Internationaler Frauentag

Ich hatte ja erst vor der Kantine mit rosenverteilenden Betriebsratsmitgliedern gerechnet. Aber dann kam plötzlich eine Frau in unser Büro, die sich als Assistentin des Geschäftsbereichsleiters vorstellte und überreichte mir eine Rose anlässlich des Internationalen Frauentages. Ich sagte dann „Ich möchte eigentlich keine Rose, eigentlich möchte ich Gleichberechtigung.“ Das hat sie sichtbar irritiert und sie stammelte „Ja, hm, das werde ich so weitergeben. Die Rosen sind nämlich vom Geschäftsbereichsleiter persönlich! Das hat er sich überlegt und *sogar* von seinem eigenen Geld bezahlt! Und außerdem sind wir doch hier in der Firma jetzt gleichberechtigt!“

Ja, die Firma ist jung, es gibt neue Werte, einer davon bezieht sich explizit auf Diversität. Was aber nichts daran ändert, dass der Vorstand dieser Firma eine 100% Männerquote hat. Und der Geschäftsbereichsleiter, der diese Rosen verteilen *lässt*, der brüstet sich im übrigen damit im letzten Jahr 1200 Stunden im Flugzeug verbracht zu haben. Was irgendwie auch erklärt, warum er seine Assistentin losschickt, die Rosen verteilen zu lassen.

Meine Bürokollegen sind von mir aber immerhin schon so mit feministischen Ideen infiltriert, dass sie sofort den Kern meine Kritik verstanden.

Ich habe den Eindruck,  für Führungskräfte gehört es mittlerweile zum guten Ton, so zu tun, als habe man Frauenthema auf dem Schirm. Also zückt man am 8. März sein Portemonaie, kauft ein paar Rosen und schickt seine Assistentin los, diese unter den Mitarbeiterinnen zu verteilen. Damit zeigt man, wie sehr man die Frauen in der Firma schätzt. An den restlichen 365 Tagen im Jahr*  benimmt man sich dann so chauvinistisch wie eh und je.

Also, liebe Führungskräfte: Das Geld für die Rosen solltet ihr lieber in Trainings zu Chancengleichheit und Diversität stecken. Da hätten die Frauen in euren Unternehmen deutlich mehr von!

 

*2016 ist ein Schaltjahr

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3 Gedanken zu „Internationaler Frauentag

  1. Die Assistentin zum Verteilen zu schicken, ist schon ein irres Lachen wert!

    In meinem 100% frauengeleitetem Betrieb denkt normalerweise keine Sau an den Frauentag. Und diese Hierarchie -wird mir gerade erst klar- geht nach oben weiblich weiter bis zu Angela…
    Ich (in recht unleitender Position) habe heute Morgen den Kolleginnen eine Rose mitgebracht, um den Tag nicht unbemerkt verstreichen zu lassen. Man kann gar nicht oft genug daran erinnern, dass neben dem Brot auch die Rosen wichtig sind, finde ich.

    All die weiblichen Vorgesetzten führen übrigens leider nicht unbedingt zu mehr Gleichberechtigung und Verständnis für Familien. Das wiederum betrifft meine männlichen Kollegen mit Familie ganz gleichberechtigt genauso wie die weiblichen…
    Trotz allem: Einen schönen Tag noch!

  2. Pingback: Brauch’ ich nen Tag für mich? | Groß-Stadt-Ansichten

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