Meine Nähmaschine (Bernina 560)

Marja Katz fragte kürzlich, was die Pro und Cons der eigenen Nähmschine sei, weil sie sich mit dem Gedanken trägt, sich eine neue Nähmaschine zu kaufen. Und so entstand die Idee einer Sammlung verschiedener Nähmaschinenmodelle. Dafür hat sie einen Fragebogen entwickelt und ein Linktool eingerichtet. Hier also mein Bericht über die Bernina 560.

Anschaffung und Folgekosten

  • Welches Modell hast Du, welchen Preis hatte Deine Nähmaschine und wann hast Du sie gekauft? Bernina 560 inklusive Stickmodul für 3000€, gekauft im Spätsommer 2014
  • Findest Du das Preis-Leistungs-Verhältnis angemessen?
    Ich finde sie  auf der teuren Seite. Man zahlt da auf jeden Fall den Namen mit.
  • Welche Eigenschaften waren für Dich ausschlaggebend für die Kaufentscheidung? Verstellbarer Füßchendruck, Unterfadenwächter, integrierte Stickfunktion
  • Wieviel Zubehör wird mitgeliefert und wie teuer ist ein eventuelles Nachrüsten von Zubehör, z.B. Nähfüßchen?
    • Mitgeliefert: Anschiebetisch, Kniehebel, Transporttasche, Kantenlineal, Overlockfuß #2A Automatischer Knopflochfuß #3A, Reißverschlussfuß #4, Blindstichfuß #5, Applikationsfuß #20C, Zubehörschränkchen, 4 Spulen, 5 Nadeln, Höhenausgleichsplättchen, Nahttrenner, Schraubendreher, Winkelschraubendreher, Pinsel, Öl, 2 Schaumstoffteller, 3 Fadenablaufscheiben
    • Nachrüsten: Die Nähfüßchen kosten zwischen 25 € und 172 €. Universalfüßchen passen nicht, man muss auf jeden Fall die Füßchen von Bernina kaufen. Will man den Bernina Stich Regulator, welcher beim Freihandquilten immer exakt die gleiche Stichlänge näht, egal wie unregelmäßig man den Stoff bewegt, muss man für dieses Ding 460 € hinblättern. Wer gerne und viel quiltet und für die ein regelmäßiges Stichbild dabei wichtig ist, für die mag der BSR *das* Killerzubehör schlechthin sein, da es vergleichbares von anderen Herstellern meines Wissens nicht gibt.
  • Wieviel Zubehör gibt es insgesamt für Deine Nähmaschine, welches davon hast Du und welches davon nutzt Du am meisten? Welches möchtest Du unbedingt noch anschaffen?
    • Ich vermute, es gibt so um die 70 Nähfüßchen von Bernina, die meisten davon sind mit meiner Maschine nutzbar. Ich habe mittlerweile eine erkleckliche Sammlung an Nähfüßchen, am meisten nutze ich neben dem normalen Fuß den Applizierfuß, den Fuß für den nahtverdeckten Reißverschluss, den Knopflochfuß, Blindstichfuß, Bandeinfasser und (es ist mir ein wenig peinlich, aber er ist soooo praktisch) den Knopfannähfuß.
  • War Deine Nähmaschine schon einmal kaputt? Kannst Du eine Aussage darüber machen, ob die Reparatur- oder Wartungskosten hoch sind (z.B. aufgrund aufwendiger Elektronik)? Sie ist aktuell in Reparatur, weil das Netzteil nach 30 Minuten in einem unerträglich hochfrequenten Ton fiepte. Wird aber vermutlich auf Garantie laufen, von daher kann ich zu Reparaturkosten (noch) nix sagen
  • Wo würdest Du Dein Modell einordnen (Holzklasse, Mittelklasse, Luxusklasse) und für wen würdest Du es empfehlen (Anfänger, Fortgeschrittene, Profi)
    Mittelklasse (ja, trotz des hohen Preises. Es gibt von Bernina noch die 7er und 8er Serie, die sind nochmal eine ganz andere Liga). Empfehlenswert ist sie, vor allem, weil es eine hohe Investition ist, wohl eher für Fortgeschrittene, die wissen, dass sie dieses Hobby intensiver ausüben (möchten). Anfängerinnen kommen damit natürlich auch gut klar, vor allem gibt es einen sogenannten Nähberater. Dort wählt man Gewebeart und Stoffqualität aus und die Fadenspannung, Nähfußdruck und Nutzstich werden vorausgewählt. So hat auch eine Anfängerin einen Anhaltspunkt, an welchen Schräubchen man drehen muss, je nach Stoff.
  • Auf einer Skala von 1 bis 5 – wieviel Sterne würdest Du Deiner Nähmaschine geben und warum?
    5 Sterne. Sie hat ein schönes Stichbild (okay, die Pfaff 230 meiner Oma hat ein noch schöneres Stichbild), näht zuverlässig auch durch viele Lagen Stoff, der Unterfadenwächter hat mich schon vor vielen Metern sinnloser Naht bewahrt.

