Tandem oder Rennrad?

Dass mein Liebster eine kleine Macke hat, was Fahrräder (oder Velos, wie man hier so schön in der Schweiz sagt, Gruß an meine Mama) angeht, das weiß ich ja, aber dass er mich mittlerweile schon angesteckt hat, das macht mir ja schon ein wenig Sorgen. Am Samstag waren wir in einem Tandemladen. Von einem Tandem träume ich ja schon seit der Schulzeit, als so zwei verrückte Jungs sich so ein Ding geteilt haben und jeden Tag damit gemeinsam zur Schule gefahren sind.

In Dortmund haben Philip und ich das schonmal ausprobiert, allerdings gab es in dem Fahrradladen dort nur ein einziges Tandem zur Auswahl und so richtig viel Ahnung hatten die Leute dort auch nicht. In Philips bevorzugtem Fahrradladen in Hamburg war die Antwort auf die Frage nach so einem Ding: „Ja, können wir bestellen, wenn ihr wisst, was ihr wollt.¨ Ja, woher soll man wissen, was man will, wenn man es nie so richtig ausprobieren kann? Und wenn man mindestens 2000 Euro für so ein Ding ausgibt, dann will man schließlich auch nicht die allergrößten Kompromisse machen, nur weil man es nicht besser wusste. Egal, nun haben wir ja diesen Tandemladen entdeckt und dort stehen ca 10 Tandems im Laden rum und man kann sich die ausleihen und ausprobieren. Und der Typ in dem Laden wusste nach 3 Minuten, welche Modelle überhaupt für uns in Frage kommen und welche nicht. Leider waren wir etwas spät dran, so dass das mit dem ausprobieren am Samstag nicht mehr in Frage kam und wir das auf nächsten Samstag verschoben haben, hoffen wir mal auf so schönes Wetter wie an diesem Wochenende. Eine zentrale Frage beim Testen wird wohl sein, ob wir das Ding in den Fahrradkeller bugsiert bekommen, denn sollte das nicht möglich sein, dann können wir den Traum schön weiterträumen, denn 2000 Euro lasse ich nciht so draußen vor der Tür stehen. Eine andere Frage ist der Lenker, denn Philip schwärmt schon immer von den soooo bequemen Rennradlenkern. Das kann ich mir ja so gar nicht vorstellen, ich finde die Körperhaltung auf so einem Rennrad sieht eher danach aus, als sei sie was für Masochisten. Nachdem wir das mit den Tandems soweit geklärt hatten, haben wir uns noch ein wenig in dem normalen Fahrradbereich umgeschaut und da gab es ein Rennrad, was auf den ersten Blick so aussah, als sei es klein genug, als dass ich es mal ausprobieren könnte. Denn nicht nur Philip schwärmte von den bequemen Rennradlenkern, sondern auch der Typ, der uns beraten hat, war seiner Meinung. Also habe ich die „Kundenberaterin“ (auf meine Frage, ob sie Fahrradmechanikerin sei, antwortete sie „Nein, eigentlich bin ich Germanistikstudentin“, ich weiß bis heute nicht, ob sie das ernst meinte oder ironisch…) gefragt, ob sie mir den Sattel ein wenig tiefer machen könne, ich wolle mal ausprobieren, ob so ein Rennrad wirklich so bequem sei, wie hier alle behaupten. Sie hat sich dann voll ins Zeug gelegt, mir nicht nur den Sattel niedriger gemacht, sondern gleich einen Frauensattel montiert und mir erklärt, dass der Lenker so wie er eingestellt sei, ihrer Meinung nach nicht bequem sei. Ich habs dann ausprobiert und fast ein bisschen um mein Leben gebangt, denn so richtig bremsen konnte ich damit nicht, wenn ich unten gefasst habe, ich kam kaum an die Bremshebel ran. Also hat die gute Germanistikstudentin (die eigentlich Fahrradmechanikerin ist) die Bremshebel noch ein wenig verstellt und dann war es tatsächlich gar nicht mehr so unbequem, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber was mich viel mehr fasziniert hat, dass man so unglaublich leicht antreten konnte mit dem Ding und ich mich total sportlich darauf gefühlt habe. Ich war fast ein wenig verliebt in das Teil, allein die Tatsache, dass wir doch eigentlich ein Tandem haben möchten hat mich davon abgehalten, ernsthaft über den Kauf eines Rennrades nachzudenken. Aber geschenkt würde ich es sofort nehmen!!!
Nächste Woche steht jetzt erst mal der Tandem-Kellertauglichkeitstest aus und wenn der negativ ausgehen sollte (bitte, bitte nicht!), dann könnte ich tatsächlich nochmal versucht sein, über meine neu entdeckte Faszination für ein Rennvelo nachzudenken.

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3 Gedanken zu „Tandem oder Rennrad?

  1. Moin Miriam! War schon immer mein Reden, ueber Rennräder darf man nur mosern, wenn man’s mal ausprobiert hat – danach will nämlich keiner mehr 😉 Ausserdem habe ich eine Theorie zum Ursprung der ‚Drehumdiebolzeninginieure‘. Stell Dir vor, zwei Ingenieurstudenten machen eine Rennradausfahrt und werden von einer gut rollenden Gruppe überholt. Sie hängen sich dran, lutschen ein bisschen, und sind trotzdem bald platt – bis dann einer vorschlägt: „Lass uns umdrehen, die sind ganz schön am bolzen“. Das sind dann in den Augen der anderen Nieten, oder halt etwas freundlicher ‚Dreh-um-die-bolzen-Ingenieure’…

  2. Interessante These, aber ich finde die Sache mit dem Schlittenhang trotzdem attraktiver. Dazu kannst du natürlich nichts sagen, da du Flachlandindianer noch nie einen Schlitten den Hang raufziehen musstest 😉

  3. Ich würde sagen, dass es eher am Schnee als an den nötigen Hängen mangelt, aber gut. Ob Rodeln oder Radfahren, ein drehbarer Hang ist immer eine tolle Idee (wenn ich dem Physiker in mir das Denken mal verbiete)!

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