Eine radikale Minderheit

Als ich heute morgen bei SpiegelOnline las, das der Geschäftsführer der DIHK, Martin Wansleben, fordert, man solle sich gefälligst während seines Urlaubs weiterbilden, da musste ich mal wieder an „Die neuen Staatsfeinde“ von Jan Roß denken. Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob er in seinem Buch den Arbeitgeberverband als „radikale Minderheit“ bezeichnete, oder ob ich das irgendwoanders her habe (Philip? ;-)), jedenfalls scheint mir die Deutsche Industrie- und Handelskammer dieser Minderheit auch anzugehören. Manchmal frage ich mich allerdings, wie dumm können eigentlich diese Menschen, die nach eigener Auffassung wahrscheinlich zur geistigen Elite in Deutschland gehören, sein? Da werden jahrelang Arbeits- und Ausbildungsplätze abgebaut, außertarifliche Leistungen wie betriebliche Weiterbildungen gestrichen und nun sollen die Arbeitnehmer bitteschön mal was gegen den Fachkräftemangel tun. Lernt man im BWL-Studium eigentlich sowas wie nachhaltiges Denken? Der deutschen Wirtschaft ging es die ganzen letzten Jahre nicht schlecht, es war der Staat, der bankrott war, es krankte an der Binnennachfrage und diese Stimmung im Land nutze diese radikale Minderheit aus, um ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit und des Staates immer weiter zu maximieren. Nun ernten sie die Früchte ihrer Arbeit, und auf einmal ist von Fachkräftemangel die Rede. Könnte das vielleicht daran liegen, dass die Industrie sich weigert, junge Menschen auszubilden? Könnte es vielleicht daran liegen, dass die soziale Undurchlässigkeit des deutschen Bildungssystems noch verschärft wurde durch Studiengebühren? Dass sogenannte „High Potentials“ ihr Potenzial lieber im Ausland ausschöpfen, weil sie dort deutlich mehr verdienen? Deutschland ist mittlerweile ein Niedriglohnland in Europa, und das nicht nur bei den Nettolöhnen, sondern auch die Lohnstückkosten sind extrem niedrig im europäischen Vergleich. Und das, obwohl die Deutschen so faul sind und 40 bezahlte Urlaubs- und Ferientage haben… Da ist doch wirklich noch Potenzial, um die Geweinnmargen weiter in die Höhe zu treiben.

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