Praktikabilität

  • Wie groß und wie schwer ist Deine Nähmaschine?
  • Kommt Deine Nähmaschine für einen Auf- und Abbau bei flexiblen Arbeitsplätzen in Frage oder ist sie eher für feste Arbeitsplätze geeignet? Auch wenn sie kein Fliegengewicht ist, kann man sie einfach rumtragen und woanders aufstellen.
  • Wie aufwendig ist Abbau/Verpackung/Transport für gemeinsame Nähkränzchen?
    Ich finde ja die Transporttasche extrem praktisch. Da hat alles seinen Platz und ist kompakt verpackt. Man muss nur aufpassen, dass man sowohl den Fußanlasser als auch das Stromkabel einpackt. Beim Stromkabel findet sich im Fall aber evtl auch ein Kabel vom Ghettoblaster oder ähnliches, da es ein Standard-Doppelbuchsenstecker ist.
  • Lässt sich die Nähmaschine gut reinigen oder kommst Du an einige Stellen gar nicht heran? Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendwo hätte sauber machen wollen/müssen, wo ich nicht rankam. Es ist ein Pinsel dabei, mit dem kriege ich den Staub schön aus den Ecken gepuzt.
  • Wie ist die Helligkeit der Beleuchtung? Da ich hauptsächlich abends nähe, ist die Beleuchtung für mich sehr wichtig. Das LED-Licht im Nadelbereich ist ausreichend, aber ich brauche drumherum noch ein bisschen mehr Licht.
  • Wie laut ist die Maschine?
    Kommt auf den Wartungszustand an 😉 Aber wenn man schnell näht, dann hört man die schon ordentlich. Im Vergleich zur Overlock ist sie natürlich sehr leise.
  • Ist die Maschine intuitiv bedienbar?
    Eher nein. Viele Features findet man tatsächlich nur mit Bedienungsanleitung. Es gibt sicher auch Menschen, die wild auf dem Display rumspielen, alles mal anklicken und ausprobieren. Einfädeln und losnähen funktioniert tatsächlich wie bei jeder anderen Nähmaschine, die ich bisher benutzte, gleich.
  • Ist die Bedienungsanleitung ausführlich genug? Die Anleitung für die Nähmaschine ist 14 Seiten lang und man braucht sie auch. Ich finde sie aber trotzdem sehr technisch geschrieben und teilweise eher knapp. Wenn man weiß, was man will, ist die Bedienungsanleitung gut. Aber um das ganze Potential der Maschine erfassen zu können, finde ich sie etwas nüchtern.
  • Kann man die Nähmaschine auch ohne Pedal bedienen?
    Ja. Nutze ich aber eigentlich nicht. Also beim Nähen. Beim Sticken natürlich schon. Was ich nutze ist die Geschwindigkeitsregelung. Bei frickeligen Stellen stelle ich diese auf langsam, so dass ich nicht durch eine ungeschickte Fußbewegung plötzlich viel zu schnell losnähe.

