Für mehr Dinnerparties in meinem Leben!

Schon länger wollte ich über meine Erfahrungen mit dem Galaxy Rip Off Dress (Vogue 8280) berichten. Aber ich konnte mich nicht überwinden, euch ein eher wenig gelungenes Kleid zu zeigen. Auch wenn ich es auf einer Hochzeit getragen habe und es dort ja auch Menschen gesehen haben. Aber die kannten mich ja nicht 😀miriam_kleid_140607-014Laut Anleitung ist dieses Kleid „easy“ zu nähen. Nunja. Es ist in erster Linie gar nicht easy anzupassen…miriam_kleid_140607-019Das Problem: Die Passform lässt sich erst wirklich beurteilen, wenn man diese Dinger, die in der englischen Anleitung „flange“ genannt werden (meinem professionellen Ich als Flansch durchaus bekannt, aber in dem Zusammenhang irgendwie nicht die passende Übersetzung) am Vorderteil angenäht hat. Da sie aber am Armausschnitt zum Teil mit sich selbst verstürzt werden, zum Teil aber zwischen Vorderteil und Futter mitgefasst werden, muss man die Nahtzugabe an der Stelle, wo das Vorderteil aufhört, die Nahtzugabe des „flange“ einschneiden. Um die Passform beurteilen zu können, muss man flange und Vorderteil verstürzen. Das geht nur mit einschneiden der Nahtzugabe. Das sollte man aber erst machen, wenn man sicher weiß, wo genau das Vorderteil endet. Ihr ahnt, dass man in einer Excel-Tabelle jetzt einen Zirkelbezug hergestellt hätte…

Mein Problem war: Das Vorderteil war zu weit. Und dieses Kleid muss am Dekollete knackeng sitzen, damit es nach was aussieht. Außerdem musste ich noch die Abnäher verlegen, aber da war eine meiner kleineren Übungen. Jedenfalls war klar, dass ich das Vorderteil im oberen Bereich nach außen ziehen musste. Damit kippten dann aber die „flanges“ nach unten und vergrößerten den Armausschnitt noch mehr.2014-10-01 19.20.18Ein weiteres Problem war, dass meine megateure Thermodrahtschneiderpuppe leider nicht wie versprochen exakt an meinen Körper anschmiegt und ich die Anpassungen für dieses hauteng sitzende Oberteil an der Puppe nicht machen konnte. Das ging wirklich nur an mir. Gnarf…

Resultat der gekippten „flanges“ war, dass man das Speckröllchen, welches ich am Übergang von Brust zu Arm habe, sehr prominent sahmiriam_kleid_140607-002Das Bolerojäckchen aus Spitze, dessen Schnitt ich mir aus einem Kleiderschnitt rausgebastelt hatte, saß leider auch alles andere als perfekt, unter anderem aber auch, weil der Armausschnitt des Kleides plötzlich so weit nach unten gerutscht war. Ich war wirklich nicht sehr zufrieden mit dem Kleid. Und mal wieder die Erkenntnis: Ärmelfrei sieht bei mir doof aus.miriam_kleid_140607-016Außerdem stimmte irgendwas mit der Balance nicht, der Rock fiel vorne sehr seltsam.

Glücklicherweise hatte ich aber beim Stoffkauf noch keine klare Vorstellung, ob ich das Bolerojäckchen aus Spitze oder aus dem Kleiderstoff machen wollte. Und der Ballen war fast leer, so dass ich kurzerhand deutlich mehr Stoff mitnahm, als für das Kleid notwendig war.

Also entschloss ich mich, die Version mit den Ärmeln auszuprobieren und außerdem die „flanges“ nochmal abzutrennen und neu zuzuschneiden, so dass sie an meinen Armausschnitt passten. Mit Hilfe von Nessel erstellte ich ein neues Schnittteil für die „flanges“. Es stellte sich dann aber auch heraus, dass ich das gesamte Vorderteil nochmal zuschneiden musste. Ich nahm also das ganze Oberteil nochmal auseinander, schnitt die flanges,das Vorderteil und die Ärmel nochmal neu zu, und machte mich dann erneut an das Anpassen des Vorderteiles. Die Ärmelverarbeitung machte das ganze nicht einfacher, weil auch diese teilweise verstürzt und teilweise zwischen Futter und Oberstoff mitgefasst wurden. Jede Anpassung machte die wirklich sehr genau einzuhaltenden Markierungen, bis wohin man nähen soll, obsolet.

Mir ist es ein Rätsel, wie man dieses Kleid mit wenig Näherfahrung wirklich so nähen können soll, dass es anständig sitzt und dabei noch gut aussieht. Ich bin so froh, dass ich soviel Stoff übrig hatte, denn nur so konnte ich die gröbsten Fehler beseitigen. Ich fürchte auch, ein Nesselmodell hätte wenig geholfen, da der Baumwollsatin, aus dem ich das Kleid nähte, ist leicht stretchig und verhält sich anders als Nessel.

Das erneut fertig gestellte Kleid trug ich dann Ende August auf dem Schulfest anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Gymnasiums, an dem ich vor 17 Jahren mein Abi gemacht habe und war ziemlich overdressed, aber das war mir egal.

MiriamKleider140922-027 MiriamKleider140922-026 MiriamKleider140922-020Jetzt bin ich wirklich zufrieden mit dem Kleid. Nur leider gibt es in meinem Leben viel zu wenig Anlässe, ein solches Kleid zu tragen. Ich werde eindeutig zu selten zu formalen Dinnerparties eingeladen!

Dodo hat heute beim MeMadeMittwoch Premiere und zeigt einen tollen Rock aus Waxprint und auch ansonsten gibt es wieder unzählige tolle kreative Frauen in selbsgenähter Kleidung zu bewundern!

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3 Gedanken zu „Für mehr Dinnerparties in meinem Leben!

  1. Ein klarer Fall von „Ende gut- alles gut!
    Wie klasse, dass Du durchgehalten hast und nun durch die raffinierten Ärmel Dein Kleid gefunden hast!
    Und ich gebe Dir recht- man wird viel zu selten zu Anlässen eingeladen, wo man so schicke Kleider ausführen kann.

    Liebe Grüße
    Ute

  2. Pingback: Das Näh-Nerd-Interview: Heute mit Muriel von „Nahtzugabe5cm“ – Grüner Nähen – Näh- und Denkstoffe

  3. Nachdem ich das gerade gelesen habe und voll des Staunens bin über sooo viel Geduld beim anpassen, werde ich mich wieder an meine tausend Änderungen wegen meiner schiefen/krummen Figur machen. Danke für deinen Bericht. Und ich finde das kl in nur klasse. Viele Grüße christine

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