Das ist doch der coole Beute, den du in Stuttgart dabei hattest? So wurde der gemacht? Da muss ich mich mal schlaulesen… Tolle Technki!

  4. Pingback: Fragen und Antworten III | drehumdiebolzeningenieur

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