Näheigenschaften

  • Welche Nähmaschine(n) hattest Du bisher? Wie schätzt Du Deine Maschine im Vergleich dazu ein? Mamas Pfaff 209, eine billige Singer Supermarkt-Nähmaschine, Bernina 330. Dagegen ist meine jetzige auf jeden Fall um Klassen besser. Mama sagte immer, dass man mit ihrer Pfaff keine dehnbaren Stoffe nähen könne. Mittlerweile glaube ich das nicht mehr so recht, aber ausprobiert habe ich es nie. Die billige Singer hat mir recht viel Kopfzerbrechen bereitet, aber nachdem ich gesehen habe, was andere mit dieser Maschine für Ergebnisse erzielen, glaube ich, dass es wohl eher am billigen Garn und an mir lag, dass sie so zickig war. Wobei das Stichbild schon eher unsauber ist. Die Bernina 330 ist eine solide elektronisch gesteuerte Maschine, die ich durchaus empfehlen kann. Die Bernina 560, um die es ja hier geht, hat aber einfach so viele nette kleine Zusatzfunktionen wie den Unterfadenwächter, den einstellbaren Füßchendruck, die integrierte Stickfunktion
  • Wie oft nähst Du? Was nähst Du hauptsächlich und findest Du Deine Nähmaschine dafür ungenügend, perfekt ausreichend oder etwas oversized? Ich nähe mehrmals die Woche am Abend 2 und mehr Stunden. Hauptsächlich nähe ich Kleidung, sowohl Businesskleidung für mich als auch Freizeitkleidung für mich und den Rest der Familie. Ich verarbeit also sowohl feine Webstoffe als auch Jersey mit der Maschine. Bis auf den fehlenden einstellbaren Füßchendruck war schon die Bernina 330 vollkommen ausreichend für diese Projekte. Wenn ich ganz ehrlich mit mir selber bin, dann ist meine Maschine schon eher oversized für meine Bedürfnisse.
  • Welches Feature fehlt Dir für Deine Näharbeiten und auf welches Vorhandene möchtest Du auf gar keinen Fall verzichten?
    Nicht verzichten: einstellbarer Füßchendruck
  • Hat Deine Nähmaschine Features, die Du für unsinnig hältst?
    Nicht direkt unsinnig, aber die Vielzahl an Zierstichen werde ich wahrscheinlich nie ausprobieren. Und noch viel weniger wahrscheinlich die Funktion, Stichmusterkombinationen zu erstellen.
  • Welche Knopflochfunktion(en) hat Deine Nähmaschine und bist Du damit zufrieden? Was könnte besser sein?
    Wäscheknopfloch, Stretchknopfloch, Rundknopfloch mit Normalriegel, Augenknopfloch, Heirloomknopfloch. Und das ganze mit Knopflochautomatik und Knopfmesseinrichtung am Display. Man legt den Knopf aufs Display und dreht solange am Drehknopf bis der Knopf in das angezeigte Quadrat passt. Das Knopfloch wird dann 2 mm länger als der vermessene Knopf genäht. Und zwar jedes einzelne Knopfloch. Sehr sehr komfortabel!
  • Potentielle Problemzonen
    • Wie näht Deine Nähmaschine enge Rundungen?
      Hm, dank sehr langsam möglichem Nähen, Nadelstop unten und einstellbarem Füßchendruck sind enge Rundungen kein Problem. Ich nähe die hauptsächlich bei Zahlenapplikationen auf Geburtstagsshirts, die ich nach wie vor „von Hand“ mache und nicht mit der Stickfunktion
    • Ist das Stichbild sauber, auch bei sehr dickem Nähgut oder sehr schnellem Nähen?
      Ja
    • Ist der Stofftransport gerade und gleichmäßig, auch wenn Du den Stoff nicht aktiv führst?
      Ich muss gestehen: Das habe ich noch nie ausprobiert
    • Ist ein sauberes Nähen an Stoffkanten möglich, ohne dass sich die Naht oder der Stoff zusammenzieht? (Nahtanfänge, versäubern)
      Ich muss etwa 0,5 bis 1 cm von der Kante anfangen zu nähen, sonst verheddern sich Ober- und Unterfaden und es gibt hässliche Wurschtel auf der Nahtunterseite. Da ich eigentlich ausschließlich mit der Overlock versäubere kann ich zum Zickzack an der Kante nix sagen.
    • Werden elastische Stoffe problemlos genäht oder wellt der Stoff?
      Mit reduziertem Füßchendruck gehts ganz gut, aber ich spiele mit dem Gedanken, mir das im Laden nochmal zeigen zu lassen, wie man Halsbündchen feststeppt, ohne dass sich die vorher glatte Naht anschließend wellt.
    • Wie ist die Kontrolle über Nähgeschwindigkeit? Ist sehr schnelles oder sehr langsames Nähen (Stich für Stich) möglich?
      Ja, beides möglich. Die Maschine mach 1000 Stiche die Minute, aber wenn ich es will, macht sie auch nur genau 1 Stich in der Minute
    • Bei welchen Nähfragen kommst Du an die Grenzen Deiner Nähmaschine? Was funktioniert überhaupt nicht?
      Bisher nichts, was mir nachhaltig in Erinnerung blieb.
  • Wie ist Dein abschließendes Gesamturteil in Kurzform?

    Sehr solide Maschine mit viel Schnickschnack, die bei mir keine Wünsche offen lässt. Und dank integrierter Stickfunktion auch als Stickmaschine einsetzbar. Ein Schnäppchen ist sie allerdings nicht.

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3 Gedanken zu „Meine Nähmaschine (Bernina 560)

  1. Danke für deine ausführliche Vorstellung, das ist die Maschine, die ich gerne hätte….für mich sicher auch oversized, aber eben toll…..
    Herzliche Grüße
    Sabine

  2. Danke für die umfassende Rezension.
    Ich nähe ja deutlich weniger als du, von daher und überhaupt wäre meine B380 vollkommen ausreichend.
    Es wurmt mich nur, dass ich damals (als ganz blutige Anfängerin) im Nähladen sagte, dass laut Internet ein verstellbarer Füßchendruck empfehlenswert sei und die Verkäuferin meinte, den bräuchte ich nicht und mit der Maschine sei ich auf Jahrzehnte glücklich. Und was vermisse ich heute an meiner Maschine? Ja, genau…

  3. Danke für Deinen ausführlichen Bericht. Ich habe es gern gelesen, da ich mit der Bernina 750 QE nähe und festgestellt habe, dass vieles doch gleich ist.

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