Allgäu, Tag 6-7

Gestern haben wir einen für uns sehr untypischen Urlaubstag verbracht. Der Liebste hatte die seltsame Idee, dass er gerne Schloss Neuschwanstein sehen möchte, wenn wir schon mal „in der Nähe“ sind. In der Nähe ist allerdings relativ, wir haben über 1 1/2 Stunden hin gebraucht und in Füssen fett im Stau gestanden. Das entspricht sowas von überhaupt nicht meiner Vorstellung von Urlaub (vom LIebsten eigentlich auch nicht, aber scheinbar brauchte er nochmal eine kleine Erinnerung, dass er sowas nicht mag…). In Hohenschwangau wurde der Touri-Wahnsinn dann schnell offenbar, aber wir haben glücklicherweise einen genialen Plan verfolgt: Die Pöllatschschlucht hinaufwandern. Das scheint dermaßen abwegig zu sein, dass es im Tal noch nicht mal einen Wegweiser dorthin gibt. Wir mussten an der Pommesbude nachfragen, wie wir da hinkommen. Der robuste Outdoorbayer hinterm Tresen hat etwas entgeistert geschaut, als er den Buggy gesehen hat. Zugegeben, das hätte ich auch an seiner Stelle, aber wir haben auf die Kraxe verzichtet, weil wir den wunden Po des kleinen Menschen ein wenig schonen wollten. Das erklärt auch, warum wir überhaupt auf diese komische Idee mit Neuschwanstein verfallen sind: Wenn wir eh nicht richtig wandern können, dann können wir ja mal einen Tag so richtig einen auf Mickey Mouse machen. Schließlich ist Neuschwanstein die Mutter aller Mickey Mouse Schlösser.

Der Plan war also, dass der Liebste den kleinen Menschen auf dem Arm die Schlucht rauf trägt und ich den Buggy. Hat auch prima funktioniert, aber man braucht schon zwei Personen mit jeweils zwei gesunden starken Armen, wenn man sowas machen will. Aber die Schlucht ist wirklich eindrucksvoll und es lohnt sich absolut, die von unten zu begehen.

Und der kleine Mensch ist sogar einen nicht unerheblichen Teil der Stufen im oberen Teil selbst gelaufen. Im unteren Teil musste er aber wirklich getragen werden, das wäre definitiv noch zu anspruchsvoll für den kleinen Kerl (wobei er heute morgen verkündet hat: „Mimmi groß“) gewesen. Man kann die Schlucht auch gut mit Kraxe machen, uns kam ein Mann mit Kind auf dem Rücken entgegen (der uns dann auch nochmal gewarnt hat, dass da ziemlich viele Stufen, so ein paar hundert, auf uns zu kommen). Die Schlucht ist abwechselnd total wild und dann gibt es immer wieder liebliche Stellen, wo Kinder und Erwachsene im Wasser spielen und Steinmännchen bauen. Oben angekommen wimmelte es von Menschen aus aller Herren Länder, war wirklich eine bunte Mischung aus allen möglichen Sprachen zu hören und gar nicht so japanisch, wie ich erwartet hätte (Oder ist Neuschwanstein nicht mehr Teil von „Europe in a week“?). Die Marienbrücke war im vorderen Teil so überfüllt, dass man wirklich kaum durchkam und im hinteren Teil total leer, obwohl man das Schloss von dort genauso gut sehen konnte.

Den Rückweg haben wir dann über die Rodelbahn (im Winter), einem breiten, recht steilen Schotterweg, angetreten. Im unteren, nicht mehr so steilen Teil ist der kleine Mensch auch viel gerannt, es hat ihm sichtlich Spaß gemacht, die Hangabtriebskraft auszunutzen.

Wieder in Hinang angekommen, haben wir dann unserem Gastgeber noch beim Kuh auf die Weide treiben Gesellschaft geleistet und ein wenig im Garten gesessen und wie jeden Abend beim Melken zugeschaut.

Oytal

Heute sind wir dann dem Tipp unserer Gastgeberin gefolgt und sind zur Käseralpe oberhalb von Oberstdorf gewandert. Der kleine Mensch hat schon auf der Hinfahrt die ganze Zeit vom Wandern erzählt. In Oberstdorf haben wir den erstbesten Parkplatz genommen, der sich bot und sind von dort aus mit dem Ortsbus bis zur Nebelhornbahn gefahren. Allerdings haben wir die Bahn nicht genommen, sondern sind zuerst die Trettach entlang gegangen und dann den Dr. Hohenadl Weg entlang des Oybachs ins Oytal gewandert. Im unteren Teil ist es ein gewöhnliches relativ enges Tal, ab etwa 1000 m ü. NN geht es in ein hochalpines, breites, teilweise parkartiges Tal über.

Weiter ging es dann über die Via Alpina den Oybach weiter hinauf. Ab dem Prinzenkreuz wurde es dann steiler, bei über 30 Grad war der Anstieg so knackig, dass wir sogar einige Mountainbiker abgehängt haben, die ihr Velo lieber geschoben haben als im ersten Gang den Berg rauf zu hecheln. Oben angekommen eröffnet sich aber wieder ein wunderschönes Tal, eher ein Kessel, mit einer senkrechten Wand am Ende, an deren Fuß die Käseralpe liegt.

Dort trafen wir dann unsere Gastgeber, die ihr Jungvieh auf der Käseralpe und am Eissee besucht hatten. Nach einer ausgiebigen Mittagspause boten die Gastgeber uns an, dass sie uns ein Stück mit ins Tal runter mitnehmen könnten. Wie sich herausstellte, waren sie nämlich mit dem Traktor (Fendt 275 S) dort. Also bin ich mit dem kleinen Menschen und dem Bauern in die Kabine geklettert, der Liebste, die Bäuerin und ihr Enkel haben sich hinten auf die Ackerschiene gestellt und so ging es dann wieder Richtung Oytal. Lieber schlecht gefahren als gut gelaufen, lautete die Devise und so ist der Liebste nun schon zum zweiten Mal in den Genuß gekommen, auf dem Trecker mit zu fahren. Es war seinem Bericht nach aber viel abenteuerlicher und landschaftlich schöner als das Gülle fahren auf der Wiese (vom geruchlichen Aspekt ganz zu schweigen). Und der kleine Mensch und ich fanden es auch prima, der Beifahrersitz ist nämlich viel besser als was ich bisher so vom Treckerfahren kannte. Am Oytalhaus wollten wir gerne die Kutsche runter nach Oberstdorf nehmen, aber die war leider schon mit einer Kaffeefahrt voll, so dass wir das letzte Stück wieder am Oybach entlang nach unten gelaufen sind. Es ist eine lange Tour (10 km eine Strecke), die nur im letzten Teil eine nennenswerte Steigung aufweist und deshalb mit ausgiebigen Pausen in 3 Stunden (pro Strecke) machbar ist. Beim Rückweg haben wir ja etwas beschissen, aber ich schätze, dass der nur ungefähr eine halbe Stunde kürzer gewesen wäre. Ob man die Kutschenfahrt als Einzelperson/Familie im Vorraus buchen kann, weiß ich nicht, ohne Traktorlift ist es aber schwierig die zu erreichen, da die letze Kutsche um 14:30 Uhr abfährt.

Alternativ kann man sich am Oytalhaus Roller mieten und nach Oberstdorf runterrollen, was uns aber mit der Kraxe auf dem Rücken zu heikel war.

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3 Gedanken zu „Allgäu, Tag 6-7

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