Luxemburgerli

Als ich in Zürich lebte, waren Luxemburgerli eine der typisch schweizerischen Konfiserieprodukte. So richtig verstanden hab ich das nicht. Die Dinger waren quitschbunt, zuckersüß und in der Konsistenz pappig-klebrig. Die ein oder andere Geschmacksrichtung fand ich okay, aber der Preis und das Aufhebens um die Dinger war in meinen Augen in keiner Weise gerechtfertigt. Wenn ich bei Sprüngli einkaufte, investierte ich mein Geld lieber in ausgesuchte Pralinés.
In einem exquisiten Schokoladenbackbuch, das ich mir schon vor meinem Umzug in die Schweiz gekauft hatte,

Robert Linxe, Chocolat - Sinnliche Verführung, Mosaik Verlag, 2001, Niedernhausen

Robert Linxe, Chocolat – Sinnliche Verführung, Mosaik Verlag, 2001, Niedernhausen

gab es allerdings ein Rezept für Macarons, die vom Bild her verdächtig nach Luxemburgerli aussahen.2014-03-29 17.46.12 Nach eher missglückten Pralinen-selbermach-Versuchen verschob ich das Projekt Macarons aber auf einen Zeitpunkt mit mehr Platz in der Küche. Ich bin einfach eine logistische Vollkatastrophe beim backen und kann nur sorgfältig arbeiten mit einem Mindestangebot an Platz. Ansonsten artet das sehr schnell in slapstick aus. Mit dem Auszug aus der Miniküche war aber auch die Ankunft des großen kleinen Menschen verbunden, und nun mangelte es eher an entspannter Atmosphäre denn am Platz. Langer Rede kurzer Sinn: jetzt, wo Macarons auf jedem Backblog zu bewundern sind, hab ich mich auch mal dran probiert (10 Jahre, nachdem ich Luxemburgerli das erste mal aß und den Plan fasste, die mal selbst zu machen). Der erste Versuch erfolgte nach dem Rezept aus dem Schokoladenbackbuch. 2014-03-29 17.32.03 Auch wenn sie optisch noch sehr sehr verbesserungswürdig sind, waren die geschmacklich der Hammer. Überhaupt nicht vergleichbar mit den pappig-klebrig-süßen Luxemburgerli, sondern außen knusprig, innen fluffig, und der Kakao bildet eine herrlich nussige Kombination mit den Mandeln.

Nun ist es ja (leider) so, dass der große kleine Mensch keine Schokolade mag. Dementsprechend hat er die Macarons nicht angerührt. Jetzt hatten wir am Samstag 2 Eiweiß übrig und ich die Idee, dass man daraus ja wieder Macarons machen könne. Und weil ich dem großen kleinen Menschen einen Gefallen tun wollte, fragte ich ihn, was er denn statt Schokolade haben wolle. Er wünschte sich grün mit Buttercremefüllung. Also machte ich die Macaronage nach diesem Rezept und eine Buttercreme hiernach und fügte der Buttercreme noch gemahlene Pistazien zu.2014-05-04 17.02.51 Das Ergebnis waren okaye Macarons, die mich sehr an die Luxemburgerli aus Zürich erinnerten, aber in keinster Weise geschmacklich an die Schokoluxemburgerli von vor ein paar Wochen rankamen. Außerdem waren sie ähnlich pappig-klebrig von der Konsistenz, wie ich die von den gekauften kannte. Und da der große kleine Mensch, wie sollte es anders sein, schon beim Anblick beschloss, dass er das doch nicht mag und auch ein klitzekleiner Bissen (eher so homöopathische Dosen) seine Meinung nicht änderte, werde ich in Zukunft einfach wieder die unglaublich sensationell leckeren Schokoluxemburgerli machen, egoistisch, wie ich bin! Aber das Rezept will ich euch nicht vorenthalten, auch wenn es in diesem Internet mittlerweile von Macaronrezepten nur so wimmelt.

Schokoladenmakronen

Rezept von Paul Linxe

  • 140 g gemahlene Mandeln
  • 20 g ungesüßtes Kakaopulver
  • 360 g Puderzucker
  • 5 Eiweiß

für die Schokoladenfüllung (Ganache)

  • 170 g Schokolade mit 70% Kakaoanteil
  • 90 g Schokolade mit 55% Kakaoanteil
  • 160 g Sahne
  1. Gemahlene Mandeln, Kakaopulver und 300 g Puderzucker mischen und sieben.
  2. Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen, den restlichen Puderzucker hinzugeben, weiterschlagen, bis der Schnee sehr steif ist. Die Mandel-Kakao-Zucker-Mischung unterheben, bis ein luftiger Teig entsteht.
  3. Backofen auf 180 °C (Umluft) vorheizen. Den Teig in eine Spritzbeutel füllen und mit einer glatten Tülle auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech spritzen.
  4. 30 min ruhen lassen (wenn ihr das nicht macht, dann reißen die Makronen)2014-03-29 16.04.04
  5. 20 min backen. Aus dem Ofen nehmen, Backpapier leicht anfeuchten (ich hab eine Silikonmatte verwendet und nix angefeuchtet. Lösten sich trotzdem ganz gut ab). Zum Abkühlen auf ein Kuchengitter legen
  6. Für die Füllung die Schokolade ganz fein hacken (ich nehme immer so Schokoladentäfelchen und zerhack die mit einem großen Messer). Sahne warm machen, Schokoladengehäcksel reingeben und schmelzen lassen (am besten die Temperatur der Sahne mit einem Thermometer überprüfen, die Sahne sollte nicht wärmer als 40 °C sein, sonst trennt sich die Kakaobutter vom Rest und die Ganache bekommt beim Festwerden einen Grauschleier). Ganache im Kühlschrank fest werden lassen, mit dem Mixer aufschlagen und die glatte Seite einer Makrone mit der Füllung bestreichen und auf eine andere Makrone drücken.

 

 

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Ein Gedanke zu „Luxemburgerli

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