Und wieder mal ein Ausflug ins Hochgebirge

Nachdem der Liebste und ich Anfang Juni eine Hochtour mit dem ASVZ gemacht haben und wir uns einig waren, dass wir wenig Lust auf Stress, Leistungsgrenze und Schnee bis zu den Oberschenkeln haben, konnte ich den Liebsten dennoch dazu überreden, mal Gletschertrekking mit einem kommerziellen Anbieter auszuprobieren. Und so sind wir am letzen Wochenende vom Trift- zum Rhonegletscher gewandert.

Die ersten paar hundert Höhenmeter legten wir mit der Seilbahn zurück, aber dennoch standen uns noch etwa 1000 Höhenmeter bis zur Trifthütte bevor. Aber wir waren im absoluten Wohlfühltempo unterwegs, also Stress und Leistungsgrenze war schonmal ausgeschlossen, zum Glück.

Der Höhepunkt des ersten Tages war auf jeden Fall die 110 m lange Hängebrücke über die Triftschlucht. Diese Brücke wurde vor 2 Jahren gebaut, nachdem sich der Triftgletscher soweit zurückgezogen hatte, dass es immer schwieriger wurde, die Trifthütte über die Gletscherzunge zu erreichen, an deren Stelle nun ein großer See ist. Sehr eindrücklich sieht man das auf diesen Photos (ja, Berge = was zu sehen = Photos ;-)).

Dieses Bild habe ich auf der Webseite von Faszination Trift gefunden und ist von 2005:


und hier ungefähr die gleiche Perspektive zwei Jahre später:

Mehr interessante Infos zum Gletscherrückzug gibt es hier.

Das überqueren der Brücke hat mich schon einige Überwindung gekostet, aber ich bin mächtig stolz, dass ich der Höhenangst mal wieder frech ins Gesicht lachen konnte 😉
Die Landschaft auch oberhalb der Brücke war erstaunlich grün und wild, es gab sogar noch Blaubeeren! Aber irgendwann war es dann doch vorbei mit Vegetation und auch mit Sonne, der Nebel zog immer mehr ein, so dass wir das letzte Stück bis zur Hütte dann ganz freiwillig so schnell wie möglich gegangen sind, weil es einfach ganz schön kalt war.
Wir konnten dann der Hüttenwartin beim Kochen zuschauen, da die Trifthütte im Moment umgebaut wird, und Speiseraum und Küche deshalb zur Zeit in einem Provisorium untergebracht sind. Der Liebste war einigermaßen über die Behandlung der Spaghetti entsetzt, die nach dem Kochen mit Flüssigbutter und gekörnter Gemüsebrühe „verfeinert“ wurden. Und auch der schweizer Bergkäse zur Bolognesesauce war geschmacklich nicht unbedingt ein Highlight. Aber wie dann beim Essen festgestellt wurde, nach so einer Anstrengung schmeckt fast jedes Essen wie ein Festmahl.

Am nächsten Morgen hieß es dann um 5:15 Uhr aufstehen, ich hab keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber es ging erstaunlicherweise ganz gut. Hatte wahrscheinlich gerade eine Leichtschlafphase erwischt. Um 6:15 ging es dann los, zuerst ein kleines Stück abwärts zum Gletscher, wo dann Steigeisen und Klettergurt angelegt wurden. Dann stapften wir in Reih und Glied angeseilt im Schatten über den Triftgletscher Richtung Undris Triftlimi, im Rücken die sonnenbeschienenen Gipfel der Zentralschweiz. Um 9 Uhr gabs dann die erste Pause, in der sich mal wieder herausstellte, dass Frauen in der Schöpfung wirklich benachteiligt wurden. Denn wie, bitte schön kann man auf einem Gletscher, der mit Schnee bedeckt ist, man also nicht weiß, ob man gerade auf einer Spalte steht und einbrechen könnte, sicher pinkeln als Frau? Glücklicherweise gab es noch eine apere Stelle, auf der wir das Seil abnehmen durften und dann unter Beobachtung der gesamten Gruppe pinkeln durften (denn Büsche gibts auf dem Eis natürlich auch keine).


In der Sonne war es dann angenehm warm und so stapften wir weiter aufwärts, bis wir dann so gegen 10 Uhr die Lücke zwischen Trift- und Rhonegletscher und damit den höchsten Punkt der Tour erreichten. Ab nun ging es eigentlich nur noch abwärts, und zwar den Rhonegletscher in seiner ganzen Länge. Mir fehlen mal wieder die Worte, zu beschreiben, wie sich dieser Anblick, die Stille und überhaupt die Atmosphäre angefühlt hat, es war einfach unbeschreiblich schön.


Etwas Stress gab es dann am Ende leider doch noch, da das Postauto um 14:10 Uhr ab Belvedere/Furka abfahren sollte und wir um kurz nach 2 an der Eisgrotte (für Touristen in das Eis gebohrt) ankamen. Also schnell die Steigeisen in die Hand genommen und losgerannt. Der Bus war so voll, dass es einige Überredung des Fahrers brauchte, damit er uns noch mitgenommen hat.

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2 Gedanken zu „Und wieder mal ein Ausflug ins Hochgebirge

  1. Es macht immer mal wieder Spass bei Dir nachzulesen!Habe den Eindruck das du mehr zum SPass dort bist als zum studieren!? Du wärst doch sicher auch ins Flachland zur Promotion gegangen, oder? 😉

  2. Ich hab ja sogar eine Diss im Flachland angefangen, wie du dich vielleicht erinnern kannst 😉 Aber es ist doch schön, wenn man das angenehme mit dem nützlichen verbinden kann.

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