31.07.08 Mývatn – Dettifoss

Diesmal klingelte der Wecker schon um 6:15 Uhr, da Mama und Frank die Hoffnung hatten, so noch 2 freie Duschen zu erwischen, was aber leider nicht der Fall war. Da die Sonne um 6:45 Uhr schon so hoch stand wie zu Hause um 10 Uhr und es auch ungefähr schon so warm war, beschlossen wir, draußen in der Sonne an einem Tisch zu frühstücken, der auf dem Zeltplatz auf der Wiese stand. Das Frühstück war wieder einmal sehr üppig, zumal wir die frischen Sachen, die wir in Egilsstaðir gekauft hatten, noch aufessen mussten.
Danach haben wir in aller Ruhe das Zelt abgebaut und alles überflüssige Essen in die kleinen Rucksäcke gepackt, die wir auf dem Zeltplatz lassen konnten.
Ein wenig in der Sonne liegen und um 11:30 Uhr sollte der Bus losfahren. Der Busfahrer war eine Klasse für sich, irgendwie hatte er nicht so ganz den überblick, wer zu wem gehörte und da er kein Englisch verstand (was sehr ungewöhnlich für Islander im allgemeinen ist), war es auch nicht so einfach, ihm das klarzumachen. Als dann um 11:30 Uhr auch noch 6 Franzosen mitsamt Gepäck auftauchten und mitfahren wollte und die Ladeluke nochmal geöffnet werden musste, war das Chaos dann perfekt. Vorher hatte er noch versucht, einer Gruppe von 15 Pfadfindern das Busticket zu entlocken, aber das hatten diese schon in dem Bus, mit dem sie am Mývatn ankamen, abgeben müssen. Ein Dolmetscher hat dieses Problem glücklicherweise gelöst.
Der Bus fuhr zuerst zur Krafla, ein Geothermalgebiet mit recht neuen pechschwarzen Lavafeldern aus den 1980er Jahren und dem Krater Viti inkl. Kratersee.

Dort hatten wir aber nur 5 Minuten Aufenthalt, aber nächste Woche haben wir ja noch ein bisschen Zeit, uns das anzuschauen. Dann ging es über eine Schotterpiste etwa 20 km durch die Wüste und wir waren alle froh, dass wir diese Strecke nicht laufen mussten. Am Parkplatz des Dettifoss angekommen, ereilte uns kurzfristig ein kleiner Schock, da der Busfahrer des Busses aus Ásbyrgi (der konnte nämlich englisch) erzählte, hier gäbe es kein Trinkwasser. Also überlegten wir kurz, ob wir die erste Etappe doch heute noch in Angriff nehmen sollten. Nach der Besichtigung des Zeltplatzes inkl. zweier halbvoller Trinkwasserkanister beschlossen wir aber doch, auf diesem bis dahin verwaisten Zeltplatz zu bleiben.
Wir bauten zuerst einmal die Zelte auf

und machten uns danach auf den Weg zu den Wasserfällen. Wir entschieden uns, dass ganz große Kino für später aufzubewahren und gingen zuerst zum Selfoss. Man geht ein ganzes Weilchen auf den Wasserfall zu und kann sich das Spektakel in aller Ruhe anschauen. An den Seiten gibt es ganz viele kleine Wasserfälle und die typischen Basaltsäulen, der ganze Wasserlauf rennt aber eigentlich dem V-förmigen Schlund in der Mitte entgegen. Am Ufer gibt es immer wieder Stellen, an denen das Wasser ganz ruhig steht, und der darin schwimmende Bimsstein sieht auf den ersten Blick aus wie Hasenköttel.

Anschließend sind wir dann zum Dettifoss gelaufen und diesen Wasserfall kann man mit Worten kaum beschreiben. Unglaubliche Wassermassen donnern mit einem riesigen Getöse über die Klippe und man kann das Ende des Wasserfalls gar nicht sehen, weil das Wasser so stäubt, dass alles in einem weißen Nebel verschwindet.

Dafür gibt es bei soviel Sonnenschein, wie wir in heute hatten, einen fast vollständigen Regenbogen zu sehen (in manchen Momenten war er wirklich komplett). Durch die natürliche Sprinkleranlage unterscheidet sich die Vegetation vor und nach dem Wasserfall eklatant. Oben karger Wüste mit ein paar zähen Gräsern und anderen Gewächsen unten knallgrünes saftiges Moos.

Zurück am Zeltplatz hatten mittlerweile 2 Wanderer ihr Sonnensegel aufgeschlagen, unter dem sie ein Mittagsschläfchen hielten. Nach ein wenig in der Sonne sitzen, haben wir uns auch nochmal aufs Ohr gehauen, bis 2 Schweizer vorbeikamen und die Frischwasservorräte begutachteten. Da wir nicht genau wussten, wie lange die Kanister schon dort standen, haben wir das Wasser vorsichtshlaber abgekocht.
Nach dem Abendessen haben wir uns dann noch sehr nett mit den Schweizern unterhalten, die von der Krafla aus in 2 Tagesmärschen hierher gelaufen sind und heute abend auch noch ein kleines Stückchen weiter gelaufen sind, damit sie morgen noch in Áusbyrgi ankommen. Und dies alles nur, um am Samstag einen freien Tag zu haben. Als wir zum Pinkeln nochmal auf den Rand der Senke, in der der Zeltplatz liegt, stiegen, sahen wir eine Frau, die sich mit einem 25l-Kanister abschleppte. Philip hat ihr diesen dann abgenommen und sie hat dann noch einen 2. davon gebracht, der ihr auf halber Strecke dann auch wieder abgenommen wurde. Nun ist gluecklicherweise genug Wasser für die mittlerweile ziemlich vielen Trekker und Fahrradfahrer (von Ásbyrgi bis zur Askja unterwegs, geplant in 2 Tagen vom Dettifoss zur Askja! Immerhin auf guten Rädern, Wanderer-Stahlrahmen mit Tubus-Trägern und Rohloff-Schaltung, und mit sehr innovativem selbstgebastelten Ladegerät, das Handy und GPS Mithilfe des Nabendynamos lädt!) da und wir sind uns sicher, dass wir es nicht abkochen müssen. Da morgen 18km Weg vor uns liegen, planen wir, so gegen 6:00 aufzustehen, damit wir vielleicht noch ein wenig alleine auf dem Weg sind und vielleicht auch die beiden Schweizer nochmal einholen. 😉

Aus gegebenem Anlass hier noch ein kleiner Tipp für die weiblichen Trekker: Wenn man auf einer Tour, bei der man jeglichen Müll mit sich rumschleppen muss, gerne darauf verzichten möchte, dies auch mit benutzten Tampons oder Binden zu tun, wäre vielleicht eine Menstruationstasse eine sinnvolle Anschaffung. Ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig und 100%-ig überzeugt bin ich auch noch nicht von dem Ding, aber in solchen Fällen sehr praktisch!

Campingplatz Dettifoss
– kostenlos
– Plumpsklo am Parkplatz, 300m weit weg
– Frischwassercontainer, werden regelmaessig aufgefuellt,
wenn moeglich (Anfahrt mit dem Bus) Wasservorraete selbst
mitbringen
– nicht ganz so einsam wie erhofft
– in einem kleinen Tal, aber recht karg

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Ein Gedanke zu „31.07.08 Mývatn – Dettifoss

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