Ziviler Ungehorsam

Am Wochenende war ich in Berlin. Seltsam genug, schließlich war ich nach einem Jahr Berlin im November 2004 heilfroh in das beschauliche Zürich ziehen zu können. Aber für einen Besuch am Wochenende bin ich mittlerweile wieder zu haben und kann das Großstadtflair auch wieder richtig genießen. Was allerdings kein Genuss war, waren die Kneipen in der Oranienstraße (nicht zu verwechseln mit der Oranienburger Straße!).

Seit dem 01.01.2008 gilt auch in Berlin das Rauchverbot in Gaststätten und Kneipen. Daran halten tut sich allerdings keiner. Zuverlässige Quellen berichten sogar, dass plötzlich sogar die Nichtraucher aus Protest anfangen zu rauchen.

Das Erlebnis in einer Kneipe dieses subversiven Kreuzberger Kiezes war schon sehr irritierend, um nicht zu sagen beleidigend. An der Tür prangte ein gut sichtbares Rauchverbotsschild.
Drinnen wurde allerdings gequalmt, was das Zeug hielt. Auf unser Nachfragen bei der Kellnerin, wofür denn bitte das Schild an der Tür da sei, wurde in recht patzigen Ton erwidert, dass ihr Chef verantwortlich sei. Da fühlt man sich als zahlender Gast schon verarscht. Auch Philips Hinweis, dass sie, würde sie in der chemischen Industrie arbeiten, ihren Arbeitgeber wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen verklagen könne, wäre sie dort den Giftkonzentrationen ausgesetzt, die in einer Kneipe vorherrschen, wurde mit Ignoranz quittiert.

Ziviler Ungehorsam kann ja manchmal sehr sinnvoll sein. Aber in dem Fall des Rauchverbots halte ich das, was ich am Wochenende erlebt habe, für eine sehr billige Art des Aufbegehrens gegen zuviel staatliche Regulation. Mal ganz davon abgesehen, dass es nicht wirklich politisch motiviert ist, auch wenn die ach so unangepassten Studenten, die typische Klientel in der Oranienstrasse, das warhscheinlich von sich denken. Beim Boykott des Rauchverbotes geht es nämlich gar nicht wirklich darum aufzuzeigen, dass man nicht jeden Schwachsinn des Gesetzgebers mitträgt, sondern um schlicht egoistische Beweggründe, ein wenig politisch verklärt dargestellt. Gesetze sollen vor allem ein Zusammenleben ermöglichen und die Gemeinschaft vor egoistischen Eingriffen einzelner in die Unversehrtheit anderer schützen. Es liegt auf der Hand, dass es beim Rauchverbot nicht darum geht, einem Raucher vorzuschreiben, wo er zu rauchen hat, sondern darum, dass die Nichtraucher (die die Mehrheit in der deutschen Bevölkerung stellen) nicht unter den Folgen der rein egoistisch motivierten Befriedigung der Sucht einer Minderheit zu leiden haben.

Natürlich gibt es Gesetze, die nicht sinnvoll sind und da gehört es zu meiner staatsbürgerlichen Pflicht, mich gegen solchen Gesetze zu wehren und wenn es sein muss auch, indem ich dieses Gesetz nicht beachte. Dies trifft zum Beispiel auf das Abspielen von legal erworbenen DVDs auf einem legal erworbenen Computer mit einem von mir gewählten Programm zu. An dieser Stelle wird meiner Meinung nach unzulässig vom Staat regulatorisch eingegriffen, wenn dies mit open source Software verboten ist. Und deshalb schaue ich DVDs ausschließlich mit dem mplayer an, was mir ermöglicht, auch DVDs, die ich in den USA erworben habe, und inklusive Zollerklärung eingeführt habe, ebenso problemlos abzuspielen wie DVDs mit einem europäischen „region code“.

Und für alle die, die nun sagen, dass ich mir alles „strack schwätze“: Meiner Meinung ist es vollkommen in Ordnung, dass andere Menschen der Meinung sind, dass das Nichtbeachten des Rauchverbotes ein probates „politisches“ Mittel ist. Ich bin allerdings der Meinung, dass es Themen gibt, die viel eher zu zivilem Ungehorsam aufrufen sollten und es im Falle des Rauchverbotes eben gar keine wirkliche politische Motivation dahintersteckt.

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